Rinder und Waldböcke

Tiefland-Nyala

Tiefland-Nyalabock (Tragelaphus angasii) im Tierpark Hellabrunn Tiefland-Nyalabock (Tragelaphus angasii) im Tierpark Hellabrunn
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Unterfamilie: Echte Rinder (Bovinae)
Tribus: Afrikanische Waldböcke (Tragelaphini)

Red list status least concern

Nyala, Tieflandnyala

Tragelaphus angasii • The Nyala • Le nyala

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Tiefland-Nyala (Tragelaphus angasii) im Opel-Zoo Kronberg © Frank Teigler, www.Hippocampus-Bildarchiv.de

 

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Approximative Verbreitung der Tieflandnyala (Tragelaphus angasii)

 

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Tiefland-Nyala (Tragelaphus angasii im Opel-Zoo Kronberg © Frank Teigler, www.Hippocampus-Bildarchiv.de

 

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Tiefland-Nyalakuh (Tragelaphus angasii) im Tierpark Hellabrunn © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Tiefland-Nyalakuh (Tragelaphus angasii) im Opel-Zoo Kronberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Tiefland-Nyalakalb(Tragelaphus angasii) im Opel-Zoo Kronberg © Archiv Opel-Zoo

 

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Tiefland-Nyalabock (Tragelaphus angasii) im Opel-Zoo Kronberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Äsende Tiefland-Nyalakuh (Tragelaphus angasii) im Opel-Zoo Kronberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Tiefland-Nyalabäcke (Tragelaphus angasii) im Mkuze-Wildschutzgebiet, Kwazulu-Natal © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 


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Tiefland.Nyalakalb (Tragelaphus angasii) im Tiergarten Schönbrunn © Jutta Kirchner / Tiergarten Schönbrunn

 

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Tiefland-Nyalakuh (Tragelaphus angasii) mit Kalb im Zoo Berlin © Peter Griesbach / Zoo Berlin (Pressefoto)

 

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Tiefland-Nyalas (Tragelaphus angasii), Kuh und Jungbulle im Bronx-Zoo, New York © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Gehege für Tiefland-Nyalas im Zoo Berlin © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Tiefland-Nyalakuh im Opel-Zoo, Kronberg © Tanja Köritzer

 

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Der Tiefland-Nyala ist eine äußerst attraktive Antilope, die wegen ihres ausgeprägten Sexualdimorphismus zoopädagogisch interessant ist und auch als Beispiel dafür dienen kann, dass Jagd- und Phototourismus sich positiv auf die Bestandsentwicklung einer Art auswirken können, währenddem unkontrollierte Jagd das Gegenteil bewirkt. In Europa ist die Art mit mittlerer Häufigkeit in Zoos anzutreffen.

Körperbau und Körperfunktionen

Von allen Waldböcken zeigt der Tiefland-Nyala den am stärksten ausgeprägten Sexualdimorphismus. Bullen erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 159-198 cm, eine Schulterhöhe von 104-121 cm, ein Schwanzlänge von 37-47 cm und ein Gewicht von 92-126 kg. Die Kühe werden 132-146 cm lang, 82-106 cm hoch, 57-68 kg schwer und haben einen 34-40 cm langen Schwanz. Wie bei den anderen afrikanischen Waldböcken haben die Bullen schraubenartig gedrehte  Hörner. Diese verlaufen fast parallel, sind bis 65 cm lang und haben eine weiße Spitze. Vom Genick bis zum Schwanzansatz tragen sie eine Mähne, die sie aufstellen können, und auch vom Unterkiefer bis zu den Hinterbeinen sind die Haare mähnenartig verlängert. An Kopf, Hals, Schwanzoberseite und der oberen Hälfte der Beine ist das Fell schwarzgrau mit weißen Tupfen und bis zu 13 schmalen Querstreifen sowie auch weißen Haaren in der Rückenmähne. Ein Querband am Halsansatz, Beininnenseiten und die Unterseite des buschigen Schwanzes sind weiß, die Läufe sind in ihrer unteren Hälfte  rotbraun, unmittelbar oberhalb der Klauen wiederum schwarz. Die Kühe haben keine Hörner,  ihre Fellfarbe ist überwiegend rotbraun, die Rückenmähne ist nur schwach ausgebildet, die Bauchmähne fehlt. Auch die Kälber sind rotbraun, Jungbullen beginnen ab etwa 4 Monaten sich umzufärben. Am Kopf und in der Leistenregion sind keine Duftdrüsen vorhanden, nur an den Füßen [5; 6; 8].

Verbreitung

Südliches Afrika : Malawi, Mosambik, Südafrika (Limpopo, Mpumalanga, Kwazulu-Natal), Simbabwe. In Swasiland ausgerottet und wiederangesiedelt. Eingeführte Populationen in Botswana und Namibia sowie in Gebieten Südafrikas, wo die Art ursprünglich nicht heimisch war [4].

Lebensraum und Lebensweise

Nyalas treten meist in Wassernähe auf. Sie besiedeln dichten Wald, Dickicht, Wald-Savannenmosaike, Galeriewälder und Baumsavannen mit Akazien und u.a. Baum-Wisterien (Bolusanthus). Sie bewohnen das Tiefland und sind recht empfindlich gegen tiefe Temperaturen. Wo sie nicht bejagt werden, sind sie am Tag aktiv, ansonsten überwiegend in der Dämmerung und nachts. Sie sind vielseitige Selektiväser, die nebst Laub und Zweigen auch Gräser, Kräuter und Früchte sowie Baumrinde, etwa vom Affenbrotbaum (Adansonia digitata), zu sich nehmen. Die Tiere sind standorttreu. Sie haben Streifgebiete von etwa 1.3-9.5 km², die sie nicht exklusiv für sic beanspruchen. Ältere Bullen sind oft Einzelgänger, ansonsten sind Nyalas recht sozial und werden in ein- oder gemischtgeschlechtlichen Trupps bis zu 30(-40)  Individuen angetroffen, die aber bis auf die Mutterfamilien wenig stabil sind. Die Mutterfamilien können Töchter mehrerer Jahre umfassen, Söhne werden mit 12-14 Monaten vertrieben [1; 3; 4; 5; 8].

Es gibt keine feste Fortpflanzungsperiode, allenfalls eine regional unterschiedliche, saisonale Häufung von Brunftaktivitäten und Geburten. Brünftige Bullen wühlen mit ihrem Gehörn im Boden und bauen hauptsächlich durch Imponiergehabe eine Hierarchie untereinander auf. Dazu präsentieren sie ihre Breitseite mit aufgestellter Mähne und aufgerichtetem Schwanz. Hornkämpfe, die auf den Handgelenken "kniend" ausgefochten werden, sind selten. Nach einer Tragzeit von 229-245 Tagen wird in der Regel ein einzelnes 4.1 bis 7 kg schweres Kalb geboren. Bereits eine Woche nach der Geburt ist die Kuh wieder empfängnisbereit. Die Jungen sind Ablieger, die sich in dichter Vegetation verstecken und der Mutter erst nach 10-18 Tagen folgen. Jungkühe werden mit 11-15 (14-18) Monaten geschlechtsreif, Jungbullen mit 16 Monaten, gelangen effektiv aber erst mit 4-5 Jahren zur Fortpflanzung  [6; 8].

Gefährdung und Schutz

Mit einer stabilen bis leicht zunehmenden Population, die 1999 auf etwa 32'000 Tiere, 2013 auf 36'500 Tier geschätzt wurde, von denen viele in staatlichen oder privaten Schutzgebieten oder auf Jagdfarmen leben, ist die Art nicht gefährdet. Die trifft nicht zu für die Population in Mosambik, wo der Bestand wegen unkontrollierter Jagd kümmert. In Malawi hat sich der Bestand in den letzten Jahren halbiert, besonders im Lengwe-Nationalpark, der eigentlich insbesonder für den Schutz dieser Art gedacht war (Rote Liste: LEAST CONCERN) [4].

Der internationale Handel fällt nicht mehr unter CITES. Die Einfuhr aus den Ursprungsländern ist aber wegen der restriktiven Veterinärbestimmungen der EU so gut wie ausgeschlossen.

Bedeutung für den Menschen

In Südafrika haben Nyalas für Landbesitzer einen hohen Wert, da das Gehörn der Böcke als Trophäe sehr begehrt ist und dem Jagdgast zu einem Preis berechnet wird, der höher als jener von Elenantilope, Kudu, Oryx oder Wasserbock ist. An Wildauktionen erzielen Nyalabullen Preise um die 20'000 ZAR, d.h. etwa 1'200 €. Wegen ihrer Attraktivität wurden Nyalas deshalb auch in für sie im Prinzip wenig geeigneten Habitaten im Kapland, der Kalahari oder im Buschveld angesiedelt. Da sie aber, im Gegensatz etwa zum laubfressenden Buschbock, in ihrer Nahrungswahl ziemlich flexibel sind, kommen sie damit zugange. Von ca. 1970-1995 hat allein die Nationalparkbehörde von Kwazulu-Natal ungefähr 8'000 Nyalas umgesiedelt. Nyalas stehen in Konkurrenz zum Buschbock und können diesen verdrängen, was beim Management der beiden Arten zu berücksichtigen ist [4; 5; Online-Inserate 2019].

Haltung im Zoo

Nyalas können mit Vögeln, z. B. Pelikanen, Nilgänsen, Marabus, Kronenkranichen oder Hornraben und vielen Säugetieren, z. B. Flusspferden, Pinselohrschweinen, Giraffen und diversen Antilopen (ohne Waldböcke) vergesellschaftet werden.

Als Höchstalter gibt WEIGL 18 Jahre und 18.5 Jahre  für zwei im Oklahoma-Zoo geborene Kühe an [7].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in gegen 50 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Fünftel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. Es gibt ein Europäisches Zuchtbuch (ESB), das vom Zoo Lissabon geführt wird.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll für bis zu 5 Tieren ein Gehege von mindestens 400 m² zur Verfügung stehen. Für jedes weitere Tier kommen 30 m² zur Basisfläche dazu. Zudem wird ein Stall von 4-5 m²/Tier vorgegeben.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für bis zu 5 Tieren ein Gehege mit Trenn- oder Absperrmöglichkeit vor, dessen Grundfläche 500 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 80 m² zur Basisfläche dazu. Ferner ist ein Stall mit einer Fläche von 8 m²/Tier erforderlich.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) ist für 1-5 Tiere ein Außengehege von 800 m² erforderlich, für jedes weitere 80 m² mehr. Zudem ist ein beheizter Stall mit einem Mindestausmaß von 5 m² pro Tier mit einer Mindesttemperatur von 10°C vorgeschrieben. Die Haltung hat in Gruppen mit einem erwachsenen Männchen, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs zu erfolgen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Tieflandnyala wurde 1849 von dem englisch-australischen Forschungsreisenden George French ANGAS unter seinem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die Artbezeichnung "angasii" bezieht sich auf den Vater des Erstbschreibers und soll laut diesem bereits 1848 von John Edward GRAY vom British Museum in London verwendet worden sein. Der amerikanische Zoologe Edmund HELLER stellte die Art in eine neue Gattung Nyala, was sich aber in der Folge nicht duchsetzte. Die Splitter-Taxonomen der jüngsten Taxonomen haben diesen Namen zwar wieder ausgegraben, die Rote Liste der IUCN macht aber nicht mit, sondern nennt die Art nach wie vor Tragelaphus angasii. Es gibt keine Unterarten. [4; 8; 9].

Der Tieflandnyala ist nicht der nächste Verwandte des in Äthiopien vorkommenden, erst 1908 entdeckten, 1910 beschriebenen und heute wegen illegaler Jagd stark gefärdeten Bergnyalas (Tragelaphus buxtoni). Dieser wird vielmehr in eine Klade mit der Sitatunga und dem Bongo gestellt [9].

Literatur und Internetquellen

  1. APPS, P. (1992)
  2. ENGELS, S. (2008)
  3. GRZIMEK, B. (ed., 1970)
  4. IUCN SSC Antelope Specialist Group. (2016). Tragelaphus angasii (errata version published in 2017). The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22052A115165681. http://www.iucnredlist.org/details/22052/0. Downloaded on 12 June 2018.
  5. MILLS, G & HES, L. (1999)
  6. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  9. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Gelesen 1639 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 07 März 2019 10:03
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