Kapuzinerartige Neuweltaffen

Weissstirnkapuziner

Weißstirnkapuziner (Cebus albifrons) im Zoo Las Leyendas, Lima Weißstirnkapuziner (Cebus albifrons) im Zoo Las Leyendas, Lima
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Neuwelt- oder Breitnasenaffen (Platyrrhini)
Familie: Kapuzineraffen (Cebidae)
Unterfamilie: Kapuziner (Cebinae)

D LC 650

Weißstirnkapuziner

Cebus albifrons • The White-fronted Capuchin • Le sapajou à front blanc

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Weißstirnkapuziner (Cebus albifrons) im Zoo Las Leyendas, Lima © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Weißstirnkapuziners (Cebus albifrons s. l.)

 

 

 

 

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Weißstirnkapuziner (Cebus albifrons) im Zoo de Servion © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

 

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Weißstirnkapuziner (Cebus albifrons) im Zoo de Servion © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

 

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Weißstirnkapuziner (Cebus albifrons) © Whaldener Endo, Universidade Federal de Roraima. Veröffentlicht unter Attribution 2.5 Generic (CC BY 2.5)-Lizenz auf Wikimedia Commons.

 

 

 

 

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Kapuziner sind lebhafte und intelligente Affen, die beim Publikum großen Anklang finden und sich daher als Botschafter für ihre oft bedrohten Lebensräume bestens eignen. Der Weißstirnkapuziner gehört allerdings zu den Arten, die von europäischen Zoos nicht bevorzugt werden. Er war hierzulande nie häufig und sein Restbestand ist am Auslaufen.

Körperbau und Körperfunktionen

Weißstirnkapuziner gehören zu den kleineren Arten der Kapuziner-Verwandtschaft. Sie haben eine Kopf-Rumpflänge von 36-46 cm und eine Schwanzlänge von 40-48 cm. Das Gewicht beträgt 1.7-3.3 (-4.1) kg bei den Männchen und 1.4-2.2 kg bei den Weibchen. Wie die anderen Vertreter der Kapuziner haben die Weißstirnkapuziner kurze Finger und einen opponierbaren Daumen, sowie einen greiffähigen Schwanz, der aber nicht mit einem unbehaartem Hautfeld ausgestattet ist, wie dies bei den Klammerschwanzaffen der Fall ist. Das Gesicht ist fleischfarbene und von gelblichweißen Haaren umgeben. Auf der Kopfoberseite befindet sich eine kurzhaarige, dunkel braungraue bis schwarze Kappe, von der aus ein schmaler schwarzer Streifen mitten über die Stirn zum Gesicht zieht. Das Fell der Körperoberseite ist individuell sehr variabel, grau-, gelb- oder rotbraun. Die Körperunterseite ist hell gelblich. Der Schwanz ist an der Basis dunkler als am Ende [1; 4; 6].

Verbreitung

Tropisches Südamerika: Bolivien, Brasilien (Bundesstaaten Acre, Amazonas, Mato Grosso, Pará, Rondônia, Roraima), Kolumbien, Peru, Venezuela [3].

Lebensraum und Lebensweise

Weißstirnkapuziner besiedeln primäre und sekundäre tropische Regenwälder, Mangrovenwälder und in der Caatinga teilweise laubabwerfende Trockenwälder. Sie treten überwiegend im Tiefland auf, kommen aber auch im Gebirge bis auf eine Höhe von 2'100 m vor. Sie sind tagaktiv, ziehen bei Sonnenaufgang los, machen eine Mittagspause von 1-3 h und kehren am späteren Nachmittagzu ihren Schlafplätzen zurück, die sich oft hoch in Maripa-Palmen (Attalea maripa) befinden. Sie bilden große Gruppen mit erwachsenen Tieren beiderlei Geschlechts und deren Nachkommen. Die Nahrung besteht aus Früchten, Nüssen, Samen, Blättern, Schoßen, Blüten, Bienenhonig, Insekten und anderen Wirbellosen, Baumfröschen und Echsen. Es gibt keine feste Fortpflanzungszeit. Nach einer Trächtigkeit von 162-180 Tagen bringen die Weibchen jeweils ein einzelnes Junges mit einem mittleren Geburtsgewicht von 234 g zur Welt. Die Männchen sind gegenüber den Jungen tolerant und beteiligen sich an der Aufzucht. Die Geburtsintervalle betragen 1-2 Jahre. Die Weibchen werden mit 3.5 Jahren geschlechtsreif [1; 4; 6].

Gefährdung und Schutz

Der Weißstirnkapuziner (im weiteren Sinn) hat eine weite Verbreitung, einen relativ wenig beeinträchtigten Lebensraum und mutmaßlich eine großen Bestand, der vermutlich nicht wesentlich abnimmt. Er wurde deshalb aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2000, letztmals übrprüft 2015 als nicht-gefährdet eingestuft [3].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Weißstirnkapuziner werden gebietsweise zur Fleischgewinnung bejagt [1]. Es gibt keinen signifikanten internationalen Handel. Von 1977-2017 wurden nebst etwas Wissenschaftsmaterials nur 2 lebende Tiere aus Bolivien zur Ausfuhr bewilligt [2].

Haltung

Der nach WEIGL älteste bekannte Weißstirnkapuziner wurde in Kalifornien gehalten und starb im Alter von 40 Jahren und 5 Monaten [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in nur ganz wenigen Zoos gehalten. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL sollen für ein Paar mit Nachkommen ein Außengehege mit einer Grundfläche von 25 m² bei einer Höhe von 3 m sowie ein Innengehege von 15 m² bei einer Höhe von 3 m angeboten werden. Für jedes weitere Tier ist die Grundfläche außen und innen um je 2 m² zu erhöhen. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos hielten  demgegenüber fest, dass diese Zahlen aufgrund theoretischer Überlegungen entstanden seien und empfahlen auf der Grundlage tiergärtnerischer Erfahrung für 5 Adulttiere außen nur 20 m² Fläche.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 20.03.2018) schreibt für 5 Tiere ein Außen und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 10 m² bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier jeweils 2 m² Fläche zusätzlich vor. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) sind für bis zu 5 Tieren m² ein Außen und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 20 m² bei 3 m Höhe und für jedes weitere Tier jeweils 2 m² Fläche zusätzlich erforderlich.

 Taxonomie und Nomenklatur

Der Weißstirnkapuziner wurde 1812 von Alexander von HUMBOLDT als "Simia albifrons" beschrieben. Später wurde er in die bereits 1777 von dem aus Quedlinburg stammenden Naturforscher Johann Christian Polycarp ERXLEBEN für den Weißschulterkapuziner aufgestellte Gattung Cebus eingeordnet. Im Jahr 2000 wurden 10 Unterarten unterschieden. 2004 wurden diese auf etwa 6 reduziert, und ein Autor anerkannte gar keine Unterarten. Auf der Grundlage molekulargenetischer Untersuchungen aus den Jahren 2010 und 2012 wurden dann aber die folgenden Unterarten zu Arten aufgewertet aequatorialis, cesarae, cuscinus, malitiosus, versicolor und yuracus, was von der IUCN übernommen wurde. Vermutlich würden die Molekulargenetiker auch die verschiedenen im Gebiet lebenden Indio-Stämme in den Rang von Arten erheben, wenn das politisch korrekt wäre ... [1].

Literatur und Internetquellen

  1. ANIMAL DIVERSITY WEB
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. LINK, A. et al. (2020). Cebus albifrons. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T39951A17939488. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-3.RLTS.T39951A17939488.en . Downloaded on 16 December 2020.
  4. SCHRÖPEL, M. (2010b)
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  7. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005) 

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