Hirsche, Hirschferkel und Moschustiere

Leierhirsch

Burma-Leierhirschkuh (Rucervus eldii thamin) im Zoo Chiang Mai, Thailamd Burma-Leierhirschkuh (Rucervus eldii thamin) im Zoo Chiang Mai, Thailamd
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERiA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Echte Hirsche (Cervinae)
Tribus: Echthirsche im engeren Sinn (Cervini)

D EN 650

EEPLeierhirsch

Cervus (Rucervus) eldii • The Eld's Deer • Le cerf d'Eld

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Burma-Leierhirsch (Rucervus eldii thamin) im Chiang Mai Zoo, Thailand © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung des Leierhirschs (Rucervus eldii). Rot: R. eldii eldii; dunkelblau: R. eldii siamensis; dunkelgrün: R. eldii thamin

 

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Burma-Leierhirschkuh (Rucervus eldii thamin) im Khao Kheow Open Zoo, Chonburi, Thailand © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Burma-Leierhirschkuh (Rucervus eldii thamin) im Khao Kheow Open Zoo, Chonburi, Thailand © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Siam-Leierhirsch (Rucervus eldii siamensis) mit Bastgeweih im Dusit-Zoo, Bangkok © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Siam-Leierhirschkuh (Rucervus eldii siamensis) im Dusit-Zoo, Bangkok © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Siam-Leierhirsch (Rucervus eldii siamensis) mit Bastgeweih im Aufbau im Dusit-Zoo, Bangkok © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Siam-Leierhirsch (Rucervus eldii siamensis) anno 1990 im Zoo Paris-Vincennes © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Manipur-Leierthirsche (Rucervus eldii eldii) im Delhi Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Manipur-Leierhirschkuh (Rucervus eldii eldii) im Delhi Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Burma-Leierhirschkuh im Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Burma-Leierhirsch (Cervus eldi thameen) mit jungem Bastgeweih im Zoo Zürich © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Burma-Leierhirsch-Gruppe im Zoo Zürich © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Burma-Leierhirsch (Rucervus eldii thamin), Kahlwildrudel in Kontaktgehege im Khao Kheow Open Zoo, Chonburi, Thailand © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Plastik des ausgestorbenen Schomburgk-Hirschs (Rucervus schomburgkii) im Dusit-Zoo, Bangkok

 

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Der Leierhirsch ist eine in ihrer Heimat stark gefährdete, in manchen Ländern bereits ausgerottete Art relativ großer, attraktiver Hirsche mit leierförmigem Geweih, die trotz Förderung durch ein Zuchtprogramm in Europa nicht so recht auf Touren kommt und nur in wenigen Zoos zu sehen ist,

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Kopf-Rumpflänge von 160-170 cm, einer Schulterhöhe von 115-130 cm und einem Gewicht von 90-130 kg bei den Hirschstieren, sowie einer Kopf-Rumpflänge von 140-150 cm, einer Schulterhöhe von 90-100 cm und einem Gewicht von 60-80(-90) kg bei den Kühen ist der Leierhirsch etwas kleiner als der Barasingha, wird aber beim Vollzug der Tierschutzgesetzgebung wohl noch zu den größeren Hirschen gerechnet. Der Schwanz wird 22-25 cm lang. Der Kopf ist lang und schmal. Der nackte Nasenspiegel ist schwarz, die Ohren sind groß und länglich. Das einfach strukturierte, bis 1 m lange Geweih bildet von vorne gesehen eine Leier, die einzelne Stange von der Seite gesehen zusammen mit der Augsprosse einen Halbbogen. Das unscharf gefleckte oder eintönige Fell ist grau- bis rötlich- oder gelbbraun, Bauch und Schwanzunterseite sind weiß, ein Spiegel ist nicht vorhanden [3; 4; 6; 8].

Verbreitung

Südostasien: Unzusammenhängende Relikt-Vorkommen in drei, eventuell vier  Unterarten [2]:

  • Manipur-Leierhirsch (C. e. eldii): Indien (Manipur)
  • Burma-Leierhirsch, Thamin (C. e. thamin): Myanmar, eingeführte Populationen in West-Thailand
  • Siam-Leierhirsch (C. e. siamensis): China (Hainan), Kambodscha, Laos, vermutlich ausgestorben in Thailand und Viet Nam

Lebensraum und Lebensweise

Leierhirsche besiedeln offene, von Gräsern dominierte Landschaften, lockere, laubabwerfende Wälder mit grasbedeckten Böden und Mosaike von Gras-, Sumpf- und Waldland, auf Hainan Buschland. Sie gehen auch gerne in Reisfelder. Die Nahrung besteht überwiegend aus Gräsern, daneben wird Laub geäst und Fallobst gefressen. Geweihentwicklung und Fortpflanzung sind je nach Population jahreszeitlich verschieden. In unseren Zoos fällt die Brunft hauptsächlich auf den Zeitraum Februar-April und die Hauptsetzzeit auf November-Dezmeber. Nach einer Tragzeit von etwa 237-240 Tagen wird in der Regel ein einzelnes Kalb mit einem Geburtsgewicht von 3.5-6 kg gesetzt. Dieses wird mit 3-(5-7) Monaten entwöhnt. Die Kühe werden mit etwa 16 Monaten geschlechtsreif [2; 4; 6; 8].

Gefährdung und Schutz

Die meisten Bestände des Leierhirschs haben in den letzten Jahrzehnten dramatisch abgenommen und sein Verbreitungsgebiet ist geschrumpft und ist heute fragmentiert. In Thailand gibt es wohl keine autochthonen Bestände mehr und in Vietnam sowie auf dem chinesischen Festland ist die Art ausgestorben. Der Bestand des Manipur-Leierhirschs hat von 14 auf rund 100 Individuen zugenommen und ist auf dieser Höhe stabil. Auf Hainan konnten die halbwild in eingezäunten Reservaten lebenden Bestände von weniger als 50 (1976) auf rund 1'300 (2003) Individuen anwachsen. Die Art gilt aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2008, bestätigt 2015, als stark gefährdet (Rote Liste: ENDANGERED).

Der internationale Handel ist durch CITES Anhang I eingeschränkt. Eine Einfuhr aus den Ursprungsländern nach Europa ist auch aus tierseuchenrechtlichen Gründen praktisch ausgeschlossen.

Bedeutung für den Menschen

Leierhirsche wurden - und werden illegal immer noch - wegen ihres Fleischs und vermutlich auch wegen der Verwendung von Geweihen und anderen Körperteilen in der traditionellen orientalischen Medizin gejagt und in Farmen gezüchtet [2].

Im Zeitraum 1977-2017 meldeten Indien die Ausfuhr von 3 lebenden Wildfängen nach Polen, China. Etwas Weniges an Teilen und Erzeugnissen kam aus China, Myanmar und Thailand. Im selben Zeitraum wurden weltweit 152 Nachzuchttiere im grenzüberschreitenden Verkehr registriert. Davon kamen 37 aus Kanada [1].

Haltung

Leierhirsche, wie manch andere Hirscharten aus den Tropen auch, brauchen in unseren Breiten ein temperiertes Winterquartier, denn sie bringen rund ums Jahr Nachwuchs zur Welt oder haben saisonale Wurfzeiten, die in nördlichen Regionen eher ungünstig liegen. Bei den Leierhirschen, etwa im Tierpark Berlin, liegt die Wurfzeit zwischen Ende Oktober und April. Eine Gemeinschaftshaltung mit anderen Arten ist möglich. In Zürich wurden Leierhirsche mit Bantengs bzw. Nilgaus, Hirschziegenantilopen, Streifengänsen und Sarus- bzw. Weißnackenkranichen vergesellschaftet.

WEIGL gibt als Höchstalter für R. e. eldii 20 Jahre und 3 Monate, für R. e. siamensis 18 Jahre und 7 Monate und für R. e. thamin 20 Jahre und 6 Monate an [7].

Bis 2007 gab es ein vom Zoo Paris geführtes Internationales Zuchtbuch für die Leierhirsche. Die Bestände in süd-/südostasiatischen Zoos und Zuchtstationen wurden 2018 mit 211 für R. e. eldii, 134 für R. e. siamensis, 34 für R. e. "hainanensis" und 1'074 für R. e. thamin angegeben [10].

Haltung in europäischen Zoos: Die Unterart thamin wird in etwa 15 Zoos gehalten, von denen sich ein paar im deutschsprachigen Raum befinden. Der Bestand geht auf relativ wenige Tiere zurück, die ab den 1950er-Jahren aus Thailand, Myanmar und den USA nach Europa gelangten. Nachdem der Zoo de Vincennes in Paris vor ein paar Jahren die Haltung aufgegeben hat, wird die Unterart siamensis, die bereits 1899 im Londoner Zoo zu sehen war, nur noch in einer Einrichtung in Frankreich gepflegt. Von R. e. eldii gelangte ein Exemplar bereits 1867 in den Londoner Zoo. In den letzten Jahren war die Unterart aber in Europa nicht mehr vorhanden, jedoch gab es ein paar wenige Haltungen in den USA. Für Details siehe Zootierliste.

Es existiert ein vom Chester Zoo koordiniertes Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für die Unterart thamin, an dem sich etwa ein Dutzend Institutionen beteiligen.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll für bis zu 5 Tieren ein Gehege von mindestens 400 m² zur Verfügung stehen. Für jedes weitere Tier kommen 20 m² zur Basisfläche dazu. Zudem wird ein Stall von 6 m²/Tier vorgegeben.

Laut Säugetiergutachten können lediglich bei Milus, Dam- und Weißwedelhirschen in großen Gehegen auch mehrere Männchen gemeinsam gehalten werden. Diese bei PUSCHMANN et. al. (2009) abgeschriebene Behauptung ist falsch. Bei den meisten Hirscharten ändert sich die soziale Organisation im Jahresverlauf. Beim Leierhirsch leben außerhalb der Brunft Hirschstiere zumeist solitär. Es ist aber durchaus möglich, sie in Junggesellenrudeln zu halten [5]. Während der Brunft gesellen sich jeweils einige zu den Rudeln der Hirschkühe [4]. Da sie sich Gefechte liefern, hängt es von Größe und Struktur des Geheges ab, ob auch während dieser Periode mehrere männliche Tiere zusammengehalten werden können. Manche Zoos tun dies nicht [5], grundsätzlich ist dies aber möglich. So wurden z.B. in einem schweizerischen Zoo bis zu vier Hirsche unterschiedlichen Alters in einem knapp 2000 m² großen Gehege im Rudel gehalten, ohne dass Probleme auftraten (R.Z. in litt. 2015).

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2020) schreibt für bis zu 6 Tieren ein Gehege mit einer Suhle und einer Badegelegenheit vor, dessen Grundfläche 800 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 80 m² zur Basisfläche dazu. Ferner ist ein Stall mit einer Fläche von 6 m²/Tier erforderlich. Bei Haltung auf Naturboden wie gewachsen sind die Flächen zu verdreifachen.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2020) sind für 1-5 Tiere 500 m² erforderlich, für jedes weitere 50 m² mehr. Für tropische Arten ist zudem ein beheizter Stall mit einem Mindestausmaß von 4 m² pro weibliches Tier mit einer Mindesttemperatur von 10°C vorgeschrieben, der wahlweise aufgesucht werden kann.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Leierhirsch wurde 1842 von dem für die Ostindische Kompanie tätigen britischen Arzt Sir John McCLELLAND unter der Bezeichnung Cervus eldii erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der Gattungs- bzw. bis vor wenigen Jahren Untergattungsname Rucervus geht auf das Jahr 1838 und Brian Houghton HODGSON, einen in Nepal und Indien niedergelassenen englischen Naturforscher und Ethnologen zurück. Aufgrund molekulargenetischer Befunde wurde 2011 stipuliert, den Leierhirsch in einer eigenen Gattung Panolia GRAY 1843 unterzubringen. Cervus oder seit 2005 Rucervus sind aber noch gebräuchlicher. Es gibt drei noch lebende Unterarten (siehe unter Verbreitung), wobei manche Autoren die Hainan-Population als vierte Unterart (hainanensis) auffassen [2; 3, 8; 9; 10].

Den Namen „Leier“hirsch verdankt diese Art dem lyraförmig geschwungenen Geweih der erwachsenen Hirschstiere.

Mit Leier- und insbesondere Zackenhirsch eng verwandt ist der früher in Thailand vorkommende, seit den 1930er-Jahren ausgestorbene Schomburgkshirsch (Rucervus schomburgki), von dem ab 1862 einige wenige Exemplare nach Europa gelangten. Die Welterstzucht gelang dem alten Hamburger Zoo im Jahr 1870. 1911 starb das letzte Tier im Zoologischen Garten Berlin. Für Details siehe Zootierliste.

Literatur und Internetquellen

  1. CITES TRADE DATA BASE
  2. GRAY, T.N.E. et al. (2015). Rucervus eldii. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T4265A22166803. http://www.iucnredlist.org/details/4265/0 . Downloaded on 26 May 2018.
  3. GROVES, C.P. & GRUBB, P. (2011)
  4. JOHNSINGH, A. & MANJREKAR, N. (eds., 2015
  5. PUKAZHENTI, B., SIRIAROONRAT, B., & MONFORT, S. (2003)
  6. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  9. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)
  10. EAZA (2018) Report on International Workshop for  Eld’s Deer Conservation 27th to 29th November, 2018 Phnom Penh, Cambodia

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