Schlangen

Schlangen - Allgemeines

Rund 45 Millionen alter Palaeopython aus der Grube Messel Rund 45 Millionen alter Palaeopython aus der Grube Messel
© Renate Rabenstein, Abt. Messelforschung, Forschungsinstitut Senckenberg

Klasse: Reptilien (REPTILIA)
Unterklasse: Diapsiden (DIAPSIDA)
Überordnung: Schuppenkriechtiere (LEPIDOSAURIA)
Ordnung: Echsen und Schlangen (SQUAMATA)

Unterordnung:

Schlangen

SERPENTES • The Snakes • Les serpents

305 006 011 001 dendroaspis viridis Scheidegg PD1
Gewöhnliche Mamba (Dendroaspis angusticeps) mit runder Pupille; Reptilienzoo Scheidegg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

305 011 008A 002 cerastes cerastes BSL TJ4
Wüsten-Hornviper (Cerastes cerastes) mit vertikaler Schlitzpupille; Zoo Basel © Thomas Jermann, Zoo Basel

 

 

305 000 010 004 crotalus basiliscus stuttart KR4
Manche Schlangenarten verfügen über spezielle Sinnesorgane zur Ortung von Wärmeunterschieden, hier die vor dem Auge gelegene Grube eine Basiliskenklapperschlange (Crotalus basiliscus) in der Wilhelma Stuttgart © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

305 000 001 001 acrochordus javanicus SingaporeRS KR3A
Schlangen haben eine gespaltene Zunge, hier zu sehen bei einer Warzenschlange aus dem River Safari in Singapur © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

305 011 010 017 crotalus oreganus cerberus tucson KR1
Klapper einer Arizona-Klapperschlange (Crotalus oreganus cerberus) im Arizona-Sonora Desert Museum, Tucson © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

305 004 020 001 sanzinia mada OA PD1
Schuppenkleid einer Madagaskar-Hundskopfboa (Sanzinia madagascariensis) im Reptilienhaus Oberammergau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

305 011 006 002 bitis arietans allyouneedisbiology
Solenoglyphe Giftschlange (Puffotter, Bitis arietans) bereit zum Biss. Bild allyouneedisbiology.wordpress.com. Reproduced under Creative Commons Attribution 4.0 International Licence

 

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Dadurch, dass sie einen langgestreckten Körper und keine oder nur rudimentäre Gliedmaßen haben, sind die Schlangen von der Gestalt her recht einheitlich und höchstens mit den wenigen Echsen zu verwechseln, bei denen die Gliedmaßen ebenfalls rückgebildet sind. Von der artenreichen Unterordnung gelten nur etwa 6% als gefährdet und gar nur 5% sind in den CITES-Anhängen aufgeführt. Von diesen ist wiederum nur ein Teil im CITES Identification Manual dargestellt [2]. Die Wirkung der Schlangen auf die Zoobesucher ist sehr unterschiedlich, während viele fasziniert sind, lehnen andere Schlangen ab oder fürchten sich vor ihnen.

Artenspektrum und innere Systematik

Die Unterordnung der Schlangen umfasste im August 2019 gegen 3'789 Arten. Wie bei den meisten Reptilientaxa ist die Artenzahl inflationär: 1970 wurde in GRZIMEKS Tierleben die Artenzahl mit rund 2'500 angegeben, bei BELLOSA et al. waren es 2007 bereits 2978 Arten. Änderungen hat es in den letzten Jahren auch bei den höheren Taxa gegeben. Viele Arten wurden in neue Gattungen eingeteilt, was schon den Gebrauch von nur wenige Jahre alten Nachschlagewerken erschwert, und etliche Familien wurden aufgeteilt, so sind z.B. die Boas und die Pythons oder die Land- und Baumnattern bzw. die Wasser- sowie die Trugnattern heute in verschiedenen Familien untergebracht [1; 3; 6].

Körperbau und Körperfunktionen

Bei sehr ähnlichem Bauplan sind die Schlangen von der Körpergröße her sehr unterschiedlich: die Länge einer neugeborenen Blindschlange (Typhlops sp., ca. 7 cm) und jene eines ausgewachsenen Netzpythons (Malayopython reticulatus) unterscheiden sich um über das Hundertfache. Viele Arten weisen hinsichtlich Körpergröße einen Geschlechtsdimorphismus auf, meist sind die Weibchen größer als die Männchen [3; 4].

Der Schlangenschädel hat keine Parietalfenster und keinen oberen Jochbogen. Der Gehirnschädel ist ganz geschlossen und weitgehend verknöchert, die Unterkieferhälften sind nur locker miteinander verbunden. Die Zähne sind acrodont, d.h. den Kieferknochen aufsitzend. Die Wirbelsäule kann je nach Art bis 435 Wirbel umfassen. Schultergürtel und Brustbein fehlen. Beckengürtel und Hintergliedmaßen sind nur bei Riesenschlangen rudimentär vorhanden. Der Schwanz ist stets kürzer als der Körper und kann nicht abgeworfen werden [3; 4; 7].

Die Inneren Organe sind langgestreckt. Bei der Lunge ist meist nur der rechte Flügel entwickelt. Zusätzlich verfügen manche Arten über eine Tracheallunge. Der Magen ist enorm dehnbar. Eine Harnblase ist nicht vorhanden [3; 7].

Die Haut ist mit glatten oder rauen Schuppen bedeckt, am Kopf eventuell mit größeren Schildern. Sie ist nicht feucht oder glitschig, wie Viele meinen. Sie wird regelmäßig im Ganzen als "Natternhemd" abgestreift. Bei manchen Arten können Schuppen als Lärminstrumente ausgebildet sein, so die Rumpfschuppen der Sandrasselotter (Echis carinatus) oder die bei der Häutung nicht abgestoßenen Endschuppen des Schwanzes bei den Klapperschlangen (Crotalus spp.). Das Auge verfügt über keine Lider. Es ist ist von einem transparenten Hautfenster überdeckt, das kurz vor der Häutung milchig-trüb werden kann. Die Pupille ist meist rund oder sie zieht sich bei Lichteinfall zu einem vertikalen Schlitz zusammen. Einzelne Schlangenarten haben horizontal gestellte Pupillen (z.B. Ahaetulla spp.). Der Gehörsinn ist verkümmert, ein Trommelfell und eine Paukenhöhle sind nicht vorhanden. Die neuweltlichen Grubenottern haben zwischen Auge und Nasenöffnung ein als Infrarot-Detektor dienendes Grubenorgan, das sie befähigt bei vollständiger Dunkelheit warmblütige Lebenwesen zu orten und zu jagen. Bei Riesenschlangen erfüllen Lippengruben einen ähnlichen Zweck. Die gespaltene Zunge dient zum Tasten und in Verbindung mit dem im Gaumendach befindlichen Jacobsonschen Organ der Geschmackswahrnehmung [3; 4; 7].

Viele Schlangen sind giftig, wobei nur die Arten der Vipern-Verwandtschaft, die Trugnattern und einige wenige Nattern dem Menschen gefährlich werden können. Der Giftapparat besteht im Prinzip aus drei Teilen: einer zur Giftdrüse umgewandelten Speicheldrüse, einem das Gift leitenden Kanal und einem das Gift übertragenden Oberkieferzahn. Bei manchen Arten befinden sich leicht gefurchte Giftzähne im hinteren Teil des Kiefers (opisthoglypher Typ). Bei den Trugnattern (Elapidae) sind die mit einer tiefen, beinahe geschlossenen Furche versehenen Giftzähne vorne im Kiefer (proteroglypher Typ) und bei den Vipernverwandten haben wie es mit vorne im Kiefer befindlichen, beweglichen und mit einem Injektionskanal ausgestatteten Giftzähnen (solenoglypher Typ) zu tun [3].

Schlangen ernähren sich von lebenden Tieren oder eventuell von Vogeleiern oder Aas, keine Schlange frisst Pflanzen. Die Beute wird mit den Zähnen erfasst, umschlungen und erdrosselt, oder durch Gift bewegungsunfähig gemacht oder getötet. Sie wird unzerkaut abgeschluckt. Die Verdauungsphase dauert mehrere Tage [4].

Kot, Harnsäure und Geschlechtsprodukte werden durch eine Kloake ausgeschieden. Die Kloakenöffnung ist quergestellt. Die Männchen besitzen ein paariges Kopulationsorgan, das zu einer inneren Befruchtung befähigt. Die meisten Arten sind eierlegend, manche gebären lebende Junge (Ovoviviparie) [4; 7].

Verbreitung

Tropen, Subtropen und gemäßigte Klimazonen weltweit [7].

Haltung im Zoo

Schlangen sind wechselwarme Tiere. Bei der Haltung sind daher die im natürlichen Lebensraum herrschenden tages- und jahresperiodischen Schwankungen von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Lichtintensität, Tageslänge und Erdfeuchtigkeit soweit abzubilden, dass die Anpassungsfähigkeit der Tiere nicht überfordert wird. Je nach Art ist ihnen die Möglichkeit zu einer Winter- oder Sommerruhe zu geben [5].

Bezüglich "Mindestanforderungen an Gehege" ist zu beachten, dass das Reptiliengutachten 1997  des BMELF revisionsbedürftig ist und dass in der 2. Österreichischen Tierhaltungsverordnung offensichtlich nur die im Tiergarten Schönbrunn gehaltenen Arten mit den dort angebotenen Gehegen aufgeführt worden sind. Sowohl das Reptiliengutachten als auch die Verordnungen der Schweiz und Österreichs enthalten weitere, teils sinnvolle, teils unsinnige Angaben, die hier nicht aufgeführt sind.

Literatur und Internetquellen

  1. BELLOSA, H., DIRKSEN, L. & AULIYA M. (2007)
  2. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. GWZ (1996)
  5. NIETZKE, G. (1969)
  6. THE REPTILE DATA BASE
  7. ZISWILER, V. (1976)

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Gelesen 1057 mal Letzte Änderung am Samstag, 11 Juli 2020 12:25
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx