Rinder und Waldböcke

Gayal

Gayal (Bos gaurus f. frontalis) ehemals im Zoo Heidelberg Gayal (Bos gaurus f. frontalis) ehemals im Zoo Heidelberg
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Unterfamilie: Echte Rinder (Bovinae)
Tribus: Rinder i. e. S. (Bovini)

D NB 650

Gayal

Bos (Bibos) gaurus f. frontalis • The Gayal or Mithan • Le gayal ou mithan

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Gayal (Bos gaurus f. frontalis) im Zoo Heidelberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Hauptverbreitung des Gayals (Bos gaurus f. frontalis)

 

 

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Gayal (Bos gaurus frontalis) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Gayal (Bos gaurus f. frontalis) im Thrissur Zoo, Kerala © Challiyan auf Wikimedia Commons. Veröffentlicht unter Attribution 3.0 Unported (CC BY 3.0)-Lizenz

 

 

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Gayal (Bos gaurus f. frontalis) im Zoo Heidelberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Gayalkalb (Bos gaurus f. frontalis) in Kolmårdens Djurpark © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gayale (Bos garus frontalis) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Gayal (Bos garus frontalis) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Der Gayal, höchstwahrscheinlich eine domestizierte Form des Gaur, ist eine in relativ geringer Zahl gehaltene Hausrind-Form aus Südasien. In europäischen Zoos ist sie heute kaum noch zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Gayal ist etwas kleiner als seine Wildform, der Gaur. Seine Kopf-Rumpflänge beträgt (250-)270-280 cm, die Schulterhöhe 140-160 (120-170) cm, die Schwanzlänge 70-100 cm, das Gewicht bei den Bullen 400-560 kg, bei den Kühen 350-400 kg. Die Beine sind kürzer als beim Gaur, der Rückenkamm ist fast gerade, der Schädel ist gegenüber der Wildform verkürzt und verbreitert, weshalb der Gayal auf Deutsch auch Stirnrind genannt wird. Auch die kegelförmigen Hörner sind kürzer und plumper. An Kinn und Hals befindet sich eine meist stark entwickelte Doppelwamme [2; 3; 5].


Verbreitung

Südasien: Bangladesch, Bhutan, Nordostindien in den Teilstaaten Arunachal Pradesh, Nagaland, Manipur und Mizoram, in Burma in den Bezirken Chin, Kachin und Sagaing sowie in angrenzenden Gebieten Südchinas [9].

Lebensraum und Lebensweise

Gayale werden meisten extensiv gehalten oder verwildern ganz. Verwilderte Tiere leben in Wäldern in Höhenlagen von 300-3'000 m. Sie bilden kleine, gemischtgeschlechtliche Herden. Bullen sind oft Einzelgänger. Nach einer Tragzeit von 275-285(-296) Tagen wird in der Regel ein einzelnes Kalb mit einem Gewicht von 16-25(-33) kg geboren. Die Kälber werden mit 7-9 Monaten entwöhnt [3; 5; 7].

Haltung und Nutzung

Nach Angaben der FAO beträgt der Weltbestand an Gayalen etwa 150'000 Tiere. Diese werden oft halbwild und vor allem als Opfertiere gehalten, deren Fleisch bei religiösen Festen gegessen wird. Gebietsweise werden sie als Arbeitstiere eingesetzt. Beim Volk der Nagas dienen Gayake als Zahlungsmittel, so kann z.B. der Brautpreis in Gayalen bezahlt werden. In jüngerer Zeit wurde versucht, Gayale zur Milchproduktion einzusetzen, was aber bei einer Tagesmenge von 2-4 Litern nicht gerade erfolgreich war. Gayal und Hausrind sowie Gayal und Yak lassen sich kreuzen [4; 5].

Haltung im Zoo: Der Tierpark Berlin ist der einzige Zoo im EU/EFTA-Raum, der Gayale zeigt. Ansonsten findet man sie nur noch in der Ukraine. Der Tierpark hatte seine ersten Tiere 1963 erhalten. Ausgehend von 3 Zuchttieren wurden bis 2003 112 Kälber nachgezogen [6].

Der Londoner Zoo erhielt seinen ersten Gayal im Jahr 1865. Im Zoo Berlin wurden Gayale mit Unterbrüchen von 1898 bis 1979 gehalten.

Das von WEIGL angegebenen Höchstalter im Zoo liegt bei 20 Jahren und 4 Monaten, erreicht von einem im Zoo Berlin gehaltenen weiblichen Tier [8].

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 ist auf den Gayal anwendbar. Für bis zu 5 Tiere soll ein Gehege von 400 m² vorhanden sein, für jedes weitere Tier 30 m² mehr. Stallfläche 6 m²/Tier. Das Säugetiergutachten gibt vor, dass für tropische Rinderarten die Stalltemperatur mindestens 18°C betragen muss. Dies wäre auf den Gayal anwendbar. Rinderställe werden aber in der Regel ohne Schaden für die Tiere nicht beheizt, es sei denn es würden darin auch kleinere Tiere, wie Antilopen, gehalten. Die vom Gutachten für Einzelboxen vorgegebenen 6 m² sind für Gayale etwas zu knapp. Für Bullen bzw. Kühe mit Kalb sollte man nicht unter 8 m² gehen. Falls bei Haltung in Gemeinschaftsstall Liegeboxen vorgesehen sind, sollten diese 130 cm breit sein

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für bis zu 5 Tieren ein Gehege vor, dessen Grundfläche 500 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 80 m² zur Basisflächen dazu. In der Stallung ist für jedes Tier 8 m² anzubieten.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) sind für 1-5 Tiere 800 m² erforderlich, für jedes weitere 80 m² mehr, ferner eine Stallfläche von 10 m²/Tier. Die Stalltemperatur muss mindestens 18ºC betragen. Die Tiere sind paarweise, in Familiengruppen oder Herden zu halten.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Gayal gilt als domestizierte Form des Gaur. Einige Autoren sind der Ansicht, dass es sich auch um eine Kreuzung zwischen dem Gaur und einem bereits domestizierten Rind handeln könnte, oder aber einer eigenständigen Art, bei der die Wildform bereits ausgestorben ist. Er wurde 1804 von Aylmer Bourke LAMBERT einem englischen Botaniker, als Bos frontalis erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die Erstbeschreibung seiner Wildform, des Gaur, erfolgte 1827 durch den Oberstleutnant Charles Hamilton SMITH, einen wissenschaftlichen Illustrator und autodidaktischen Naturforscher unter der Bezeichnung Bos gaurus. 1958 wurde vorgeschlagen, dass grundsätzlich der Name der Wildform Vorrang vor dem Namen der Haustierform haben soll, was, wie im vorliegenden Fall, der Prioritätsregel widerspricht, wenn das Haustier vor dem Wildtier beschrieben wurde. Der Name der Wildtierform sollte im Falle von Haustieren durch "forma [Haustiername]" (oder "forma domestica") ergänzt werden, im vorliegenden Fall also: Bos gaurus f. frontalis. 2003 legte die Internationale Nomenklatur-Kommission Bos gaurus als offiziellen Artnamen fest[1; 3].

Literatur und Internetquellen

  1. BOHLKEN, H. (1958)
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. CASTELLÓ, J. R. (2016)
  4. FAO THE AGRICULTURAL POTENTIAL OF MINOR SPECIES OF FARM LIVESTOCK IN THE OLD WORLD
  5. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  6. POHLE, C. (2003)
  7. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  8. WEIGL, R. (2005)

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