Schlangenhals-Schildkröten

Gewöhnliche Krötenkopfschildkröte

Gewöhnliche Krötenkopfschildkröte (Mesoclemmys nasuta) im Zoo Landau Gewöhnliche Krötenkopfschildkröte (Mesoclemmys nasuta) im Zoo Landau
© Jens-Ove Heckel, Zoo Landau

Ordnung: Schildkröten (TESTUDINATA)
Unterordnung: Halswenderschildkröten (PLEURODIRA)
Familie: Schlangenhalsschildkröten (Chelidae)

D NT 650

Gewöhnliche Krötenkopfschildkröte

Mesoclemmys nasuta • The Common Toadheaded Turtle • La tortue bossue de Guyane

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Gewöhnliche Krötenkopfschildkröte (Mesoclemmys nasuta) im Zoo Landau © Jens-Ove Heckel, Zoo Landau

 

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Approximative Verbreitung der Gewöhnlichen Krötenkopfschildkröte (Mesoclemmys nasuta)

 

 

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Die Gewöhnliche Krötenkopfschildkröte ist eine mittelgroße südamerikanische Schlangenhalsschildkröte, die in europäischen Zoos nur selten gezeigt wird. Da sie auch gerne an Land herumläuft, sollte sie in einem Aquaterrarium mit größerem Landteil präsentiert werden.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Carapax-Länge von 30-35 cm (wobei die Männchen etwas kleiner bleiben als die Weibchen) ist die Gewöhnliche Krötenkopfschildkröte eine mittelgroße Art der Südamerikanischen Schlangenhalsschildkröten. Der Rückenpanzer ist sehr flach und dunkelbraun, bei Erwachsenen fast schwarz gefärbt. Die Farbe des Plastrons ist dunkel bis gelblich gefärbt, wobei bei Jungtieren der Rand und die Brücken heller sind. Der sehr breite Kopf ist auf der Oberseite grau bis dunkelgrau, auf der Unterseite beige und grau, Ober und Unterkiefer sind bis zum Ohr gelb. Die Gliedmaßen sind dunkelgrau, wobei die Füße innen im oberen Bereich heller sind [2; 4].

Verbreitung

Tropisches Südamerika: Brasilien (Amapá), Französisch Guiana, Guyana, Surinam. Die Populationen in Bolivien, Kolumbien und Peru werden heute nicht mehr zu dieser Art gezählt [6; 7; 8].

Lebensraum und Lebensweise

Die Tiere ernähren sich überwiegend von Wirbellosen, wie Garnelen, Schnecken, Krabben. Sie sind keine guten Fischjäger, eine Vergesellschaftung mit ruhigen Großfischen in Großbecken ist daher möglich [4]. Die Gelege umfassen 3-8 Eier, die Jungen schlüpfen bei einer Temperatur von 28-32°C nach 180-190 (max. 254) Tagen [5].

Gefährdung und Schutz

Nach einer revisionsbedürftigen Beurteilung aus dem Jahr 1996 wird die Art in der Roten Liste der IUCN als potenziell gefährdet geführt [7].

Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Wie andere Schildkröten im tropischen Südamerika wird die Gewöhnliche Krötenkopfschildkröte von der lokalen Bevölkerung als Fleischlieferant genutzt. Die Tiere sind im internationalen Heimtierhandel und werden in den USA für etwa 125 USD angeboten (online-Inserat 2017).

Haltung im Zoo

Im Sinne einer guten Haltungspraxis wird empfohlen, dass ein Behälter für 1 männliches und 2-3 weibliche Tiere mindestens dem 6x3-fachen der Carapaxlänge und die Wassertiefe dem 4- bis 5-fachen der Carapaxbreite entsprechen soll. Der Wasserteil soll den größeren Teil der Fläche ausmachen, aber es sollte auch ein ausreichend großer Landteil vorhanden sein. Das Wasser sollte 25-28ºC warm sein. Eine Überwinterung entfällt [5].

Zoopädagogik: Weil sie sich als Halswender deutlich von den bekannteren Mittelmeer- oder Schmuckschildkröten unterscheidet, ist die Art von Interesse, um die Vielfalt der Schildkröten aufzuzeigen.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art in weniger als 10 Institutionen gehalten, von denen sich einige im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Die Gattung ist im Reptiliengutachten 1997 des BMELFnicht erwähnt. In Analogie zu Phrynops soll ein Behälter für eine Kleingruppe mindestens 5x so lang und 2.5 so breit sein wie die Carapaxlänge. Der Wasserstand soll das Doppelte der Carapaxbreite betragen. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege mit einem Landteil vor, der das 2x2-fache, und einem Wasserteil, der das 5x3-fache der Carapaxlänge misst. Für jedes weitere Tier kommen beim Wasserteil das 2x2-fache der Carapaxlänge dazu. Die Wassertiefe muss der doppelten Carapaxlänge entsprechen. In der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Gewöhnliche Krötenkopfschildkröte wurde 1812 von dem aus Erlangen stammenden Naturforscher August Friedrich SCHWEIGGER während seiner Zeit als Professor für Botanik und Medizin an der Universität Königsberg in einer Prodromus monographiae Cheloniorum betitelten Publikation beschrieben. In jüngerer Zeit war die Gattungszuordnung ziemlich konfus. Aktuell als Mesoclemmys bezeichnet [6; 8], wurde nasuta zusammen mit vier weiteren Arten auch in die Gattung Batrachemys gestellt [1; 4] oder unter Phrynops subsumiert [3] und läuft in der Roten Liste als Rhinoclemmys [7].

Literatur und Internetquellen

  1. McCORD, W. P., OUNI, M. J. & LAMAR, W. W. (2001)
  2. NIETZKE, G. (1969)
  3. OBST, F. J. (1985)
  4. PHRYNOPS.AT
  5. ROGNER, M. (2008)
  6. THE REPTILE DATA BASE
  7. TORTOISE & FRESHWATER TURTLE SPECIALIST GROUP (1996). Rhinoclemmys nasuta. (errata version published in 2016) The IUCN Red List of Threatened Species 1996:http://www.iucnredlist.org/details/19505/0. Downloaded on 08 June 2017.
  8. TURTLE TAXONOMY WORKING GROUP (2014)

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Gelesen 3885 mal Letzte Änderung am Dienstag, 14 Mai 2019 14:50
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx