Antilopen

Gelbrückenducker

Riesenducker (Cephalophus silvicultor) im Zoo Wuppertal Riesenducker (Cephalophus silvicultor) im Zoo Wuppertal
© Ulrich Schürer, Solingen

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ducker (Cephalophinae)

D NT 650

Gelbrückenducker, Riesenducker

Cephalophus silvicultor • The Yellow-backed Duiker • Le céphalophe à dos jaune

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Gelbrückenducker (Cephalophus silvicultor) im Tiergarten Nürnberg © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Gelbrückenduckers (Cephalophus silvicultor)

 

 

 

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Gelbrückenducker (Cephalophus silvicultor) im Tiergarten Nürnberg © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Gelbrückenducker (Cephalophus silvicultor) im Tiergarten Nürnberg © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Gelbrückenducker (Cephalophus silvicultor) im Tiergarten Nürnberg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Gelbrückenducker (Cephalophus silvicultor) im Zoo Frankfurt © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Gelbrückenducker (Cephalophus silvicultor). Illustration aus SCLATER, P. L. & OLDFIELD, T. (1894-1900). The Book of Antelopes. Public Domain.

 

 

 

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Schädel eines Gelbrückenduckers (Cephalophus silvicultor). Illustration aus SCLATER, P. L. & OLDFIELD, T. (1894-1900). The Book of Antelopes. Public Domain.

 

 

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Die in ihrem Ursprungsgebiet potenziell gefährdeten Riesenducker sind die größten Vertreter der Unterfamilie Cephalophinae. Ducker werden nur selten gehalten, von den 18 traditionell anerkannten Arten der Gattung Cephalophus sind gegenwärtig (2021) nur zwei in europäischen Zoos vertreten, darunter der Gelbrückenducker als die seltenere Art.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Kopf-Rumpflänge von 115-145 cm, einer Widerristhöhe von 65-85 cm und einem Körpergewicht von 45-80 kg ist der Gelbrückenducker die größte Art seiner Gattung, Jentink- (C. jentinki) und Abbott-Ducker (C. spadix) sind im Mittel minim kleiner. Als Anpassung an das Leben im dichten Regenwald sind die Tiere hinten höher gebaut als vorne und können so bequem durch das Geäst schlüpfen. Der Schwanz ist 8-18 cm lang. Beide Geschlechter tragen kurze, gerade, an der Basis geringelte Hörner, die bei den Böcken bis 15(-10) cm lang werden können, bei den Ricken deutlich kürzer sind. Der Nasenspiegel ist schwarz. Auffällige Schlitze bilden die Öffnungen der Voraugendrüsen. Das kurze, weiche und ölige Fell ist braunschwarz, an den Beinen dunkler, im Gesicht und im Hinterrücken-Schwanz-Bereich gräulich. Auf dem Rücken befindet sich ein scharf abgegrenztes dreieckiges Feld mit den namengebenden, bis 7 cm langen gelben Rückenhaaren. Diese werden bei Erregung aufgerichtet und haben wahrscheinlich Signalfunktion [3; 5].

Verbreitung

West- und Zentralafrika: Äquatorialguinea, Angola, Benin, Burkina Faso, Burundi, Elfenbeinküste, Guinea, Gabun, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kenia, Kongo, Kongo Dem., Liberia, Nigeria, Sambia, Senegal, Sierra Leone, Süd-Sudan, Togo, Uganda, Zentralafrikanische Republik. Möglicherweise ausgestorben in Ruanda und Tschad, ausgestorben in Gambia [1].

Lebensraum und Lebensweise

Ducker sind nachtaktive Fluchttiere. Sie sind sehr scheu und wegen ihrer winzigen, nach hinten gerichteten Hörner gegenüber Fressfeinden nicht besonders wehrhaft. Ihr schreckhaftes Verhalten hat auch zur Namensgebung geführt, denn der Name "Ducker" kommt von „duiker“ aus der Sprache Afrikaans und bedeutet „Taucher“.

Im größten Teil seines Areals lebt der Gelbrückenducker in feuchten Wäldern des Tieflands oder der montanen Zone, Wald-Savannenmosaiken, Galeriewäldern, Dickichten und isolierte Waldstücke innerhalb von Feuchtsavannen. Er geht auch in Pflanzungen, Bambusdickichte und in Angola in den Miombo-Wald. Seine Nahrung besteht überwiegend aus Blüten, Samen und Früchten [1; 5].

Es gibt keine feste Paarungs- und Setzzeit, Geburten können während des ganzen Jahres erfolgen. Die Tragzeit wurde im Wuppertaler Zoo mit 237 Tagen ermittelt. Es wird ein einzelnes Kitz mit einem Gewicht von je nach Quelle 1-1.5 bzw. 2.3-6.1 kg geboren. Der charakteristische gelbe Rückenfleck fehlt beim Neugeborenen. Er entwickelt sich erst allmählich und ist mit 7 Monaten voll ausgebildet [2; 3; 5].

Gefährdung und Schutz

Der Bestand des Riesenduckers wurde 1999 auf über 150'000 Individuen geschätzt und die Art galt nicht als gefährdet. Da das Verbreitungsgebiet zunehmend schrumpft und fragmentiert wird, und der Populationstrend nach unten zeigt wurde die Art 2016 als potenziell gefährdet eingestuft (Rote Liste: NEAR THREATENED) [1].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt. Die Einfuhr lebender Tiere aus den Ursprungsländern ist überdies wegen der restriktiven Veterinärbestimmungen der EU so gut wie ausgeschlossen.

Bedeutung für den Menschen

Früher war der Gelbrückenducker bei vielen Volksstämmen mit einem Tabu belegt und galt als nicht-essbar. Dies hat in letzter Zeit geändert, die Tiere sind Gegenstand einer unregulierten Jagd und ihr Fleisch kommt auf die Bushmeat-Märkte [1]. Amerikanische "Tour Operators" bieten Jagdsafaris in verschiedenen Zentralafrikanischen Ländern ab, bei denen für teures Geld auch Gelbrückenducker geschossen werden [Online-Inserate 2019].

Haltung

Im Zoo von San Francisco werden Gelbrückenducker zusammen mit Steppenzebras, Giraffen, Großen Kudus, Dikdiks und Straußen gehalten, im San Diego Zoo zusammen mit Okapis [2].

WEIGL gibt das Höchstalter mit 22 Jahren und 6 Monaten an, erreicht von einem in amerikanischen Zoos gehaltenen männlichen Tier [4].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in nur ganz wenigen Zoos gehalten, die sich im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Die Welterstzucht gelang 1959 im Zoo Antwerpen, die deutsche Erstzucht dem Zoo Frankfurt. Der heutige, sehr kleine Bestand in Europa geht auf Tiere aus dem nordamerikanischen Zuchtprogramm zurück: in Nordamerika gibt es ungefähr 70-80 Tiere in etwa zwei Dutzend Einrichtungen. Der Zoo Frankfurt hielt die Art von 1962-1989 und wieder seit 2014. Ein Bock wurde dort mehr als 17 Jahre alt. Der Zoo Wuppertal hielt von 1990-1992/93 erstmals ein Paar, 1999 kam ein neues Paar aus den Zoos von Miami und Cincinnati. Dieses brachte im Jahr 2000 eine Totgeburt, 2001 ein Jungtier, das aufgezogen und später nach Nürnberg abgegeben wurde [3].

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll für ein Paar ein Gehege von mindestens 100 m² zur Verfügung stehen, bei Familiengruppen für jedes weitere Tier 50 m² mehr. Zudem wird eine Stallfläche von 4 m² pro Tier vorgegeben. Die Temperatur im Innengehege muss mindestens 18ºC betragen.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für bis zu 2 Tieren ein unterteilbares Gehege mit Sichtblenden, Ausweich- und Versteckmöglichkeiten vor, dessen Grundfläche 100 m² misst. Für zusätzliche Tiere sind weitere Gehege erforderlich. Als Stallfläche sind 4 m² pro Tier anzubieten.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) ist für 1-5 Tiere ein Außengehege von 500 m² erforderlich, für jedes weitere 50 m² mehr. Ferner sind Innenanlagen von 10 m² pro Tier mit einer Raumtemperatur von mindestens 18°C vorgeschrieben. Die Haltung hat paarweise oder in Familiengruppen zu erfolgen.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Gelbrückenducker wurde 1815 vom schwedischen Botaniker und Zoologen Adam AFZELIUS, einem Schüler Carl von LINNÉs, als "Antilope silvicultrix" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattung Cephalophus wurde 1827 vom britischen Oberstleutnant Charles HAMILTON SMITH, einem wissenschaftlichen Illustrator und autodidaktischen Naturforscher, aufgestellt. Es werden vier Unterarten differenziert, eine davon, curticeps, wurde 2011 von den "Splitter"-Taxonomen GROVES & GRUBB aufgrund morphologischer Merkmale - der Schädel ist ein wenig kürzer als bei den anderen Formen -  zur Art erhoben, was wohl vom Handbuch der Säugetiere, nicht aber von der IUCN mitgemacht wurde [1; 5].

Literatur und Internetquellen

  1. IUCN SSC Antelope Specialist Group. (2016). Cephalophus silvicultor. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T4150A50184147. http://www.iucnredlist.org/details/4150/0. Downloaded on 13 June 2018.
  2. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  3. SCHÜRER, U. (2002a)
  4. WEIGL, R. (2005)
  5. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 7495 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 15 September 2021 14:50
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx