Schlangenhals-Schildkröten

Rotbauch-Spitzkopfschildkröte

Rotbauch-Spitzkopfschildkröte (Emydura subglobosa) im Kölner Zoo Rotbauch-Spitzkopfschildkröte (Emydura subglobosa) im Kölner Zoo
© Thomas Ziegler, Zoo Köln

Ordnung: Schildkröten (TESTUDINATA)
Unterordnung: Halswenderschildkröten (PLEURODIRA)
Familie: Schlangenhalsschildkröten (Chelidae)

D LC 650

Rotbauch-Spitzkopfschildkröte

Emydura subglobosa • The Red-bellied Short-necked Turtle • L'Émydure à ventre rouge

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Rotbauch-Spitzkopfschildkröte (Emydura subglobosa) im Kölner Zoo © Thomas Ziegler, Kölner Zoo

 

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Approximative Verbreitung der Rotbauch-Spitzkopfschildkröte (Emydura subglobosa). Die einzelnen Quellen weichen hinsichtlich der Verbreitungsangben erheblich von einander ab.

 

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Rotbauch-Spitzkopfschildkröte (Emydura subglobosa) im Zoo-Aquarium Berlin © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Rotbauch-Spitzkopfschildkröte (Emydura subglobosa) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Die Rotbauch-Spitzkopfschildkröte ist eine relativ kleine, attraktiv gefärbte Art, die sich gut als Botschafter für Naturschutz in Neuguinea einsetzen lässt.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Rotbauch-Spitzkopfschildkröte hat ihren Namen von ihrem purpurroten Bauchpanzer, der im Alter verblasst. Der bis 26.5 cm lange Carapax ist ziemlich flach, hinten breiter als vorn, bei Jungtieren mit, bei Erwachsenen ohne Kiel. Er ist braun oder grau gefärbt bis auf die Marginalschilder, deren Rand und Unterseite rot ist. Das Plastron ist rot, rosa oder gelb mit einem seitlichen rötlichen Streifen. Augenfällig ist der leuchten gelbe Streifen über dem Auge bis zum Ohr. Der Hals ist relativ kurz. Die Schnauze läuft spitz zu. Am Kinn befinden sich zwei gelbe Barteln. Jungtiere sind bunter gefärbt als Adulte [4; 7], Männchen haben kontrastreicher gefärbte Köpfe als Weibchen [3]. 

Verbreitung

Australien (Northern Territory, Queensland - je nach Quelle divergierende Angaben), Indonesien (südliches West-Papua), südliches Papua-Neuguinea [5; 6; 7].

Lebensraum und Lebensweise

Die Rotbauch-Spitzkopfschildkröte lebt in Flüssen, Seen und Lagunen der Regenwaldgebiete und angrenzenden Savannen. Sie ernährt sich hauptsächlich von Wirbellosen, nimmt aber auch pflanzliches Material zu sich. Die Eiablage erfolgt im September, d.h. zu Ende der Trockenzeit.  Das Gelege besteht auf 5-11 (-20) Eiern. Die Jungen schlüpfen zu Beginn der Regenzeit im November [2; 4].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist weitverbreitet und häufig, somit nach einer Beurteilung aus dem Jahr 2000 nicht gefährdet [1].

Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt. Die Nachfrage für terraristische Zwecke wird hauptsächlich durch Nachzuchten gedeckt.

Bedeutung für den Menschen

Die Tiere werden auf Neuguinea für den lokalen Verzehr und Lebensmittelmarkt gefangen. Aus West-Papua gelangen Tiere in den internationalen Heimtiermarkt [1].

Haltung im Zoo

Im Sinne einer guten Haltungspraxis wird empfohlen, dass ein Behälter für 1 männliches und 2-3 weibliche Tiere mindestens dem 6x3-fachen der Carapaxlänge und die Wassertiefe dem 2-bis 3-fachen der Carapaxbreite entsprechen soll. Der Wasserteil soll den größeren Teil der Fläche ausmachen. Das Wasser sollte 25-28ºC warm sein. Eine Überwinterung entfällt [4].

Zoopädagogik: Weil sie sich als Halswender deutlich von den bekannteren Mittelmeer- oder Schmuckschildkröten unterscheidet, ist die Art von Interesse, um die Vielfalt der Schildkröten aufzuzeigen.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in 40-50 Institutionen gehalten, von denen sich fast die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Behälter für eine Paar oder eine Kleingruppe mindestens 5x so lang und 2.5 so breit sein wie die Carapaxlänge. Der Wasserstand soll das Doppelte der Carapaxbreite betragen. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege mit einem Landteil vor, der das 2x2-fache, und einem Wasserteil, der das 5x3-fache der Carapaxlänge misst. Für jedes weitere Tier kommen beim Wasserteil das 2x2-fache der Carapaxlänge dazu. Die Wassertiefe muss der doppelten Carapaxlänge entsprechen. In der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art war 1876 vom in Braunschweig geborenenen Direktor des Naturhistorischen Museums von Sydney, Johann Ludwig Gerard KREFFT, als Emydura subglobosa und 1888 von BOULENGER als Emydura albertisii beschrieben worden. Lange Zeit war der von BOULENGER verliehene Name in Gebrauch. In der einige Jahre alten Literatur [3] oder heute noch in Zoos als Emydura australis albertisii bezeichnete Exemplare gehören zu E. subglobosa. Es werden die beiden Unterarten subglobosa und worrelli unterschieden [5; 6].

Literatur und Internetquellen

  1. ASIAN TURTLE TRADE WORKING GROUP (2000). Emydura subglobosa. (errata version published in 2016) The IUCN Red List of Threatened Species 2000: http://www.iucnredlist.org/details/46582/0. Downloaded on 08 June 2017.
  2. O'SHEA, M. & HALLIDAY, T. (2001)
  3. OBST, F. J. (1985)
  4. ROGNER, M. (2008)
  5. THE REPTILE DATA BASE
  6. TURTLE TAXONOMY WORKING GROUP (2014)
  7. WILSON, S. & SWAN, G. (2013)

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Gelesen 1842 mal Letzte Änderung am Dienstag, 14 Mai 2019 14:46
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx