Afrotheria

Rotschulter-Rüsselhündchen

Rotschulter-Rüsselhündchen (Rhynchocyon petersi) im Zoo Frankfurt Rotschulter-Rüsselhündchen (Rhynchocyon petersi) im Zoo Frankfurt
© Klaus Rudloff, Berlin

Überordnung: AFROTHERIA
Taxon ohne Rang: AFROINSECTIPHILIA
Ordnung: Rüsselspringer (MACROSCELIDEA)
Familie: Rüsselspringer (Macroscelididae)

D LC 650

Rotschulter-Rüsselhündchen

Rhynchocyon petersi • The Black-and-rufous Senghi • Le rat à trompe de Peters

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Rotschulter-Rüsselhündchen (Rhynchocyon petersi) im Zoo Antwerpen © Zoo Antwerpen

 

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Approximative Verbreitung des Rotschulter-Rüsselhündchens (Rhynchocyon petersi)

 

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Rotschulter-Rüsselhündchen (Rhynchocyon petersi) im Zoo Basel © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Rotschulter-Rüsselhündchen (Rhynchocyon petersi) im Philadelphia Zoo © Joey_Makalintal, Pennsylvania auf flickr / Wikimedia Commons. Veröffentlicht unter Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0)-Lizenz.

 

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Rotschulter-Rüsselhündchen (Rhynchocyon petersi)im Zoo Antwerpen © Zoo Antwerpen

 

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Rotschulter-Rüsselhündchen (Rhynchocyon petersi) im Zoo Frankfurt © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Rotschulter-Rüsselhündchen (Rhynchocyon petersi) im Zoo Leipzig © Zoo Leipzig (Pressefoto)

 

 

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Das Rotschulter-Rüsselhündchen ist ein Kleinsäuger, der durch seine Gestalt fasziniert und als tagaktives Tier das Zoopublikum zu interessieren vermag. Der gegenwärtige Bestand in europäischen Zoos geht auf Nachzuchten aus dem Rotterdamer Zoo zurück und ist noch sehr klein.

Körperbau und Körperfunktionen

Rotschulter-Rüsselhündchen erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 25-31 cm, eine Schwanzlänge von etwa 20-25 cm und ein Gewicht von 350-700 g. Männchen sind geringfügig größer als Weibchen. Das kurze Fell ist an Kopf, vorderen Rumpfpartien und Bauch orange- bis rotbraun, am hinteren Teil des Körpers schwarz gefärbt. Wie alle Rüsselhündchen haben sie eine rüsselartig verlängerte Schnauze, mit der sie das Laub durchwühlen und eine lange Zunge, mit der sie Insekten aufnehmen können, vier Zehen an allen Füßen, etwas verlängerte Hinterbeine und einen schuppigen, nur spärlich behaarten Schwanz [1; 2; 3].

Verbreitung

Ostafrika: Südöstliches Kenia (etwa von Mombasa an südwärts), nordöstliches Tansania (nördlich des Rufiji Rivers), einschließlich Sansibar und Mafia, fehlt auf Pemba [2].

Lebensraum und Lebensweise

Das Rotschulter-Rüsselhündchen besiedelt immergrüne und teilweise laubabwerfende Wälder, dichte Baumsavannen, Buschland auf ehemaligen, jetzt überwachsenen Korallenriffen ("coral rag forest"), Baumpflanzungen und verlassenes Agrarland. Es kommt vom Meeresspiegel bis auf eine Höhe von etwa 2'000 m in den Eastern Arc-Bergen vor. Wesentlich ist das Vorhandensein von einer dicken Lage Falllaub. Die Tiere sind tagaktiv und leben ausschließlich am Boden, wo sie sich von allerlei Wirbellosen, hauptsächlich Käfern ernähren, möglicherweise auch von Kleinvögeln, Eiern und Kleinsäugern. Sie werden oft einzeln beobachtet, leben aber vermutlich paarweise in Dauerehe, wobei die Kontakte zwischen den Partnern recht locker zu sein scheinen. Die Tragzeit beträgt etwa 40 Tage. Ein Wurf besteht aus 1-2, selten aus 3-4 Jungen [2; 3; 4].

Gefährdung und Schutz

1996 wurde die Art als stark gefährdet, 2006 als gefährdet eingestuft aufgrund einer Neubeurteilung aus dem Jahr 2016 gilt sie nun als nicht-gefährdet obwohl der Bestand wahrscheinlich abnimmt, ist aber ein Grenzfall zur Kategorie potenziell gefährdet [2].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Auf dem Festland und auf Sansibar wird die Art in begrenztem Umfang zur Fleischgewinnung gefangen [2].

Haltung

Rotschulter-Rüsselhündchen können im Zoo über viereinhalb Jahre alt werden [3], wobei das Maximum bei etwa 11 Jahren liegt [1].

Haltung in europäischen Zoos: Dem Blijdorp-Zoo in Rotterdam gelang 2013 die europäische, dem Zoo Leipzig 2020 die deutsche Erstzucht. Seitdem wurden wiederholt Nachzuchttiere an andere Institutionen abgegeben. Der europäische Zoobestand ist aber (Stand 2021) mit etwas mehr als 20 Individuen in 9 Haltungen noch sehr klein. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt für Rüsselhündchen tropisch feuchte, dicht bepflanzte Urwaldterrarien (ohne genaue Angaben der Dimensionen) mit unterirdischen Röhren vor. Dummerweise können Rüsselhündchen mit unterirdischen Röhren nichts anfangen, wie die Tierschutzsachverständigen der Zoos in ihrer Kritik am Gutachten feststellten. Sie graben nämlich keine unterirdischen Baue, sondern für die Nachtruhe lediglich kleine Bodenmulden, die sie mit Pflanzenmaterial auskleiden.

Weder in der Schweizerischen Tierschutzverordnung noch in der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs wird auf Rüsselhündchen Bezug genommen.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Rotschulter-Rüsselhündchen wurde 1880 vom Kurator für Zoologie am portugiesischen Nationalmuseum, José Vicente Barbosa du BOCAGE, unter seinem heute noch gültigen Namen beschrieben und nach Wilhelm Karl Hartwig PETERS, dem zweiten Direktor des Zoologischen Gartens Berlin benannt, der 1847 die erste Rüsselhündchen-Art beschrieben hatte [6].

Literatur und Internetquellen

  1. ANIMAL DIVERSITY WEB
  2. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  3. HOFFMANN, M., BURGESS, N. & ROVERO, F. (2016). Rhynchocyon petersi. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T19708A21286959. http://www.iucnredlist.org/details/19708/0. Downloaded on 17 April 2018.
  4. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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Gelesen 8355 mal Letzte Änderung am Sonntag, 17 Oktober 2021 16:32
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx