Meerkatzen, Makaken, Mangaben, Paviane

Gabun-Zwergmeerkatze

Gabun-Zwergmeerkatze (Miopithecus ougouensis)  im Zoo Magdeburg Gabun-Zwergmeerkatze (Miopithecus ougouensis) im Zoo Magdeburg
© Zoo Magdeburg

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Affen (Simiae / Haplorrhini)
Teilordnung: Eigentliche Affen (Simiiformes)
Überfamilie: Altwelt- oder  Schmalnasenaffen  (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
Tribus: Meerkatzenartige (Cercopithecini)

D LC 650

Gabun- oder Nördliche Zwergmeerkatze

Miopithecus ogouensis • The Northern Talapoin Monkey • Le talapoin du Gabon

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Gabun-Zwergmeerkatze (Miopithecus ougouensis) im Zoo Magdeburg © Zoo Magdeburg

 

 

 

 

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Approximative Verbreitung der Zwergmeerkatzen: Blau: Gabun-Zwergmeerkatze (Miopithecus ougouensis) ; rot:Südliche Zwergmeerkatze (Miopithecus talapoin)

 

 

 

 

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Gabun-Zwergmeerkatze (Miopithecus ougouensis) im Zoo Magdeburg © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

 

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Gabun-Zwergmeerkatze (Miopithecus ougouensis) im Zoo Magdeburg © Elias Neideck

 

 

 

 

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Die Nördliche Zwergmeerkatze wirkt wegen ihrer geringen Körpergröße und ihrer dem Kindchenschema entprechenden Kopfform wie ein Jungtier. Sie spricht deshalb das allgemeine Zoopublikum an und lässt sich als Botschafterart für Natur- und Artenschutzprojekte einsetzen. Obwohl es ein Zuchtbuch gibt, wird sie nur ziemlich selten gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Gabun-Zwergmeerkatzen sind die kleinsten Altweltaffen. Männchen erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 34 cm, eine Schwanzlänge von 43 cm und einem Gewicht von 1.4 kg. Weibchen sind mit einer Kopf-Rumpflänge von 28 cm, einer Schwanzlänge von 37 cm und einem Gewicht von 1.1 kg noch ein Stück kleiner. Der Kopf ist relativ groß, rund, mit hochgewölbter Stirn und flacher Maulregion und entspricht so dem LORENZschen Kindchenschema. Die Finger sind kurz und an der Basis durch Spannhäute miteinander verbunden. Abweichend von den anderen Meerkatzen zeigen die Weibchen eine voll entwickelte Schwellung der äußeren Genitalien während der Brunst. Das Fell ist an der Oberseite braungrau mit grünlicher Tönung und an der Unterseite weißlich gefärbt [1; 6].

Verbreitung

Zentralafrika: Angola (Cabinda), Gabun, Kamerun, Kongo [1].

Lebensraum und Lebensweise

Zwergmeerkatzen leben stets in Wassernähe und bewohnen überwiegend Sumpfwälder und an der Küste Mangrovenwälder. Sie sind tagaktiv und halten sich meist in den oberen Regionen des Kronendachs auf. Sie bilden Trupps von 30-60 Tieren, die sich zur Nahrungssuche aufteilen. Mit Mona-, Großen Weißnasen- (C. nictitans) und Blaumaulmeerkatzen (C. cephus) bilden sie vorübergehende Verbände. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Früchten, Palmnüssen und anderem pflanzlichem Material, ergänzend werden Honig, Insekten und andere Kleintiere aufgenommen [1; 6].

Die Fortpflanzung ist im natürlichen Verbreitungsgebiet saisonal. Nach einer Tragzeit von 5.5 Monaten bringen die Weibchen während der Trockenzeit, d.h. von November- April, jeweils ein einzelnes Junges zur Welt. Die Geburtsintervalle betragen oft nur ein Jahr. Die Weibchen werden mit 3-4 Jahren geschlechtsreif [6].

Gefährdung und Schutz

Die Art hat eine weite Verbreitung und kommt auch mit vom Menschen modifizierten Habitaten zurecht. Sie wurde deshalb aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 als nicht-gefährdet eingestuft [1].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Die nördliche Zwergmeerkatze wird kaum bejagt. Sie hat sich zu einem Kulturfolger entwickelt, der sich in der Nähe von Siedlungen wohlfühlt, weil dort potenzielle Fressfeinde bekämpft werden und die Pflanzgärten das Nahrungsangebot vergrößern [4]. Von 1977-2017 bewilligten die Ursprungsländer nebst etwas Wissenschaftsmaterial die Ausfuhr von 1'484 Nördlichen Zwergmeerkatzen. Davon kamen 1'420 aus Kamerun. Die Bezeichnung lautete stets auf talapoin, es kamen aber alle Tiere aus dem Areal von ogouensis. Im selben Zeitraum wurden weltweit bei der Ausfuhr 20 Nachzuchttiere registriert [2].

Haltung

Für die Südliche Zwergmeerkatze gibt WEIGL ein Höchstalter von 27 Jahren und 8 Monaten an, für die nördliche von ca. 27 Jahren [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Nördliche Zwergmeerkatze wird nur in etwa einem Dutzend Zoos gehalten. Südliche Zwergmeerkatzen gibt es in kontinentaleuropäischen Zoos keine. Für Details siehe Zootierliste.

Für Miopithecus ogouensis gibt es ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP), das vom Bioparc Fuengirola koordiniert wird.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Säugetiergutachten 2014 des BMEL sollen für bis 5 Adulttiere ein Außen- und ein Innengehege mit einem Volumen von 40 m³ bzw. einer Grundfläche von 15 m² bei einer Höhe von 2.5 m (=37.5 m³) vorhanden sein. Für jedes weitere Tier ist die Grundfläche außen und innen um je 2 m² zu erhöhen. Der Verband der Zoologischen Gärten hält demgegenüber fest, dass diese Zahlen aufgrund theoretischer Überlegungen entstanden seien und empfiehlt auf der Grundlage tiergärtnerischer Erfahrung als Minimum für 5 Adulttiere je 10 m² Fläche und für jedes weitere 1.5 m² mehr.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 20.03.2018) schreibt für 5 Tiere ein Außen- und ein Innengehege mit einer Grundfläche von je 6 m² bei 2.5 m Höhe und für jedes weitere Tier jeweils 1.5 m² Fläche zusätzlich vor. In der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2017) sind Zwergmeerkatzen nicht speziell erwähnt, d.h es sind wohl die gleichen Gehegedimensionen erforderlich, wie für normalgroße Meerkatzen.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Zwergmeerkatze wurde 1774 vom thüringischen Naturforscher Johann Christian Daniel von SCHREBER als "Simia talapoin" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der heute gültige Gattungsname Miopithecus wurde 1842 vom französischen Zoologen Isidore GEOFFROY SAINT-HILAIRE eingeführt. Zeitweilig wurden die Zwergmeerkatzen auch in die Gattung Cercopithecus eingeordnet. Lange ging man davon aus, dass Miopithecus monotypisch sei. 1969 stellte jedoch der portugiesische Zoologe António BARROS MACHADO in seiner Veröffentlichung "Mamíferos de Angola ainda não citados ou pouco conhecidos" fest, dass die Zwergmeerkatzen südlich des Kongoflusses einer anderen Art angehörten, als jene nördlich davon. Die südliche Form behielt den ursprünglichen Namen, die nördliche wurde erst 1997 als Miopithecus ogouensis offiziell benannt [3; 6].

Literatur und Internetquellen

  1. BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. HONACKI, J.H., KINMAN, K.E. & KOEPPL, J.W. (1982)
  4. OATES, J.F. & GROVES, C.P. (2008). Miopithecus ogouensis. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T41570A10500613. http://www.iucnredlist.org/details/41570/0. Downloaded on 16 April 2018.
  5. WEIGL, R. (2005)
  6. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx