Boas

Regenbogenboa

Regenbogenboa (Epicrates cenchria cenchria) im Zoo Basel Regenbogenboa (Epicrates cenchria cenchria) im Zoo Basel
Thomas Jermann, Basel

Ordnung: Schuppenkriechtiere (SQUAMATA)
Unterordnung: Schlangen (SERPENTES)
Überfamilie: Wühl- und Riesenschlangenartige (Booidea)
Familie: Boas (Boidae)
Unterfamilie: Boaschlangen (Boinae)

D LC 650

Regenbogenboa

Epicrates cenchria s.l. • The Rainbow Boa or Thick-necked Tree Boa • Le boa arc-en-ciel

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Regenbogenboa (Epicrates cenchria) im Litchfield World Wildlife Zoo, Arizona © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Vermutete Verbreitung der Festland-Regenbogenboas nach RIVERA et al. (2011): Dunkelblau: cenchria; gelb: assisi, rot: crassus, dunkelgrün: alvarezi; nördlich der gepunkteten Linie: maurus

 

 

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Junge Regenbogenboa (Epicrates cenchria cenchria) im Zoo Basel © Thomas Jermann, Zoo Basel

 

 

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Braune Regenbogenboa (Epicrates c. maurus) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Regenbogenboa (Epicrates cenchria). Zeichnung von Urs WOY aus dem CITES Identification Manual.

 

 

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Die Regenbogenboa ist eine eher kleine, vor allem im Jugendstadium sehr bunte Riesenschlange mit irisierenden Schuppen, von denen sich der deutsche Name herleitet, die in Zoos recht häufig gezeigt wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Länge von in der Regel weniger als 2 Metern ist die Regenbogenboa eine eher kleine "Riesen"-schlange. Ihr Kopf schmal und klein und mit stumpfer Schnauze. Er ist nicht stark vom Hals abgesetzt. Das Auge ist relativ groß und hat eine Schlitzpupille. Die Körperschuppen sind klein und glatt. Ihren umgangssprachlichen Namen verdankt sie dem schillernden Glanz ihrer Schuppen. Färbung und Zeichnungsmuster können je nach Unterart und Herkunft recht unterschiedlich sein [3; 4; 5].

Verbreitung

Südliches Mittel- und Tropisches Südamerika: Nord-Argentinien, Bolivien, Brasilien, Costa Rica, Ekuador, Französisch Guiana, Guyana, Kolumbien, Panama, Paraguay, Surinam, Trinidad und Tobago, Venezuela. Mehrere Unterarten [7].

Lebensraum und Lebensweise

Die Regenbogenboa bevorzugt felsiges Gelände, besiedelt aber unterschiedliche Lebensräume, einschliesslich Kulturland. Sie ist weitgehend nachtaktiv. Beutetiere sind Kleinsäuger und Vögel, die sowohl am Boden wie auf Bäumen gejagt, mit den Fangzähnen festgehalten und dann erdrosselt werden. Die Art ist  ovovivipar. Die Würfe umfassen 10-30 Junge. Die Jungtiere sind bei ihrer Geburt etwa 40-50 cm lang und ernähren sich anfänglich hauptsächlich von Echsen [3; 5; 8].

Gefährdung und Schutz

Gestützt auf eine Beurteilung aus dem Jahr 2013 wurde Epicrates cenchria erst 2021 in die Rote Liste der IUCN aufgenommen. In Anbetracht ihrer weiten Verbreitung und ihres Vorkommens in vielen Schutzgebieten wurde sie als nicht-gefährdet (LEAST CONCERN) eingestuft [9]. Die neuen Arten sind ebenfalls nicht gefährdet, ausgenommen Epicrates alvarezi, die als potenziell gefährdet (NEAR THREATENED) eingestuft wurde.

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

In Nordbrasilien und Peru findet die Regenbogenboa Verwendung in der traditionellen Medizin [9]. Die Art befindet sich im Heimtierhandel. Von 2001-2021 meldeten die südamerikanischen Ursprungsländer die Ausfuhr von 10'0199 Wildfängen. Davon stammten 8'082 aus Guiana. Im selben Zeitraum wurden weltweit 14'623 Nachzuchttiere international verschoben. Mit Abstand die meisten davon (8'183) stammten aus Tschechien, aus Deutschland waren es 1'308 Exemplare [2].

Haltung

Die Regenbogenboa wird rasch zahm und gilt als eine der am besten für die Terrarienhaltung geeigeten Riesenschlangen. Für die Haltung werden geräumige, gut belüftete, hochformatige, bepflanzte Terrarien mit vielen verzweigten Kletterästen einem Schlupfkasten oder ähnlichem Versteck und einem Wasserbecken empfohlen. Als Bodengrund eignen sich Feuchtigkeit speichernde Substrate wie Torf und Sphagnum. Die Lufttemperatur soll tagsüber zwischen 27-32ºC liegen und nachts auf 22-25ºC abgesenkt werden [3; 4; 8].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in gegen 70 Institutionen gezeigt, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für zwei etwa gleich große Tiere mindestens gleich lang und 0.5x so breit sein wie die Gesamtlänge eines Tieres. Die Höhe soll Dreiviertel der Gesamtlänge betragen. Für jedes weitere Tier ist das Terrarienvolumen unter Beibehaltung der Proportionen um 20% zu erhöhen. In der Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 01.06.2022) ist die Art nicht erwähnt. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2023) verlangt für 1-2 erwachsene Tiere eine Grundfläche von 0.9 m² bei einer Höhe von 80 cm. Für jedes weitere Adulttier ist die Grundfläche um 0.4 m² zu erhöhen.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Boa cenchria" beschrieben. Zu ihrem heutigen Gattungsnamen kam sie 1830 durch den an der Ludwig-Maximilians-Universität in München tätigen Zoologen Johann Georg WAGLER. Epicrates cenchria ist bzw. war die einzige kontinentale Form der Schlankboas. Innerhalb ihres weiten Areals wurden 11 Unterarten unterschieden. In den letzten Jahren stipulierten mehrere Autoren, dass es sich dabei zum Teil um volle Arten handle. Heute werden in der REPTILE DATA Base nebst cenchria auch alvarezi, assisi, crassus und maurus als volle Arten aufgeführt. Eine Gruppe argentinischer Herpetologen versuchte 2011 anhand ökologischer Faktoren die Grenzen zwischen diesen neuen Arten zu bestimmen [6; 7].

Literatur und Internetquellen

  1. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. MEHRTENS, J. M. (1993)
  4. NIETZKE, G. (1969)
  5. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2002)
  6. RIVERA P.C., DI COLA V., MARTÍNEZ J.J., GARDENAL C.N., CHIARAVIGLIO M. (2011)
  7. THE REPTILE DATA BASE
  8. TRUTNAU, L. (2002)
  9. CALDERÓN, M., ORTEGA, A., CATENAZZI, A. et al. (2021). Epicrates cenchria. The IUCN Red List of Threatened Species 2021: e.T15154721A15154747. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2021-2.RLTS.T15154721A15154747.en. Accessed on 17 July 2023.

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx