Giraffen und Gabelböcke

Gabelbock

Männlicher Gabelbock (Antilocapra mericana) im Caldwell Zoo, Tyler, texas Männlicher Gabelbock (Antilocapra mericana) im Caldwell Zoo, Tyler, texas
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERiA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Gabelböcke (Antilocapridae)

D LC 650

Gabelbock

Antilocapra americana • The Pronghorn Antelope • L'antilocapre

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Männlicher Gabelbock (Antilocapra americana) im Pretoria Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Gabelbocks (Antilocapra americana)

 

 

 

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Männlicher Gabelbock (Antilocapra americana) im Zoo von Phoenix, Arizona © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Weiblicher Gabelbock (Antilocapra americana) im Pretoria Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Gabelbock-Paar (Antilocapra americana) im Pretoria Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Weiblicher Gabelbock (Antilocapra americana) im Zoo von Phoenix, Arizona © Klaus Rudloff, Bern

 

 

 

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Männlicher Gabelbock (Antilocapra americana) im Zoo Pretoria © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Gabelbock-Trio (Antilocapra americana) im Pretoria Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Männlicher Gabelbock (Antilocapra americana) im Zoo von Phoenix, Arizona © Klaus Rudloff, Bern

 

 

 

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Gabelbock-Gruppe (Antilocapra americana) im Assiniboine Park Zoo, Winnipeg © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Wegen seiner besonderen systematischen Stellung und seiner geweihartigen Hörner, deren Hornscheiden jährlich abgeworfen werden, wäre der Gabelbock zoopädagogisch sehr interessant. Er wird aber seit den 1970er Jahren hier nicht mehr gehalten, weil die europäische Zoopopulation auf nur wenigen Importen beruhte, die Tiere schwierig zu halten und zu züchten waren und die nordamerikanischen Fauna von nur wenigen europäischen Zoos als prioritär angesehen wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Gabelböck sind damhirschgroße Wiederkäuer, die an Antilopen erinnern, mit diesen aber nicht näher verwandt sind, obwohl sie im Englischen als "Antelope" bezeichnet werden. Die Tiere erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 100-130 cm, eine Schwanzlänge von 17-20 cm, eine Schulterhöhe von 88-105 cm und ein Gewicht von 41-68 (35-70) kg. Die Böcke sind etwas größer als die Ricken und tragen bis 25 cm lange Hörner, während die Weibchen keine oder, seltener, nur kurze, ungegabelte Hörner tragen. Die Hörner bestehen aus einem Knochenzapfen, der von einer Hornscheide aus Keratin überzogen ist. Diese Hornscheide gabelt sich und endet in zwei Spitzen. Die Hornscheiden werden jährlich nach der Brunft abgeworfen. Unter ihnen hat sich zum Zeitpunkt des Abwurfs bereits eine neue, noch mit einem pelzigen Überzug bedeckte Horschicht gebildet. Das neue Horn erreicht seine volle Größe nach etwa 10 Monaten. Der Kopf ist langestreckt, die seitlich gelegenen Augen sind sehr groß, die nackten schwarzen Bereich um die Nasenöffnungen klein. Die Beine sind dünn, die Klauen spitz und schmal. Nur der 3. und 4. Strahl der Füße ist voll ausgebildet, Afterklauen fehlen. Es sind verschiedene, stark entwickelte Duftdrüsen vorhanden: eine Unterohrdrüse 5 cm unterhalb der Ohren, eine unpaare Kreuzdrüse, paarige Schwanzdrüsen, Laufdrüsen an den Hinterbeinen hinter dem Fersengelenk und Zwischenzehendrüsen an allen vier Füßen. Das Euter der Ricken hat vier Zitzen. Das kontrastreich gelb- bis rotbraun und weiß gefärbte Fell besteht aus dichtstehenden, gewellten Grannenhaaren und spärlicher Unterwolle. An Kopf und Nacken hat es schwarze Abzeichen, am Hinterteil bildet es einen weißen Spiegel aus 7-10 cm langen Haaren, die aufgerichtet werden können [1; 3; 5; 8].

Verbreitung

Nordamerika: Kanada (südliches Alberta, südliches Saskatchewan), Mexiko (Baja California, Sonora, Hidalgo), westliche USA [4].

Lebensraum und Lebensweise

Gabelböcke besiedeln Grasländer des Hügellands und der Ebenen, mit Beifuß ("Sagebrush", Artemisia) bestandene Halbwüsten und Wüsten vom Meeresspiegel bis auf eine Höhe von 3'350 m. Sommer- und Wintereinstände können bis 160 km auseinander liegen. Gabelböcke sind tagaktiv und gelten nach dem Geparden als die schnellsten Landsäugetiere, die Spitzen von 80 km/h erreichen können. Sie treten meist in kleinen Sprüngen auf, finden sich aber im Winter auch zu größeren Herden zusammen. Im Frühling und Sommer bilden die erwachsenen Böcke Junggesellenverbände. Erst im Spätsommer schließen sie sich wieder den Ricken an. Im Herbst besetzen sie kleine Brunftterritorien. Hinsichtlich ihrer Ernährung sind Gabelböcke sehr selektiv. Während des Sommers werden vorab Kräuter wie Melden (Atriplex) und Salbei und in geringerem Umfang Gräser gefressen, im Winter werden Sträucher, namentlich Beifuß verbissen. In Wüstengebieten gehören auch Kakteen zum Nahrungsspektrum. Insgesamt ist die Nahrung sehr proteinreich [4; 5; 8].

Die Paarungszeit dauert von Anfang August bis Mitte Oktober. Während dieser Zeit werden die Ricken im Abstand von 4 Wochen brünstig, bis sie aufgenommen haben. Nach einer Tragzeit von 240 (217-252) Tagen werden in der Regel Zwillinge geboren, deren Geburtsgewicht meist zwischen 1.4 und 4.4 kg liegt. Die Jungen sind während der ersten drei Lebenswochen Ablieger, die sich getrennt voneinander verstecken und erst ab etwa einem Monat zusammen spielen und weiden. Die Hornentwicklung setzt mit 2-3 Monaten ein [5; 6; 8].

Gefährdung und Schutz

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es vermutlich über 35 Millionen Gabelböcke. 1924 waren davon gerade noch mal 20'000 übrig. Danach erholte sich der Bestand, und heute gibt es wieder etwa eine Million Individuen der Nominatform. Nach wie vor sehr klein sind die Bestände der beiden anderen Unterarten. Global gilt die Art aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 als nicht-gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [4].

Der internationale Handel mit Exemplaren aus Mexiko ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Gabelböcke werden wegen ihres Fleischs und ihrer Trophäen in ihrem ganzen Verbreitungsgebiet gejagt [4]. Von 1977-2017 wurden bei der Ausfuhr nebst geringen Mengen von Teilen und Erzeugnissen 41 lebende Wildfänge registriert. Dabei handelte es sich ausschließlich um Handel zwischen nordamerikanischen Staaten. Im selben Zeitraum exportierten die USA 2 Nachzuchttiere nach Japan und 13 Nachzuchten der Unterart peninsularis nach Mexiko [2].

Haltung

Gabelböcke sind sehr panikanfällig und es besteht die Gefahr, dass sie dann ins Gehegegitter rennen und sich das Genick brechen. In manchen amerikanischen Zoos werden daher Jungtiere grundsätzlich von Hand aufgezogen [6].

Das Höchstalter wird mit 15 Jahren und 6 Monaten für ein im Assiniboine Park Zoo in Winnipeg geborenes Tier angegeben [7].

Haltung in europäischen Zoos: Gabelböcke wurden nur in wenigen europäischen Zoos gehalten. Der Londoner Zoo erhielt sein erstes Tier 1865. Die europäische Erstzucht gelang im Zoo von Paris im Jahr 1961. Der Zoo Hannover verzeichnete von 1966 bis 1973 regelmäßig Zuchterfolge. Es wurden dort insgesamt 25 Jungtiere geboren, von denen aber nur 8 überlebten [5]. 1974 war der Bestand erloschen und seitdem wurden in Europa keine Gabelböcke mehr gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll für bis zu 5 Tieren ein Gehege von mindestens 200 m² zur Verfügung stehen, für jedes weitere Tier 10 m² zusätzlich. Stallfläche nicht ganz klar (2-5 m²/Tier).

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für bis zu 6 Tieren ein Gehege vor, dessen Grundfläche 500 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 50 m² zur Basisflächen dazu. In der Stallung ist für jedes Tier 5 m² anzubieten. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) sind für 1-5 Tiere 800 m² erforderlich, für jedes weitere 80 m² mehr, ferner eine Stallfläche von 10 m²/Tier.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Gabelbock wurde 1815 vom amerikanischen Naturwissenschaftler George ORD anhand von Material, das die Lewis-und-Clark-Expedition aus dem Mittelwesten zurückgebracht hatte, unter seinem heute noch gültigen Namen beschrieben [8].

Gegenwärtig werden drei Unterarten anerkannt [4; 8]:

  • Antilocapra a. americana im größten Teil des Artareals
  • Antilocapra a. sonoriensis in der Sonorawüste mit eine Bestand von weniger als 1000 Tieren
  • Antilocapra a. peninsularis in Niederkaliformien mit einem Bestand von etwa 200 Tieren

Literatur und Internetquellen

  1. ALLEN, T. B. (1979)
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. IUCN SSC Antelope Specialist Group. 2016. Antilocapra americana. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T1677A50181848.http://www.iucnredlist.org/details/1677/0. Downloaded on 18 April 2018.
  5. PIES-SCHULZ-HOFEN, R. (1992)
  6. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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