Hasenartige

Daurischer Pfeifhase

Daurischer Pfiefhase (Ochotona dauurica) im Tierpark Berlin Daurischer Pfiefhase (Ochotona dauurica) im Tierpark Berlin
© Klaus Rudloff, Berlin

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Taxon ohne Rang: Nagetiere und Hasen (GLIRES)
Ordnung: Hasentiere (LAGOMORPHA)
Familie: Pfeifhasen (Ochotonidae)

D LC 650

Daurischer Pfeifhase

Ochotona dauurica • The Daurian Pika • Le pika de Daourie

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Daurischer Pfeifhase (Ochotona dauurica) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Daurischer Pfeifhase (Ochotona dauurica)

 

 

 

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Daurischer Pfeifhase (Ochotona dauurica) in seinem natürlichen Lebensraum, Gobi, Mongolei. Bild: Huangdi, Public Domain

 

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Der im größten Teil seines Verbreitungsgebiets nicht gefährdete Daurische Pfeifhase ist ein optisch ansprechender, tagaktiver Kleinsäuger, der im Zoo eine geeignete Botschafterart für den Schutz der asiatischen Grasländer sein kann. Er wird aber nur sporadisch gehalten und es gelang bisher nicht, eine sich langfristig erhaltende Zoopopulation aufzubauen.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Daurische Pfeifhase ist mit einer Kopf-Rumpflänge von 14-22 cm und einem Gewicht von 103-190 g eine mittelgroße Pfeifhasenart. Seine Ohren haben eine Länge von 16-27 mm, die Hinterfüße von 24-35 mm. Das Fell ist oberseits braun bis sandfarben oder gräulich, an den Flanken etwas heller, Die Unterseite ist weißlich. Die Ohren haben einen weißen Rand. Das Winterfell ist länger, weicher und heller als das Sommerfell. Die Fußballen sind unter dichtem Fell verborgen [6].

Verbreitung

Zentralasien: China (Provinzen Gansu, Hebei, Henan, Nei Mongol, Ningxia, Qinghai, Shaanxi, Shanxi), Mongolei, Russland (Region Krasnojarsk, Republiken Altai, Burjatien und Tuwa)

Lebensraum und Lebensweise

Lebensraum des Daurischen Pfeifhasen sind überwiegend tiefgelegene Trockensteppen und Halbwüsten, die zeitweilig überschwemmt werden können. Er kommt in Höhenlagen von 1'200-3'300(400-4'000) m vor. Die Tiere sind tagaktiv und reine Pflanzenfresser, die sich gegen Ende des Sommers Heuvorräte für den Winter zulegen, wobei die einzelnen Heustöcke oft unter einem Busch errichtet werden und bis zu 6 kg wiegen können. Sie machen keinen Winterschlaf. Währenddem im Sommer Bestanddichten bis zu 17'200 Individuen/km² möglich sind, fallen die Bestände im Winter auf weniger als 1'400 Individuen/km². Als Rückzugsorte und zum Schlafen graben die Tiere komplizierte Höhlensysteme, die eine Fläche bis zu 190 m² abdecken und bis zu 80 Eingänge haben können. Diese werden von großen Kolonien bewohnt, die aus zahlreichen kleinen Familiegruppen bestehen, die einen kleinen Teil ihres Streifgebiets als Territorium verteidigen. Sie kommunizieren durch unterschiedliche Laute. Die Fortpflanzungsperiode reicht von März/April bis in den Juli. Während dieser Zeit kann ein Weibchen 2-5 Würfe mit je (1-)6-12 Jungen bringen, die nach einer Tragzeit von (21-)25 Tagen geboren werden. Sie sind bei der Geburt nackt und blind und verlassen den Bau mit etwa 2 Wochen. Die jungen Weibchen sind mit 4 Wochen geschlechtsreif, die Männchen mit 6 Wochen [1; 2; 4; 6].

Gefährdung und Schutz

Die Art ist weit verbreitet und gilt aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 nicht als gefährdet, obwohl sie in China als Weidekonkurrent landwirtschaftlicher Nutztiere bekämpft wird. Sie kommt in mehreren Schutzgebieten vor z.B. im mongolischen Hustai-Nationalpark [4].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Der Daurische Pfeifhase wird in China und wurde kurzzeitig in der ehemaligen Sowjetunion als Schädling verfolgt. In der Sowjetunion spielte er auch eine gewisse Rolle als Pelztier, wird aber seit längerer Zeit nicht mehr genutzt [1].

Haltung

Die Welt-Zoo-Erstzucht gelang erst im Jahr 2004 dem Naturschutz-Tierpark Görlitz (siehe Zootierliste). Als Höchstalter in Menschenobhut werden 1 Jahr und 2 Monate angegeben, was wohl nicht ganz der Realität entspricht, sondern der geringen Tierzahl geschuldet ist [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art war in europäischen Zoos stets selten. Gegenwärtig (2018) wird sie nur im Tierpark Berlin gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll pro Pfeifhase ein Gehege von 2 m² vorhanden sein, mit der Möglichkeit, mehrere Gehege zu kombinieren. Alternativ könnte eine Gruppe in einem größeren, gut strukturierten Außengehege gehalten werden. Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für 5 Tiere ein Außengehege mit einer Grundfläche von 30 m² und für jedes weitere Tier 3 m² Fläche zusätzlich vor.  Für diese gegenüber einer früheren Fassung der Verordnung um 50% höheren Anforderung gibt es weder eine wissenschaftliche, noch eine praktische Begründung, zumal in der Schweiz noch nie Pfeifhasen gehalten worden sind. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) fordert eine Gehegefläche von 20 m² pro Paar.

Offensichtlich ist eine erfolgreiche Haltung und Zucht bereits möglich, wenn für 2.2 Tiere eine Außenanlage von ca. 2 m Länge x 1.50 m Breite angeboten wird [3].

Taxonomie und Nomenklatur

Der Daurische Pfeifhase wurde 1776 vom Berliner Naturforscher Peter Simon PALLAS, den Katharina die Große als Professor nach Petersburg berufen hatte, als "Lepus dauuricus" beschrieben und wurde später in die vom Rostocker Professor Johann Heinrich Friedrich LINK 1795 begründete Gattung Ochotona überführt. Sofern Untergattungen differenziert werden, was im vorliegenden Fall problematisch ist, gehört er zu Ochotona. Es wurden etliche Unterarten beschrieben, von denen gegenwärtig drei anerkannt sind: Ochotona d. dauurica aus Nordchina, Russland und der Mongolei, O. d.huangensis aus Zentralchina und O. d. latibullata aus der Mongolei und Russlandsehen [4; 7].

Literatur und Internetquellen

  1. CHAPMAN, J. A. & FLUX, J. E. C. (1990)
  2. PUSCHMANN, W., ZSCHEILE, D., & ZSCHEILE, K. (2009)
  3. SCHULZOO LEIPZIG
  4. SMITH, A.T. & COOK, J. 2016. Ochotona dauurica. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T41259A45182905. http://www.iucnredlist.org/details/41259/0. Downloaded on 11 April 2017.
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  7. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx