Hirsche, Hirschferkel und Moschustiere

Pampashirsch

Pampashirsch (Ozotoceros bezoarticus) im Zoo Salto, Uruguay Pampashirsch (Ozotoceros bezoarticus) im Zoo Salto, Uruguay
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERiA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Trughirsche (Capreolinae)
Tribus: Amerikanische Trughirsche (Odocoileini)

D NT 650

Pampashirsch

Ozotoceros bezoarticus • The Pampas Deer • Le cerf des pampas

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Pampashirsch (Ozotoceros bezoarticus) in der Estación de Cría de Fauna M'Bopicuá, Uruguay © Juan Villalba-Macías

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Pampashirschs (Ozotoceros bezoarticus)

 

 

 

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Pampashirschkuh (Ozotoceros bezoarticus) in der Estación de Cría de Fauna M'Bopicuá, Uruguay © Juan Villalba-Macías

 

 

 

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Pampashirsch (Ozotoceros bezoarticus) im Zoo Salto, Uruguay © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Pampashirsch-Paar (Ozotoceros bezoarticus) im Zoo Salto, Uruguay © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Pampashirsch (Ozotoceros bezoarticus) im Zoo Salto, Uruguay © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Pampashirsch (Ozotoceros bezoarticus leucogaster) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Pampashirsch (Ozotoceros bezoarticus leucogaster) mit Bastgeweih im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Pampashirsch (Ozotoceros bezoarticus leucogaster) im Zoo Berlin © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Der potenziell gefährdete Pampashirsch war außerhalb seiner Ursprungsländer in Zoos stets nur selten zu sehen. Seit 2003 gibt es in Europa gar keine mehr. Das ist bedauerlich, denn einerseits sind es ansprechende Tiere, die sich gut als Botschafter für Natur- und Artenschutz in Südamerika eignen, und andererseits wäre es auch aus zoopädagogischen Gründen wünschbar, auf Pampasanlagen auch Tiere zu halten, die effektiv in der Pampa vorkommen, anstatt Arten aus dem Andenraum oder dem Tieflandregenwald.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Pampashirsch ist ein zierliches Tier mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 90-120 cm, einer Schulterhöhe von 65-70 cm und einem Gewicht von 24-34 bei den Böcken, sowie einer Kopf-Rumpf-Länge von 85-80 cm, einer Schulterhöhe von 70-80 cm und einem Gewicht von 22-28 kg bei den Weibchen. Er hat damit etwa die Größe eines europäischen Rehs, wird aber etwas schwerer. Der Schwanz ist zwischen 10 und 14 cm lang. Die oberen Eckzähne können fehlen. Voraugen-, Nasen-, Fersen und Interdigitaldrüsen sind stets vorhanden, die Metatarsaldrüsen können fehlen. Bei geschlechtsreifen Böcken geben die Interdigitaldrüsen einen weitherum spürbaren Knoblauchgeruch von sich. Das Geweih der erwachsenen Hirsche wird etwa 30 cm lang und hat an jeder Stange drei Sprossen: eine gut entwickelte Augsprosse und eine endständige Gabel. Die Fellfarbe variiert je nach Herkunft von blass rotbraun bis gelbbraun und ziegelrot. Weiße Bereiche um die Augen, an Muffel, Kehle, Brust, Knien, innen an den Oberschenkeln, im Analbereich und der Schwanzunterseite [4; 5; 8].

Verbreitung

Südamerika: Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Heute nur noch in isolierte Populationen [3].

Lebensraum und Lebensweise

Der Pampashirsch besiedelt Grasländer und Cerrado in Höhenlagen bis 1'000 m sowie Salzmarschen entlang der Küste. Die Temperaturen können in Argentinien im Winter bei -15ºC liegen und im Sommer 42ºC erreichen. Die Tiere sind "mixed feeders", die sowohl Gras äsen als auch Blätter, Kräuter und Schösslinge zu sich nehmen. Sie bilden meist Paare oder kleine Gruppen von 5-6 Tieren beiderlei Geschlechts mit wechselnder Zusammensetzung. Größere Ansammlungen können gelegentlich vorkommen. Die Größe der Streifgebiete wird mit 5-170 km² angegeben. Die hauptsächlichen Fressfeinde sind Puma, Jaguar und Mähnenwolf, für Kitze auch Ozelot und Pampasfuchs [3; 5; 8].

Es gibt keine ausgeprägte Fortpflanzungsperiode, allenfalls eine saisonale Häufung der Aktivitäten. In europäischen Zoos fällt die Brunft meist in den Zeitraum April-Oktober, und die Kitze kommen von November-Mai zur Welt. Die Tragzeit beträgt etwa 220 (210-230) Tage. Es wird in der Regel ein einzelnes Kitz mit einem Geburtsgewicht von etwa 2 kg und einem gefleckten Jugendkleid gesetzt. Dieses wird von beiden Eltern bewacht. Mit rund 14 Monaten sind die Jungen geschlechtsreif [5; 6; 8].

Gefährdung und Schutz

Der Pampashirsch wird seit 2002 als potenziell gefährdet beurteilt, weil seine Bestände innerhalb von 10 Jahren um 20-25 % abgenommen haben und von seinem ursprünglichen Lebensraum nicht einmal mehr 1 % übriggeblieben ist. Die Art kann sich zwar an vom Menschen modifizierten Landschaften anpassen, aber die Umwandlung von Weide- in Ackerland und die Intensivierung der Rinderzucht bringt sie manchenorts in Schwierigkeiten. Hinzu kommen eine oft nicht nachhaltige Bejagung und Verluste durch wildernde Hunde. In Argentinien genießt der Pampashirsch Schutz durch zwei Provinzreservate sowie den Nationalpark “Campos del Tuyú”. Der Gesamtbestand aller Ursprungsländer wird auf 20-80'000 Individuen geschätzt[3].

Obwohl der internationale Handel an sich nie ein Problem darstellte, ist die Art seit jeher in Anhang I CITES aufgeführt

Bedeutung für den Menschen

Der Pampashirsch wird zur Gewinnung von Fleisch und Häuten sowie wegen seiner Trophäen gejagt [3].

Von 1977-2017 wurde aus den Ursprungsländern etwas Wissenschaftsmaterial ausgeführt, aber keine lebenden Wildfänge. Im selben Zeitraum wurde global die Ausfuhr von 13 Nachzuchttieren (10 Deutschland, 1 Paraguay, 2 Uruguay) gemeldet, letztmals im Jahr 1986 [2].

Haltung

Das Höchstalter wird von WEIGL mit 21 Jahren und 11 Monaten angegeben. Es wird erreicht von einem in brasilianischen Zoos gehaltenen Bock [7].

Haltung in europäischen Zoos: Pampashirsche waren ab 1830 vereinzelt in europäischen Zoos zu sehen. 1875 gelang in England erstmals die Zucht [4]. Die nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa gehaltenen Tiere gehen alle auf 1.2 Gründertiere zurück, die der Berliner Zoo 1974/77 aus Paraguay importierte [1], ab 1975 züchtete und für die Dr. Hans FRÄDRICH ab 1979 als internationaler Zuchtbuchführer amtierte.. Dieser Bestand erlosch 2003, seitdem gibt es die Art in Europa nicht mehr. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll für bis zu 5 Tieren ein Gehege von mindestens 200 m² zur Verfügung stehen. Für jedes weitere Tier kommen 10 m² zur Basisfläche dazu. Für tropische und subtropische Arten wird ein Stall von 4 m²/Tier vorgegeben.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für bis zu 8 Tieren ein Gehege vor, dessen Grundfläche 500 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 60 m² zur Basisfläche dazu. Ferner ist ein Stall mit einer Fläche von 4 m²/Tier erforderlich. Bei Haltung auf Naturboden wie gewachsen sind die Flächen zu verdreifachen.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) sind für 1-5 Tiere 500 m² erforderlich, für jedes weitere 50 m² mehr. Für tropische Arten ist zudem ein beheizter Stall mit einem Mindestausmaß von 4 m² pro weibliches Tier mit einer Mindesttemperatur von 10°C vorgeschrieben, der wahlweise aufgesucht werden kann.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Pampashirsch wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter dem Namen "Cervus bezoarticus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. 1891 stellte ihn der argentinische Naturwissenschaftler Florentino AMEGHINO in die heute noch gültige Gattung Ozotoceros. Die Gattung umfasst nur eine Art mit 5 Unterarten. Der Zoo Berlin hat vor dem 1. Weltkrieg O. b. bezoarticus und O. b. celer gehalten, die bis vor wenigen Jahren in Deutschlang gehaltenen Tiere gehörten der Unterart O. b. leucogaster an. Bei den auf den nebenstehenden Fotos aus Uruguay kann es sich um O. b. arerunguaensis oder um O. b. uruguayensis handeln, die beide erst 2002 beschrieben wurden [4; 8].

Literatur und Internetquellen

  1. BLASZKIEWITZ, B. (1987)
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. GONZÁLEZ, S., JACKSON, J.J. & MERINO, M.L. 2016. Ozotoceros bezoarticus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T15803A22160030. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-1.RLTS.T15803A22160030.en. Downloaded on 17 April 2017.
  4. GROVES, C.P. & GRUBB, P. (2011)
  5. GRZIMEK, B. (ed., 1970)
  6. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 3211 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 19 März 2020 09:27
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