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EBERSBACH, K. (2001)

Zur Biologie und Haltung der Aldabra-Riesenschildkröte (Geochelone gigantea) und der Galapagos-Riesenschildkröte (Geochelone elephantopus) in menschlicher Obhut unter besonderer Berücksichtigung der Fortpflanzung.

Vet. med. Diss. TiHo Hannover
Aus dem Institut für Zoologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover und dem Zoo Hannover

Wissenschaftliche Betreuung; Univ.-Porf. Dr, K. Wächtler
229 Seiten, 28 Tabelle, Anbbildungen, Anhang

Volltext

Zusammenfassung:

Die vorliegende Arbeit fasst den aktuellen Kenntnisstand zu den Riesenschildkrötenarten G. gigantea und G. elephantopus unter besonderer Berücksichtigung der Fortpflanzungsbiologie zusammen. Dabei wird ein umfassender Überblick über die hierzu verfügbare Literatur gegeben. Im Rahmen einer zwischen Februar und August 2000 durchgeführten weltweiten Umfrage wurden darüber hinaus die aktuellen Haltungsbedingungen, die Fütterung, das Management sowie der Reproduktionsstatus in 67 Haltungen von G. gigantea und 26 Haltungen G. elephantopus erfasst. Dabei wurde der Aktivitätsbeeinflussung durch das Management besondere Bedeutung beigemessen, da ein Zusammenhang zur Fortpflanzungsaktivität vermutet wird und ein großer Unterschied zwischen der Aktivität der Tiere im natürlichen Lebensraum und in menschlicher Obhut besteht. Halter gemischtgeschlechtiger Gruppen und Züchter bewerteten außerdem die mögliche Relevanz fortpflanzungsbeeinflussender Faktoren.

Anhand der Befragung wurde neben der Ermittlung des Status Präsens auch die praktische Umsetzung der aus der Lebensweise der Tiere im Freiland abgeleiteten Grundsätze bzw. der in der Literatur vorgegebenen Haltungsempfehlungen überprüft. Zudem wurden potentielle fortpflanzungsspezifische Einflussfaktoren statistisch auf einen Zusammenhang zum Vorkommen von Eiablagen untersucht. Weiterhin wurden Ultraschall- und Spermienuntersuchungen der im Zoo Hannover gehaltenen G. gigantea durchgeführt.

Bei der existierenden Literatur zu Haltung, Fütterung und Fortpflanzung in menschlicher Obhut handelt es sich meist um Fallbeschreibungen und empirische Einschätzungen. Nur zu wenigen Teilaspekten liegen wissenschaftliche Untersuchungen vor. Kenntnisse der Umweltfaktoren, Ernährung und Lebensweise sowie der damit verknüpften physiologischen, ökologischen und sozialen Zusammenhänge bilden aber die Grundlage für eine artgerechte Haltung und für Zuchterfolge.

Die Gesamtheit der Haltungen weist aufgrund der weltweiten Verteilung der Zoos und Privathalter sowie der unterschiedlichen lokalen Voraussetzungen ein sehr breit gefächertes Spektrum von Haltungsbedingungen sowie Fütterung und Management auf. Innerhalb dieses Spektrums gelingen Zuchterfolge unter sehr variablen Bedingungen. Faktoren, die von vielen Haltern und Züchtern beider Arten als besonders wichtig angesehen werden, sind: klimatische Faktoren (Licht, allgemeine Wetterverhältnisse, Lufttemperatur), Gehegegröße und Komfort, Futterzusammensetzung, Gruppengröße, Geschlechtertrennung sowie Aktivität und Fitness der Männchen. Die Fortpflanzung von Riesenschildkröten stellt sich insgesamt als polyfaktoriell bestimmtes Geschehen dar. Statistisch belegt werden konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Durchführung einer temporären Geschlechtertrennung und dem Vorkommen von Eiablagen.

Die im Zoo Hannover durchgeführten praktischen Untersuchungen an G. gigantea belegen eine Ovulationshemmung bei allen gehaltenen Weibchen und bestätigen damit frühere Untersuchungen (Zürich 1995). Unter Einbeziehung des in der Befragung ermittelten weltweiten geringen Anteils von Weibchen mit Eiablagen müssen als Hauptursache ausbleibender Zuchterfolge nachteilige Umwelteinflüsse auf die Ovulation angenommen werden.

Im Vergleich zwischen Freilandbedingungen und heutigem Haltungsstandart ergeben sich in verschiedenen Bereichen Verbesserungsvorschläge. Diese betreffen insbesondere einen physiologischen Temperaturgradienten im Innengehege, eine ausreichende UV-Versorgung während der Innenhaltung, eine Aktivitätsanregung der Tiere durch entsprechende Gehegegestaltung und einen variablen Fütterungsmodus, eine artspezifische Fütterung sowie ein an den durch Gruppengröße, Geschlechterverhältnis und Haltungsdichte entstehenden sozialen Interaktionen orientiertes Management. Unter dem Gesichtspunkt der Fortpflanzung sind Aktivitätsanregung, Fütterung und Management besonders zu beachten.

Summary:

”Biology and keeping of the Aldabra giant tortoise (Geochelone gigantea) and the Galapagos giant tortoise (Geochelone elephantopus) in captivity with special reference to reproduction” (by Katja Ebersbach)

This study summarises the current knowledge concerning the two species of giant tortoises G. gigantea and G. elephantopus with special regard to reproductive biology. A comprehensive survey of the literature available is given. In addition, the current keeping conditions, feeding, management and reproductive status of 67 maintenance systems of G. gigantea and 26 maintenance systems of G. elephantopus were recorded during a worldwide inquiry that has been carried out between February and August 2000. For two main reasons the stimulation of activity by management was of special importance: First, a connection with reproductive activity can be assumed. Second, there exists a significant difference between the activity of giant tortoises living free and those kept in captivity. Furthermore, keepers of mixed sex groups and breeders evaluated the possible relevance of factors influencing reproduction. Using the inquiry, not only the present standard of maintenance was investigated, but also the practical realisation of principles derived from the animals natural habitat and from recommendations given in the literature. Additionally, correlations between factors potentially influencing reproduction and the occurrence of egg laying were tested, applying statistic methods. Furthermore, ultrasonography and examination of spermatozoa of G. gigantea kept at Hannover Zoo were carried out.

The majority of the surveyed literature on keeping, feeding and reproduction in captivity deals with case descriptions and empirical assessments. Scientific investigation has been done with regard to a few aspects only. However, knowledge concerning environmental factors, feeding, biology, and the physiological, ecological, and social context is the basis for a standart of maintenance appropriate to the species and for breeding success.

Due to worldwide distribution and different local conditions, the surveyed maintenance systems (zoos and private keepers) represent a very wide spectrum of keeping conditions, feeding and management. Within this spectrum breeding success is reached under variable conditions. Factors mentioned by many keepers and breeders of both species to be especially important are: Climatic factors (light, general weather conditions, air temperature), size of enclosure, comfort, food composition, size of group, separation of sexes, and the males’ activity and fitness. Hence, the reproduction of giant tortoises is a process influenced by many factors. A significant connection between temporary separation of the sexes and the occurrence of egg laying has been demonstrated statistically.

The sonographic investigation of G. gigantea at Hannover Zoo proves the inhibition of ovulation concerning all females and, thus, corresponds with earlier research (Zürich 1995). Taking into account the small number of egg laying females worldwide, negative environmental influence on the ovulation must be regarded as the main cause of lacking breeding success.

Comparing natural conditions and recent standards of maintenance recommendations for improvement can be deduced. In particular, they concern a physiological temperature gradient within the inside enclosure, sufficient supply with UV-radiation during indoor housing, stimulation of activity through appropriate design of the enclosure and varied kinds of feeding, adequate food, and management considering the social interactions resulting from group size, sex ratio and keeping density. With regard to reproduction stimulation of activity, adequate food and management are of special importance.

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx