Zungenlose, Scheibenzüngler, Krötenfrösche

Grosse Wabenkröte

Große Wabenkröte (Pipa pipa) im Aquazoo Düsseldorf Große Wabenkröte (Pipa pipa) im Aquazoo Düsseldorf
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Mittelalte Frösche (Mesobatrachia)
Familie: Zungenlose (Pipidae)

D LC 650

Große Wabenkröte

Pipa pipa • The Surinam Toad • Le crapaud surinamien

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Große Wabenkröte (Pipa pipa) im Zoo-Aquarium Berlin © Peter Griesbach, Berlin

 

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Approximative Verbreitung der Großen Wabenkröte (Pipa pipa)

 

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Große Wabenkröte (Pipa pipa) im Aquazoo Düsseldorf © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Große Wabenkröte (Pipa pipa), Rücken mit Wabe © Peter Janzen, DGHT

 

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"Pipa (Asterodactylus pipa)". Bild aus aus Brehms Thierleben (1882-1887)

 

 

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Die in ihrer südamerikanischen Heimat nicht gefährdete Große Wabenkröte ist wegen ihrer Fortpflanzungsstrategie von großem zoopädagogischem Interesse und wird daher in etlichen Zoos gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Große Wabenkröten werden bis zu zwanzig Zentimeter lang, wobei Männchen kleiner bleiben. Sie sind schwarzbraun gefärbt, der Körperumriss beinahe viereckig. Der Kopf ist zugespitzt. Die sehr kleinen, nahe am Kieferrand stehenden Augen haben keine Lider. Der Körper ist platt. Die vier Finger sind lang und dünn, die fünf Zehen durch Schwimmhäute verbunden. An den Fingern haben sie sternförmige Tastorgane, mit denen sie ihre Nahrung finden [2; 3; PM Zoo Berlin 23.01.2014].

Verbreitung

Nördliches Südamerika: Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Ekuador, Französisch Guiana, Guyana, Peru, Surinam, Trinidad und Tobago, Venezuela

Lebensraum und Lebensweise

Große Wabenkröten sind aquatische Tiere, die sich nur selten an Land begeben. Sie besiedeln langsam fließende Bäche und Flüsse, Weiher und Tümpel sowie temporär überschwemmte Wälder. Sie ernähren sich hauptsächlich von Wirbellosen [5].

Das Weibchen trägt die Eier in wabenartigen Vertiefungen auf dem Rücken bis die Jungen schlüpfen. Diese allen Wabenkröten eigene Fortpflanzungsstrategie wurde erstmals im Jahr 1705 von der in Frankfurt am Main geborenen Künstlerin und Naturforscherin Maria Sibylla MERIAN in ihrer "Metamorphosis insectorum Surinamensium" dargestellt und beschrieben. Die Interpretation von MERIAN wurde 1896 durch Beobachtungen von Abraham Dee BARTLETT im Londoner Zoo korrigiert, aber der Vorgang immer noch nicht vollständig beschrieben. Dies geschah erst 1960 durch George und Mary RABB, aufgrund von Beobachtungen, die sie 1959 im Zoo von Chicago gemacht hatten: Das Paar dreht sich während des Amplex mehrmals auf den Rücken. Dabei stößt das Weibchen jeweils einige Eier aus, die auf den Bauch des weiter hinten sitzenden Männchens fallen. Danach begibt sich das Paar wieder in die Ausgangslage, wobei das Männchen den Klammergriff lockert, sodass die Eier auf den Rücken des Weibchens gleiten können. Gleichzeitig befruchtet es die Eier. Diese versinken in der Folge in der aufgequollenen Rückenhaut des Weibchens und werden von ihr bis auf einen kleinen Deckel umschlossen. In den Eiern wachsen die Kaulquappen heran, die dort auch metamorphosieren. Bei der nächsten Häutung werden die Deckel der Wabe geöffnet, womit die Jungen auch schon die Möglichkeit haben, Beute zu fangen. 77-136 Tage nach der Eiablage verlassen die nun rund 2 cm langen Krötchen ihr Zellen [4; 6].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist sehr weit verbreitet und ist allgemein häufig. Sie ist daher nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2014 nicht gefährdet [5].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Große Wabenkröten befinden sich, wohl in limitierten Mengen, im Tierhandel. Angebote in den USA liegen bei 30-46 USD (Online-Inserate 2017).

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in über 20 europäischen Einrichtungen gezeigt, von denen sich rund ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland gibt es keine konkreten Mindestanforderungen. In Österreich sind diese in Anlage 4 der 2. Tierhaltungsverordnung, in der Schweiz in Anhang 2, Tabelle 6 der Tierschutzverordnung festgelegt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Rana pipa" beschrieben. 1768 taufte sie der österreichische Arzt und Naturforscher Josephus Nicolaus LAURENTI "Pipa americana". Zu ihrem heute gültigen Namen kam sie erst 1948 [1].

Literatur und Internetquellen

  1. AMPHIBIAN SPECIES OF THR WORLD
  2. AMPHIBIAWEB
  3. BREHM, A. E. (1882-1887)
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. IUCN SSC Amphibian Specialist Group (2015). Pipa pipa. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T58163A61414791.  http://www.iucnredlist.org/details/58163/0. Downloaded on 12 December 2017.
  6. RABB, G. B. & RABB, M. S. (1960)

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Gelesen 1093 mal Letzte Änderung am Sonntag, 06 Januar 2019 15:01
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx