Schlamm- und Tabascoschildkröten

Skorpions-Klappschildkröte

Skorpionsklappschildkröte (Kinosternon scorpioides cruentatum) im Tierpark Berlin  im Tierpark Berlini Skorpionsklappschildkröte (Kinosternon scorpioides cruentatum) im Tierpark Berlin im Tierpark Berlini
© Klaus Rudloff, Berlin

Ordnung: Schildkröten (TESTUDINATA)
Unterordnung: Halsbergerschildkröten (CRYPTODIRA)
Überfamilie: Schlamm- und Tabascoschildkröten (Kinosternoidea)
Familie: Schlammschildkröten (Kinosternidae) 

D NB 650

Skorpions-Klappschildkröte

Kinosternon scorpioides • The Scorpion Mud Turtle • La tortue scorpion

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Skorpionsklappschildkröte (Kinosternon scorpioides cruentatum) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Approximative Verbreitung der Skorpions-Klappschildkröte (Kinosternon scorpioides) - möglicherweise bestehen Verbreitungslücken innerhalb des dunkelblau gefärbten Areals, siehe BERRY & IVERSON, 2011

 

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Skorpions-Klappschildkröte (Kinosternon scorpioides cruentatum). Archives du Muséum d'Histoire Naturelle, Paris VI (1852), Tafel XVI.

 

 

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Die Skorpions-Klappschildkröte ist eine sehr weit verbreite neotropische Art, die wegen Ihres Klappmechanismus zwar interessant ist, in europäischen Zoos aber nur selten gezeigt wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Skorpions-Klappschildkröte ist mit einer Carapaxlänge von 18-20 (9-27) cm eine mittelgroße bis große Art ihrer Gattung. Bei vielen Individuen weist der variabel, meist olivgrün bis dunkelbraun gefärbte Carapax drei Kiele auf. Das gelblich-braune Plastron hat zwei knorpelig-bindegewebig Quergelenke, die es im vorderen und hinteren Bereich beweglich machen. Mittels kräftiger Muskeln werden sie angezogen und arretiert. Zwischen den beweglichen Plastrallappen befindet sich ein solides Zwischenstück, das zugleich die Brücke zum Carapax bildet. Bei den meisten Tieren endet der Schwanz in einem hornigen Endnagel [2; 3; 7].

Verbreitung

Die Skorpions-Klappschildkröte besiedelt in vier Unterarten weite Teile Mittel- und Südamerikas von Mexiko bis Nordargentinien: Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Costa Rica, Ekuador, El Salvador, Französisch Guiana, Guatemala, Guyana, Honduras, Kolumbien, Mexiko, Nikaragua, Panama, Paraguay, Peru, Surinam, Trinidad, Venezuela [1; 5; 6].

Lebensraum und Lebensweise

Die Art ist stark ans Wasserleben angepasst. Sie ist in fast jeglicher Art von Gewässer zu finden. Die Tiere ernähren sich von einem weiten Spektrum wasserlebender Wirbelloser und Wirbeltiere sowie von Aas [7]. Die Weibchen produzieren bis fünf Gelege pro Jahr. Ein Gelege besteht aus 3-7 (1-8) Eiern [1]. Bei einer Umgebungstemperatur von 30-31°C schlüpfen die Jungen nach 112 Tagen. Bei 24-27°C entstehen zu 70-80% Männchen, bei 30°C nur Weibchen [4].

Gefährdung und Schutz

Die Skorpions-Klappschildkröte wird gegenwärtig (2017) durch die Rote Liste der IUCN nicht erfasst. In Anbetracht ihres riesigen Areals ist davon auszugehen, dass sie nicht gefährdet ist.

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt

Bedeutung für den Menschen

In Teilen ihres Areals wird die Skorpions-Klappschildkröte zu Touristen-Souvenirs verarbeitet, es werden ihr medizinische Eigenschaften zugeschrieben oder sie wird zu Nahrungszwecken oder für den Tierhandel gefangen [1].

Haltung im Zoo

Im Sinne einer guten Haltungspraxis wird empfohlen, dass ein Behälter für nach Geschlechtern getrennte Tiere mindestens dem 4x2-fachen der Carapaxlänge (die CH-TSchV schreibt das 4x3-fache vor!) und die Wassertiefe dem 2-fachen der Carapaxbreite entsprechen soll. Der Wasserteil soll den größeren Teil der Fläche ausmachen. Das Wasser sollte 25-28ºC warm sein, die Luft 25-30ºC. Eine Überwinterung ist nicht angezeigt [2; 4].

Zoopädagogik: Wegen ihrer Fähigkeit, ihren Panzer mittels der zwei Scharniere im Plastron völlig zu verschließen kann die Skorpions-Klappschildkröte verwendet werden, um Feindvermeidungsmechanismen aufzuzeigen.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in nur etwa 10 europäischen Institutionen gehalten, von denen sich einige im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Behälter für eine Kleingruppe mindestens 3x so lang und 1.5 so breit sein wie die Carapaxlänge. Der Wasserstand soll das Doppelte der Carapaxbreite betragen. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege mit einem Landteil vor, der das 2x2-fache, und einem Wasserteil, der das 4x3-fache der Carapaxlänge misst. Für jedes weitere Tier kommen beim Wasserteil das 2x2-fache der Carapaxlänge dazu. Die Wassertiefe muss der einfachen Carapaxlänge entsprechen. In  der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde 1766 von Carl von LINNÉ im Rahmen der 12. Auflage seines "Systema Naturae" als "Testudo scorpioides" beschrieben [6]. Die Artbezeichnung "scorpioides" bezieht sich wohl auf den hornigen Endnagel des Schwanzes [7]. Es werden gegenwärtig vier Unterarten anerkannt: K. s. abaxillare (Zentral-Chiapas, Mexiko), K. s. cruentatum (Tamaulipas, Mexiko bis Guatemala), K. s. albogulare (Honduras bis Panama)und K. s. scorpioides (Panama bis Argentinien) [1].

Literatur und Internetquellen

  1. BERRY, F. J. & IVERSON, J. B. (2011)
  2. NIETZKE, G. (1969)
  3. OBST, F. J. (1985)
  4. ROGNER, M. (2008)
  5. THE REPTILE DATA BASE
  6. TURTLE TAXONOMY WORKING GROUP (2014)
  7. USGS - Nonindigenous aquatic species

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Gelesen 887 mal Letzte Änderung am Dienstag, 14 Mai 2019 15:31
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx