Pelomedusen- und Schienenschildkröten

Dunkle Pelomeduse

Dunkle Pelomedusenschildkröten (Pelusios subniger) im Zoo Zürich Dunkle Pelomedusenschildkröten (Pelusios subniger) im Zoo Zürich
© Cora Braun, Zoo Zürich

Ordnung: Schildkröten (TESTUDINATA)
Unterordnung: Halsbergerschildkröten (CRYPTODIRA)
Familie: Pelomedusenschildkröten (Pelomedusidae)

D LC 650

Dunkle Pelomedusenschildkröte

Pelusios subniger • The Pan Terrapin • La péluse noirâtre

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Dunkle Pelomedusenschildkröte (Pelusios subniger) im Zoo Zürich © Sam Furrer, Zoo Zürich

 

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Approximative Verbreitung der Dunkeln Pelomedusenschildkröte (Pelusios subniger)

 

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Dunkle Pelomedusenschildkröten (Pelusios subniger) im Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Die Dunkle Pelomeduse ist eine eher unauffällige, kleinere Wasserschildkröte, die in Zoos nicht häufig gehalten wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Dunkle Pelomedusenschildkröte erreicht meist eine Carapaxlänge von 13-18 cm, maximal 20 cm. Der Rückenpanzer ist einfarbig oliv- oder dunkelbraun bzw. graubraun, wenn das Tier trocken ist. Bei Jungtieren kann ein schwach ausgebildeter Kiel vorhanden sein. Bei älteren Tieren ist der Carapax hinten breiter als vorne. Das Plastron ist gelblich mit dunkeln Stellen entlang den Nähten. Auch die Haut an Kopf, Beinen und Schwanz ist dunkel gefärbt. [1; 3; 4].

Verbreitung

Ost- und Südost-Afrika: Burundi, Ost-Kongo Dem., Madagaskar, Malawi, Mosambik, Sambia, Seychellen (Cerf, Fregate, La Digue, Mahé, Praslin, Silhouette, ausgerottet auf Cousin und St. Anne), Simbabwe, Tansania; marginal in Botswana, Namibia (Caprivi) und Südafrika (Krüger-Nationalpark); eingeführte Populationen auf Guadelupe, Mauritius, den Îles Glorieuses (nördlich von Madagaskar) und Diego García (Chagos-Archipel). Die Vorkommen in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Sao Tomé und Principe werden heute der Art castaneus zugerechnet [8; 9].

Lebensraum und Lebensweise

Die Lebensweise der Dunklen Pelomedusenschildkröte ist semi-aquatisch. Sie lebt vom Meeresspiegel bis auf eine Höhe von 3'100 m in Schwemmland, Bächen und Wasserlöchern, die zeitweilig trockenfallen können. Im Gegensatz zu manchen anderen Arten der Gattung ist sie nicht an Wald gebunden, sondern dringt weit in den Savannen- und Steppengürtel vor. Während der Trockenzeit machen viele Tiere eine Sommerruhe an Land bzw. eingegraben im Bodengrund des trocken gefallenen Gewässers. Kleine Frösche und Wirbellose bilden die Nahrung der Dunkeln Pelomedusenschildkröte. Die Gelegegröße wird für die Nominatform mit bis zu 21 Eiern angegeben. Bei einer Temperatur von tagsüber 28 und nachts 26°C schlüpfen die Jungen nach 82-84 Tagen. Für die Unterart der Seychellen wird eine Gelegegröße von 6-12 Eiern genannt [1; 4; 5; 6].

Gefährdung und Schutz

Die Art hat eine sehr weite Verbreitung und gilt nach einer revisionsbedürftigen Beurteilung aus dem Jahr 1996 nicht als gefährdet [8]. Dies trifft nicht zu für die Unterart P. s. parietalis von den Seychellen, die mit einem Bestand von nur 550 erwachsenen Tieren im Jahr 2005 als unmittelbar vom Aussterben bedroht gilt [3].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

DEie CITES-Handelsstatistik enthält keine Angaben zu P. subniger. Aus manchen Ursprungsländern, in denen die Art vorkommt, wurde ein geringfügiger Handel mit Pelusios spp. gemeldet [2].

Haltung im Zoo

In Analogie zur Terekay-Schildkröte kann man im Sinne einer guten Haltungspraxis empfehlen, dass ein Behälter für 1 männliches und 2-3 weibliche Tiere mindestens dem 6x3-fachen der Carapaxlänge und die Wassertiefe dem 4-bis 5-fachen der Carapaxbreite entsprechen soll. Der Wasserteil soll den größeren Teil der Fläche ausmachen. Das Wasser sollte 24-26ºC warm sein. Eine Überwinterung entfällt [6].

Zoopädagogik: Weil sie sich als Halswender deutlich von der bekannteren einheimischen Sumpf- oder den Schmuckschildkröten unterscheidet, ist die Art von Interesse, um die Vielfalt der Schildkröten aufzuzeigen.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in weniger als 10 Institutionen gehalten, darunter einige im deutschsprachigen Raum. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Behälter für eine Kleingruppe mindestens 4x so lang und 2x so breit sein wie die Carapaxlänge. Der Wasserstand soll das Doppelte der Carapaxbreite betragen. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege mit einem Landteil vor, der das 2x2-fache, und einem Wasserteil, der das 4x2-fache der Carapaxlänge misst. Für jedes weitere Tier kommen beim Wasserteil das 1x1-fache der Carapaxlänge dazu. Die Wassertiefe muss der einfachen Carapaxlänge entsprechen. In der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts und nach der Jahrtausendwende wurden mehrere Arten neu beschrieben. Je nach Autor variiert die Zahl der als Arten anerkannten Formen und dementsprechend gibt es unterschiedliche Angaben zu den Artaealen [7; 9]. Die möglicherweise in prähistorischer Zeit vom Menschen eingeführte Population auf den Seychellen wird als eigene Unterart P. s. parietalis angesehen [9].

Literatur und Internetquellen

  1. BRANCH, B. (1988)
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. GERLACH, J. (2008)
  4. NIETZKE, G. (1969)
  5. OBST, F. J. (1985)
  6. ROGNER, M. (2008)
  7. THE REPTILE DATA BASE
  8. TORTOISE & FRESHWATER TURTLE SPECIALIST GROUP (1996). Pelusios subniger. (errata version published in 2016) The IUCN Red List of Threatened Species 1996: http://www.iucnredlist.org/details/41602/0. Downloaded on 08 June 2017.
  9. TURTLE TAXONOMY WORKING GROUP (2014)

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Gelesen 7020 mal Letzte Änderung am Dienstag, 14 Mai 2019 14:29
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx