Lebensräume in Eurasien

Mittelmeerraum

Typische Mittelmeerszenerie bei Parga, Griechenland Typische Mittelmeerszenerie bei Parga, Griechenland
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

(6.0) Allgemeines
(6.1) Macchia, Garrigue, Felsfluren
(6.2) Grassteppen
(6.3) Steinsteppen
(6.4) Kalkhochebenen

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Allgemeines

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Zedernwachholder (Juniperus oxycedrus), Gonfaron, Massif des Maures, Frankreich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Der Mittelmeerraum ist ein Brennpunkt der Biodiversität. Hier, wo Afrika, Asien und Europa zusammentreffen, gibt es auf einer Landfläche von 2.36 Millionen km² nicht weniger als 25'000 Arten Gefäßpflanzen, davon über die Hälfte endemische. Von den 245 Brutvogelarten sind 47, von den 184 Säugetierarten deren 46 endemisch. Sehr vielfältig ist die Herpetofauna mit 179 Reptilien- und 62 Amphibienarten, wovon 110 bzw 32 endemisch sind.

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Erodierender Feldweg. Nähe Tizzano, Korsika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Die Biodiversität des Mittelmeerraums ist gefährdet. Regelmäßig setzen ihr Waldbrände zu. Diese werden oft absichtlich gelegt mit der Absicht, Bauland zu gewinnen, denn der Bevölkerungsdruck steigt stetig. Innerhalb von 50 Jahren ist die Einwohnerzahl Griechenlands von 8 auf 11, jene Spaniens von 39 auf 46 und die der Türkei von 28 auf 75 Millionen Menschen angewachsen. Es wird davon ausgegangen, dass am Südrand des Mittelmeers die Bevölkerung von 63 Millionen im Jahr 1990 auf 126 Millionen im Jahr 2025 steigen wird. Zu große Viehherden schaden der Pflanzendecke und begünstigen die Erosion des Bodens. Um die mittel- und nordeuropäische Bevölkerung auch während der Winterperiode mit frischem Gemüse und Früchten zu versorgen, wurden riesige Plantagen angelegt, auf denen Kunststoffolien reichlich Verwendung finden. Der Wasserhaushalt der betroffenen Regionen wird dadurch nachhaltig gestört. In Küstennähe überborden Tourismus und Zweitwohnungsbau mit negativen Folgen für die Umwelt. Tourismus und intensive Landwirtschaft machen neue Verkehrsträger erforderlich. Spanien z.B. verfügt dank EU-Fördermitteln heute über ein Netz von carreteras nacionales, autovías und sonstigen, zumeist asphaltierten Straßen, dessen gesamte Länge dem 16-fachen des Erdumfangs entspricht.

Insgesamt ist die Natur im Mittelmeerraum auf nur 4.7 % der Landfläche noch intakt und nur 1.8 % der Fläche sind Schutzgebiete.

Vegetation und Charakterpflanzen

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Korkeiche (Quercus suber), Gonfaron, Massif des Maures, Frankreich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Die auf den Mittelmeerraum einwirkenden Klimaeinflüsse sind sehr unterschiedlich. Vom Westen her wirkt das ausgeglichene atlantische Klima ein, vom Norden ein gemäßigt kühles, vom Osten ein kontinentales und im Süden spürt man den trockenen, subtropischen Wüstengürtel. Dies hat Auswirkungen auf die Vegetation:EU-06-medi parga zikade
Singzikade (Cicadidae sp.), Epirus, Griechenland © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
In Südfrankreich geht die mediterrane Garrigue in atlantische Heidekrautgesellschaften über. Die Wälder Italiens, Sloweniens und Kroatiens setzen sich weitgehend aus laubabwerfenden Baumarten, bzw. in höheren Lagen aus Koniferen zusammen, die auch nördlich der Alpen vorkommen. Im Osten finden wir Florenelemente der innerasiatischen Steppen, und im Süden prägen Palmen und Trockensträucher auf weite Strecken das Bild.


Trotz der klimatischen Unterschiede kann in weiten Bereichen die typische, von immergrünen Hartlaubgewächsen, wie Baumheide (Erica arborea), Myrte (Myrtus communis), Stein- (Quercus ilex) und Kermeseiche (Quercus coccinea), dominierte Mittelmeervegetation beobachtet werden. Ein weiteres verbindendes Glied ist der Ölbaum (Olea europaea). Dieser wurde seit dem Altertum kultiviert und und im ganzen Mittelmeerraum angepflanzt. Auch die Korkeiche (Quercus suber), die Echte Pistazie (Pistacia vera), der Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua) und im Süden die Dattelpalme (Phoenix dactylifera) wurden kultiviert und vom Menschen weiterverbreitet.

Typische Zootiere

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Riesige Ziegenherden fressen die Landschaft kahl. Epirus, Griechenland © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
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Wasserfrosch (Pelophylax esculentus) bei Gonfaron, Massif des Maures, Frankreich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Nebst den nordafrikanischen Arten und Arten, die auch in Mitteleuropa weit verbreitet sind, kommen im europäischen und asiatischen Teil des Mittelmeerraums vor: Etruskerspitzmaus, Berberaffe (Gibraltar - Macaca sylvanus), Goldschakal (Canis aureus), Streifenhyäne (Hyaena hyaena), Sandkatze (Felis margarita), Asiatischer Löwe (Panthera leo persica – heute im Mittelmeerraum ausgestorben), Klippschliefer (Procavia capensis), Asiatischer Halbesel (Equus hemionus – heute im Mittelmeerraum nur noch in Semireservaten), Dromedar (Camelus dromedarius), Mesopotamischer Damhirsch (Dama mesopotamica), Dorkasgazelle (Gazella dorcas), Abruzzengemse (Rupicapra p. ornata), Bezoarziege (Capra aegagrus), Tyrrhenisches Mufflon (Ovis orientalis musimon), Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus), Fette Sandratte (Psammomys obesus), Sinai- und Kreta-Stachelmaus (Acomys dimidiatus, A. minous), Wüstenschläfer (Eliomys melanurus), Krauskopfpelikan (Pelecanus crispus), Kuh- (Bubulcus ibis) und Seidenreiher (Egretta garzetta), Rosaflamingo (Phoenicopterus (ruber) roseus), Marmel- (Marmaronetta angustirostris) und Weißkopfruderente (Oxyura leucocephala), Mönchsgeier (Aegypius monachus), Gänsegeier (Gyps fulvus), Schmutzgeier (Neophron percnopterus), Turteltaube (Streptopelia turtur), Wiedehopf (Upupa epops), Europäischer Bienenfresser (Merops apiaster), Alpenkrähe (Pyrrhocorax pyrrhocorax), Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis), Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni), Breitrandschildkröte (Testudo marginata), Schleuderschwanzagame (Laudakia stellio picea), Bunter Dornschwanz (Uromastyx ornata), Mauereidechse (Podarcis muralis), Smaragdeidechse (Lacerta viridis / bilineata), Dalmatinische Spitzkopfeidechse (Lacerta (= Dalmatolacerta) oxycephala), Perleidechse, Äskulapnatter (Elaphe longissima), Vipernatter (Natrix maura), Würfelnatter (Natrix tessellata), Palästina-Viper (Daboia palaestinae), Europäische Hornotter (Vipera ammodytes), Wiesenotter, Karstotter (Vipera ursinii), Spanischer Rippenmolch (Pleurodeles waltl)

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Macchia, Garrigue, Felsfluren

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Macchia auf der Hochebene von Cauria, Südkorsika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Seit dem Altertum wurden die Wälder rund ums Mittelmeer übernutzt. Als Folge davon entwickelten sich degradierte Vegetationsformen, die wir heute als "typisch mediterran" empfinden:


Die Macchia, mit 3-4 m hohen Sträuchern an Lagen mit relativ hoher Luftfeuchte und tiefergründigen Böden. Hier wachsen klein- oder zwergwüchsige Erdbeerbäume (ArbutusEU-06-medi esel corse
Esel in Südkorsika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
unedo), Kreuzdorne (Rhamnus spp.), Baumheiden, Myrten, Stein- und Kermeseiche etc., in deren Geäst meist Schlingpflanzen, wie Immergrünes Geißblatt (Lonicera implexa) oder Waldreben (Clematis spp.) wuchern.


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Garrigue bei La Couronne (Martigues, Bouches-du-Rhone) © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Als Folge von Bränden und weiterer Übernutzung durch Holzentnahme oder starke Beweidung dagradiert die Macchia weiter zur Garrigue, mit bis zu 1 m hohen Kleinsträuchern, wie Rosmarin (Rosmarinus officinalis), Lavendel (Lavandula spp.), Zwergpalme (Chamaerops humilis), Herbst-Seidelbast EUR-06 Lacerta sicula
Ruineneidechse (Podarcis sicula) in ihrem natürlichen Lebensraum. Korsika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
(Daphne gnidium), Gelbem und Kleinfrüchtigem Affodil (Asphodelus luta, A. aestivus) und Zistrosen (Cistus spp.) sowie diversen Orchideen (Barlia, Ophrys, Orchis, Serapias). auf flachgründigen, trockenen Böden.

        
Bei weiterer Nutzung und Erosion entstehen offene Felsfluren, in denen sich nur noch anspruchslose, kleinwüchsige Pflanzenarten halten können, darunter besonders viele kleinstrauchige Lippenblütler, z.B. Thymian (Thymus vulgaris) oder Dreiblättriger Salbei (Salvia triloba) sowie im Frühjahr und Herbst blühende Zwiebel- und EUR-06 Kaefer korsika
Käfer auf Distel, Südkorsika © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Knollenpaflanzen.


Tierwelt: Macchie, Garrigue und Felsfluren werden von zahlreichen Reptilienarten bewohnt, darunter Landschildkröten (Testudo graeca, T. hermanni, T. marginata), Eidechsen (Lacerta  spp., Podarcis   spp., Timon spp.), Eidechsen- (Malpolon monspessulanus) und Treppennatter (Elaphe = Rhinechis scalaris).

Nicht nur in Nordafrika und im Nahen Osten, sondern auch in Südeuropa gibt es Gebiete, die natürlicherweise weitgehend baumlos sind: Grassteppen, Steinsteppen am Unterlauf der Flüsse und die Kalkhochebenen.lineblack1px

Grassteppen

Im Süden Portugals, um Castro Verde befindet sich eine 790 km² große, unter Naturschutz stehende, blumenreiche Grassteppe, die sich – durchsetzt mit Waldstücken – im benachbarten, 697 km² großen Naturpark Vale do Guadiana fortsetzt.

Tierwelt: Dieses Grasland bietet Lebensraum für u.a. Großtrappe, Zwergtrappe, Wiesenweihe (Circus pygargus), Gleitaar (Elanus caeruleus), Rötelfalke (Falco naumanni), Triel, Sandflughuhn, Blauracke (Coracias garrulus), Grauammer (Emberiza calandra) und Kalanderlerche (Melanocorypha calandra), sowie Überwinterungsmöglichkeiten für den Grauen Kranich. Auch Pardelluchs (Lynx pardina), Horn- und Stülpnasenotter (Vipera ammodytes, V. latastei) kommen hier vor.

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Steinsteppen

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Réserve Naturelle des Coussouls de Crau zwischen St. Martin und Fos-sur Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Wo Flüsse in ihrem Unterlauf größere Mengen wasserdurchlässigen Geschiebes ablagerten, entstanden Steinsteppen. Im westlichen Teil des europäischen Mittelmeerraums wurden so gut wie alle bis vor etwa einem Jahrhundert durch Bewässerung in Agrarland umgewandelt. Nur eine ist wenigstens teilweise bis heute übrig geblieben: Die östlich der Camargue gelegene, durch die Durance gebildete Crau. EUR-06 crau2
Réserve Naturelle des Coussouls de Crau zwischen St. Martin und Fos-sur Mer © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Diese umfasste ursprünglich etwa 600 km², die sich bis Ende des 19. Jahrhunderts durch Bewässerung auf 500 km² reduzierten.


Durch weitere Urbarmachung, den Bau von Hafen- und Industrieanlagen, das Anwachsen von Siedlungen und die Einrichtung von Deponien sind heute nur noch etwa 100 km² erhalten geblieben. EUR-06 crau-st-martin
Schäfer mit Herde bei St.Martin-de-Crau. Bild www.agglo-accm.fr
Diese wurden 2001 unter Schutz gestellt.


Tierwelt: Die Crau ist ein Important Bird Area (FR 240). Hier brüten Zwergtrappe (Tetrax tetrax), Spießflughuhn (Pterocles alchata), Wiesenweihe (Circus pygargus), Rötelfalke (Falco naumanni), Triel (Burhinus oedicnemus), Blauracke (Coracias garrulus), Kalander- (Melanocorypha calandra) und Kurzzehenlerche (Calandrella brachydactyla). Sie ist auch Heimat der Perleidechse.

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Kalkhochebenen

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Schafherde auf der Causse de la Selle, Hérault, Frankreich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern
Kalkhochebenen, wie die Causses im französischen Zentralmassiv, gehören zu den Karstlandschaften. Diese sind unabhängig von der Niederschlagsmenge sehr arm an Oberflächenwasser, weil die Niederschläge von dem dominierenden, porösen Kalkstein nicht festgehalten werden, sondern rasch im Boden versickern oder allenfalls in Senken mit tonhaltigem Untergrund abfließen (Dolinen). Dementsprechend ist der Baumbewuchs sehr spärlich und die Landschaft wirkt wüstenartig.


Tierwelt: Die Kalkhochebenen eignen sich für die Haltung von Przewalskipferden in Semireservaten (etwa auf der Causse Méjean). In den steilen Schluchten, die einzelne Hochebenen voneinander trennen, nisten Gänsegeier. Auch Perleidechsen kommen in den Causses vor.

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Nationalparks und andere Schutzgebiete

Frankreich: Parc National de Port-Cros, Parc National des Cévennes, Parc National du Mercantour
Spanien: Tablas de Daimiel-Nationalpark

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Literatur und Internetquellen

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Gelesen 8260 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 30 September 2021 08:26
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx