Alt- und Neuwelt-Sumpfschildkröten

Nördliche Batagur-Schildkröte

Nördliche Batagur-Schildkröte (Batagur baska) im Khao Kheow Open Zoo, Thailand Nördliche Batagur-Schildkröte (Batagur baska) im Khao Kheow Open Zoo, Thailand
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Schildkröten (TESTUDINATA)
Unterordnung: Halsbergerschildkröten (CRYPTODIRA)
Familie: Altwelt-Sumpfschildkröten (Geoemydidae)

D CR 650

Batagur-Schildkröte

Batagur baska • The Four-toed Terrapin • Le batagur malais

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Männliche Batagur-Schildktöte (Batagur baska) © Tiergarten Schönbrunn/Rupert Kainradl (Pressefoto)

 

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Restvorkommen, ehemalige und fragliche Verbreitung der Batagur-Schildkröte (Batagur baska / affinis)

 

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Junge Nördliche Batagur-Schildkröte (Batagur baska) im Tiergarten Schönbrunn © Norbert Potensky, TG schönbrunn

 

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Adulte Batagur-Schildkröte (Batagur baska) im Tiergarten Schönbrunn © Norbert Potensky, Wien

 

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Junge Batagur-Schildkröte (Batagur baska) im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc, Wien

 

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Junge Batagur-Schildkröte (Batagur baska) im Tiergarten Schönbrunn Norbert Potensky, Wien

 

 

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Carapax und Plastron der Nördlichen Batagur-Schildkröte (Batagur baska). Zeichnung Urs Woy, Zürich, für CITES-ID-Manual

 

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Batagur baska ausf J. E. GRAY (1830-35) Illustration of Indian Zoology, Volume 1

 

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Die Nördliche Batagur-Schildkröte gilt als die am zweitstärksten bedrohte Schildkrötenart. Sie ist für Ihr Überleben auf ex-situ-Maßnahmen angewiesen.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Nördliche Batagur-Schildkröte  erreicht eine Carapaxlänge von bis zu  60 cm. Der Kopf ist klein, von weicher Haut bedeckt,  mit vorstehender Nase und gezähnten Kieferrändern. Die Farbe von Kopf und Weichteilen ist braun und wechselt während der Paarungszeit bei den Männchen stellenweise auf scharlachrot. Die Vorderfüße weisen vier Krallen auf. Die Zehen sind durch Schwimmhäute verbunden. Der einfarbig braune bis grau-olive, ovale Carapax hat einen schwachen Kiel auf dem zweiten Wirbelschild und ein geteiltes Supracaudalschild. Das gelb-orange bis weißliche Plastron ist groß. Inframarginalschilde fehlen [1].

Verbreitung

Verbreitungsangaben in der Literatur sind widersprüchlich, weil sie sich oft sowohl auf Batagur baska als auch auf B. affinis beziehen. Die Verbreitung von B. baska beschränkt sich auf Bangladesch, Indien (Orissa und Westbengalen), Myanmar und Burma, wobei über Burma keine neueren Angaben vorliegen und die Populationen in Thailand wohl ausgestorben sind. [1; 2; 3; 4; 5].

Lebensraum und Lebensweise

Die Art besiedelt die Mündungsgebiete von mittelgroßen und großen Flüssen, Mangrovenstrände  Meereslagunen und die Gezeitenzone des Meeres. Die Tiere sind Pflanzenfresser. Die Eiablage erfolgt auf sandigen Inseln und Sandstränden. Die Weibchen graben 45-95 cm tiefe Löcher, in die sie ihre Gelege von 10-30, 70-80 g schweren Eiern deponieren. Es soll pro Saison während eines Zeitraums von sechs Wochen zu drei Eiablagen mit insgesamt 50-60 Eiern kommen. Die Jungen schlüpfen nach etwa 70 Tagen  [2; 4].

Gefährdung und Schutz

Da Fleisch und Eier der Batagur-Schildkröte seit jeher als Delikatesse gelten, ist sie heute beinahe ausgerottet und wird in der Roten Liste der IUCN als unmittelbar vom Aussterben bedroht geführt. Der Prozess wurde beschleunigt durch dein  Einsatz neuer Netztypen in der Fischerei und Sandabbau in den Flussdeltas [3]. Weniger als 50 erwachsene Individuen der nördlichen Unterart sind der Wissenschaft bekannt, einschließlich der im Tiergarten Schönbrunn und einer privaten Schildkrötenstation in Österreich gehaltenen Tiere. In Bangladesch schlüpften in den letzten Jahren zahlreiche Jungtiere in Zuchtstationen. die dort im Hinblick auf eine mögliche Wiederansiedlung aufgezogen werden [6]

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Zoogestütztes Artenschutzprojekt:

Bedeutung für den Menschen

Die Nördliche Batagur-Schildkröte  war ein wichtiger Fleisch und Eierlieferant für die lokale Bevölkerung, und es wurden auch Tiere als Glücksbringer oder zwecks Vorratshaltung in Fischteiche eingesetzt. Da die Nutzung nicht nachhaltig war und die Art praktisch ausgestorben ist, hat sie ihre frühere Bedeutung verloren [2].

Haltung im Zoo

Haltung in europäischen Zoos: 2010 wurden dem Tiergarten Schönbrunn von den Grazer Forschern und Schildkrötenexperten Reiner und Peter PRASCHAG im Rahmen einer Kooperation vier Batagur-Schildkröten - darunter zwei trächtige Weibchen -  übergeben. Der Übergabe folgte eine enge Zusammenarbeit der beiden Experten mit dem Team des Tiergartens, um für die einzigen außerhalb der Ursprungsländer lebenden Exemplaren binnen kürzester Zeit optimale Bedingungen zu schaffen, die Weibchen zur Eiablage zu ermutigen und die Eier in den folgenden Wochen nicht aus den Augen zu lassen. Anfang Mai 2010 gelang die weltweit erste Nachzucht in Menschenobhut. Dabei konnten Informationen gesammelt werden, die es weltweit noch nicht gab und die für zukünftige Nachzuchten extrem wertvoll sein werden [6]. Der Tiergarten Schönbrunn ist nach wie vor der einzige europäische Zoo, der die Art hält.

Mindestanforderungen an Gehege: Batagur  ist weder im Reptiliengutachten 1997 des BMELF noch in den einschlägigen Verordnungen der Schweiz und Österreichs erwähnt.

 Taxonomie und Nomenklatur

Die Batagur-Schildkröte wurde 1831 von dem britischen Zoologen George Robert GRAY als Emys baska bzw. Emys batagur und Tetraonyx cuvieri erstmals wissenschaftlich beschrieben [4]. 2007/2008 wurde sie aufgrund molekulargenetischer Untersuchungen als eigene Art von der ebenfalls vom Aussterben bedrohten Südlichen Batagur-Schildkröte (Batagur affinis) abgetrennt, die in Kambodscha, auf der Malaiischen Halbinsel und auf Sumatra vorkommt [2].

Literatur und Internetquellen

  1. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  2. MOLL, E.O., PLATT, K., PLATT, S.G., PRASCHAG, P. & VAN DIJK, P.P. (2009)
  3. PRASCHAG, P. & SINGH, S. 2019. Batagur baska. The IUCN Red List of Threatened Species 2019: e.T97358453A2788691. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2019-1.RLTS.T97358453A2788691.en . Downloaded on 15 November 2020.
  4. THE REPTILE DATA BASE
  5. TURTLE TAXONOMY WORKING GROUP (2014)
  6. WEISSENBACHER, A., PREININGER, D., GHOSH, R., MORSHED, A.G.J. & PRASCHAG, P. (2015)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx