Lebensräume in Eurasien

Wüsten und Halbwüsten

Urwildpferde in der Gobi B, Mongolei Urwildpferde in der Gobi B, Mongolei
Christian Walzer, Wien

(8.0) Allgemeines
(8.1) Winterkalte Wüsten und Halbwüsten
(8.2) Subtropische Wüsten und Halbwüsten

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Allgemeines

Südlich anschließend an den Steppengürtel folgt in Zentralasien die Region der winterkalten Wüsten und Halbwüsten. Diese erstreckt sich von Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Kirgistan, Tadschikistan und dem Norden Afghanistans über Teile Chinas bis in die Mongolei. Im Südwesten Asiens befinden sich subtropische Wüsten und Halbwüsten, die von Syrien und Palästina bis nach Nordwestindien reichen.

Naturgemäß sind Großsäugetiere offener Landschaften besonders anfällig für die Folgen einer nicht nachhaltigen Bejagung, wobei Bestandeszusammenbrüche außerordentlich rasch erfolgen können, wie etwa das Beispiel der Saigaantilope zeigt. Der Syrische Wildesel, die Arabische, die Saudi-Gazelle und der Arabische Strauß sind daher ganz ausgestorben, Urwildpferd, und Arabische Oryx haben nur in Menschenobhut überlebt, was ihre Wiederansiedlung in Schutzgebieten erlaubte. Asiatischer Gepard, Onager, Turkmenischer Kulan, Wildkamel und Saiga sind hochbedrohte Tierarten. Auch die verschiedenen Gazellen, Wildschafe und Wildziegen der Region und der Wildyak sind gefährdet.

Wegen der begrenzten Verfügbarkeit von Nahrung und Trinkwasser, um die sie mit den Viehherden der Nomaden konkurrieren, sind die meisten Großsäugerarten gezwungen, Wanderungen zu unternehmen. Klimaveränderungen und menschliche Eingriffe in die Landschaft oder den Wasserhaushalt stellen in diesem Zusammenhang weitere Gefahren dar. Die Vertragsstaaten des Bonner Übereinkommens über wandernde Tierarten haben deshalb 2005 beschlossen, einen gemeinsamen Maßnahmenplan zu erarbeiten und umzusetzen, um die Großtierfaune der trockenen Landschaften Eurasiens zu erhalten.

Zoos haben sich in eine Reihe von Schutzprogrammen eingebracht, und die in den Zoos gehaltenen Tiere erfüllen in diesem Zusammenhang eine wichtige Botschafterfunktion.

Typische Zootiere

Steppenfuchs (Vulpes corsac), Wolf (Canis lupus), Goldschakal (Canis aureus), Honigdachs (Mellivora capensis), Streifenhyäne (Hyaena hyaena), Oman-Wildkatze (Felis silvestris gordoni), Sandkatze (Felis margarita), Karakal (Felis caracal), Luchs (Lynx lynx), Leopard (Panthera pardus), Schneeleopard (Uncia uncia), Klippschliefer (Procavia capensis), Persischer Onager und Turkmenischer Kulan (Equus hemionus), Dromedar und Trampeltier (Camelus dromedarius / bactrianus), Arabische Oryx (Oryx leucoryx), Dorkasgazelle (Gazella dorcas), Kropfgazelle (Gazella subgutturosa), Wildziege (Capra aegagrus), Nubischer und Sibirischer Steinbock (Capra (ibex) nubiana / sibirica), Turkmenischer Markhor (Capra falconeri heptneri), Kleine Wüstenspringmaus (Jaculus jaculus), Sinai-Stachelmaus (Acomys dimidiatus), Fette Sandratte (Psammomys obesus), Weißschwanzstachelschwein (Hystrix indica); Bart- (Gypaetus barbatus), Mönchs- (Aegypius monachus), Gänse- (Gyps fulvus) und Schmutzgeier (Neophron percnopterus), Steppen- (Aquila nipalensis) und Steinadler (A. chrysaetos), Jungfernkranich (Anthropoides virgo), Vierzehenschildkröte (Testudo horsfieldii), Jemen-Chamäleon (Chamaeleo calyptratus), Schleuderschwanzagame, Hardun (Laudakia stellio picea), Bunter Dornschwanz (Uromastyx ornata), Wüsten-Hornviper (Cerastes cerastes), Palästina-Viper (Daboia palaestinae).

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Winterkalte Wüsten und Halbwüsten

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Urwildpferde im Kala-Meili-Naturschutzgebiet © Waltraut Zimmermann, Kölner Zoo
Die Temperatur der winterkalten Wüsten und Halbwüsten schwankt zwischen etwa -45ºC und 40ºC. Die winterkalten Stein- und Lehmwüsten sind beinahe vegetationslos, die Sandwüsten dagegen ergrünen im Frühjahr. Nach wenigen Wochen verdorren die Gräser und ephemeren Blütenpflanzen und es behaupten sich nur ein paar Xerophyten, daunter zahlreiche Arten von Sträuchern der Gattung Calligonum.

Die Vegetation wird dominiert von Gräsern (Poaceae), Korbblütlern (Asteraceae), Schmetterlingsblütlern (Fabaceae) und Gänsefussgewächsen (Chenopodiaceae). Der Saxaulbusch (Haloxylon) hat in den letzten Jahren gebietsweise abgenommen, da er in nicht nachhaltiger Weise als Brennholz gesammelt wird.

Tierwelt: Langohrigel (Hemiechinus auritus), Goldschakal, Wolf, Rotfuchs, Steppenfuchs, Streifenhyäne, Luchs, Schneeleopard, Przewalski-Pferd, Turkmenischer Kulan / Mongolischer Dschiggetai, Trampeltier / Wildkamel, Kropfgazelle, Saigaantilope (Saiga tatarica), Sibirischer Steinbock, Wildschafe (Ovis ammon / orientalis subspp.), Pfeifhasen (Ochotona spp.), Tolai-Hase (Lepus tolai), Ziesel (Spermophilus spp.), Murmeltiere (Marmota spp.), Grauhamster (Cricetulus migratorius, C. longicaudatus), Zwerghamster (Phodopus campbelli, P. roborovskii), Steppenlemminge (Lagurus lagurus, Eolagurus luteus, E. przewalskii), Rennmäuse (Meriones unguiculatus, M. tamariscinus, Rhombomys opimus), Pferdespringer (Allactaga sibirica, A. nataliae, A. bullata, A. elater), Mönchs- und Bartgeier, Steppen- und Steinadler, Jungfernkranich etc.

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Nationalparks und andere Schutzgebiete

Gobi B-Naturschutzgebiet

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Asiatische Wildesel (Equus h. hemionus) im natürlichen Lebensraum. Gobi B, Mongolei © C. Walzer
Mongolei

Fläche 9259 km²,
Höhe grösstenteils 1000-1600 m.ü.M., die Gebirge im Osten erreichen beinahe 4000 m.
Jahresniederschlag 30 bis 200 mm.
Extreme Temperaturschwankung von über 75ºC im Jahres- und bis 25ºC im Tagesverlauf.
        
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Urwildpferde im natürlichen Lebensraum. Gobi B, Mongolei © C. Walzer, Wien
Die "Wüste Gobi" ist streng genommen nur zum kleinsten Teil eine echte Wüste, vielmehr besteht sie hauptsächlich aus Halbwüsten und Wüstensteppen. An Großtieren kommen Wolf, Luchs, Schneeleopard, Asiatischer Wildesel, EUR-8 gobiB MSchoenpflug
Urwildpferde im Gobi B-Naturschutzgebiet © M. Schönpflug / Kölner Zoo
Kropfgazelle und Sibirischer Steinbock vor. Das Wildkamel (Camelus ferus) ist hier ausgestorben. Es wurden 28 Nagetierarten nachgewiesen. 97 Vogelarten verbringen das ganze Jahr oder Teile des Jahres im Schutzgebiet. Die Reptilienfauna ist unbedeutend; die häufigste Art ist die Gobi-Krötenkopfagame (Phrynocephalus versicolor).

Im Rahmen der International Takhi Group beteiligen sich mehrere Zoos an der Wiedereinbürgerung des Przewalskipferdes und der Erforschung der Wildfauna der Gobi B sowie Maßnahmen zu ihrem Schutz.

Kala-Meili-Naturschutzgebiet

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Kropfgazellenbock (Gazella subgutturosa) im Kala-Meili-Naturschutzgebiet © Waltraut Zimmermann, Kölner Zoo
China

Das 17’000 km² große Kala-Meili-Naturschutzgebiet liegt in der Dsungarischen Gobi, südlich der Gobi B. Es beherbergt stabile Bestände an Asiatischen Wildeseln (Equus hemionus hemionus) und Kropfgazellen. In den Bergen leben Argali (Ovis ammon) und Sibirische Steinböcke. Für das Przewalskipferd gibt es ein Wiederansiedlungsprojekt.

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Subtropische Wüsten und Halbwüsten

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Dromedar in der Wüste von Katar © Thomas Althaus, Oltigen

 

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Nubischer Steinbock (Capra nubiana) im natürlichen Lebensraum in der Negev-Wüste bei Mitzpe-Ramon, Israel, auf ca. 900 m.ü.M.. © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Syrischer Klippschliefer (Procavia capensis syriaca) im natürlichen Lebensraum im En Gedi-Naturschutzgebiet am Toten Meer © Klaus Rudloff, Berlin

Obwohl in der Übergangszone von Afrika und Eurasien gelegen, sind Fauna und Flora der subtropischen Wüsten und Halbwüsten ziemlich artenarm, was durch die enorme Trockenheit bedingt ist. In Saudi-Arabien liegt die jährliche Niederschlagsmenge bei nur etwa 70 mm, wobei während mehrerer Monate überhaupt kein Regen fällt. Auch hier gibt es enorme Temperaturschwankungen von unter Null bis etwa 50ºC. Die Steinwüsten sind praktisch vegetationslos. In den Sand- und Halbwüsten ist ein bescheidenes Pflanzenwachstum möglich. Zu den spärlichen Bäumen und Strächern der Region gehören Akazien (wie Acacia tortilis, A.raddiana, A. etbaica, A. famesiana), Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua), Manna-Tamariske (Tamarix nilotica) und andere Tamariskenarten, Christusdorn (Ziziphus spina-christi), Arabischer Bocksdorn (Lycium arabicum) und Dattelpalme (Phoenix dactylifera). Typische Stauden und Kleinsträucher sind Schafgarben (Achillea fragrantissima), Beifuß (Artemisia sieberi, A. herba-alba, A. judaica, A. monosperma), Goldkamille (Matricaria aurea), Saxaul (Haloxylon persicum), Gänsefuß (Anabasis articulate), Weißer Ginster (Retama raetam) und Steppenraute (Peganum harmala). An Gräsern finden sich u.a. Klettgräser (Aristida spp.), Schwingel (Festuca spp.) und Pfriemengräser (Stipa spp.).

 

Tierwelt: Wüstenigel (Paraechinus aethiopicus), Goldschakal, Wolf, Rotfuchs, Wüstenfuchs, Sandfuchs (Vulpes cana), Honigdachs, Indischer Mungo (Herpestes edwardsii), Ägyptischer Mungo (Herpestes ichneumon), Weißschwanzmanguste (Ichneumia albicauda), Ginsterkatze (Genetta genetta), Streifenhyäne, Oman-Wildkatze, Sandkatze, Karakal, Leopard, Asiatischer Gepard (Acinonyx jubatus venaticus), Klippschliefer, Asiatischer Wildesel, Dromedar, Arabische Oryx, Dorkas-, Edmi- (Gazella gazella) und Kropfgazelle, Wildziege, Nubischer Steinbock, Markhor, Wildschafe (Ovis orientalis subspp.), Arabischer Thar (Hemitragus jayakari), Kaphase (Lepus capensis), Euphrat-Pferdespringer (Allactaga euphratica), Kleine Wüstenspringmaus, Sinai-Stachelmaus, Rennmäuse (Gerbillus, Meriones), Fette Sandratte, Weißschwanzstachelschwein, Kaiseradler (Aquila heliaca), Schmutzgeier, Sandflughuhn (Pterocles orientalis), Rennvogel (Cursorius cursor), verschiedene Lerchenarten (z.B. Alaemon alaudipes, Ammomanes cinctura, A. deserti, Calandrella brachydactyla, C. rufescens, Eremophila bilopha, Rhamphocoris clotbey) und Steinschmätzerarten (Oenanthe deserti, Oe. finschii, Oe. moesta), Weissohrbülbül (Pycnonotus leucotis), Wüstenrabe (Corvus ruficollis).

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Nationalparks und andere Schutzgebiete

Shaumari-Semireservat

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Arabische Oryx im Shaumari-Semireservat. Ab 1978 wurden Oryx in einem Zuchtgehege vermehrt. 1983 konnten 31 Tiere in das Reservat entlassen werden. © Zoo Zürich
Jordanien

500-600 m.ü.M.

Shaumari ist ein 22 km², eingezäuntes Reservat, in dem verschiedene in Jordanien ausgestorbene Tierarten angesiedelt wurden, wie Arabische Oryx, die zum Teil von VdZ-Zoos zur Verfügung gestellt wurden, Kropfgazellen und Onager. Im Reservat wurden mehr als 193 Pflanzenarten nachgewiesen. Es ist ein Important Bird Area (JO010), in dem auch Graue Kraniche überwintern.

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Literatur und Internetquellen

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Gelesen 1486 mal Letzte Änderung am Sonntag, 11 Oktober 2020 06:05
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx