Lebensräume in Eurasien

Grasländer

Feldhase im Seewinkel, Burgenland Feldhase im Seewinkel, Burgenland
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

(7.0) Allgemeines
(7.1) Puszta
(7.2) Zentralasiatische Steppen

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Allgemeines

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Großtrappen (Otis tarda) im Nationalpark Neusiedlersee-Seewinkel. Foto www.nationalpark-neusiedlersee-seewinkel.at
Im Inneren des Kontinentes, wo der Einfluss des Meeres geringer ist, wird das Klima zunehmend trockener. Anstelle des Waldes entwickelte sich hier ein riesiger Graslandgürtel. Dieser reicht von der Walachischen Tiefebene Bulgariens und Rumäniens über Moldawien, die Ukraine und Russland nach Tibet und bis in die Mongolei.

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"Aueroxen" im Penzezug, Hortobágy Nationalpark © István Sandor
Im Norden gibt es eine Übergangszone zur Taiga, im Süden schließen Halbwüsten an, etwa im Bereich der Gobi. Eine Exklave ist die durch die Karpaten abgetrennte Puszta des pannonischen Beckens. Ursprünglich eine Waldsteppe, setzte hier ab dem 16. Jahrhundert durch menschliche Einwirkung eine weitere Versteppung der Landschaft ein. Auch das tibetische Hochland hat weitgehend Steppencharakter.

Der Lebensraum Steppe ist mit seiner Tier- und Pflanzenwelt bedroht durch Umwandlung in Ackerland oder Weinberge, Überweidung, illegale Jagd, nicht nachhaltigen Wasserverbrauch, Erdölförderung und Bergbau. Schutzgebiete machen nur einen kleinen Teil der Fläche der Eurasischen Grasländer aus. Die charakteristischen Biozönosen sind, namentlich im europäischen Teil, nur noch in Restbeständen vorhanden. Verschiedene Zoos beteiligen sich deshalb an Projekten zum Schutz von Arten oder Gebieten der eurasischen Steppe. Die im Zoo gehaltenen Steppentiere helfen mit, die Naturschutzbotschaft zu vermitteln.

Vegetation und Charakterpflanzen

Die prägenden Pflanzengesellschaften der Steppe bestehen aus Gräsern, darunter Schwingelarten (Festuca spp.), Pfriemengräser (Stipa spp.), Quecken (Agropyron spp.) oder Steppensegge (Carex stenophylla). Dazwischen gedeihen Wucherblumen (Leucanthemum spp.), Kuhschellen (Pulsatilla spp.), Tulpen (Tulipa spp.), Zwergschwertlilien (Iris spp.), Steppendisteln (Carduus spp.) und viele andere Steppenblumen. Man findet daneben vor allem Moose und Flechten, aber auch niedrigere Sträucher wie die Heidekrautgewächse, verschiedene Halophyten auf Salzböden und vereinzelte Waldinseln in günstigen Lagen.

Typische Zootiere: 

Feldhase (Lepus europaeus), Ziesel (Spermophilus citellus), Eurasische Zwergmaus (Micromys minutus), Mongolische Rennmaus (Meriones unguiculatus), Feldhamster (Cricetus cricetus), Steppenfuchs (Vulpes corsac), Wolf (Canis lupus), Przewalskipferd (Equus (ferus) przewalskii), Kiang (Equus kiang), Trampeltier (Camelus bactrianus)

Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis), Grau- (Ardea cinerea), Seiden- (Egretta garzetta) und Nachtreiher (Nycticorax nycticorax), Zwergdommel (Ixobrychus minutus), Weißstorch (Ciconia ciconia), Löffler (Platalea leucorodia), Graugans (Anser anser), Rothalsgans (Branta ruficoliis), Moorente (Aythya nyroca), Rebhuhn (Perdix perdix), Steppenadler (Aquila nipalensis), Gänse- (Gyps fulvus), Mönchs- (Aegypius monachus), Bart- (Gypaetus barbatus) und Schmutzgeier (Neophron percnopterus), Jungfernkranich (Anthropoides virgo), Graukranich (Grus grus), Wachtelkönig (Crex crex), Feldlerche (Alauda arvensis), Blaukehlchen (Luscinia svecica), Vierzehenschildkröte (Testudo horsfieldii), Wiesenotter (Vipera ursinii)

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Nationalparks und andere Schutzgebietelineblack1px

Puszta

Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel

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Am Rand des Pannonischen Beckens: Grasland bei St. Margarethen, Burgenland © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Höhe 115- ca. 125 m.ü.M., 9'700 ha.

ca. 600 mm Niederschlag / Jahr
Mittlere Monatstemperaturen: min. ca. - 5, max. ca. 20˚C

Die Biotope des Nationalparks sind der Neusiedler See mit seinem Schilfgürtel, periodisch austrocknende Salzlacken, Mähwiesen, Hutweideflächen und kleinflächige EUR-07 grasland feldhase
Feldhase (Lepus europaeus) im Seewinkel bei Aptelon, Burgenland © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Sandlebensräume.

        
Tierwelt: Großer Abendsegler (Nyctalus noctula), Ziesel, Zwergmaus, Ährenmaus (Mus spicilegus), Feld- und Nordische Wühlmaus (Microtus arvalis, M. oeconimus),Feldhamster, Feldhase, Fischotter, Rotfuchs, Rothirsch, Reh, Wildschwein. Important Bird Areas AT001 und AT004. Hier brüten u.a. Zwergtaucher, Purpur- (A. purpurea) und Silberreiher (C. albus), Rohr- ( Botaurus stellaris) und Zwergdommel, Weißstorch, Löffler, Graugans, Kolbenente, Weihen (Circus aeruginosus, C. pygargus), Großtrappe (Otis tarda), Wachtelkönig, Kleines Sumpfhuhn (Porzana parva), Rohrschwirl (Locustella luscinioides), Blaukehlchen, Mariskensänger (Acrocephalus melanopogon).

Hortobágy-Nationalpark

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Przewalskipferde (Equus ferus przewalskii) im Sommer, Hortobágy-Nationalpark © Vera Warmuth / Kölner Zoo
Höhe 86-98 m.ü.M., 52'000 ha.

ca. 640 mm Niederschlag / Jahr
Mittlere Monatstemperaturen: min. -6, max. 25˚C

Tierwelt: Die Hortobágy Puszta wird mit Hauspferden, Szilajrindern, Zackelschafen und Wollschweinen beweidet. Im Semireservat Pentezug leben Urwildpferde und Heckrinder.
        
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Przewalskipferde (Equus ferus przewalskii) im Winter, Hortobágy-Nationalpark © Attila Korbely / Kölner Zoo
Die Hortobágy Puszta ist ein Important Bird Area (HU032). Hier brüten u.a. Zwergscharbe (Phalacrocorax pygmeus), Purpur- (Ardea purpurea), Rallen- (Ardeola ralloides) und Nachtreiher, Zwergdommel, Weißstorch, Löffler, Graugans, Moorente, Rotfußfalke (Falco vespertinus), Großtrappe (Otis tarda), Zwergsumpfhuhn (Porzana pusilla), Weißbart- (Chlidonias hybridus) und Trauerseeschwalbe (Ch. niger), Schwarzstirnwürger (Lanius minor) und Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola).

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Zentralasiatische Steppen

Altyn Emel-Nationalpark

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Wildpferde (Equus (ferus) przewalskii)im natürlichen Lebensraum. Altyn Emel NP, Kasachstan © Henning Wiesner, Andechs
Höhe: 480 - 2'882 m.ü.M.

Altyn Emel ist gebirgig. In den tieferen Lagen hat es teilweise unterschiedliche Steppentypen, teilweise Wüsten und zu einem kleinen Teil Wald. Wegen der unterschiedlichen Landschaftsformen ist die Pflanzenvielfalt hoch, es wurden 634 Arten Gefäßpflanzen nachgewiesen.

Tierwelt: Die Wirbeltierfauna setzt sich aus 70 Säugetier, 280 Vogel- (wovon 155 Brutvogel-), 25 Reptilien-, 4 Amphibien- und 28 Fischarten zusammen. Unter den Säugetieren befinden sich Steinmarder, Steppeniltis, Fischotter, Turkmenischer Kulan, Kropfgazelle, Argali, sowie eine kleine Gruppe wiedereingeführter Przewalskipferde. In diesem Important Bird Area (KZ101) fallen die zahlreichen Geier (Schnee-, Gänse, Mönchs-, Bart- und Schmutzgeier), Falken (Saker, Rötel-, Turm- und Baumfalke) und sonstigen Greifvögel auf, ferner Krauskopfpelikan, Kragentrappe (Chlamydotis undulata), Blauracke und Weißrückenspecht (Dendrocopos leucotos).

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Literatur und Internetquellen

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Gelesen 1138 mal Letzte Änderung am Sonntag, 11 Oktober 2020 06:07
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx