Hörnchen-Verwandte

Steppenmurmeltier

Steppenmurmeltier (Marmota bobak) im Tiergarten Nürnberg Steppenmurmeltier (Marmota bobak) im Tiergarten Nürnberg
© Helmut Mägdefrau, Tiergarten Nürnberg

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Nagetiere (RODENTIA)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erdhörnchen (Xerinae)
Tribus: Echte Erdhörnchen (Marmotini)

D LC 650

Steppenmurmeltier, Bobak

Marmota bobak • The Bobak Marmot • La marmotte des steppes

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Steppenmurmeltier (Marmota bobak) im „Marmottes Paradis", Les Rochers de Naye © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung des Steppenmurmeltiers (Marmota bobak)

 

 

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Steppenmurmeltier (Marmota bobak) im „Marmottes Paradis", Les Rochers de Naye © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Steppenmurmeltier (Marmota bobak) im Tiergarten Nürnberg © Helmut Mägdefrau, Tiergarten Nürnberg

 

 

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Steppenmurmeltier (Marmota bobak) im Zoo Magdeburg © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Steppenmurmeltier (Marmota bobak) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Steppenmurmeltier (Marmota bobak) im Zoologisch-Botanischen Garten Pilsen © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Steppenmurmeltier (Marmota bobak) in der Zuchtstation Volokolamsk des Moskauer Zoos © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Der Bobak ähnelt stark dem Alpenmurmeltier, das in europäischen Zoos weit verbreitet ist. Er wird deshalb überwiegend in Nachfolgestaaten der Sowjetunion gezeigt, auf deren Steppen das Artareal des Bobaks liegt.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Bobak ähnelt stark dem Alpenmurmeltier, ist aber mit einer Kopf-Rumpflänge von 49-58 cm und einem mittleren Gewicht von 5.7 kg etwas größer und schwerer als jenes. Er hat einen kürzeren, nur 11-13 cm langen Schwanz und eine kürzere Schnauze. Die Vorderseite der Schneidezähne ist weiß oder hellgelb. Das Fell ist etwas heller als beim Alpenmurmeltier, ziemlich einfarbig strohgelb bis rostfarben, am Bauch wenig heller, an Schnauze und Wangen bisweilen dunkelbraun. Der Schwanz hat eine braune oder schwarze Spitze [1; 3; 7].

Verbreitung

Paläarktis: Kasachstan, Russland, Ukraine [5].

Lebensraum und Lebensweise

Bobaks besiedeln Grasländer, Strauch- und Waldsteppen. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus den grünen Teilen von Gräsern, Seggen und Kräutern. Sie leben in Kolonien, innerhalb derer Familiengruppen von 12-15 Tieren ihr eigenes Territorium mit eigenem Bau haben. Das Territorium wird mit Sekreten aus den Wangen- und Afterdrüsen markiert. Die Baue sind sehr weitläufig, haben mehrere Eingänge, um die sich bis 1 m hohe und 20 m breite, als Ausguck genutzte Auswurfhügel befinden, und Kammern, die 2-4 m unter dem Boden liegen. In einer mit Heu ausgepolsterten Kammer verbringt die Familie von August/September bis April den Winterschlaf [4; 5; 7].

Die Paarungen finden im März-April im Bau statt. Nach einer Tragzeit von 30-35 Tagen werden im Mai 4-5(-8) Junge geboren. Die Jungen bleiben bis zum 3. Lebensjahr in der Familie und wandern dann ab [4; 7].

Gefährdung und Schutz

Bis vor wenigen Jahren haben die Bestände massiv abgenommen. Mittlerweile hat sich die Situation aber gebessert und die Population ist stabil. Aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 1996, letztmals überprüft 2016, gilt die Art daher als nicht-gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [5].

Der internationale Handel ist durch CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

In intensiver landwirtschaftlich genutzten Gebieten werden die Steppenmurmeltiere als Konkurrenten und Schädlinge wahrgenommen. Epidemiologisch sind sie als Reservoir für den Pesterreger (Yersinia pestis) bedeutsam. Seit jeher wurden Murmeltiere, auch der Bobak, wegen ihres Fleischs, und Fetts und wegen ihrer Pelze gejagt. Die Jagd wird mit der Flinte oder mit Schlagfallen betrieben. Das Fett wird als Nahrungs- und Heilmittel sowie für technische Zwecke verwendet. Bis gegen Ende des 19. Jahrhundert bestand vor allem eine lokale Nachfrage nach Fellen. Bis Mitte der 30er-Jahre 20. Jahrhunderts gab es einen großen Bedarf auf dem Weltmarkt, der zu einer intensivierten Bejagung und einem Kollabieren der Bestände und vorübergehenden Jagdverboten führte [1; 2].

Haltung

Im Tiergarten Nürnberg wurden Steppenmurmeltiere mit Bartgeiern, Steinhühnern, Alpenkrähen und Tannenhähern vergesellschaftet.

WEIGL gibt als Altersrekord 5 Jahre und 4 Monate an, erreicht von einem im Zoo Berlin gehaltenen männlichen Tier [6].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in etwa zwei Dutzend Zoos gehalten, hauptsächlich auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll ein Gehege für 3 Tiere 40 m² nicht unterschreiten. Für jedes weitere Tier kommen 5 m² zur Basisfläche dazu. Die Tiere müssen sich eingraben können oder es sind künstliche Baue anzubieten.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für bis zu 6 Tiere ein Gehege vor, dessen Grundfläche 150 m² misst. Für jedes weitere Tier kommen 10 m² zur Basisflächen dazu. Die Tiere müssen graben können. Die frühere Fassung der Verordnung forderte für Murmeltiere 100 m² gestützt auf tiergärtnerische Erfahrung. Für die Erhöhung um 50% gibt es weder praktische noch wissenschaftliche Gründe.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2021) ist für bis zu 5 Tieren eine Fläche von 80 m² erforderlich, für jedes weitere Tier ist die Fläche um 8 m² zu vergrößern. Die Tiere sind in Kolonien zu halten. Die Möglichkeit zur Überwinterung in einem frostfreien Überwinterungsquartier in Form eines Natur- oder Kunstbaues, muss gegeben sein.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Steppenmurmeltier wurde 1776 vom deutschen Universalgelehrten Philipp Ludwig STATIUS MÜLLER als "Mus bobak" erstmals wissenschaftlich beschrieben, als dieser Professor in Erlangen war. STATIUS MÜLLER hatte eine deutschsprachige Systematik des Tierreichs veröffentlicht, deren letzter Band eine große Anzahl an Erstbeschreibungen von Tierarten enthielt. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Marmota wurde 1779 von dem Göttinger Zoologen Johann Friedrich BLUMENBACH eingeführt. Es werden gegenwärtig drei Unterarten anerkannt [7].

Literatur und Internetquellen

  1. ANIMAL DIVERSITY WEB
  2. BIBIKOW, D. I. (1968)
  3. FREYE, H.-A. in GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  4. GRIMMBERGER, E. & RUDLOFF, K. (2009)
  5. TSYTSULINA, K. et al. 2016. Marmota bobak (errata version published in 2017). The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T12830A115106780. http://www.iucnredlist.org/details/12830/0. Downloaded on 16 April 2018.
  6. WEIGL, R. (2005)
  7. WILSON, D.E. & REEDER, D. M. (2005)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx