Alt- und Neuwelt-Sumpfschildkröten

Nördliche Zierschildkröte

Nördliche Zierschildkröte (Chrysemys picta bellii) im Tierpark Berlin Nördliche Zierschildkröte (Chrysemys picta bellii) im Tierpark Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin

Ordnung: Schildkröten (TESTUDINATA)
Unterordnung: Halsbergerschildkröten (CRYPTODIRA)
Familie: Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae)

D LC 650

Nördliche Zierschildkröte

Chrysemys picta • The Painted Turtle • La tortue peinte

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Nördliche Zierschildkröte (Chrysemys picta bellii) im Tierpark Berlin, Dorsalansicht © Klaus Rudloff, Berlin

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Approximative Verbreitung der Nördlichen Zierschildkröte (Chrysemys picta)

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Nördliche Zierschildkröte (Chrysemys picta bellii) im Tierpark Berlin, Ventralansicht © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Die nördliche Zierschildkröte ist ein beliebtes Terrarientier. Sie ist nicht gefährdet und gilt als potenziell invasiv. In Zoos wird sie nicht allzu oft gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Carapaxlänge der Nördlichen Zierschildkröte variiert je nach Unterart von 10-25 cm. Weibchen werden größer als Männchen, die es maximal auf 15 cm bringen. Der Rückenpanzer ist glatt und überwiegend dunkelbraun gefärbt. Kopf und Hals sind gelb gestreift, am Hals z.T. auch rote Streifen [2; 5].

Verbreitung

Südliches Kanada, Nord-Mexiko (Chihuahua), USA; eingeführte Populationen in Indonesien, den Philippinen und Spanien. Ausgesetzte Tiere haben auch in Deutschland schon überwintert.

Lebensraum und Lebensweise

Zierschildkröten leben in stehenden oder langsam fließenden, flachen Gewässern mit reichlich Unterwasser-Vegetation und Möglichkeiten, sich zu sonnen, auch in Sümpfen, Brack- und Abwässern, gerne in Kleingewässern. Sie sind Allesfresser und tagaktiv, während der Fortpflanzungsperiode auch dämmerungsaktiv. Die Überwinterung erfolgt im Wasser. Die Weibchen graben Nesthöhlen bisweilen in einer Entfernung von mehreren hundert Metern vom Gewässer entfernt. Die Eiablage erfolgt zwischen Ende Mai und anfangs Juli. Je nach Gegend kommt es zu zwei bis vier Gelegen, die aus 2-20 Eiern bestehen können. Wie bei anderen Schildkröten auch, wird das Geschlecht der Jungtiere durch die Bebrütungstemperatur beeinflusst. Die Jungen bleiben nach dem Schlupf im Nest und kommen erst im folgenden Frühjahr heraus [1; 2]

Gefährdung und Schutz

Die nördliche Zierschildkröte ist eine der häufigsten und am weitesten verbreiteten Schildkrötenarten Nordamerikas. Sie ist nicht gefährdet [5]

Der internationale Handel wird durch CITES nicht geregelt. Die Art gilt aber in Europa als potenziell invasiv und wurde deshalb in Anhang B der Verordnung (EG) Nr. 338/1997 über den Schutz von Exemplaren wildlebender Tier- und Pflanzenarten durch Überwachung des Handels aufgenommen (nicht aber in die Liste invasiver Arten von unionsweiter Bedeutung).

Bedeutung für den Menschen

Zierschildkröten sind beliebte Heimtiere und werden auch als Versuchstiere verwendet. Nachdem die EU die Einfuhr der Rotwangen-Schmuckschildkröte stellten viele amerikanische Zuchtfarmen auf Chrysemys um [5].

Haltung im Zoo

Im Sinne einer guten Haltungspraxis wird empfohlen, dass ein Terrarium mindestens dem 6x3-fachen der Carapaxlänge und die Wassertiefe dem 4-bis 5-fachen der Carapaxbreite entsprechen soll. Das Wasser sollte 22-25ºC warm sein und die Tiere sollten bei 4-8ºC überwintert werden. Während des Sommers ist eine Haltung im Freilandterrarium möglich [2].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 30 Institutionen gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Reptiliengutachten 1997 des BMELF soll ein Terrarium für eine Kleingruppe mindestens 5x so lang und 2.5x so breit sein wie die Carapaxlänge. Der Wasserstand soll das Doppelte der Carapaxbreite betragen. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 01.01.2017) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege mit einem Landteil vor, der das 2x2-fache, und einem Wasserteil, der das 5x3-fache der Carapaxlänge misst. Für jedes weitere Tier kommen beim Wasserteil das 2x2-fache der Carapaxlänge dazu. Die Wassertiefe muss dem Doppelten der Carapaxlänge entsprechen. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017), die merkwürdigerweise nur die Unterart bellii regelt, ist für 1-2 über 15 cm lange Tiere ein Becken mit 750 l Inhalt und ein Landteil von 0.2 m² erforderlich. Für jedes weitere Tier braucht es 250 l mehr Wasser und 0.1 m² mehr Land.

Taxonomie und Nomenklatur

Traditionell wurde Chrysemys picta in vier Unterarten unterteilt: bellii, dorsalis, marginata und picta, wobei die Gültigkeit von bellii und marginata zum Teil angezweifelt wurde. dorsalis wurde 2014 als eigene Art abgetrennt [3; 4; 5].

Literatur und Internetquellen

  1. OBST, F. J. (1985)
  2. ROGNER, M. (2008)
  3. THE REPTILE DATA BASE
  4. TURTLE TAXONOMY WORKING GROUP (2014)
  5. VAN DIJK, P.P. 2011. Chrysemys picta. (errata version published in 2016) The IUCN Red List of Threatened Species 2011: e.T163467A97410447. Downloaded on 21 April 2017.

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Gelesen 2253 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 15 Mai 2019 07:11
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx