Kloaken- und Beuteltiere

Bergkänguru

Berkänguru-Mann (Macropus robustus erubescens) im Opel-Zoo 	Berkänguru-Mann (Macropus robustus erubescens) im Opel-Zoo
© Thomas Kauffels, Opel-Zoo

Unterklasse: Beuteltiere (MARSUPIALIA)
Ordnung: Känguruverwandtschaft (DIPROTODONTIA)
Unterordnung: Känguruartige (Macropodiformes)
Familie: Kängurus (Macropodidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kängurus (Macropodinae)

D LC 650

Bergkänguru

Macropus (Osphranter) robustus • The Eastern Wallaroo or Euro • Le wallaroo

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Euro-Bergkänguru-Weibchen (Macropus robustus) mit Beuteljungem im Opel-Zoo © Thomas Kauffels, Opel-Zoo

 

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Approximative Verbreitung des Bergkängurus (Macropus robustus)

 

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Östliches Bergkänguru (Macropus r. robustus) im Tierpark Berlin © Carlos Frey, Berlin

 

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Bergkänguru (Macropus robustus) im Birdland Animal Park, Bateman's Bay NSW © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Bergkänguru (Macropus robustus) im Birdland Animal Park, Bateman's Bay NSW © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Bergkänguru (Macropus robustus) im Cleland Wildlife Park, SA © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Euro-Bergkänguru (Macropusrobustus erubescens) im Opelz-Zoo Kronberg © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Östliches Bergkänguru (Macropus robustus robustus) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Bergkänguru (Macropus robustus) aus GOULD, J. (1863) The Mammals of Australia, Vol 2. Public Domain

 

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Bergkänguru (Macropus robustus) aus GOULD, J. (1863) The Mammals of Australia, Vol 2. Public Domain

 

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Wie andere Großkängurus auch ist das Bergkänguru charakteristisch für Beuteltiere und ist ddaher gute Botschafterart für Naturschutz in Australien und von zoopädagogischem Interesse. Es wird in Ruropa aber nur sehr selten gehalten.

Körperbau und Körperfunktionen

Das muskulöse Bergkänguru zählt zu den großen Känguru-Arten. Böcke erreichen eine Kopf-Rumpflänge bis 109 und eine Schwanzlänge bis 90 cm, können 55-60 kg schwer werden und sind mannshoch, wenn sie sich auf den Hinterbeinen aufrichten. Die Weibchen bleiben mit einer Kopf-Rumpflänge bis 83 und einer Schwanzlänge bis 57 cm deutlich kleiner und mit bis 28 kg entsprechend leichter. Die Unterart M. r. isabellinus ist deutlich kleiner als die anderen Bergkängurus. Das Fell ist rau und struppig, seine Farbe ist bei beiden Geschlechter gleich, variiert aber regional von rotbraun über graubraun bis schwarzbraun. Auf der Bauchseite ist es heller und an den Pfoten schwärzlich. [2; 6; 8].

Verbreitung

Australien, fast auf dem ganzen Kontinent, fehlt auf Tasmanien [3].

Lebensraum und Lebensweise

Das Bergkänguru besiedelt unterschiedliche Lebensraumtypen mit steilen Hängen, Felshügeln, Überhängen und Höhlen, die während der heißen Tageszeit Schatten bieten. Bei 31.5°C fangen die Tiere damit an, sich die Arme, Brust und bisweilen Hinterbeine zu lecken, weil der verdunstende Speichel den Körper abkühlt. Zum Fressen suchen sie in feuchteren Zonen Eukalyptuswälder und Savannen auf, in Trockengebieten sind sie vor allem im Spinifex-Grasland zu finden. Im Tropengürtel sind sie weniger an felsiges Gelände gebunden und leben in unterschiedlichen Waldtypen und Busch entlang von Wasserläufen. Die Tiere sind hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktiv. Sie sind ortstreu und nutzen sich überlappende Streifgebiete von etwa 45 bis gegen 400 ha, je nach Nahrungsangebot, wobei die Streifgebiete der Böcke größer sind als jene der Weibchen. Hauptnahrung sind Gräser, Spinifex wird aber nur saisonal gefressen, solange die Halme noch weich sind. Es werden aber auch Gänsefuß (Chenopodium) und anderes Pflanzenmaterial genommen. Haben die Pflanzen einen Wassergehalt von 30% und mehr, kommen die Bergkängurus längere Zeit ohne zu trinken aus, verlieren aber an Gewicht. Um in Trockengebieten zu überleben, graben sie bis 1 m tiefe Wasserlöcher. Weibchen werden mit 14, Böcke mit 18 Monaten geschlechtsreif. Paarungen können während des ganzen Jahres vorkommen, in Nordwest-Australien kommen die meisten Jungen im April-Mai zur Welt. Für die einzelnen Unterarten werden unterschiedliche Trächtigkeitsdauern von 31-46 Tagen angegeben. Es wird ein einzelnes Junges geboren, das etwa 8-8.5 Monate im Beutel bleibt und mit etwa 15-17 Monaten entwöhnt wird. Die Weibchen können unmittelbar nach der Geburt wieder gedeckt werden, worauf es zu einer Keimruhe kommt, bis das ältere Geschwister den Beutel verlassen hat [3; 4; 8].

Gefährdung und Schutz

Das Bergkänguru ist in Australien weit verbreitet, in den meisten Gebieten häufig und hat einen stabilen Bestand. Es gilt deshalb aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2008 als nicht gefährdet (Rote Liste: LEAST CONCERN) [3].

Der internationale Handel ist nicht durch CITES geregelt. Für lebende Tiere gelten Ausfuhrbeschränkungen Australiens.


Bedeutung für den Menschen

Bergkängurus gehören zu den Arten, die in Australien kommerziell genutzt werden und für die jährlich eine Abschussquote festgelegt wird. Im Jahr 2008 wurden in den Bundesstaaten Neu-Südwales, Queensland, Südaustralien und Westaustralien insgesamt 275'915 Tiere erlegt, mit Abstand die meisten in Queensland [1].

Haltung

In Australien halten einzelne Zoos Bergkängurus in begehbaren Anlagen gehalten, wo sie sich teilweise den Besuchern gegenüber vertraut zeigen, bisweilen aber auch scheu sind [5]. In Europa sind die Zoos zurückhaltender und setzen für Kontaktgehege eher die kleineren Wallabies ein.

Kängurus sind sehr soziale Tiere und vertragen sich untereinander sehr gut, ausgenommen geschlechtsreife Böcke, die sich gegenseitig bekämpfen. Im Zoo wird deshalb oft nur ein fortpflanzungsfähiges Männchen in einer Gruppe gehalten und allfällige weitere werden kastriert.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird nur in etwa einem halben Dutzend Zoos gehalten, darunter welchen im deutschsprachigen Raum. Für Details siehe Zootierliste.

Das älteste bekannte Bergkänguru ist ein Weibchen der Nominatform, das 1965 im Zoo von Sacramento geboren wurde und 1987 ebendort im Alter von 22 Jahren starb [7].

Mindestanforderungen an Gehege: Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt für das Außengehege eine Mindestfläche von 300 m² für bis 5 Tiere und 30 m² für jedes weitere Tier an. Das Innengehege soll 30 m² groß sein und für jedes weitere Tier ist die Fläche um 4 m² zu erhöhen. Es soll zudem in mehrere miteinander verbundene Abteile unterteilt sein. Die Tierschutzsachverständigen der Zoos hielten zu diesen Vorgaben im Differenzprotokoll fest, dass die Praxiserfahrung mehrerer Großkängurus haltender Zoos zeigt, dass eine Stallfläche von 4 m² pro Tier ausreichend ist. Eine Unterteilung des Innengeheges in mehrere miteinander verbundene Abteile ist nach langjähriger Haltungserfahrung für Großkängurus nicht erforderlich.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2018) schreibt für bis zu 5 Tiere ein Außengehege von 300 und ein Innengehege von 20 m² vor, für jedes weitere Tier kommen 30 bzw. 4 m² zur Basisflächen dazu. Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2018) sind für bis zu 5 Tiere ein Außengehege von 500 und ein Innengehege von 25 m² erforderlich. Für jedes weitere Tier sind die Flächen um 50 bzw. 2.5 m² zu erweitern.

Nach JACKSON soll für 5 Tiere eine Gehegefläche von 340 m² nicht unterschritten werden [5].

Taxonomie und Nomenklatur

Früher wurden sechs Arten Bergkängurus unterschieden [6], heute noch deren drei, wobei die von John GOULD 1841 beschriebene Macropus robustus in vier Unterarten aufgeteilt wird: das Gewöhnliche (Östliche) Bergkänguru (robustus), das Euro (erubescens), das Barrow-Insel-Bergkänguru(isabellinus), das etwas kleiner ist als die anderen Formen und von dem es nur noch 1800 Individuen geben soll, und das Nördliche Bergkänguru (woodwardi) [8], das möglicherweise ein Reservoir für Leishmaniose ist. Die meisten der in Europa gehaltenen Tiere werden der Unterart erubescens zugerechnet. Zusammen mit dem Roten Riesenkänguru  gehören die Bergkängurus zur Untergattung Osphranter [4]. Neuerdings wird Osphranter auch als Gattung gehandelt [9].

Literatur und Internetquellen

  1. AUSTRALIAN GOVERNMENT - Commercial kangaroo harvest in 2008
  2. CURTIS, L. K. (2006) 
  3. ELLIS, M. et al. (2008). Macropus robustus. The IUCN Red List of Threatened Species 2008: e.T40565A10334447. http://www.iucnredlist.org/details/40565/0. Downloaded on 15 June 2018.
  4. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  5. JACKSON, S. M. (2003)
  6. THROUGHTON, E. (1967)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  9. WILSON, D.E. & REEDER, D. M.  (2005)

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Gelesen 1911 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 01 Mai 2019 06:19
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx