Alt- und Neuwelt-Sumpfschildkröten

Amboina-Scharnierschildkröte

Amboina-Scharnierschildkröte (Cuora amboinensis) im Tierpark Berlin Amboina-Scharnierschildkröte (Cuora amboinensis) im Tierpark Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin

Ordnung: Schildkröten (TESTUDINATA)
Unterordnung: Halsbergerschildkröten (CRYPTODIRA)
Familie: Altwelt-Wasserschildkröten (Geoemydidae)

D VU 650

Zootier des Jahres 2018:

EEPAmboina-Scharnierschildkröte

Cuora amboinensis • The Amboina Box Turtle • La tortue-boîte d'Asie orientale

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Amboina-Scharnierschildkröte (Cuora amboinensis) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung der Amboina-Scharnierschildkröte (Cuora amboiensis)

 

 

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Carapax und Plastron der Amboina-Scharnierschildkröte (Cuora amboinensis). Zeichnung Urs Woy, Zürich, für CITES-ID-Manual

 

 

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Amboina-Scharnierschildkröte (Cuora amboinensis) im Reptilium Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Amboina-Scharnierschildkröte (Cuora amboinensis) - das Zootier des Jahrs 2018 © P. Widmann / ZGAP

 

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Anders als ihr Name sagt, kommt die Amboina-Scharnierschildkröte nicht nur auf der Insel Amboina vor, von wo das Typus-Exemplar stammt, sondern ist in Südostasien weit verbreitet..

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Carapaxlänge von 20-22 cm ist die Amboina-Scharnierschildkröte die größte der asiatischen Scharnierschildkröten. Der dunkelbraune, fast schwarze Rückenpanzer der Adulttiere hat einen nur schwach ausgeprägten Mittelkiel, bei Jungtieren noch drei Längskiele. Das gelbe oder hornfarbene Plastron verfügt über ein Scharnier, das der Schildkröte erlaubt, sich komplett einzuschließen. Der Kopf ist dunkelbraun und gelb gezeichnet [1; 5].

Verbreitung

Bangladesch, Bhutan, Brunei, Indien (Arunachal Pradesh, Assam, Nagaland, Nikobaren), Indonesien (Java, Kalimantan, Kleine Sunda-Inseln, Molukken, Sulawesi, Sumatra, Timor), Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, vermutlich Ost-Timor, Philippinen (Bohol, Cebu, Leyte, Luzon, Mindanao, Mindoro, Negros, Palawan, Panay, Samar, Sulu-Archipel), Singapur Thailand, Vietnam [7].

Lebensraum und Lebensweise

Die Tiere besiedeln lansam fließende oder stehende Gewässer mit reichlicher Unterasservegetation, einschließlich Sümpfe, verbringen aber einen erheblichen Teil der Zeit an Land und werden auch recht weit vom nächsten Gewässer entfernt angetroffen. Sie ernähren sich überwiegend von Pflanzen, nehmen aber auch animalische Kosten. Die Weibchen legen mehrmals im Jahr 1-3(-5) Eier [5].

Gefährdung und Schutz

Die Art wurde 1996 als potenziell gefährdet eingestuft. Im Jahr 2000 wurden die Populationen in vier Ursprungsländern als gefährdet, in vier weiteren als stark gefährdet angesehen, die kleine Population in Singapur als stabil und aus einem Land gab es keine Daten. Zusammenfassen wurde die Art deshalb als gefährdet eingestuft. 2020 erfolgte eine Neueinstufung als stark gefährdet (Rote Liste: ENDANGERED), weil davon ausgegangen wurde, dass über die letzten drei Generationen die Bestände um 50-80% abgenommen haben. Grund für die Abnahme ist die sehr starke Nutzung für den ostasiatischen Lebensmittelmarkt [1; 8].

Der internationale  Handel ist  nach CITES-Anhang II geregelt.

Zoogestütztes Artenschutzprojekt (Beispiel):

  • Das weitestgehend von Zoos im deutschsprachigen Raum finanzierte Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB), 2003 als eine der ersten Artenschutzstationen in Kambodscha gegründet, widmet sich u.a. der Aufnahme und Pflege ausgewählter einheimischer Tiere und, sofern möglich, deren späteren Auswilderung unter Einhaltung entsprechender internationaler Standards. Eine der Arten, die sehr erfolgreich im ACCB unter naturnahen Bedingungen gezüchtet wird, ist die Amboina-Scharnierschildkröte. Da bereits über 100 Jungtiere großgezogen wurden, kann nun darüber nachgedacht werden, die Tiere in einem gut geschützten Gebiet unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten auszuwildern [10].

Bedeutung für den Menschen

Im Zeitraum 2000-2016 wurden aus den Ursprungsländern nahezu 1 Million Tiere ausgeführt. Davon waren 84% für die Lebesmittelmärkte in China, Hongkong, Japan, Singapur und Taiwan bestimmt. Die Relevanz für den Heimtiermarkt ist demgegenüber deutlich geringer [2].

Haltung im Zoo

Im Sinne einer guten Haltungspraxis wird empfohlen, dass ein Terrarium mindestens dem 6x3-fachen der Carapaxlänge und die Wassertiefe dem 4-fachen der Carapaxbreite entsprechen soll. Der Wasserteil soll etwa 3/5, der Landteil 2/5 der Fläche ausmachen. Das Wasser sollte 24-28ºC, die Luft 22-30ºC warm sein  [3; 5].

Haltung in europäischen Zoos: Aus einer Konfiskation durch die Hongkonger Zollbehörden gelangten im Jahr 2001 nebst anderen Arten 285 Amboina-Scharnierschildkröte nach Europa [9]. Die Art wird gegenwärtig (2022) in rund 40 Institutionen gehalten, von denen sich ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Für die Art existierte ein Europäisches Zuchtbuch (ESB) und seit 2021 ein vom Prager Zoo koordiniertes Erhaltunszuchtprogramm (New Style-EEP).

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für eine Kleingruppe mindestens 4x so lang und doppelt so breit sein wie die Carapaxlänge. Der Wasserstand soll das Doppelte der Carapaxbreite betragen. In der Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 01.02.2022) und der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) ist die Art nicht erwähnt.

 Taxonomie und Nomenklatur

Es werden vier Unterarten anerkannt: amboinensis im östlichen Indonesien und den Philippinen, couro im westlichen Indonesien (ohne Borneo), lineata in der Kachin-Provinz Burmas und im angrenzenden Jünnan sowie kamaroma mit den restlichen Festlandvorkommen und auf Borneo, den Andamanen und Nikobaren [6; 7].

Literatur und Internetquellen

  1. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. NIETZKE, G. (1969)
  4. OBST, F. J. (1985)
  5. ROGNER, M. (2008)
  6. THE REPTILE DATA BASE
  7. TURTLE TAXONOMY WORKING GROUP (2014)
  8. COTA, M. et al. (2020). Cuora amboinensis. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T5958A3078812. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-2.RLTS.T5958A3078812.en . Downloaded on 15 July 2020.
  9. REHÁK, I. (2020)
  10. ZOOTIER DES JAHRES 2018

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx