Rinder und Waldböcke

Vierhornantilope

Weibliche Vierhornantilope (Tatracerus quadricornis) im Zoo von Paris Weibliche Vierhornantilope (Tatracerus quadricornis) im Zoo von Paris
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERIA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Echte Rinder (Bovinae)
Tribus: Asiatische Waldböcke (Boselaphini)

D VU 650

Vierhornantilope

Tetracerus quadricornis • The Four-horned Antelope • L'antilope tétracère

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Weibliche Vierhornantilope (Tetracerus quadricornis) im Zoo von Paris © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Approximative Verbreitung der Vierhornantilope (Tetracerus quadricornis)

 

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Männliche Vierhornantilope (Tetracerus quadricornis) in der Ménagérie des Jardin des Plantes, Paris © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Männliche Vierhornantilope (Tetracerus quadricornis) in der Menagerie im Jardin des Plantes, Paris © Klaus Rudloff, Paris

 

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Männliche Vierhornantilopen-Paar (Tetracerus quadricornis) in der Menagerie im Jardin des Plantes, Paris © Klaus Rudloff, Paris

 

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Weibliche Vierhornantilope (Tetracerus quadricornis) im Howletts Wild Animal Park, Bekesbourne © Klaus Rudloff, Paris

 

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Männliche Vierhornantilope (Tetracerus quadricornis) im Zoo von Paris © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Weibliche Vierhornantilope (Tetracerus quadricornis) im Zoo von Paris © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Die auf Hindi und z.T. auch auf Englisch "Chousingha" genannte Vierhornantilope ist die einzige rezente Boviden-Art, die mit vier Hörnern ausgestattet ist, von Haustierformen einmal abgesehen. Das macht sie zoopädagogisch interessant, was aber nicht ausgereicht hat, um den Bestand der im Freiland gefährdeten Antilope in europäischen Zoos zu erhalten. Immerhin haben die Zoos in Indien jetzt ein Zuchtbuch geschaffen, um ihre ex situ-Population längerfristig zu erhalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Die zierlich gebaute Vierhornantilope ist der kleinste Vertreter der Hornträger in Asien. Sie erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 90-110 cmeine Schwanzlänge von 10-15 cm, eine Schulterhöhe von 55-66 cm und ein Gewicht von 15-25 kg. Beide Geschlechter sind gleich groß. Der Kopf ist schmal mit langen Ohren, großen Augen und großer, langer Voraugendrüse. Die Bücke tragen 2 Paar kurze, gerade Hörner. Die hinteren sind 5-10 cm lang, das vordere Paar ist kürzer und kann bisweilen fehlen. Die Weibchen haben ein Euter mit 4 Zitzen. Die Tiere haben ein flaches, rötlichbraunes, hellbraunes oder cremefarbenes Sommerfell. Das dichtere Winterfell ist dunkelbraun. Nasenrücken und Rückseiten der Ohren sind schwarzbraun Kinn bis Kehle, Brust, Bauch, Beininnenseiten und Schwanzunterseite sind weißlich. Manchmal sind weiße Flecken an den Wangen vorhanden und der untere Teil der Läufe kann eine kontrastreiche Zeichnung aufweisen [2; 3; 5; 8].

Verbreitung

Südasien: Indien, Nepal [4].

Lebensraum und Lebensweise

Lebensraum der Vierhornantilope sind lichte Trockenwälder und Parklandschaften, also mit Waldstücken und Feldgehölzen durchsetztes Gelände meist in Wassernähe. Die Tiere sind Selektiväser, die möglichst energiereiche Nahrung wie Früchte, Blüten oder junge Blätter zu sich nehmen. Sie sind standorttreu und möglicherweise territorial, jedenfalls markieren die Böcke ihre Umgebung mit ihren Voraugendrüsen. Sie werden in der Regel einzeln oder paarweise angetroffen. In Indien ist die Fortpflanzung vermutlich vom Monsun abhängig. Deckzeit ist von Mai-Juli, Setzzeit von Februar-Mai. Nach einer Tragzeit von 183-240 Tagen werden 1-3 Junge geboren, meistens zwei [2; 3; 5; 7; 8].

Gefährdung und Schutz

Die Vierhornantilope ist zwar relativ weit verbreitet, aber ihr Bestand wird auf weniger als 10'000 erwachsene Tiere geschätzt und ist abnehmend. Die Art gilt deshalb seit 1994 als gefährdet [4].

Der internationale Handel mit Exemplaren aus Nepal ist seit 1975 nach Anhang III CITES geregelt, obwohl die Art in keiner Weise handelsrelevant ist.

Bedeutung für den Menschen

Wegen ihrer vier Hörner waren männliche Tiere früher begehrte Jagdtrophäen. Die Art wird in Indien und Nepal eher geringem Ausmaß zur Fleischgewinnung gejagt [4].

Haltung

Das Höchstalter wird von WEIGL mit 17 Jahren und 5 Monaten angegeben. Es wurde erreicht von einem im Zoo de Vincennes geborenen und gehaltenen Weibchen [6]. In Indien gibt es ein nationales Zuchtbuch, in dem 153 lebende Tiere in 14 indischen und einer nepalesischen Institution erfasst sind (Stand 2018). Das Höchstalter liegt hier bei 26 Jahren. Der aktuelle Bestand geht auf 16 Gründertiere zurück [7].

Haltung in europäischen Zoos: Vierhornantilopen wurden in Europa nur sehr selten gehalten. Die Ménagerie des Jardin des Plantes in Paris war vermutlich der erste und zugleich der letzte Zoo, in dem die Art - mit Unterbrüchen von 1838 bis 2009 - gehalten wurde. Im deutschsprachigen Raum starb das letzte Tier 2006 im Zoo Berlin. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll für bis zu 5 Tieren ein Gehege von mindestens 200 m² zur Verfügung stehen, für jedes weitere Tier 10 m² zusätzlich. Stallfläche nicht ganz klar (2-5 m²/Tier).

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 20.03.2018) schreibt für bis zu 6 Tieren ein Gehege vor, dessen Grundfläche 500 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 50 m² zur Basisflächen dazu. In der Stallung ist für jedes Tier 5 m² anzubieten.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) sind für 1-5 Tiere 500 m² erforderlich, für jedes weitere 50 m² mehr, ferner eine Stallfläche von 4 m²/Tier.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Vierhornantilope wurde 1816 unter dem Namen "Cerophorus quadricornis" von dem französischen Zoologen Henri Marie Ducrotay de BLAINVILLE erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Tetracerus wurde 1824 von den französischen Zoologen Isidore GEOFFROY SAINT-HILAIRE und Henri Marie Ductrotay de BLAINVILLE eingeführt. Es werden gegenwärtig drei Unterarten anerkannt [1; 8].

Literatur und Internetquellen

  1. GROVES, C.P. & GRUBB, P. (2011)
  2. GRZIMEK, B. (ed., 1970)
  3. JOHNSINGH, A. & MANJREKAR, N. (eds., 2015)
  4. MALLON, D.P. 2008. Tetracerus quadricornis. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T21661A9307713. http://www.iucnredlist.org/details/21661/0. Downloaded on 18 April 2017.
  5. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILDLIFE INSTITUTE OF INDIA (2018)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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