Meeres- und Lederschildkröten

Suppenschildkröte

Suppenschidlkröte (Chelonia mydas) im Aquarium de Vannes Suppenschidlkröte (Chelonia mydas) im Aquarium de Vannes
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Schildkröten (TESTUDINATA)
Unterordnung: Halsbergerschildkröten (CRYPTODIRA)
Familie: Meeresschildkröten (Cheloniidae)

D EN 650

Suppenschildkröte

Chelonia mydas • The Green Sea Turtle • La tortue verte ou tortue franche

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Suppenschidlkröte (Chelonia mydas) im Aquarium de Vannes © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung der Suppenschildkröte (Chelonia mydas)

 

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Größere Nistplätze der Suppenschildkröte im Mittelmeer (nach CASALE, P. & MARGARITOULIS, D. (2010): Sea Turtles in the Mediterranean. IUCN)

 

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Suppenschidlkröte (Chelonia mydas) ehemals in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

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Abschlachten von Suppenschildkröten (Chelonia mydas) aus BREHMS Thierleben (1882-1887)

 

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Carapax und Plastron der Suppenschildkröte (Chelonia mydas). Zeichnung Urs Woy, Zürich, für CITES-ID-Manual

 

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Suppenschildkröte (Chelonia mydas) im Zoo Breslau © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Suppenschildkröte (Chelonia mydas) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Suppenschildkröte (Chelonia mydas) als Motiv auf Briefmarke von Papua-Neuguinea. Quelle: www.thamnophis.eu

 

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Von der Lederschildkröte (die einer anderen Familie angehört) einmal abgesehen, ist die Suppenschildkröte die größte Meeresschildkröte. Sie hat eine enorm weite Verbreitung, nistet auch im Mittelmeer und wird gelegentlich auch in der Nordsee angetroffen.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Carapaxlänge von 70-153 cm ist Chelonia mydas der größte Vertreter der Familie. Ihr relativ kleiner Kopf weist nur ein Paar Präfrontalschilder auf. An den Vorderflossen befindet sich eine verlängerte Kralle. Der gewölbte Carapax ist oval bis herzförmig, oliv bis braun-schwarz gefärbt und hat ein sehr variables Zeichnungsmuster. Die einzelnen Schilder sind dünn und überlappen sich nicht. Es sind 5 Wirbelschilder und je 4 Rippenschilder und 11 Randschilder vorhanden. Das Nuchalschild ist breit, berührt aber die beiden ersten Rippenschilder nicht. Das Supracaudalschild ist geteilt. Das weißliche oder cremefarbene Plastron weist beidseits vier Inframarginalschilder auf. Bei Jungtieren ist der Carapax dunkelblau bis schwarz, das Plastron weiß mit einem dunkeln Band auf den Randschildern [1].

Verbreitung

Die Nistplätze an Stränden tropischer, subtropischer und gemäßigter Ozeane und Meere, einschließlich des Mittelmeers (Türkei, Zypern), hauptsächlich zwischen 20º N und 20º S. Wandernde Exemplare werden bis in die Nordsee bzw. die Gewässer vor Chile angetroffen [1; 7].

Lebensraum und Lebensweise

Suppenschildkröten nisten an Sandstränden von Inseln und des Festlands. Es wird angenommen, dass die Jungtiere nach dem Schlupf Meeresströmungen folgend im offenen Ozean treiben, wo sie sich von Schwebeorganismen, wie marinen Nacktschnecken und Seeblasen (Physalia spp.), ernähren. Nach einigen Jahren kommen sie auf die Kontinentalschelfe, wo Seegräser und Algen ihre Hauptnahrung bilden. Ab Erreichen der Geschlechtsreife wandern die Männchen und Weibchen zwischen ihren Nahrungsgründen und den Nistplätzen hin und her. Dabei legen sie oft Tausende von Kilometern zurück. Die Paarungen finden im Wasser statt. Die Männchen verlassen vermutlich zeitlebens das Wasser nicht. Die Weibchen kommen in Abständen von 2-4 Jahren zur Eiablage an Land, wo sie in der Dämmerung oder nachts mit ihren Beinen eine birnförmige Grube ausheben, in welche sie die Eier deponieren. Im Verlauf von 6-8 Wochen produzieren sie 2-5 Gelege, von denen jedes meist zwischen 80 und 120 kugelige, 40-50 g schwere Eier umfasst. Die Jungen schlüpfen nach etwa 60 Tagen [1; 3; 6; 7; 10].

Gefährdung und Schutz

Nach einer revisionsbedürftigen Beurteilung aus dem Jahr 2004 gilt die Suppenschildkröte als stark gefährdet, mit Ausnahme der Subpopulation von Hawaii, die sich wieder erholt hat und weiterhin wächst [6].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt. Die Suppenschildkröte fällt unter Anhang 2 der Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume und ist ist eine streng zu schützende Tierart nach Anhang IV der FFH-Richtlinie (92/43/EWG).

Zoogestützte Artenschutzprojekte (Beispiele):

  • In den Jahren 2015-2017 haben zehn Mitgliedinstitutionen des amerikanischen Zoo- und Aquarienverbands AZA im Rahmen des SAFE Species-Programms 154 Schutzprojekte für Meeresschildkröten mit einem Gesamtbetrag von 12'790'330 USD sowie 28 Forschungsprojekte mit einem Gesamtbetrag von 886'465 USD gefördert. Auf die Suppenschildkröte entfielen 36 Schutz- und 11 Forschungsprojekte  und 1'038'445 USD. mehr ... 

Bedeutung für den Menschen

Die Suppenschildkröte ist die Meeresschildkröte, die am stärksten wegen ihres Fleischs und ihrer Eier genutzt wurde. Dies nicht nur von der lokalen Bevölkerung, sondern auch von europäischen Seefahreren. Das Eiersammeln ist in manchen Ländern heute noch üblich und legal [3; 6]. Ferner wurden die Schildkröten wegen ihres Öls und des "Calipee" genannten gallertigen Gewebes unter dem Bauchpanzer, das zur Herstellung von Schildkrötensuppe verwendet wurde, verfolgt. Deutschland führte zur Suppenherstellung von 1977-1983 über 10 Tonnen Calipee ein. Die Haut wurde zur Lederherstellung genutzt und auch Knochen, Panzer, Stopfpräparate und andere Objekte wurden gehandelt. Nicht alle Tiere wurden der Wildbahn entnommen. Um die Nachfrage zu decken, wurde 1968 auf den Cayman Inseln die Cayman Turtle Farm gegründet, die zeitweilig gegen 100'000 Tiere hielt. Da CITES und nationale Gesetzgebungen den Handel auch mit gefarmten Exemplaren weitgehend verunmöglichte, musste die Farm nach Handänderungen und Bankrotten letztlich aufgegeben werden und wird seit 1983 in redimensionierter Form als Touristenattraktion betrieben [10]. Der internationale Handel mit lebenden Tieren ist vergleichsweise unbedeutend. Während vier Jahrzehnten wurden im Jahresmittel knapp 180 Exemplare gehandelt [2]

Haltung im Zoo

Die Erstzucht der Suppenschildkröte gelang 1973 in der Cayman Trurtle Farm. In den 1980er Jahren hatte das Miami die ersten Zuchterfolge in einem Schaubecken mit kleinem Sandstrand. Später gelang die Zucht auch im Sea Life Park auf Hawaii [5].

Zoopädagogik: Die Suppenschildkröte ist eine gute Botschafter-Art für den Meeresschutz. Manche Populationen sind gefährdet, weil sie wegen touristischer Nutzung oder des durch den Klimawandel bedingten Ansteigens der Meere ihre Nistplätze verlieren. Auch Müll, insbesondere Plasticsäcke, stellt eine Gefahr für Meeresschildkröten dar. Das kann verwendet werden, um auf Verhaltensänderungen der Zoobesucher hinzuwirken.  

Haltung in europäischen Zoos und Aquarien: Die Art wird in rund 45 Institutionen gehalten, hauptsächlich in Sea Life Centres. Sie ist damit die am häufigsten zur Schau gestellte Meerschildkröte. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Behälter für eine Kleingruppe mindestens 10x so lang und 5x so breit sein wie die Carapaxlänge. Der Wasserstand soll das Doppelte der Carapaxbreite betragen. Nach Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 1.2.2022) ist die Haltung genehmigungspflichtig, wobei im Einzelfall geprüft wird, ob die vorgesehenen Einrichtungen eine tiergerechte Haltung erlauben. In der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde bereits 1758 von Carl von LINNÉ als "Testudo mydas" beschrieben. Der heutige Gattungsname Chelonia wurde 1812 vom aus Erlangen stammenden und an der Universität Königsberg wirkenden Naturforscher August Friedrich SCHWEIGGER verliehen. Es wurden drei Unterarten beschrieben (mydas, agassizii und japonica) [1; 7; 8].

Literatur und Internetquellen

  1. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. IUCN SSC MARINE TURTLE SPECIALIST GROUP
  4. OBST, F. J. (1985)
  5. OWENS, D. W. & BLANVILLAIN, G. (2009)
  6. SEMINOFF, J.A. (Southwest Fisheries Science Center, U.S.) (2004). Chelonia mydas. The IUCN Red List of Threatened Species 2004: http://www.iucnredlist.org/details/4615/0. Downloaded on 05 June 2017.
  7. THE REPTILE DATA BASE
  8. TURTLE TAXONOMY WORKING GROUP (2014)
  9. WILSON, S. & SWAN, G. (2013)
  10. www.turtle.ky/

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Gelesen 7667 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 03 Februar 2022 11:13
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx