Giftnattern

Weisslippenkobra

Weißlippenkobra (Naja melanoleuca) im Tierpark Hellabrunn, München Weißlippenkobra (Naja melanoleuca) im Tierpark Hellabrunn, München
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Schuppenkriechtiere (SQUAMATA)
Unterordnung: Schlangen (SERPENTES)
Überfamilie: Nattern- und Vipernartige (Colubroidea oder Xenophidia)
Familie: Giftnattern (Elapidae)
Unterfamilie: Echten Giftnattern (Elapinae)

D LC 650

Weißlippenkobra, Schwarzweiße Kobra

Naja melanoleuca s. l. • The Forest Cobra • Le cobra des forêts

305 006 030 010 naja melanoleuca juv TPB KR2
Junge Weißlippenkobra (Naja melanoleuca) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

305 006 030 010 naja melanoleuca map
Sehr approximative Verbreitung der Weißlippenkobra (Naja melanoleuca)

 

 

 

305 006 030 010 naja melanoleuca MUC detail PD1
Weißlippenkobra (Naja melanoleuca) im Tierpark Hellabrunn, München © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

305 006 030 010 naja melanoleuca TPB KR1
Weißlippenkobra (Naja melanoleuca) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

305 006 030 010 naja melanoleuca mPellegrini
Weißlippenkobra (Naja melanoleuca) im Philadelphia Zoo © Klaus Rudloff, BerlinMark Pellegrini, veröffentlicht unter der Attribution-ShareAlike 2.5 Generic (CC BY-SA 2.5)-Lizenz

 

 

 

305 006 030 010 naja melanoleuca snakebite
Braune Waldkobra (Naja subfulva) aus Kwazulu-Natal, Südafrika © Aufnahme von Johan Marais von der Facebookseite des African Snakebite Institute. (https://www.facebook.com/AfricanSnakebiteInstituteOfficial/)

 

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Die Weißlippenkobra ist eine große, nicht-gefährdete Giftschlange aus Afrika südlich der Sahara, die in europäischen Zoos eher selten gezeigt wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit 1.80-2.10 m, gelegentlich bis zu 2.70 m Länge gehört die Weißlippenkobra zu den größeren Schlangenarten im südlichen Afrika. Die Färbung variiert je nach Unterart. Die Nominatform ist überwiegend schwarz mit meist gelblichem oder cremefarbenem, teils schwarzgeflecktem Bauch, bei N. m. subfulva ist die vordere Hälfte des Körpers goldgelb bis goldbraun, eventuell mit schwarzen Sprenkeln und wird dann bis zum Schwanzende dunkler, häufig blauschwarz [1; 4; 5].

Verbreitung

Afrika südlich der Sahara bis Kwazulu-Natal und Simbabwe

Lebensraum und Lebensweise

Die Weißlippenkobra ist in geschlossenen feuchten Waldgebieten weit verbreitet. Sie komt meist in der Nähe von Gewässern vor und schwimmt sehr gut. Die Unterart subfulva kommt auch in trockeneren Savannengebieten vor. Das Nahrungsspektrum der Weißlippenkobra gleicht dem der anderen Kobra-Arten, abgesehen davon, dass sie auch langsame Fische fängt. Das Gelege besteht aus (10-)15-26 großen (60x30 mm) Eiern. Die etwa 38 cm langen Jungtiere schlüpfen nach 75-91 Tagen [1, 3; 4; 5].

Gefährdung und Schutz

Gestützt auf eine Beurteilung aus dem jahr 2019 ist die Art seit 2021 in der Roten Liste der IUCN als nicht-geföährdet (LEAST CONCERN) aufgeführt, weil sie eine weite Verbreitung hat und ihr Bestand nur stellenweise durch Lebensraumverlust beeinträchtigt wird. Die Beurteilung bezieht sich nicht auf subfulva [7].

Der internationale Handel ist nach CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Das Gift der Weißlippenkobra ist neurotoxisch, aber nicht so stark wie das der Kapkobra [2].

Die Art befindet sich im Heimtierhandel. Angebote gibt es z.B. für 150 € oder 300 USD (Online-Inserate 2017).

Haltung

Die Weißlippenkobra gehört zu den "Gefahrtieren", deren Haltung in manchen deutschen Bundesländern unter sicherheitspolizeilichen Aspekten eingeschränkt oder geregelt ist. Für die Haltung durch erfahrene Personen wird ein geräumiges, trockenes oder halbtrockenes Giftschlangenterrarium empfohlen, das mit Bodenheizung, einem Spot, einem Wasserbecken, Klettermöglichkeiten, Korkrinde als Versteckmöglichkeit und einem Schlupfkasten ausgestattet ist. Als Bodengrund eignen sich z.B. Torfersatz oder ein Sand-Torf-Gemisch. Die Einrichtung soll das Terrarium strukturieren, aber übersichtlich sein. Die Tagestemperatur soll zwischen 25-32ºC betragen und in der Nacht ein wenig absinken. Eine eigentliche Winterruhe entfällt, die Temperatur kann jedoch im Winter auf 20ºC heruntergefahren werden [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in ca. 15 Institutionen gezeigt, von denen sich rund ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für zwei etwa gleich lange Tiere 1.5x so lang und 0.75x so breit sein wie die Gesamtlänge eines Tieres. Die Höhe soll der Gesamtlänge entsprechen. Für jedes weitere Tier ist das Terrarienvolumen unter Beibehaltung der Proportionen um 20% zu erhöhen. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2020) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege vor, dessen Grundfläche dem 1.0x0.5-fachen und dessen Höhe der Hälfte der Gesamtlänge eines Tiers entsprechen. In der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2020) ist die Art nicht erwähnt. Es gelten die allgemeinen Bestimmungen für die Haltung von Schlangen, siehe aber auch die Angaben zur Monokelkobra (Naja kaouthia).


Taxonomie und Nomenklatur

Die Weißlippenkobra war ursprünglich 1857 vom amerikanischen Herpetologen Edward HALLOWELL als Varietät der Uräusschlange beschrieben worden. Artstatus erhielt sie 1893 durch Paul MATSCHIE vom Berliner Zoologischen Museum. Traditionell wurden drei Unterarten anerkannt, von denen subfulva seit einigen Jahren auch als eigenständige Art angesehen wird. 2017 wurde die Inselform von São Tomé als eigene Art beschrieben, und 2018 wurden in einer Publikation von 14 (!) Autoren aufgrund molekulargenetischer Befunde und Interpretationen zwei neue Arten abgetrennt [6]:

  • N. m. melanoleuca: Nord-Angola, Äquatorialquinea, Benin, Gabun, Kongo, Kongo Dem., Kamerun, Nigeria. Möglicherweise Benin, Ghana, Südsudan, Zentralafrikanische Republik
  • N. m. aurata: ev Synonym
  • N. (m.) subfulva: Angola, Äthiopien, Äquatorialquinea, Burundi, Kongo, Kongo Dem., Kamerun, Kenia, Mosambik, Südost-Nigeria, Ruanda, Sambia, Simbabwe, Südafrika, Südsudan, Tansania, Tschad, Uganda, Zentralafrikanische Republik
  • N. peroescobari: São Tomé
  • N. guineensis: Togo bis Liberia und Guinea
  • N. savannula: Senegal und Gambia bis N-Kamerun

Literatur und Internetquellen

  1. BRANCH, B. (1988)
  2. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  3. MEHRTENS, J. M. (1993)
  4. PATTERSON, R. & BANNISTER, A. (1988)
  5. SNAKE PARADISE
  6. THE REPTILE DATA BASE 
  7. JALLOW, M. et al. (2021). Naja melanoleuca. The IUCN Red List of Threatened Species 2021: e.T13265900A13265907. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2021-1.RLTS.T13265900A13265907.en . Downloaded on 14 April 2021.
  8. WÜSTER, W. et al. (2018)

Zurück zu Übersicht Schlangen

Weiter zu Mosambikspeikobra (Naja mossambica)

Gelesen 6127 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 14 April 2021 13:12
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx