Landschildkröten

Spinnenschildkröte

Spinnenschildkröte (Pyxis arachnoides) im Tierpark Berlin Spinnenschildkröte (Pyxis arachnoides) im Tierpark Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin

Ordnung: Schildkröten (TESTUDINATA)
Unterordnung: Halsbergerschildkröten (CRYPTODIRA)
Familie: Landschildkröten (Testudinidae)

D CR 650

EEPMadagassische Spinnenschildkröte

Pyxis arachnoides • The Spider Tortoise • La pyxide arachnoïde

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Spinnenschildkröte (Pyxis arachnoides) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Approximative Verbreitung der Spinnenschildkröte (Pyxis arachnoides)

 

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Spinnenschildkröte (Pyxis arachnoides im Zoo Zürich © Martin Bauert, Zoo Zürich

 

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Frisch geschlüpfte Spinnenschildkröte (Pyxis arachnoides) im ErlebnisZoo Hannover © Zoo Hannover (Pressefoto)

 

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Dorsalansicht einer Spinnenschildkröte (Pyxis arachnoides) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Ventralansicht einer Spinnenschildkröte (Pyxis arachnoides) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Carapax und Plastron der Spinnenschildkröte (Pyxis arachnoides). Zeichnung Urs Woy, Zürich, für CITES-ID-Manual

 

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Die Madagassische Spinnenschildkröte ist eine attraktiv gefärbte Art, die wegen ihrer zunehmenden Gefährdung vermehrt in Zoos gehalten und gezüchtet werden sollte. Da die Tiere sehr klein bleiben, sind sie auch für die Privathaltung geeignet, sollten aber qualifizierten Schildkrötenzüchtern vorbehalten bleiben.

Körperbau und Körperfunktionen

Spinnenschildkröten erreichen eine Carapaxlänge von nur 10 cm. Ihr länglicher, hochgewölbter Rückenpanzer hat eine dunkelbraune Grundfarbe, die von einem schönen Zeichnungsmuster (Spinnennetz) unterbrochen ist. Es ist ein Nuchalschild vorhanden, das Supracaudalschild ist ungeteilt und beidseits hat es 11 Marginalschilder. Die Randschilder haben einen gelben unteren Rand. Der Vorderteil des Bauchpanzers ist durch ein Quergelenk beweglich [1; 4; 6].

Verbreitung

Trockene Küstengebiete Südwest-Madagaskars bis etwa 10-50 km ins Land hinein [3].

Lebensraum und Lebensweise

Die tagaktive Art besiedelt den Mikea-Trockenwald und den südlich daran anschließenden Didieraceen-/Euphorbien-Dornbusch, eine Region, die durch geringe und unregelmässige Niederschläge gekennzeichnet ist [3; 4]. Während der lange anhaltenden Trockenzeiten scharren sich die Tiere unter Büschen, vertrockneten Grashorsten und ähnlichen geschützten Stellen nur panzertief in den lockeren Bodengrund ein und harren dort ohne Nahrungsaufnahme aus, bis der Regen einsetzt. Die Weibchen legen pro Saison nur zweimal je ein Ei [5; 6] (nach [3] ist die Anzahl Gelege pro Saison nicht bekannt). Die ca. 12 g schweren Jungtiere schlüpfen nach rund 300-330 Tagen. Die Tiere können ein Alter von 70 Jahren erreichen [9].

Gefährdung und Schutz

Die Spinnenschildkröte hat im Zeitraum 1970-2000 rund 40% ihres Lebensraums verloren und geriet unter erhöhten Fangdruck, weil auch die Strahlenschildkröte zunehmend seltener wurde. 1996 wurde sie daher als gefährdet, 2008 als vom Aussterben bedroht beurteilt, obwohl der Bestand damals auf 2-3 Millionen Individuen geschätzt wurde. Diese Beurteilung müsste aber aktualisiert werden [3].

Die Art war ursprünglich in CITES-Anhang II aufgeführt. Seit 2005 ist der internationale Handel nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Die Spinnenschildkröte ist ein attraktives Terrarientier. Von 1976-2004 bewilligte Madagaskar während insgesamt 8 Jahren die Ausfuhr von total 4907 Tieren, die bis auf 16 alle Wildfänge waren. Seit die Art in Anhang I ist, wurden keine Exporte mehr gemeldet [2].

Haltung im Zoo

Haltung in europäischen Zoos: Die Zahl der Haltungen nimmt zu. Gegenwärtig (2023) wird die Art in 27 Institutionen gehalten, wovon sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste

Für die Art existierte ein Europäisches Zuchtbuch (ESB), das 2020 in ein vom Zoo Brünn kooridiniertes New Style EEP umgewandelt wurde. Zu den regelmäßigen Züchtern zählt der Erlebniszoo Hannover, wo von 2011-2023  insgesamt 15 Jungtiere geschlüpft sind [9]. Ferner gibt es im Rahmen der European Studbook Foundation ein Zuchtbuch, das überwiegend private Halter erfasst.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für eine Kleingruppe mindestens 4x so lang und doppelt so breit sein wie die Carapaxlänge.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.06.2022) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege vor, welches das 8x4-fache der Carapaxlänge misst. Für jedes weitere Tier kommt das 2x2-fache der Carapaxlänge dazu. Bei Unverträglichkeit müssen die Tiere einzeln gehalten werden. In der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2023) ist die Art nicht erwähnt.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Art wurde unter ihrem heutigen Namen 1827 vom englischen Arzt und Naturforscher Thomas BELL beschrieben. Es werden drei Unterarten anerkannt: P. a. arachnoides, P. a. brygooi und P. a. oblonga [7, 8].

Literatur und Internetquellen

  1. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. LEUTERITZ, T. & WALKER, R. (2020). Pyxis arachnoides (amended version of 2014 assessment). The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T19035A177075588. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-3.RLTS.T19035A177075588.en. Downloaded on 19 December 2020.
  4. NIETZKE, G. (1969)
  5. OBST, F. J. (1985)
  6. ROGNER, M. (2008)
  7. THE REPTILE DATA BASE
  8. TURTLE TAXONOMY WORKING GROUP (2014)
  9. ERLEBNISZOO HANNOVER - PM vom 20.02.2023

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Gelesen 18882 mal Letzte Änderung am Dienstag, 01 August 2023 10:07
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx