Weichtiere (Mollusca)

Sepien - Sepiidae

Gewöhnlicher Tintenfisch (Sepia officinalis) im Océanopolis Brest Gewöhnlicher Tintenfisch (Sepia officinalis) im Océanopolis Brest
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Klasse: Kopffüßer (Cephalopoda)
Unterklasse: Tintenfische (Coleoidea)
Überordnung: Zehnarmige Tintenfische (Decabrachia)
Ordnung: Sepienartige (Sepiida)
Familie: Sepien (Sepiidae)

D LC 650

Gewöhnlicher Tintenfisch

Sepia officinalis • The Common CuttlefishLa seiche commune

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Gewöhnlicher Tintenfisch (Sepia officinalis) im Zoo Basel, Pressefoto Zoo Basel

 

 

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Approximative Verbreitung des Gewöhnlichen Tintenfischs (Sepia officinalis)

 

 

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Gewöhnlicher Tintenfisch (Sepia officinalis) im Océarium Le Croisic © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gewöhnlicher Tintenfisch (Sepia officinalis) im Aquarium Trégastel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Gewöhnlicher Tintenfisch (Sepia officinalis) im Aquarium Piran, Slowenien © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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a. Männchen, b. Weibchen der Gemeinen Sepia (Sepia officinalis), daneben rechts c. der Rückenschulp. Kleinere Exemplare

 

 

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Verbreitung

Nordost-Atlantik, Mittelmeer, Marmara-Meer, Schwarzes Meer, Nordsee, Skagerrak, Kattegat: Ägypten (Mittelmeerküste), Albanien, Algerien, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Israel, Italien, Kroatien, Libanon, Libyen, Marokko, Mauretanien, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Portugal (mit Madeira), Senegal, Slowenien, Spanien (mit Kanaren, Tanger und Ceuta), Schweden, Tunesien, Türkei), West-Sahara, Zypern [1].

Biologie

Sepien erreichen eine Körperlänge von 30-40 cm. Sie gehören zu den zehnarmigen Tintenfischen. Von den Armen, die um das schnabelartige Maul angeordnet sind, sind acht kurz, mit je vier Saugnapf-Reihen besetzt und werden beim Schwimmen dicht zusammengehalten, während die zwei langen, schlanken Fangarme auf ihren Endkeulen vier Reihen unterschiedlich großer Saugnäpfe tragen und meistens in je eine unterhalb des Auges liegende Tasche zurückgezogen sind. Der Körper ist abgeflacht und von einem Flossensaum umgeben. Die reduzierte Schale, der so genannte Schulp, ist auf dem Rücken in den Mantel eingebettet [3; 5; 6]

Sepien ernähren sich von Fischen, Garnelen und Schwimmschnecken. In einem Beutel speichern sie die "Tinte", ein melaninhaltiges Drüsensekret, das sie bei Gefahr ausstoßen, währendem sie mit kräftigem Rückstoß fliehen. Sepien sind äußerst intelligente Tiere und kommunizieren untereinander mit sekundenschnellem Wechseln der Farben und Muster. Mit einem Zebramuster zeigen sie ihre Balzlaune an und zwei schwarze Punkte auf dem Rücken deuten auf Abwehrhaltung. Im Jagdfieber huschen dunkle Farbwellen über den Sepia-Körper, und werden sie gereizt, können sie sich auch einmal schwarzärgern (PM Zoo Basel).

Kopffüßer verfügen über ein hochentwickeltes Gehirn und die Übertragungsgeschwindigkeit ihrer Nervenfasern reicht an die von Wirbeltieren heran. Der atemberaubend schnelle Farbwechsel der Tintenfische kommt durch Leistung des Nervensystems zustande: In der Haut sind Farbpigmentzellen eingelagert, die auf die elektrischen Impulse von Nervenreizen reagieren. Tintenfische steuern mit ihrem Hirn jede einzelne Farbzelle in ihrer Haut, um sich perfekt an ihre Umgebung anzupassen. Die Farbwechsel sind etwa gleich schnell wie das Flackern des Sonnenlichts auf dem seichten Meeresboden [5; PM Zoo Basel].

Gefährdung und Schutz

Nach einer mittlerweile revisionsbedürftigen Beurteilung aus dem Jahr 2009 ist die Art seit 2012 auf der Roten Liste als nicht-gefährdet (LEAST CONCERN) eingestuft, weil sie eine weite Verbreitung hat und die Nutzung der Bestände zwar stark, aber anscheinend insgesamt immer noch nachhaltig ist [1].

Der internationale Handel mit lebenden und toten Exemplaren ist artenschutzrechtlich nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Der weltweite Fischereiertrag an Sepien lag während der letzten Jahre zwischen 20'000 bis 30'000 Tonnen, was bei einem angenommenen Durchschnittsgewicht von unter 1 kg etwa 40 Millionen Tieren entspricht. Die Tiere werden frisch oder gefroren vermarktet. Hauptsächliche Konsumländer sind Japan, Südkorea. Italien und Spanien [4]. Früher hatte die Sepia bei uns medizinische Bedeutung. Das Fleisch wurde als Aphrodisiakum angesehen, die Eier sollten gegen Blasenentzündungen, der zu Pulver gemahlene Schulp als Os sepiae gegen Augenleiden und Asthma helfen. Der "Dintensaft" wurde als Malerfarbe verwendet. Der Schulp wird heute noch zur Deckung des Kalkbedarfs und zur Abnützung des Schnabels bei Stubenvögeln eingesetzt [2; 6].

Haltung

Es gibt im deutschsprachigen Raum keine tierschutzrechtlichen Anforderungen an die Haltung von Sepien. Depien sollten nur duch erfahrene Meerwasser-Aquarianer gehalten werden. Als Beckengröße werden etwa 1000 Liter angegeben, die Wassertemperatur sollte zwischen 7 und 20°C liegen [7].

Sepien werden in manchen Schauaquarien gezüchtet, so z. B. im Vivarium des Zoo Basel, wo die Zucht ab 1997 während vieler Jahre regelmäßig gelang [10]. Im Tierpark und Fossilum Bochum gelang die Zucht in zweiter Generation. Auch das Zoo-Aquarium Berlin und der Frankfurter Zoo konnten Zuchterfolge verzeichnen.

Taxonomie und Nomenklatur

Sepia officinalis wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter ihrem heute noch gültigen Namenerstmalls wissenschaftlich benannt und beschrieben. Es wurden vier Unterarten beschrieben, von denen zwei in den Status von Arten erhoben wurden [9].

Literatur und Internetquellen

  1. BARRATT, I. & ALLCOCK, L. (2012). Sepia officinalis. The IUCN Red List of Threatened Species 2012: e.T162664A939991. http://www.iucnredlist.org/details/162664/0. Downloaded on 22 December 2017.
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. EICHLER, D. (1997)
  4. FAO SPECIES FACT SHEET
  5. FECHTER, R. & FALKNER, G. (1989)
  6. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  7. MEERWASSER-LEXIKON
  8. TIERPARK UND FOSSILUM BOCHUM (YOUTUBE-VIDEO)
  9. WoRMS
  10. ZOO BASEL - PRESSEMITTEILUNG

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx