Schweine, Pekaris und Flusspferde

Pustelschwein

Visayas-Pustelschwein (Sus cebifrons) im Zoo Leipzig Visayas-Pustelschwein (Sus cebifrons) im Zoo Leipzig
© Klaus Rudloff, Berlin

Überordnung: LAURASIATHERiA
Taxon ohne Rang: CETARTIODACTYLA
Ordnung: Paarzeher (ARTIODACTYLA)
Unterordnung: Nichtwiederkäuer (Nonruminantia) bzw. Schweineartige (Suina)
Familie: Schweine (Suidae)
Tribus: Schweine i.e.S (Suini)

Red list status Critically endangered

Visayas-Pustelschwein

Sus cebifrons • The Visayan Warty Pig • Le sanglier des Visayas

Visayas-Pustelschwein (Sus cebifrons) im Zoo Leipzig © KR, Berlin
Visayas-Pustelschwein (Sus cebifrons) im Zoo Leipzig © KR, Berlin
Gefährdung und Schutz: Durch jagdliche Übernutzung des Visayas-Pustelschweins, wegen Lebensraumverlust und Vermischung mit anderen Schweinearten sind die Bestände in den letzten 23 Jahren um mehr als 80 % zurückgegangen. Die Art wird deshalb als stark bedrohte eingestuft (Rote Liste: CRITICALLY ENDANGERED). Auf drei von sechs Inseln seines Verbreitungsgebiets ist das Visayas-Pustelschwein breits ausgestorben. Die übrigen Populatione sind stark fragmentiert und die Bestände gehen auch hier zurück [2].

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Dunkelblau: aktuelle Verbreitung des Visayas-Pustelschweins
Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Körperbau und Körperfunktionen: Wie alle Pustelschweinen hat Sus cebifrons drei Paar pustelförmige Gesichtswarzen. Es ist eine gedrungen gebaute, kurzläufige, kleinere Art, bei der die Keiler 35-40 kg und die Bachen 20-25 kg wiegen. Es ist dunkel gefärbt mit einer kontrastreichen Gesichtszeichnung [3].

Verbreitung: Philippinen: auf den Inseln Negros, Panay und ev. Masbate. Ausgestorben auf den Inseln Cebu, Guimaras und Ticao [2].

Visayas-Pustelschwein (Sus cebifrons) im Zoo Leipzig © KR, Berlin
Visayas-Pustelschwein (Sus cebifrons) im Zoo Leipzig © KR, Berlin
Haltung in europäischen Zoos: 2004 konnten die europäischen Zoos als Leihgabe der philippinischen Regierung 4 Paare Visayas-Pustelschweine importieren. Bis zum 1.1.2012 wuchs der Bestand auf 84 Tiere an.

Heute wird die Art wird in rund 40 Zoos gehalten, von denen sich etwa ein Siebtel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt vor, dass für zwei Visayas-Pustelschweine ein Innengehege von 4 m² vorhanden sein muss. Im Innengehege seien auch für mehrere Tiere gleichzeitig nutzbare Wasser- und Schlammbecken bereitzustellen. Wie man auf 4 m² einen Landteil, ein Wasser und ein Schlammbecken für zwei bis 70 kg schwere Visayas-Pustelschweine unterbringt, entzieht sich der Vorstellungskraft eines jeden Zoobetreibers und steht in Widerspruch zur zwei Sätze vorher formulierten Anforderung, dass die Innengehege trocken sein müssen. Zudem wäre ein mit Wasser- und Schlammbecken ausgestatteter Innenstall für Frischlinge lebensgefährlich. Eine derartige Ausstattung der Innengehege drängt sich nur dann auf, wenn über längere Zeit kein Zugang zum Außengehege besteht. In diesem Fall müsste das Innengehege aber auch eine größere Fläche aufweisen. Als Alternative bietet sich an, die Tiere regelmäßig mit lauwarmem Wasser zu duschen.

Taxonomie und Nomenklatur: Die Wildschweine der Gattung Sus sind sehr vielgestaltig und je nach taxonomischer Modeströmung werden sie auf mehr oder weniger Arten verteilt. Erna MOHR stellte 1960 fest: Mit der rigorosen Zusammenziehung der eurasischen Wildschweine der Gattung Sus, wie FORSYTH MAJOR sie bereits 1897 vorschlug, wird man der Sachlage vermutlich am ehesten gerecht. Heute wird von 9-10 Arten ausgegangen, von denen vier auf den Philippinen und drei in Indonesien/Malaysia vorkommen.

Bis 1997 galt das Visayas-Pustelschwein als Unterart von S. philippensis, das seinerseits lange als Unterart von S. verrucosus betrachtet worden war. Manche Taxonomen waren auch der Ansicht es handle sich um eine Unterart von Sus barbatus. Heute ist das Visayas-Pustelschwein eine eigene Art mit zwei, vielleicht drei Unterarten, von denen aber eine bereits ausgestorben ist.

Literatur und Internetquellen:

  1. GROVES, C. P. (1997)
  2. MEIJAARD, E. et al. (2017). Sus cebifrons. The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T21175A44139575. http://www.iucnredlist.org/details/21175/0. Downloaded on 25 May 2018.
  3. MOHR, E. (1960)
  4. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  5. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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Gelesen 313 mal Letzte Änderung am Samstag, 16 Juni 2018 21:35
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx