Antilopen

Thomsongazelle

Thomson-Gazelle (Gazella (Eudorcas) thomsonii) Thomson-Gazelle (Gazella (Eudorcas) thomsonii)
© Zoo Leipzig

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Gazellenartige (Antilopinae)
Tribus: Gazellen (Antilopini)

D LC 650

Thomsongazelle

Gazella (Eudorcas) thomsonii • The Thomson's Gazelle • La gazelle de Thomson

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Thomsongazelle (Gazella thomsonii) mit Winterfell im Zoo Posen © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung der Thomsongazelle (Gazella (Eudorcas) thomsonii)

 

 

 

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Thomson-Gazelle (Gazella (Eudorcas) thomsonii) im ErlebnisZoo Hannover © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Thomsongazelle(Gazella thomsonii)im Zoo Leipzig © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Kämpfende Thomsongazellen (Gazella thomsonii) im Zoo Leipzg © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Thomsongazellen (Gazella thomsonii) in Gesellschaft von Elenantilope und Impalas im ErlebnisZoo Hannover © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Thomsongazelle (Gazellathomsonii) in ihrem natürlichen Lebensraum, der Kurzgrassteppe der Serengeti © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Thomsongazelle (Gazella thomsonii) im Zoo Rostock © Zoo Rostock

 

 

 

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Thomsongazelle (Gazella thomsonii) in Gesellschaft von Marabus und Pferdeantilope auf der Historischen Huftieranlage im Zoo Rostock © Zoo Rostock / Joachim Kloock (Pressefoto)

 

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Thomsongazelle (Gazella thomsonii) im Winterfell im ErlebnisZoo Hannover © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Thomsongazelle (Gazella (Eudorcas) thomsonii) vergesellschaftet mit Wasserböcken (Kobus ellipsiprymnus) auf den alten Antilopenanlagen des Zoo Hannover im Jahr 1972 © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Die nicht mehr als gefährdet eingestufte Thomsongazelle ist ein Charaktertier der Serengeti und anderer ostafrikanischer Nationalparks. Sie eignet sich daher gut als Botschafterart für Natur- und Artenschutz in dieser Region und ist ein belebendes Element der in Zoos so populären "Afrika"-Anlagen. Sie war aber in Europäischen Zoos nie häufig und wird auch gegenwärtig nur selten gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Thomsongazelle ist mit einer Kopf-Rumpflänge von 89-107 cm, einer Schulterhöhe von 61-76 cm und einem Gewicht von 18-25 kg bei den Böcken bzw. 58-69 cm und 14.5-23 kg bei den Geißen eine kleinere (Westliche Unterart, G. t. nasalis) bis mittelgroße (Östliche Unterart, G. t. thomsonii) Gazelle. Beide Geschlechter haben eng beisammen stehende, geringelte Hörner, die bei den Böcken bis zu 44 cm lang werden können, bei den Geißen viel kürzer, gerader und schlanker sind. Das Fell ist oberseits hell- oder rötlichbraun, seitlich am Rumpf etwas heller, an Bauch und Beininnenseiten weiß. Die beiden Farben sind auf dem Rumpf durch eine breiten, schwarzen Flankenstreifen voneinander getrennt. Es ist ein weißer, schwarz eingefasster Spiegel vorhanden, der Schwanz ist schwarz. Das Gesicht wird durch einen dunkle Streifen markiert, die von den Augen Richtung Muffel laufen und innen von einem weißlichen Streifen begrenzt sind. Auf dem Nasenrücken befindet sich ein dunkler Fleck. [1; 3; 6].

Im Schritt sind alle Gazellen Passgänger, d.h. Vorder- und Hinterlauf der einen Körperseite greifen in etwa gleichzeitig nach vorn, während die Beine der anderen Körperhälfte stehen bleiben. Sie können aber auch im Kreuzgang gehen, namentlich bei sehr langsamer Fortbewegung oder wenn es bergauf geht. Im Trab fallen sie in Kreuzgang. Als Sonderform des Trabs gibt es den "Prelltrab", bei dem sich die Tiere so weit vom Boden abstoßen, dass es bei jeder Schrittfolge zu einer Schwebephase kommt. Im Galopp, der hauptsächlich zur Flucht eingesetzt wird, können die Tiere raumgreifende Prellsprünge ausführen. Sie springen aber nicht über Hindernisse und können deshalb im Zoo hinter nur 1.5 m hohen Zäunen gehalten werden. Manche Gazellenarten, darunter die Thomsongazelle können, ähnlich wie die Hasen, auf der Flucht Haken schlagen [4].

Verbreitung

Ostafrika: Kenia und Tansania [2]

Lebensraum und Lebensweise

Die Thomsongazelle ist ein Charaktertier der baumlosen oder mit vereinzelten Bäumen bestückten Kurzgrassteppen in Höhenlagen zwischen 500 und 1'000 m. Auf Wanderungen gehen sie auch in hohes Grasland und lockeren Wald. Sie ernähren sich überwiegend von Gräsern, in geringerem Umfang von Schößlingen, Kräutern und Früchten. Informationen über die soziale Organisation gibt es v.a. aus dem Serengeti-Mara-Ökosystem. Ältere Böcke sind dort territorial, jüngere oder überzählige Böcke bilden Junggesellenverbände. Die Weibchen schließen sich zu Rudeln oder Herden von etwa 20-200 Individuen zusammen, die ein Streifgebiet von rund 10 km² durchwandern. Innerhalb dieses Streifgebiets befinden sich die Territorien von etwa zwei Dutzend Böcken, die jeweils versuchen, die Geißen möglichst lange in ihrem Revier zu halten. Saisonal können die Herden längere Wanderungen unternehmen [2; 6].

Brunft und Geburten fallen hauptsächlich in die Regenzeit. Nach einer Tragzeit von etwa 6 Monaten wird meistens ein einzelnes Kitz mit einem Geburtsgewicht von 2-2.7 kg gesetzt. Dieses ist ein Ablieger und wird 3-6 Monate gesäugt. Weibchen werden mit etwa 12 Monaten geschlechtsreif, Böcke mit 18 Monaten. Bereits mit 8 Monaten schließen sich die Jungböcke einer Junggesellengruppe an [3; 6].

Gefährdung und Schutz

In mehreren Gebieten sind die Bestände seit 1970 stark zurück gegangen. Die Thomsongazelle wurde deshalb 2008 als potenziell gefährdet eingestuft. Die Gründe für die Rückgänge sind nicht geklärt; im Ngorongorokrater vermutete man Zusammenhänge mit der Verfügbarkeit von Wasser, dem Einfluss der Touristen und Veränderungen des Lebensraums durch invasive Pflanzen, Feuer und Straßenbau. Weil sich aber der Rückgang in den letzten Jahren verlangsamt hat, wurde die Art, die immer noch einen Bestand von über 200'000 Individuen aufweist, im Rahmen einer Neubeurteilung im Jahr 2018 als nicht gefährdet klassiert (Rote Liste: LEAST CONCERN)[2].

Der internationale Handel wird nicht durch CITES geregelt. Die Einfuhr lebender Tiere aus den Ursprungsländern ist aber wegen der restriktiven Veterinärbestimmungen der EU so gut wie ausgeschlossen.

Bedeutung für den Menschen

Die Thomsongazelle wird zur Gewinnung von Fleisch geschossen oder mit Schlingen gefangen. Sie ist auch ein Objekt der Trophäenjagd, soweit diese in ihrem Verbreitungsgebiet noch zulässig ist - Kenia kennt seit Jahren ein Jagdverbot [6].

Thomsongazellen werden auch auf texanischen Jagdfarmen gehalten. Dort werden Abschüsse zu 6'900 bis 7'500 USD verkauft [Online-Inserate 2019].

Haltung

Obwohl Thomsongazellen Tiere des Tropengürtels sind, bilden sie in unseren Breiten ein dickes Winterfell aus, wenn man sie relativ kühl hält. Eine Haltung zusammen mit anderen Tierarten ist möglich, so z.B. mit Straußen, Marabus, Perlhühnern, Kronenkranichen, Hornraben, Breitmaulnashörnern, Grevy- oder Steppenzebras, Giraffen, Elen-, Säbel- und Pferdeantilopen, Weißbartgnus, Impalas, Weißnacken-Moorantilopen, Litschi- oder gewöhnlichen Wasserböcken.

Als Altersrekord gibt WEIGL für ein in amerikanischen Zoos gehaltenes Weibchen 20 Jahre an [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird rund 10 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Drittel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt ein Europäisches Zuchtbuch (ESB), das am Erlebniszoo Hannover geführt wird. Die europäische Erstzucht gelang wohl erst in den 1950er-Jahren, nach Zootierliste efolgte die britische Erstzucht 1951 in Whipsnade, die deutsche vermutlich 1957 in Frankfurt

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll für bis zu 5 Tieren ein Gehege von mindestens 200 m² zur Verfügung stehen. Für jedes weitere Tier kommen 20 m² zur Basisfläche dazu. Zudem wird ein Stall von etwa 3 m²/Tier vorgegeben.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für bis zu 10 Tieren ein Gehege mit Trenn- oder Absperrmöglichkeit vor, dessen Grundfläche 500 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 40 m² zur Basisfläche dazu. Ferner ist ein Stall mit einer Fläche von 4 m²/Tier erforderlich.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) ist für 1-5 Tiere ein Außengehege von 500 m² erforderlich, für jedes weitere 50 m² mehr. Zudem ist ein beheizter Stall mit einem Mindestausmaß von 4 m² pro Tier mit einer Mindesttemperatur von 10°C vorgeschrieben. Die Haltung hat in Gruppen mit einem erwachsenen Männchen, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs zu erfolgen.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Thomsongazelle wurde 1884 von dem aus Esslingen am Neckar stammenden, am Londoner Natural History Museum tätigen Zoologen Albert Carl Ludwig Gotthilf GÜNTHER als Gazella thomsoni erstmals wissenschaftlich beschrieben. Vorübergehend wurde sie dann in der bereits 1869 von dem Wiener Zoologen Leopold Joseph Franz Johann FITZINGER aufgestellten Gattung Eudorcas untergebracht. Eudorcas wurde später als Untergattung eingestuft und in den 1970er Jahren vollständig in Gazella integriert. Dem aktuellen Trend des Arten- und Gattungs-Splittings folgend wurde die Gattung Gazella 2011 wiederum aufgeteilt und für thomsonii und ein paar weitere Arten die Bezeichnug Eudorcas wieder ausgegraben. Die Rote Liste der IUCN führt in der Eudorcas-Gruppe 5 Arten auf: Eudorcas albonotata, E. rufifrons, E. rufina, E. thomsonii, E. tilonura. Manche Autoren betrachten einzelne dieser Formen als Unterarten, das Säugetier-Handbuch anerkennt mit der Serengeti-Thomsongazelle (E. nasalis) noch eine weitere Art [1; 2; 6].

Literatur und Internetquellen

  1. GROVES, C.P. & GRUBB, P. (2011)
  2. IUCN SSC Antelope Specialist Group (2008). Eudorcas thomsonii. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T8982A12946551. http://www.iucnredlist.org/details/8982/0. Downloaded on 14 June 2018.
  3. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  4. WALTHER, F. (1968)
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 825 mal Letzte Änderung am Freitag, 15 März 2019 16:43
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