Nebengelenk- und Schuppentiere

Vorderindisches Schuppentier

Vorderindisches Schuppentier (Manis crassicaudata) im Zoo von Ahmehabad Vorderindisches Schuppentier (Manis crassicaudata) im Zoo von Ahmehabad
© Jan Śmiełowski, Poznań

Überordnung: LAURASIATHERIA
Ordnung: Schuppentiere (PHOLIDOTA)
Familie: Schuppentiere (Manidae)
Unterfamilie: Asiatische Schuppentiere (Maninae)

D EN 650

Vorderindisches Schuppentier

Manis crassicaudata • The Indian Pangolin • Le pangolin indien

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Vorderindisches Schuppentier (Manis crassicaudata) im Zoo von Ahmehabad © Jan Śmiełowski, Poznań

 

 

 

 

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Approximative Verbreitung des VorderindischenSchuppentiers (Manis crassicaudata)

 

 

 

 

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Vorderindisches Schuppentier (Manis crassicaudata). Zeichnung von Eva Weber, Naturhistorisches Museum Basel für CITES Identification Manual. Public Domain

 

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Das Vorderindische Schuppentier ist ein in seinen Heimatländern stark gefährdete, großes und überwiegend bodenlebendes Schuppentier, das nur ganz ausnahmsweise in europäischen Zoos gezeigt wurde und seit Jahrzehnten nicht mehr gehalten wird.

Körperbau und Körperfunktionen

Das Vorderindische Schuppentier ist eine große Art, wobei Männchen größer werden als Weibchen. Der Schwanz, dessen Unterseite am hinteren Ende nicht beschuppt ist, ist sehr dick und nicht besonders lang. Die Kopf-Rumpflänge beträgt 51-75 cm, die Schwanzlänge 33-47 cm und das Gewicht 10-16 kg. Ein außerordentlich großes Exemplar soll eine Gesamtlänge von 170 cm und ein Gewicht von 32 kg gehabt haben. Die mediane Schuppenreihe verläuft durchgehend bis zur Schwanzspitze. Zwischen den großen Schuppen hat es Borsten. Auf dem Rumpf befinden sich 11-13 Schuppenreihen und der Schwanz hat 14-15 Randschuppen. Die Klauen der Hinterfüße sind viel kleiner als die der Vorderfüße [3; 5].

Verbreitung

Südasien: Indien, Nepal, Pakistan, Sri Lanka. In Bangladesch vermutlich ausgestorben [1].

Lebensraum und Lebensweise

Das Vorderindische Schuppentier kommt in unterschiedlichen Waldtypen, Dornbusch und im Grasland des Tieflands und bis auf eine Höhe von 2'300 m vor, auch in vom Menschen beeinträchtigten oder modifizierten Habitaten in Siedlungsnähe. Es ist ein nachtaktiver Einzelgänger und überwiegend bodenlebend. Die Tiere können aber mit Hilfe ihres Greifschwanzes und ihrer Klauen auch gut klettern. Den Tag verbringen sie im Schutz eines selbstgegrabenen Erdbaus, der sich oft unter einem Fels befindet. Die Nahrung besteht aus Termiten, Ameisen und anderen Insekten, die sie mit ihrer 30 cm langen Zunge aufnehmen. Während der Paarungszeit nutzen Männchen und Weibchen denselben Bau und sind auch tagsüber aktiv. Nach einer Trächtigkeit von 65-70 Tagen gebären die Weibchen ein einzelnes Jungtier, selten Zwillinge. Die Jungen haben ein Geburtsgewicht von 235-400 g und eine Gesamtlänge von 30 cm. Ihre Augen sind bei der Geburt offen, die Schuppen noch weich, und dazwischen haben sie lange Haare [1; 5].

Gefährdung und Schutz

Als Folge nicht-nachhaltiger, in der Regel illegaler Bejagung nahmen die Bestände dramatisch ab und für die kommenden 21 Jahre wird ein weiterer Rückgang von über 50% angenommen. Die Art wurde deshalb aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2013 als stark gefährdet eingestuft [1].

Der internationale Handel ist durch CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Der internationale Handel beschränkt sich im Wesentlichen auf den gelegentlichen Austausch von wissenschaftlichem Material [1; 3].

Haltung

Im Zoo von Oklahoma wurde ein Vorderindisches Schuppentier während 19 Jahren, 3 Monaten und ein zweites während 12 Jahren, 9 Monaten gehalten [4].

Haltung in europäischen Zoos: In der Vergangenheit wurden selten einmal Vorderindische Schuppentiere in europäischen Zoos gehalten. Gegenwärtig (2018) gibt es keine mehr. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL soll ein kratz- und grabsicheres Innengehege von 8 m² pro Tier mit individueller Schlafbox, Grab- und Klettermöglichkeiten vorhanden sein. Die schweizerische und die österreichische Gesetzgebung weisen keine spezifischen Vorschriften für Schuppentiere auf.

Taxonomie und Nomenklatur

Das Vorderindische Schuppentier wurde 1803 von Étienne GEOFFROY SAINT-HILAIRE, dem Begründer des ersten bürgerlichen Zoos, der Ménagerie im Jardin des Plantes von Paris, unter seinem heute noch gültigen Namen beschrieben. Es gibt keine Unterarten [6].

Literatur und Internetquellen

  1. BAILLIE, J. et al. (2014). Manis crassicaudata. The IUCN Red List of Threatened Species 2014: e.T12761A45221874. http://www.iucnredlist.org/details/12761/0. Downloaded on 16 April 2018.
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. MOHR, E. (1961)
  4. WEIGL, R. (2005)
  5. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  6. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx