Landschildkröten

Gelbkopf-Landschildkröte

Junge Gelbkopfschildkröte (Indotestudo elongata) in der Alligator Bay, Beauvoir Junge Gelbkopfschildkröte (Indotestudo elongata) in der Alligator Bay, Beauvoir
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Schildkröten (TESTUDINATA)
Unterordnung: Halsbergerschildkröten (CRYPTODIRA)
Familie: Landschildkröten (Testudinidae)

D EN 650

Gelbkopf-Landschildkröte

Indotestudo elongata • The Yellow-headed, or Red-nosed Tortoise • La tortue à tête jaune

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Erwachsene Gelbkopfschildkröte (Indotestudo elongata) in der Alligator Bay, Beauvoir © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung der Gelbkopfschildkröte (Indotestudo elongata)

 

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Junge Gelbkopfschildkröte (Indotestudo elongata) in der Alligator Bay, Beauvoir © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Junge Gelbkopf-Landschildkröte (Indotestudo elongata) im Tierpark Berlin © Carlos Frey, Berlin

 

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Junge Gelbkopf-Landschildkröten (Indotestudo elongata) im Tierpark Berlin © Carlos Frey, Berlin

 

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Junge Gelbkopf-Landschildkröten (Indotestudo elongata) im Tierpark Berlin © Carlos Frey, Berlin

 

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Junge Gelbkopf-Landschildkröten (Indotestudo elongata) im Tierpark Berlin © Carlos Frey, Berlin

 

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Carapax und Plastron der Gelbkopfschildkröte (Indotestudo elongata). Zeichnung Urs Woy, Zürich, für CITES-ID-Manual

 

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Brfiefmarke m it Gelbkopf-Schildkröten-Motiv, Thailan, 3 Baht

 

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Die Gelbkopfschildkröte ist eine knapp mittelgroße Landschildkröte mit auffälliger Panzerfärbung, die sich als Botschafterart für die süd-/südostasiatischen Wälder eignet, aber nur relativ selten gehalten wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Gelbkopfschildkröten besitzen einen gelblichbraunen, etwa 28 bis 33 cm erreichenden, länglich-schmalen, hochgewölbten, oben abgeflachten Rückenpanzer mit deutlich gesägten Randschildern. Sie erreichen ein Gewicht von 3.5 kg. Es ist ein längliches Nuchalschild vorhanden, das Supracaudalschild ist ungeteilt und auf jeder Seite des Panzers befinden sich 11 Marginalschilder. Kopf und Hals sind gelb, während der Fortpflanzungszeit teilweise rosa. Die Extremitäten sind dunkelbraun und mit vergrößerten gelbbraunen oder gelben Schuppen besetzt. Der Schwanz endet in einem langen Hornnagel [2; 6; 7]

Verbreitung

Süd- und Südostasien: Bangladesch, Bhutan, vermutlich marginal in China (Guangxi, Yunnan), Indien (Bihar, Meghalaya, Uttar Pradesh, Westbengalen), Kambodscha, Laos, Malaysia (West), Myanmar, Nepal, Thailand, Vietnam [1; 9].

Lebensraum und Lebensweise

Die Gelbkopfschildkröten bewohnen Monsun-Regenwälder mittlerer Höhenlagen. In Indien und Nepal vorzugsweise Salwald (Shortea robusta), ansonsten hauptsächlich Teakwälder. Die Nahrung besteht überwiegend aus Pflanzenmaterial, gelegentlich wird auch tierische Kost genommen, wie z.B. Nacktschnecken. Während der Fortpflanzungszeit verhalten sich die Männchen territorial. Die Gelege bestehen aus 2-4 (1-10) Eiern  [5; 6; 7].

Gefährdung und Schutz

Seit 2000 wird die Gelbkopf-Landschildkröte als stark gefährdet einstuft. Gründe für beobachtete Bestandsabnahmen sind Lebensraumverlust und nicht-nachhaltiges Sammeln für den chinesischen Lebensmittemarkt [1].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Gelbkopf-Landschildkröten werden lokal für den Kochtopf gesammelt und ihre Panzer werden als Gefäße etc. genutzt [7]. Bangladesch exportierte in der Periode 1991-1993 über 1'000 Tonnen lebende Schildkröten die als Lebensmittel nach China, Hongkong und Singapur gingen. Daneben gibt es einen internationalen Handel mit Terrarientieren, der sich aber vergleichsweise bescheiden ausnimmt [3].

Haltung im Zoo

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund zwei Dutzend Institutionen gehalten, wovon sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. Im Rahmen der European Studbook Foundation gibt es ein Zuchtbuch, das überwiegend private Halter erfasst.

Zucht und Aufzucht: Nachdem sich im Tierpark Berlin Gelbkopf-Landschildkröten im Jahre 2008 erstmals fortpflanzten und auch in den Folgejahren Jungtiere schlüpften, konnte 2013 geradezu einen Boom verzeichnet werden. Im Mai schlüpfte das erste Jungtier. Besonders im Juli und August, aber auch im September folgten danach insgesamt 20 kleine Gelbkopfschildkröten. Die Eier mit den Maßen 50 x 40 mm (50 g) wurden, soweit man sie fand, in einem Inkubator erbrütet. Etliche Jungschildkröten schlüpften aber auch auf der Anlage. Die Jungschildkröten sind beim Schlupf 50 x 47 x 29 mm (Länge x Breite x Höhe) groß und 36 g schwer. Man kann sich kaum vorstellen, wie ein so großes Jungtier überhaupt ins Ei passt. Die bekannte Zeitigungsdauer beträgt bei dieser Schildkrötenart 100 bis 153 Tage. Man findet jedoch die Eier häufig nicht sofort nach der Ablage, so daß man auf den Schlupf geduldig warten muss [4 und PM Tierpark Berlin, 09.09.2013].

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für eine Kleingruppe mindestens 8x so lang und 4x so breit sein wie die Carapaxlänge. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege vor, welches das 8x4-fache der Carapaxlänge misst. Für jedes weitere Tier kommt das 2x2-fache der Carapaxlänge dazu. Bei Unverträglichkeit müssen die Tiere einzeln gehalten werden. In der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Gelbkopfschildkröte wurde 1854 von dem viele Jahre in Kalkutta tätigen englischen Zoologen Edward BLYTH als "Testudo elongata" beschrieben. Von 1979-97 wurden sie zumeist der Gattung Geochelone zugeordnet. Seit 1980 läuft sie unter der Gattungsbezeichnung Indotestudo [8].

Literatur und Internetquellen

  1. ASIAN TURTLE TRADE WORKING GROUP (2000). Indotestudo elongata. The IUCN Red List of Threatened Species 2000: http://www.iucnredlist.org/details/10824/0. Downloaded on 22 May 2017.
  2. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. DATHE, F. (2010)
  5. OBST, F. J. (1985)
  6. ROGNER, M. (2008)
  7. SWINGLAND, I. R. & KLEMENS, M. W., eds. (1989)
  8. THE REPTILE DATA BASE
  9. TURTLE TAXONOMY WORKING GROUP (2014)

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Gelesen 1070 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 15 Mai 2019 08:25
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