Hörnchen-Verwandte

Grauhörnchen

Grauhörnchen (Scirus carolinensis) wild lebend im Toronto Zoo Grauhörnchen (Scirus carolinensis) wild lebend im Toronto Zoo
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Nagetiere (RODENTIA)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Baum- und Gleithörnchen (Sciurinae)
Tribus: Baumhörnchen (Sciurini)

D LC 650

Invasive EU

Grauhörnchen

Sciurus carolinensis • The Grey Squirrel • L'écureuil gris

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Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) wild lebend im Toronto Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Grauhörnchens (Sciurus carolinensis)

 

 

 

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Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Schwarzes Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) wild lebend im Toronto Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) wild lebend im Toronto Zoo © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) wild lebend im Regent's Park, London © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) im Königlichen Botanischen Garten Edinburgh © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) im Königlichen Botanischen Garten Edinburgh © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) im Königlichen Botanischen Garten Edinburgh © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Das Grauhörnchen ist eine in ihrem Ursprungsgebiet nicht gefährdete, nordamerikanische Art, die in Europa angesiedelt wurde, sich hier invasiv verhält und gebietsweise das einheimische Eichhörnchen verdrängt. Ihre Haltung wäre von besonderem Interesse, um über die Problematik der invasiven Arten zu informieren, soll aber, wie von der EU verordnet, in absehbarer Zeit auslaufen.

Körperbau und Körperfunktionen

Das Grauhörnchen ist deutlich größer als unser einheimisches Eichhörnchen. Die Tiere erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 240-285 (230-300) mm, eine Schwanzlänge von (150-)190-250 mm und ein Gewicht von 300-720(-800) g. Mit 28-32 mm sind die Ohren etwa gleich lang wie beim Eichhörnchen, haben aber keine oder nur minimale Ohrpinsel. Das Fell ist dicht und weich. Seine Farbe variiert an der Oberseite von hell- bis dunkelgrau, eventuell mit zimtfarbenen Tönen. Gelegentlich gibt es melanistische und selten weiße Individuen. Der Bauch ist weiß oder weißgrau. Die Deckhhare des buschigen Schwanzes haben weiße Spitzen. Die Hände haben 4 Finger (der Daumen fehlt), die Füße 5 Zehen [3; 4].

Verbreitung

Nordamerika: Kanada, USA. Angesiedelte Populationen in Großbritannien, Italien und Südafrika (West-Kap) [2]. In Deutschland und der Schweiz sind bislang keine wildlebenden Vorkommen bekannt [1; 5]

Lebensraum und Lebensweise

Das Grauhörnchen lebt in Misch- und sommergrünen Laubwäldern mit vielen alten, Mast liefernden Bäumen, wie Buchen, Eichen oder Ahornen, sowie in gemäßigten bis subtropischen Feuchtwäldern. Es ist ein Kulturfolger, der häufig in städtischen Parks und im suburbanen Siedlungsraum anzutreffen ist [2; 3; 4; 8].

Grauhörnchen sind tagaktiv. Sie sind Allesfresser, die sich überwiegend von pflanzlicher Kost ernähren. Ihr Nahrungsspektrum umfasst Baumsamen (Mast), Beeren, Obst, Baumrinde, Baumsäfte, Pilze, Vogeleier, Jungvögel und Insekten. Baumsamen werden auch als Vorrat vergraben. Sie nutzen Streifgebiete von 0.5-10 ha, die sich mit denen ihrer Nachbarn überlappen. Sie sind relativ sozial, insbesonderen verwandte Weibchen können kleine Gruppen bilden, die auch gemeinsam schlafen. Zum Schlafen bauen die Grauhörnchen "Kobel", Kugelnester mit bis zu 60 cm Durchmesser, oder richten sich in Baumhöhlen ein. Sie machen keinen Winterschlaf [3; 4; 8].

Paarungsaktivitäten fallen auf die Monate Dezember-März und Juni-August. Nach einer Tragzeit von 44 Tagen werden, meist nur einmal im Jahr, 2-4 (1-8) nackte und blinde Junge mit einem Geburtsgewicht von 13-18 g geboren. Diese werden 7-10 Wochen gesäugt. Sie können die Geschlechtsreife ab 5.5 Monaten erreichen, meist aber erst mit 15 Monaten [3; 4].

Die Ansiedlung des Amerikanischen Grauhörnchens in England, Irland und Italien hat in diesen Ländern zu einem dramatischen Rückgang des einheimischen Eichhörnchens geführt. Grauhörnchen konkurrieren mit der heimischen Art hauptsächlich um Nahrung, wobei sie in Laubwäldern deutlich überlegen sind. Darüber hinaus können sie Träger eines für das Eichhörnchen tödlichen Pockenvirus sein, gegen das sie selbst resistent sind [1].

In Italien erfolgten zwischen 1948 und 1994 vier Ansiedlungen, wobei eine davon scheiterte. Heute gibt es drei Populationen, die größte im Piemont südwestlch von Turin bis in die Provinz Cuneo, die zweite in Ligurien im Stadtgebiet von Genua-Nervi und die dritte entlang des Tessin-Flusses in der Lombardei. 1997 wurde in Turin ein Versuch unternommen, die Grauhörnchen zu eliminieren. Dieser wurde aber aufgrund eines gerichtlichen Streits mit Tierschützern eingestellt. Zwar wurden die eingeklagten Beamten 1999 vom Gericht freigesprochen, wobei das Urteil im Jahr 2000 vom Berufungsgericht bestätigt wurde, aber den Behörden ist seitdem die Lust vergangen, etwas gegen die invasive Art zu unternehmen [1].

In geeigneten Wäldern erreichen Grauhörnchen eine Dichte von bis zu 18 Tieren pro Hektar. Nach Computermodellen dürfte sich das Grauhörnchen in den nächsten 20-30 Jahren von Oberitalien aus nach Frankreich und der Schweiz ausbreiten und dort die heimische Art großflächig zum Verschwinden bringen [1; 4].

Gefährdung und Schutz

Das Grauhörnchen hat in Nordamerika eine weite Verbreitung und einen großen Bestand, die beide zunehmen. Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 gilt die Art daher als nicht-gefährdet [1]

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt. Erwerb und Abgabe, Haltung, Zucht, Aufzucht, Transport und Freilassen von Grauhörnchen sind nach Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 betreffend invasive Arten verboten. In der Schweiz sind Einfuhr und Haltung nach Art. 8bis der Jagdverordnung verboten, wobei in bestimmten Fällen Ausnahmegenehmigungen erteilt werden können.

Nach Anhang 2 der Jagdverordnung gilt das Grauhörnchen in der Schweiz als nicht einheimische Art, deren Einfuhr und Haltung verboten ist bzw, einer jagdrechtlichen Sondergenehmigung bedarf. Diese dürfte für Zoos in der Regel unter Auflagen erteilt werden [10].

Bedeutung für den Menschen

Durch Loslösen der Baumrinde verursacht das Grauhörnchen forstwirtschaftliche Schäden z.B. an Pappeln oder Weißbuchen. Aus Italien sind auch Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen bekannt [1]. Grauhörnchen sind Gegenstand der Sportjagd und des "Hörnchenfischens" eines skurrilen anglo-amerikanischen Hobbys, bei dem es darum geht, ein Grauhörnchen mittels eines geeigneten, an einer Angelschnur befestigten Köders anzulocken und es, wenn es den Köder gegriffen hat, an der Schnur hochzuziehen bis es über dem Boden schwebt [6].

Haltung

Als Altersrekord gibt WEIGL 23 Jahre und 6 Monate an, erreicht von einem im Racine Zoo, Wisconsin, gehaltenen Tier. Angaben aus anderen Zoos liegen zwischen 11 und 16 Jahren [6].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa einem Dutzend Zoos gehalten, hauptsächlich in England und Italien, wo es große freilebende Populationen hat. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll ein Außengehege für 1-2 Tiere mindestens 10 m² Grundfläche und eine Höhe von 2.5 m aufweisen. Für jedes weitere Adulttier sind 2 m² zusätzliche Fläche erforderlich.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für 1-2 Tiere ein Gehege vor, dessen Grundfläche bei einer Höhe von 2.5 m 8 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 2 m² zur Basisflächen dazu.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) sind für 1-2 Tiere eine Fläche von 8 m² und eine Höhe von 2 m erforderlich, für jedes weitere Tier ist die Fläche um 0.8 m² zu vergrößern. Die Tiere sind solitär oder paarweise zu halten.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Grauhörnchen wurde 1788 von dem aus Tübingen stammenden Arzt und Naturwissenschafter Johann Friedrich GMELIN unter seinem heute noch gültigen Namen beschrieben. Es werden 5 Unterarten anerkannt [7].

Literatur und Internetquellen

  1. BERTOLINO, S. (2009)
  2. CASSOLA, F. (2016). Sciurus carolinensis. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T42462A22245728. http://www.iucnredlist.org/details/42462/0. Downloaded on 16 April 2018.
  3. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
  4. LURZ, P. (2011)
  5. NEHRING, S. & SKOWRONEK, S. (2017)
  6. SQUIRREL FISHING
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  9. Durchführungsverordnung (EU) 2016/1141 der Kommission vom 13. Juli 2016 zur Annahme einer Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung ABl. L 189/4 vom 14. Juli 2016.
  10. VERORDNUNG ÜBER DIE JAGD UND DEN SCHUTZ WILDLEBENDER SÄUGETIERE UND VÖGEL (JAGDVERORDNUNG, JSV) (Schweiz) vom 29. Februar 1988

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