Spinnen und Hüftmünder (Chelicerata)

Vogelspinnen - Brachypelma

Mexikanische Rotknie-Vogelspinne (Brachypelma smithii) im Zoo Wuppertall Mexikanische Rotknie-Vogelspinne (Brachypelma smithii) im Zoo Wuppertall
© Zoo Wuppertal

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Eigentliche Vogelspinnen (Theraphosinae)

PM 2015 04 09 HD zooschule spinne
Einsatz einer Vogelspinne in der Zooschule Heidelberg @ Zooschule Heidelberg

Haltung (gilt für alle Arten)

Im deutschsprachigen Raum gibt es keine tierschutzrechtlichen Mindestanforderungen an die Haltung von Spinnen.

Verschiedentlich setzen Zoos im zoopädagogischen Unterricht oder im Rahmen spezieller Kurse Vogelspinnen ein, um Menschen die Furcht vor Spinnen (Arachnophobie) zu nehmen.

 

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Kraushaar-Vogelspinne

Brachypelma albopilosum • The Curly-hair Tarantula La mygale frisée

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Kraushaar-Vogelspinne (Brachypelma albopilosum) im Papiliorama Kerzers © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung der Kraushaar-Vogelspinne (Brachypelma albopilosum)

 

 

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Kraushaar-Vogelspinne (Brachypelma albopilosum) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

Verbreitung

Mittelamerika: Atlantikseite von Costa Rica, Nicaragua und Honduras [1; 2].

Biologie

Die Kraushaarvogelspinne besiedelt Regenwälder, ist aber auch ein Kulturfolger. Die Tiere leben in kurzen, teils selbst gebauten Röhren unter Steinen und Rindenstücken nahe der Erdoberfläche [2].

Kraushaarvogelspinnen erreichen gut 8 cm Körperlänge und sind am ganzen Körper buschig mit gekräuselten, hellbraunen Haaren bedeckt. Die Grundfärbung ist dunkelbraun. Bereits nach ein bis anderthalb Jahren lassen sich die Geschlechter bestimmen: Bei Männchen ist an der Unterseite des Abdomens oberhalb der Epigastralfurche eine kreisrunde dunkle Region von ca 1,8 mm Durchmesser zu erkennen. Bei Weibchen sieht man stattdessen einen bis zu 9 mm breiten horizontalen Schlitz in der Epigastralfurche. Die Geschlechtsreife tritt bei gleicher Haltung bei Männchen nach frühestens zwei bis zweieinhalb Jahren, bei Weibchen nach dreieinhalb Jahren ein [2]. Wie alle Vogelspinnen haben die Weibchen im Genitalbereich zwei Spermataschen (Spermatheken), in denen sie die vom Männchen bei der Paarung abgegebenen Spermien über Monate aufbewahren können [1].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist in der Roten Liste der IUCN nicht aufgeführt.

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Kraushaar-Vogelspinne ist ein ausgesprochen friedfertiges und daher beliebtes Terrarientier [2]. Von 2001-2016 meldete Nikaragua die Ausfuhr von 3'953 Wildfängen und im selben Zeitraum wurden weltweit 6'080 Nachzuchttiere international verschoben. Wichtigstes Herkunftsland war Nikaragua gefolgt von Deutschland und der Schweiz [3].

Taxonomie und Nomenklatur

Die Kraushaar-Vogelspinne wurde erst 1980 von dem costaricanischen Zoologen Carlos VALERIO beschrieben [4].

Literatur und Internetquellen

  1. BELKER, N. (2010)
  2. BIOTROPICS
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. WORLD SPIDER CATALOGUE

 

D NB 650

Goldrücken-Vogelspinne

Brachypelma boehmeiThe Mexican Fireleg Tarantula • La mygale mexicaine à pattes de feu

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Goldrückenvogelspinne (Brachypelma boehmei), Kölner Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung der Goldrücken-Vogelspinne (Brachypelma boehmei)

 

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Goldrücken-Vogelspinne (Brachypelma boehmei) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Weissknie-Vogelspinne (Acanthoscurria geniculata) im Kölner Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Verbreitung

Mexiko: Pazifikseite von Mexiko im Staat Guerrero [4].

Biologie

Die Goldrücken-Vogelspinne ist eine große Art, bei der die Männchen eine Kopf-Rumpflänge von 65 mm und in normaler stehender Position eine diagonal von Fuß zu Fuß gemessene Spannweite von 160 mm aufweisen, die Weibchen 73 mm bzw. 130 mm [2].

Die Oberschenkel sind schwarz, das Knie orange bis rostrot, der untere Teil der Beine rostrot und die Füße schwarz. Der Carapax (Oberkörper) ist rostfarben mit radiär verlaufenden schwarzen Streifen, der Hinterleib schwarz mit rostroten Härchen [2].

Wie die anderen Brachypelmen sind Goldrücken-Vogelspinnen nicht-aggressive, bodenlebende Tiere. Bei Bedrohung können sie durch Reiben der letzten Beinpaare an den Seiten des Hinterleibs Teile der Behaarung abwerfen. Diese Härchen sind mit winzigen Widerhaken versehen, die an der Haut des Angreifers haften und einen Juckreiz auslösen sowie Reizungen des Auges und der Atemwege verursachen können [1].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist in der Roten Liste der IUCN nicht aufgeführt.

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Goldrücken-Vogelspinne ist ein beliebtes Terrarientier, das so häufig gezüchtet wird, dass sich die ex situ-Population ohne Nachschub aus der Wildbahn erhält. Von 2001-2016 wurden lediglich 8 Wildfänge für wissenschaftliche Zwecke von Mexiko nach Australien ausgeführt. Im selben Zeitraum wurden weltweit 12'183 Nachzuchttiere international verschoben. Wichtigstes Herkunftsland war Mexiko gefolgt von Deutschland [2].

Taxonomie und Nomenklatur

Die Goldrückenn-Vogelspinne wurde erst 1993 von Günter SCHMIDT, dem 2016 verstorbenen Verfasser des Standardwerkes „Die Vogelspinnen“ und Peter KLAAS, dem Leiter des Insektariums im Kölner Zoo beschrieben [0].

Literatur und Internetquellen

  1. BELKER, N. (2010)
  2. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. LOCHT, A., YAÑEZ, M. & VÁZQUEZ (1999)
  5. WORLD SPIDER CATALOGUE

 

D NB 650

Veracruz-Vogelspinne

Brachypelma kahlenbergi • The Kahlenberg's Tarantula La mygale de Kahlenberg

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Veracruz-Vogelspinne (Brachypelma kahlenbergi) in der Pet Factory, Hülsede © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung der Veracruz-Vogelspinne (Brachypelma kahlenbergi)

 

 

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Veracruz-Vogelspinne (Brachypelma kahlenbergi) in der Pet Factory, Hülsede © Klaus Rudloff, Berlin

 

Verbreitung

Mexiko: Atlantikseite von Mexiko um Veracruz [3].

Biologie

Die Veracruz-Vogelspinne ähnelt Brachypelma vagans, ist aber kleiner als diese. Männchen und Weibchen sind praktisch ganz schwarz und haben rote Leithaare (Setae) auf der Oberseite des Hinterleibs [3].

Brachypelma-Arten wohnen in verlassenen Nagetierbauen oder Wurzelhöhlen. Sie kleiden die Wände mit Spinnenseide aus und verbessern die Höhle häufig durch eigene Grabaktivitäten Zu diesem Zweck nutzen sie ihre Kiefertaster (Pedipalpen) und Kieferklauen (Chelizeren). Den Aushub schaufeln sie zwischen den Beinen nach hinten bis vor die Höhle [1].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist in der Roten Liste der IUCN nicht aufgeführt.

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Bedeutung der Veracruz-Vogelspinne als Terrarientier ist gering. Von 2001-2016 meldete das Ursprungsland Mexiko keine Ausfuhren und weltweit wurden nur 25 Nachzuchttiere aus den Niederlanden und Deutschland international verschoben [2].

Taxonomie und Nomenklatur

Die Veracruz-Vogelspinne wurde erst 2008 von dem deutschen Arachnologen Jan-Peter RUDLOFF beschrieben [4].

Literatur und Internetquellen

  1. BELKER, N. (2010)
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. RUDLOFF, J. P. (2008)
  4. WORLD SPIDER CATALOGUE

 

D NT 650

Mexikanische Rotknie-Vogelspinne

Brachypelma smithi • The Mexican Red Knee Tarantula La mygale à genoux rouges

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Mexikanische Rotknie-Vogelspinne (Brachypelma smithi), Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung der Rotknie-Vogelspinne (Brachypelma smithi)

 

 

A brachypelma smithi breslau KR1
Mexikanische Rotknie-Vogelspinne (Brachypelma smithi) im Zoo Breslau © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

A brachypelma smithi zrh PD2
Mexikanische Rotknie-Vogelspinne (Brachypela smithi) im Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Verbreitung

Mexiko: Pazifikseite von Mexiko im Staat Guerrero [4].

Biologie

Die Rotknie-Vogelspinne ist eine große Art, bei der die Männchen eine Kopf-Rumpflänge von 55 mm und in normaler stehender Position eine diagonal von Fuß zu Fuß gemessene Spannweite von 150 mm aufweisen, die Weibchen 75 mm bzw. 140 mm [2].

Die Oberschenkel sind schwarz, das Knie orange bis goldbraun, der untere Teil der Beine abwechselnd orange und schwarzbraun. Der Carapax (Oberkörper) ist schwarz mit hell gelbbraunem Rand, der Hinterleib schwarz mit hellen Leithaaren [2].

Die Rotknie-Vogelspinne besiedelt Halbwüsten. Sie ist ein Höhlenbewohner, der sich von Insekten, kleinen Wirbeltieren und Aas ernährt. Die Art ist langlebig. Männchen werden mit etwa vier Jahren geschlechtsreif, Weibchen erst mit etwa sieben Jahren. Das Höchstalter dürfte bei 20 Jahren liegen. Ein Gelege besteht aus 200 bis 400 Eiern, die vom Weibchen in einen kugelförmig gewobenen Kokon abgelegt werden, der an einem klimatisch günstigen Ort in der Höhle gelagert wird (Text nach Zoo Zürich).

Gefährdung und Schutz

Nach einer revisionsbedürftigen Beurteilung aus dem Jahr 1996 wird die Rotknie-Vogelspinne in der Roten Liste der IUCN als potenziell gefährdet eingestuft [5].

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Rotknie-Vogelspinne ist als Terrarientier von allen Brachypelma-Arten mit Abstand am beliebtesten. Sie wird so häufig gezüchtet, dass sich die ex situ-Population ohne Nachschub aus der Wildbahn erhält. Von 2001-2016 wurden lediglich 4 Wildfänge für wissenschaftliche Zwecke von Mexiko nach Australien ausgeführt. Im selben Zeitraum wurden weltweit 39'696 Nachzuchttiere international verschoben. Wichtigste Herkunftsländer waren Deutschland mit 13'967 und die Schweiz mit 8'924 Tieren gefolgt von Mexiko und den Niederlanden [2].

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1897 von dem englischen Zeichner und Arachnologen Frederick Octavius PICKARD-CAMBRIDGE als "Eurypelma smithi" beschrieben. Ihren heutigen Namen trägt sie seit 1903 [6].

Literatur und Internetquellen

  1. BELKER, N. (2010)
  2. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. LOCHT, A., YAÑEZ, M. & VÁZQUEZ (1999)
  5. WORLD CONSERVATION MONITORING CENTRE. (1996). Brachypelma smithi. The IUCN Red List of Threatened Species 1996: e.T8152A12893193. http://www.iucnredlist.org/details/8152/0. Downloaded on 26 December 2017.
  6. WORLD SPIDER CATALOGUE

 

D NB 650

Schwarzrote Vogelspinne

Brachypelma vagans • The Mexican Redrump Tarantula La mygale à tronc rouge

A brachypelma vagans thepetfactory huelsede KR1
Schwarzrote Vogelspinne (Brachypelma vagans) in der Pet Factory, Hülsede © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung der Schwarzrote Vogelspinne (Brachypelma vagans) - Literaturangaben wiedersprüchlich, geht ev. bis Kolumbien

 

 

A brachypelma vagans thepetfactory huelsede KR2
Schwarzrote Vogelspinne (Brachypelma vagans) in der Pet Factory, Hülsede © Klaus Rudloff, Berlin

 

Verbreitung

Mittelamerika: Von Süd-Mexiko bis Honduras und ev. weiter bis Kolumbien [3 und diverse, z.T. widersprüchliche Internetquellen].

Biologie

Die Schwarzrote Vogelspinne ist eine recht große Art, bei der die Männchen eine Kopf-Rumpflänge von 50 mm und in normaler stehender Position eine diagonal von Fuß zu Fuß gemessene Spannweite von 150 mm aufweisen, die Weibchen 70 mm bzw. 140 mm [1].

Hinterleib und Beine sind dunkelbraun bis schwarz. Auf dem Hinterleib sind lange, rötliche Leithaare verteilt. Der Carapax (Oberkörper) ist schwarz mit hell gelbbraunem Rand [1].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist in der Roten Liste der IUCN nicht aufgeführt.

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die Schwarzrote Vogelspinne ist ein beliebtes Terrarientier, das so häufig gezüchtet wird, dass sich die ex situ-Population ohne Nachschub aus der Wildbahn erhält. Von 2001-2016 wurde lediglich ein exportierter Wildfange von Belize gemeldet. Im selben Zeitraum wurden weltweit 3'033 Nachzuchttiere international verschoben. Wichtigstes Herkunftsland war die Ukraine gefolgt von Tschechien und Deutschland [2].

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1875 von dem aus Bozen stammenden östereichischen Zoologen und Arachnologen Ferdinand AUSSERER, einem der bedeutendsten Arachnologen seiner Zeit, als "Eurypelma vagans" beschrieben. Ihren heutigen Namen trägt sie seit 1903 [4].

Literatur und Internetquellen

  1. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. LOCHT, A., YAÑEZ, M. & VÁZQUEZ (1999)
  4. WORLD SPIDER CATALOGUE

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Gelesen 749 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 12 April 2018 05:33
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx