Lebensräume in Eurasien

Gewässer und Feuchtgebiete

Der 11 ha große Lac de Champex, ein Bergsee auf 1'467 m Höhe im Kt. Wallis Der 11 ha große Lac de Champex, ein Bergsee auf 1'467 m Höhe im Kt. Wallis
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

(9.0) Allgemeines
(9.1) Seen und Stauhaltungen
(9.2) Fließgewässer
(9.3) Flachseen
(9.4) Kleingewässer
(9.5) Feuchtgebiete

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Allgemeines

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Pochtenfall im Suldtal, Berner Oberland © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Die Engstlige, ein frei fließender Alpenfluss, bei Hohstalden, Berner Oberland © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Mauensee, ein 55 ha großer Kleinsee im Schweizer Mittelland © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Torfstichweiher im Naturschutzgebiet Düdinger Moos, Kanton Freiburg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Berufsfischer auf dem Bodensee - Bild Land Vorarlberg, www.vorarlberg.gv.at

 

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Seerosengesellschaft mit Gelber Teichrose (Nuphar lutea) und Tannenwedel (Hippuris vulgaris), Aare-Altwasser, Naturschutzgebiet Häftli, Kt. Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Renaturierter Lauf der alten Aare bei Aarberg, Kt. Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Vom Biber angenagter Stamm am Aarestau Niederried, Kt. Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Biberdurchgängige Fischtreppe zwischen der Alten Aare und dem Stau des Wasserkraftwerkes Aarberg, Kt. Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Fischpass beim Aarekraftwerk Ruppoldingen, Kt. Solothurn © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Höckerschwäne (Cygnus olor) auf dem Wohlensee bei Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Kolbenente (Netta rufina) mit Jungen auf dem Neuenburgersee bei Chevroux © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Mittelmeer-Silbermöwen (Larus nmichahellis) auf Mole im Neuenburgersee © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Gewässer und Feuchtgebiete sind Lebensräume einer artenreichen Tierwelt. Nicht nur die Fische, sondern auch alle heimischen Amphibien sind auf sie angewiesen. Im Binnenland leben hier rund ein Viertel der Brutvogelarten, ferner sind einige wenige Reptilien und Säugetiere ans Wasser gebunden. Währenddem für Fische und die aquatische Herpetofauna die Art des Gewässers entscheidend ist, spielt dies für Vögel und namentlich Säugetiere eine Nebenrolle. Wichtiger sind das Nahrungsangebot und das Vorhandensein einer geeigneten Umgebung für die von den Tieren benötigte Infrastruktur.

Die Größe und Zusammensetzung der Fischpopulation eines Gewässers hängen ganz wesentlich vom Nahrungsangebot ab. Im Bodensee lag zwischen 1910 und 1955, d.h. vor der Eutrophierung des Sees, der durchschnittliche Jahresgesamtertrag des Obersees bei etwa 425 Tonnen. In den anschließenden fünfzig Jahren betrug er im Mittel 1138 Tonnen. In den letzten Jahren sank mit sinkendem Nährstoffgehalt auch der Fischereiertrag stetig und lag im Jahr 2006 mit nur noch 617 t wieder auf einem Niveau wie vor dem Beginn der Nährstoffzunahme.

Die Pflanzenwelt der Binnengewässer besteht aus einer Vielzahl von Arten, deren Zusammensetzung je nach Wassertiefe, Strömungsverhältnissen und Verfügbarkeit von Nährstoffen ändert. In Seen lassen sich vom Land gegen das offene Wasser folgende Zonen unterscheiden:

  • Schilfröhricht
  • Schwimmblattflur: Seerosen (Nymphaea, Nuphar), bis ca. 3 m Tiefe
  • Laichkrautzone: Laichkräuter (Potamogeton), Wasserpest (Elodea), Tausendblatt (Myriophyllum), bis ca. 7 m Tiefe
  • Zone der Armleuchteralgen (Chara), bis ca. 20 m Tiefe.

Der Lebensraum Wasser hat sich seit dem 19. Jahrhundert stark verändert. Im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft wurden viele Feuchtgebiete trockengelegt. Siedlungsabwässer wurden in solchen Mengen ungeklärt in Flüsse und Seen abgeleitet, dass nicht nur das Überleben der Fische, sondern auch die Trinkwasserversorgung gefährdet war, und die Errichtung von Kraftwerken und sonstige wasserbauliche Eingriffe fanden ohne Rücksicht auf die Tierwelt statt. Glücklicherweise hat in den letzten Jahrzehnten ein Umdenken stattgefunden. Es wurden Maßnahmen zum Gewässerschutz ergriffen, deren positive Auswirkungen heute deutlich spürbar sind. In jüngere Zeit wurden auch viele negative Aspekte des Wasserbaus korrigiert. So werden bei Kraftwerken Fischtreppen eingebaut, es werden Flüsse und Bäche renaturiert und zuvor in Rohre verlegte Wiesenbäche werden wieder ans Tageslicht geholt.

Das heißt nun aber nicht, dass alles in Ordnung sei. Restwassermengen in Gebirgsbächen und -flüssen, stark schwankende Wasserführung in Zusammenhang mit Speicherkraftwerken, hormonaktive Stoffe im geklärten Siedlungsabwasser, Stickstoffeintrag aus der Landwirtschaft und Bebauung der See- und Flussufer stellen immer noch Gefahren für die Biodiversität dar.

Es ist daher nach wie vor wichtig, dass einheimische, wasserlebende Zootiere als Botschafter für den Schutz unserer Binnengewässer werben.

Schutzgebiete

Unter der 1971 abgeschlossenen Ramsar-Konvention über Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung werden insbesondere Lebensräume für Wasser- und Watvögel geschützt, darunter 34 in Deutschland, 22 in Österreich und 11 in der Schweiz. Sie sind auch national geschützt und zumeist auch FFH-Gebiete. Einige Beispiele:

  • Donau-March-Thaya Auen (AT) - seit 1982, 38'500 ha, in Niederösterreich
  • Neusiedlersee und Lacken im Seewinkel (AT) - seit 1982, 44229 ha, im Burgenland
  • Rheindelta (AT) - seit 1982, 2'065 ha, Mündung des Alpenrheins in den Bodensee, Vorarlberg
  • Waldviertler Teich-, Heide- und Moorlandschaft (AT) - seit 1999, 33'985 ha, in Niederösterreich
  • Wollmatinger Ried (DE) - seit 1976, 1'286 ha, am Bodensee, mit Mindelsee, in Baden-Württemberg
  • Niederelbe, Barnkrug – Otterndorf (DE) - seit 1976, 11'760 ha, in Niedersachsen
  • Steinhuder Meer (DE) - seit 1976, 5'730 ha, davon 2'9100 Seefläche, in Niedersachsen
  • Unteres Odertal (DE) - seit 1978, Nationalpark 10'323 ha, Ramsargebiet 5'400 ha, in Brandenburg
  • Unterer Niederrhein (DE) - seit 1983, 25'000 ha, 11 Teilgebiete, in Nordrhein-Westfalen
  • Oberrhein (DE) - seit 2008, 25'117 ha, von Weil-Karlsruhe, Baden-Württemberg
  • Fanel und Chablais de Cudrefin (CH) - seit 1976, 1'155 ha, am Neuenburgersee
  • Bolle die Magadino (CH) -- seit 1982, 663 ha, an der Mündung des Ticino in den Lago Maggiore
  • Les Grangettes (CH) - seit 1990, 6'359 ha, an der Mündung des Rhône in den Genfersee
  • Grande Caiçaie (CH) - seit 1990, 1'705 ha, am Südufer des Neuenburgersees
  • Klingnauer Stausee (CH) - seit 1990, 364 ha, vor dem Zusammenfluss der Aare in den Rhein

Typische Zootiere

Iltis, Europäischer Nerz, Fischotter, Europäischer Biber, Zwergmaus.

Zwergtaucher, Krauskopf- und Rosapelikan, Kormoran, Grau-, Silber-, Kuh-, Seiden-, und Nachtreiher, Zwergdommel, Weiß- und Schwarzstorch, Brauner Sichler, Löffler, Rosaflamingo, Grau-, Schnee-, Kaiser-, Zwergbläss-, Streifen- und Schwanengans, Ringel-, Nonnengans- und Rothalsgans, Sing-, Zwerg- und Höckerschwan, Spieß-, Löffel-, Krick-, Sichel-, Pfeif-, Stock-, Knäk- und Schnatterente, Moor-, Tafel-, Reiher- und Bergente, Kolbenente, Schellente, Eiderente, Gänse- und Zwergsäger, Weißkopfruderente, Rost- und Brandgans, Weißschwanz- und Riesenseeadler, Grauer, Mandschuren-, Weißnacken-, Schnee- und Mönchskranich, Austernfischer , Stelzenläufer, Säbelschnäbler, Kampfläufer, Rotschenkel, Goldregenpfeifer, Kiebitz, Lach-, Sturm- und Silbermöwe, Bienenfresser, Eisvogel, Wasseramsel.

Ringelnatter, Europäische Sumpfschildkröte, heimische Salamander und Molche, Geburtshelfer- und Echte Kröten, Gras- und Wasserfrösche, Gelb- und Rotbauchunke, Laubfrosch.Sterlet, Aal, Maifisch, Salmoniden (Salmo, Salvelinus, Thymallus), Hecht (Esox lucius), Weißfische (Abramis, Barbus, Carassius, Cyprinus, Chondrostoma, Leuciscus, Pelecus, Rutilus, Tinca), Flussbarsch, Stichling, Ghiozzo.

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Literatur und Internetquellen

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Gelesen 2634 mal Letzte Änderung am Samstag, 10 Oktober 2020 10:25
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