Schweine, Pekaris und Flusspferde

Riesenwaldschwein

Riesenwaldschwein (Hylochoerus meinertzhageni) im Uganda Wildlife Education Cente, Entebbe Riesenwaldschwein (Hylochoerus meinertzhageni) im Uganda Wildlife Education Cente, Entebbe
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: LAURASIATHERiA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Nichtwiederkäuer (Nonruminantia) bzw. Schweineartige (Suina)
Familie: Schweine (Suidae)
Tribus: Buschschweine (Potamochoerini)

D LC 650

Riesenwaldschwein

Hylochoerus meinertzhageni • The Giant Forest Hog• L'hylochère

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Riesenwaldschwein (Hylochoerus m. meinertzhageni) im Uganda Wildlife Education Cente, Entebbe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Riesenwaldschweins (Hylochoerus meinertzhageni)

 

 

 

 

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Riesenwaldschwein (Hylochoerus m. meinertzhageni) im Uganda Wildlife Education Cente, Entebbe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

 

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Gemeinschaftshaltung von Riesenwaldschwein (Hylochoerus m. meinertzhageni) und Moorantilopen (Kobus kob thomasi ) im Uganda Wildlife Education Cente, Entebbe © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

 

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Trophäenjagd auf Riesenwaldschwein (Hylochoerus meinertzhageni ituriensis) in der südöstlichen Zentralafrikanischen Republik. Quelle: Hund for ever-Blog (https://huntforever.org)

 

 

 

 

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Trophäenjagd auf Riesenwaldschwein (Hylochoerus meinertzhageni ituriensis) in der südöstlichen Zentralafrikanischen Republik. Das Gewicht dieses Keilers wurde auf 700 Pfund (ca. 315 kg) geschätzt. Quelle: Hund for ever-Blog (https://huntforever.org)

 

 

 

 

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Schädel eines Riesenwaldschweins (Hylochoerus meinertzhageni). Bild aus Wikimedia Commons, Public Domain.

 

 

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Das Riesenwaldschwein ist eine imposante zentralafrikanische Tierart, die - wie das Okapi - erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckt wurde und nach dem Ersten Weltkrieg erstmals lebend nach Europa gelangte. Die Art war in Zoos stets extrem selten und wird seit über 60 Jahren nicht mehr gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Das Riesenwaldschwein ist die größte rezente Schweineart, wobei Tiere aus dem östlichen Teil des Areals deutlich massiver sind also solche aus Westafrika. Große Keiler aus Ostafrika können eine Kopf-Rumpflänge von 225 cm, eine Widerristhöhe von 110 cm, eine Schwanzlänge von 45 cm und ein Gewicht von 220(-275) kg erreichen. Bachen bleiben deutlich kleiner, ihr Gewicht wird mit 100-200 kg angegeben. Die Tiere haben einen großen Kopf mit einer breiten Rüsselscheibe. Unterhalb der Augen befindet sich ein Paar Gesichtswarzen, die beim Keiler riesige Dimensionen annehmen können. Die Hauer krümmen sich nach außen und hinten. Das Rekordmaß für einen oberen Eckzahn beträgt 35. 8 cm. Die dunkel pigmentierte Haut ist von langen, dunkelbraunen oder schwarzen Haaren bedeckt, deren Dichte mit dem Alter abnimmt [1; 4; 6].

Verbreitung

West-, Zentral- und Ostafrika: Äthiopien, Elfenbeinküste, Gabun, Ghana, Guinea, Kamerun, Kenia, Kongo, Kongo Dem., Liberia, Nigeria, Sierra Leone, Sudan, Uganda, Zentralafrikanische Republik. Vermutlich ausgestorben in Ruanda, ausgestorben in Äquatorialguinea [1].

Lebensraum und Lebensweise

Riesenwaldschweine besiedeln unterschiedliche Lebensraumtypen mit dichter Vegetation und offenen Wasserflächen, gerne Grenzgebiete zwischen verschiedenen Lebensräumen. Im Gebirge gehen sie bis auf Höhen, wo die Nachttemperaturen unter 0ºC fallen. Die Ernährung besteht im Wesentlichen aus oberirdischen Pflanzenteilen, hauptsächlich Gras, daneben auch Mastsaaten und gelegentlich Aas, Vogeleier oder Insektenlarven. Frischlinge fressen gerne Elefantendung. Die Schweine leben in Familienverbänden, die Tiere beiderlei Geschlechts umfassen und gewöhnlich von einem Keiler angeführt werden. Die Gruppen können sich temporär zu Herden von bis zu 50 Tieren zusammenschließen. Je nach Biotop benötigen die Gruppen unterschiedlich große Streifgebiete, die sie nicht als Territorium verteidigen [1; 2; 6].

Nach einer Tragzeit von im Mittel 151 Tagen werfen die Bachen 2-6 braunschwarze Frischlinge. Sie sondern sich vor der Geburt ab und bauen aus Binsen, Gräsern Bambusstücken oder Ästen ein bis zu 150 cm hohes Nest, in dem die Geburt stattfindet. Die Frischlinge verlassen ihren Geburtsplatz erst nach einigen Tagen. Sie werden 8-10 Wochen gesäugt und mit rund 18 Monaten geschlechtsreif. Die Geburtsintervalle betragen etwa ein Jahr [1; 4].

Gefährdung und Schutz

Im Rahmen einer Beurteilung im Jahr 2016 wurde das Riesenwaldschwein als nicht gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN), weil es eine relativ weite Verbreitung und ein hohes Reproduktionspotenzial hat [1].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Das Fleisch des Riesenwaldschweins ist nicht sonderlich beliebt und ist auf den "Bushmeat"-Märkten nicht häufig anzutreffen. Gebietsweise werden die Tiere trotzdem bejagt bzw. mit Schlingen gefangen, und ihr Fleisch wird vor dem Verkauf geräuchert, um ihm den offenbar unangenehmen Geschmack zu nehmen. Riesenwaldschweine sind auch ein Objekt der kommerziellen Trophäenjagd [2].

Haltung

WEIGL gibt als Höchstalter für gehaltene Tiere 3 Jahre und 5 Monate an, was aber heute sicher nicht mehr repräsentativ wäre [5].

Haltung in europäischen Zoos: Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden in europäischen Zoos nur 8 Riesenwaldschweine gehalten. Die Art ist seit mindestens 60 Jahren in Europa nicht mehr zu sehen. Eine Einfuhr aus Afrika ist aufgrund tierseuchenpolizeilicher Vorschriften praktisch unmöglich. Auch in der Vergangenheit waren Riesenwaldschweine seltene Gäste in europäischen Zoos. Unter den wenigen Einrichtungen, die welche hielten, waren der Tierpark Hagenbeck (1938-41) und der Frankurter Zoo (1954-57), der ein einzelnes Jungtier aus dem damals noch Belgischen Kongo importierte [3]. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Es gibt zwar im Säugetiergutachten 2014 des BMEL und den Verordnungen der Schweiz und Österreichs Mindestnormen für "andere Wildschweine". Diese dürften für Riesenwaldschweine aber in der Praxis nie zum Tragen kommen

 Taxonomie und Nomenklatur

Bereits im 19. Jahrhundert hatten Afrikaforscher wie Henry Morton STANLEY oder Wilhelm JUNKER Kunde von einer der Wissenschaft unbekannten Art großer Schweine erhalten, aber erst 1904 gelangte der zoologisch interessierte britische Kolonialoffizier Richard MEINERTZHAGEN in den Aberdare-Bergen Kenias in den Besitz eines Schädels und des größten Teil eines Fells. Er schickte das Material an das Britische Museum in London, wo es als Grundlage für die Erstbeschreibung durch Michael Rogers Oldfield THOMAS diente, welcher der Art ihren heute noch gültigen Namen gab. Heute werden 3-4 Unterarten anerkannt, eine weitere ist umstritten [3; 6; 7].

Literatur und Internetquellen

  1. D'HUART, J.-P. (1991)
  2. D'HUART, J.-P. & REYNA, R. (2016). Hylochoerus meinertzhageni (errata version published in 2016). The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T41769A100471546. http://www.iucnredlist.org/details/41769/0. Downloaded on 17 April 2018.
  3. GRZIMEK, B. (1954)
  4. MOHR, E. (1960)
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  7. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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