Afrotheria

Tiefland-Streifentanrek

Tiefland-Streifentenrek (Hemicentetes semispinosus) im Zoo Berlin Tiefland-Streifentenrek (Hemicentetes semispinosus) im Zoo Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin

Überordnung: AFROTHERIA
Taxon ohne Rang: AFROINSECTIPHILIA
Ordnung: Tanrekartige (AFROSORICIDA)
Unterordnung Tanrek-Verwandte (Tenrecomorpha)
Familie: Tanreks (Tenrecidae)
Unterfamilie Eigentliche Tanreks (Tenrecinae)

D LC 650

Tiefland-Streifentanrek

Hemicentetes semispinosus • The Lowland Streaked Tenrec • Le tenrec zébré des terres basses

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Tiefland-Streifentanrek (Hemicentetes spinosus) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Tiefland-Streifentanreks (Hemicentetes spinosus)

 

 

 

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Tiefland-Streifentanreks (Hemicentetes spinosus) im Zoo Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Junger Tiefland-Streifentenrek (Hemicentetes semispinosus) im Zoo Moskau © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Der in seiner Heimat Madagaskar nicht gefährdete Tiefland-Streifentanrek wird nur selten in europäischen Zoos gehalten. Er wurde zwar gelegentlich gezüchtet, die Lebenserwartung scheint aber tief zu sein, und es besteht keine sich selbst reproduzierende Zoopopulation

Körperbau und Körperfunktionen

Tiefland-Streifentanreks erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 16-19 cm, der Schwanz ist ein kurzer Stummel, der im Fell verborgen ist, und das Gewicht beträgt 150 (125-280) g. Der Kopf ist sehr groß mit außerordentlich langer, spitzer Schnauze. Die Tiere haben 40 Zähne. Das Haarkleid der Körperoberseite besteht aus Borsten und langen, dünnen Stacheln, was den Tieren die Bezeichnung "Halbborstenigel" eingetragen hat. Unterwolle ist mehr oder weniger gut ausgebildet. Im Gesicht und auf dem Rücken befinden sich lange Tasthaare und am Hinterteil kräftige Stacheln, mit denen die Tiere durch Aneinanderreiben Laute erzeugen können (Stridulation). Charakteristisch ist die schwarze von hellgelben Streifen unterbrochene Färbung. Der helle Bauch ist weich behaart. Die Weibchen haben 4 Paar Zitzen [1; 2; 3; 4].

Verbreitung

Madagaskar: Ost- und Nordmadagaskar [5].

Lebensraum und Lebensweise

Der Tiefland-Streifentanrek besiedelt Primär- und Sekundärwälder, kommt aber auch auf Agrarsteppen, Feldern und in Gärten vor [1]. Die Tiere haben tagsüber, vor allem aber in der Dämmerung und nachts aktive Phasen. Zum Schlafen und als Schutz benützen sie selbst gegrabene, bis 1.5 m lange Baue. Sie haben eine komplexe Sozialstruktur: Sie leben in Familien, die wegen der relativ großen Würfe und der kurzen Zeit bis zur Geschlechtsreife bis 3 Generationen und 20 Individuen umfassen können. Sie ernähren sich hauptsächlich von Regenwürmern, nehmen aber auch Schnecken und andere Wirbellose. Auf Madagaskar ist zwar kein Winterschlaf nötig, trotzdem haben auch Tanreks ein Energiesparprogramm: In der Trockenzeit ist Nahrung knapp, und diese Zeit überbrücken die Stacheltiere im sogenannten Trockenschlaf (Torpor). Nach einer Tragzeit von (55-)57-63 Tagen bringen die Weibchen meist 4 (2-11) Junge zur Welt. Diese öffnen mit 7-12 Tagen die Augen, werden mit 3 Wochen entwöhnt und sind bereits mit 35-40 Tagen geschlechtsreif [1; 2; 3; 4].

Gefährdung und Schutz

Der Tiefland-Streifentanrek ist weit verbreitet hat eine hohe Dichte und toleriert vom Menschen beeinträchtigte Lebensräume. Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2014 wurde er deshalb als nicht-gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Der Tiefland-Streifentanrek wird gelegentlich zur Fleischgewinnung gefangen [5].

Haltung

Die beiden Altersangaben bei WEIGL [6] lauten auf 2 Jahre und 3 Monate bzw. 2 Jahre und 9 Monate.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in nur ganz wenigen Zoos gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll ein Gehege für 1-2 Tiere mindestens eine Fläche von 1 m² aufweisen und 60 cm hoch sein. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für ein Tier ein Gehege vor, dessen Grundfläche 2 m² misst. Für jedes weitere Tier kommt 1 m² zur Basisflächen dazu. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) sind für 1-2 Tiere 2 m² erforderlich, für jedes weitere 0.2 m² mehr. Danach wäre für eine Familie von 20 Streifentanreks im Alter von mindestens 7 Wochen in der Schweiz ein Gehege von 21 m², In Österreich von 11 m² erforderlich. In Deutschland sind Gruppen von mehr als 2 geschlechtsreifen Tieren gar nicht vorgesehen. Dies ist alles wenig praktikabel und deutet darauf hin, dass sich weder das BMEL noch die Verordnungsgeber in Österreich und der Schweiz mit den Besonderheiten der Biologie und des Sozialverhaltens von Streifentanreks auseinandergesetzt haben.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Tiefland-Streifentanrek wurde ursprünglich 1798 vom Direktor der Ménagerie von Paris, Georges CUVIER, als "Ericulus semispinosus" beschrieben [1]. 1871 stellte ihn der englische Biologe Sir George Jackson MIVART als damals noch einzige bekannte Art in die neue Gattung Hemicentetes. Die zweite Art der Gattung ( H. nigriceps) wurde 1875 beschrieben [7].

Literatur und Internetquellen

  1. ANIMAL DIVERSITY WEB
  2. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970) 
  3. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  4. STEPHENSON, P.J. (2007) in: Afrotheria Conservation Newsletter 5: 1-3. 
  5. STEPHENSON, P.J., SOARIMALALA, V. & GOODMAN, S. (2016). Hemicentetes semispinosus. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T40593A97189434. http://www.iucnredlist.org/details/40593/0. Downloaded on 17 April 2018.
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx