Vipern

Kreuzotter

Kreuzotter (Vipera berus) im Zoo Augsburg Kreuzotter (Vipera berus) im Zoo Augsburg
Siggi Rebhan, Augsburg

Ordnung: Schuppenkriechtiere (SQUAMATA)
Unterordnung: Schlangen (SERPENTES)
Überfamilie: Nattern- und Vipernartige (Colubroidea oder Xenophidia)
Familie: Vipern (Viperidae)
Unterfamilie: Echte Vipern (Viperinae) 

D LC 650

Kreuzotter

Vipera berus • The Common Adder • La vipère péliade

305 011 017 003 vipera berus triest PD
Kreuzotter (Vipera berus) im Acquario communale, Triest © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

305 011 017 003 vipera berus map europe
Approximative Verbreitung der Kreuzotter (Vipera berus) in Europa. Das Areal setzt sich in Asien bis Sachalin, Korea und China fort.

 

 

305 011 017 003 vipera berus BRN PD1
Schwarze Farbphase der Kreuzotter (Vipera berus) im Tierpark Dählhölzli, Bern © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

305 011 017 003 vipera berus geburt nuernbg HM
Kreuzottergeburt (Vipera berus) im Tiergarten Nürnberg © Helmut Mägdefrau, TG Nürnberg

 

 

305 011 017 003 vipera berus augsb siggi rebhan
Kreuzotter (Vipera berus) im Zoo Augsburg © Siggi Rebhan, Augsburg

 

 

305 011 017 003 vipera berus wilh wilh1
Kreuzotter (Vipera berus) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

 

305 011 017 003 vipera berus wilh wilh2
Kreuzotter (Vipera berus) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

Weitere Bilder auf BioLib.cz

Die Kreuzotter ist eine relativ kleine Giftschlange, die global gesehen nicht gefährdet, bei uns aber regional stark gefährdet, vom Aussterben bedroht oder ausgestorben ist. Als einheimische Art ist sie von zoopädagogischem Interesse und ist deshalb in Zoos relativ häufig anzutreffen.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Kreuzotter erreicht eine Länge bis zu 80 cm, im Alpenraum von 50-60 cm. Ihre Gestalt ist gedrungen, der Kopf deutlich vom Hals abgesetzt, der Schwanz kurz, vor allem beim Weibchen. Die Schnauze ist abgerundet. Das große Auge hat eine vertikale Schlitzpupille und liegt unter einem markanten Überaugenschild. Die Rückenschuppen sind gekielt. Die Färbung ist sehr variabel, melanotische Tiere sind lokal häufig. Der Rücken ist meist mit einem schwarzen oder dunkelbraunen Zickzackband gezeichnet, auf den Flanken befindet sich je eine Fleckenreihe. Trotz ihres riesigen Verbreitungsgebiets ist die Kreuzotter in ihrem Aussehen wesentlich einheitlicher als die Aspisviper.  Dagegen sind bei ihr die Unterschiede zwischen den Geschlechtern ausgeprägter: die Männchen sind deutlich kleiner als die Weibchen, ihre Grundfarbe ist in der Regel anders, und sie sind im Frühling sehr kontrastreich gefärbt [2; 6; 7].

Verbreitung

Große Teile Europas vom Polarkreis bis Nordwest-Spanien, Norditalien und dem nördlichen Balkan. Kommt in Großbritannien vor, nicht aber in Irland. In Asien quer durch Russland bis zum Pazifik, Mongolei, NW-China und Volksrepublik Korea. Die Kreuzotter besitzt das größte Verbreitungsgebiet aller Schlangenarten [5; 8].

Lebensraum und Lebensweise

Die Kreuzotter besiedelt unterschiedliche Habitate wie Hochmoore, felsige, oft buschbestandene Weiden, die mit Trockenmauern und Karstflächen durchsetzt sind, Zwergstrauchheiden sowie lichte Laub- und Nadelwälder. Im Gebirge geht sie bis auf fast 3'000 m Höhe. Oft ist sie mit der Waldeidechse vergesellschaftet. Entsprechend den klimatischen Gegebenheiten dauert die Winterruhe zwischen 5 und 8 Monaten. Die Paarungsaktivitäten setzen nach der Frühjahrshäutung ein. Die Kreuzotter ist  ovovivipar. Die bis Mittel 7-8, 15-20 cm langen Jungtiere werden nach einer Trächigkeit von 3-4 Monaten im Herbst geboren. Bei frühem Wintereinbruch sind die Weibchen in der Lage, mit den ungeborenen Jungen zu überwintern, der Wurf erfolgt dann im kommenden Frühjahr. Neugeborene Kreuzottern ernähren sich von kleinen Eidechsen und Fröschen. Ausgewachsene fressen vor allem Feld- und Spitzmäuse, seltener Eidechsen und Frösche und gelegentlich Jungvögel [4; 5; 6].

Gefährdung und Schutz

Die Bestände nehmen zwar ab, aber in Anbetracht der weiten Verbreitung wird die Art noch als sicher angesehen. Auf der globalen Liste (2016) fehlt die Art, auf der europäischen Liste gilt sie als nicht gefährdet (Rote Liste EU27: LEAST CONCERN). In Deutschland ist die Art jedoch stark gefährdet, regional bereits ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. In Österreich ist die Kreuzotter gefährdet, im Bundesland Vorarlberg stark gefährdet. In der Schweiz gilt sie national als stark gefährdet, ist aber im Mittelland bis auf eine Population im Kanton Zürich ausgestorben und kommt im Jura nur noch inselartig vor. Hauptfeinde der Kreuzotter sind der Igel und der Schlangenadler [3; 4].

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Kreuzottern waren früher gebietsweise sehr häufig, waren wegen ihrer Giftigkeit gefürchtet und wurden verfolgt. So wurden nach BREHM im Brennerstädter Forst im Lüneburgischen beim Heumachen innerhalb dreier Tage auf einer Fläche von nur wenigen Hektaren einige dreißig Stück getötet [1]. Im Jahr 1912 wurden in Frankreich allein im Arrondissement Fontainebleau 18'457 Kreuzottern und Aspisvipern Opfer von Berufsfängern [3].

Haltung

Die Kreuzotter gehört zu den "Gefahrtieren", deren Haltung in manchen deutschen Bundesländern unter sicherheitspolizeilichen Aspekten eingeschränkt oder geregelt ist.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 50 Institutionen gezeigt, von denen sich gegen ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für zwei etwa gleich lange Tiere mindestens 1.25x so lang und 0.75x so breit sein wie die Gesamtlänge eines Tieres. Die Höhe soll die Hälfte der Gesamtlänge betragen. Für jedes weitere Tier ist das Terrarienvolumen unter Beibehaltung der Proportionen um 20% zu erhöhen. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege vor, dessen Grundfläche dem 1.0x0.5-fachen und dessen Höhe der Hälfte der Gesamtlänge eines Tiers entsprechen. In der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) ist die Art nicht erwähnt. Es gelten die allgemeinen Bestimmungen für die Haltung von Schlangen.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Coluber Berus" beschrieben. Der französische Zoologe François Marie DAUDIN stellte sie im Rahmen seines Werks "Histoire Naturelle, Générale et Particulière des Reptiles" in die Gattung Vipera. Es wurden nur drei Unterarten beschrieben und allgemein anerkannt: die im grössten Teil Eurasiens vorkommende berus, die Balkankreuzotter bosniensis und die Sachalinkreuzotter sachalinensis [8].

Literatur und Internetquellen

  1. BREHM, A. E. (1882-1887)
  2. BRODMANN, P. (1987)
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. HOFER, U., MONNEY, J.-C. & DUSEJ, G, (2001) 
  5. MEHRTENS, J. M. (1993)
  6. MEYER, A., ZUMBACH, S., SCHMIDT, B. & MONNEY, J.-C. (2009)
  7. NIETZKE, G. (1969)
  8. THE REPTILE DATA BASE

Zurück zu Übersicht Schlangen

Weiter zu Transkaukasische Hornotter (Vipera transcaucasiana)

Gelesen 5450 mal Letzte Änderung am Freitag, 17 Juli 2020 07:43
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx