Würgerkrähen, Paradiesvögel, Raben

Elster

Elster (Pica pica) wildlebend, Göteborg, Schweden Elster (Pica pica) wildlebend, Göteborg, Schweden
© Klaus Rudloff, Berlin

Ordnung: Sperlingsvögel (PASSERIFORMES)
Unterordnung: Singvögel (OSCINES)
Familie: Raben (Corvidae)

D LC 650

Elster

Pica pica • The Magpie • La pie bavarde

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Elster (Pica pica) wildlebend, Göteborg, Schweden © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Approximative Verbreitung der Elster (Pica pica). Dunkelblau: autochthone Vorkommen; grün: angesiedelte Population

 

 

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Elster (Pica pica) verpflegt sich im Tierpark Berlin in Raubtiergehege © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Elster (Pica pica) verpflegt sich im Gepardengehege des Zoo Champrépus © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Elster (Pica pica) wildlebend in La Planète Sauvage, Port-Saint-Père © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Elster (Pica pica) wildlebend im Zoo de la Palmyre, Les Mathes © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Elster (Pica pica) im Schwarzwaldzoo Waldkirch © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Elster (Pica pica), Ei in der Sammlung des Museums Wiesbaden © Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Museum Wiesbaden. Veröffentlicht unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported-Lizenz

 

 

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Jahresstrecken der Elster (Pica pica) in der Schweiz. Quelle Eidg. Jagdstatistik

 

 

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Elster (Pica pica) und Dohle (Corvus monedula). Illustration aus NAUMANN, J. F. (1901) Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas, Band IV, Tafel 10. Gemeinfrei

 

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Die Elster bietet als einheimische Art mit einer größeren kulturellen Bedeutung Stoff für die Zoopädagogik. Allerdings kommt die auch im städtischen Gebiet verbreitete Art in vielen Zoos wildlebend vor, weshalb das Interesse, sie in einer Voliere zu zeigen, eher begrenzt ist.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Elster erreicht eine Gesamtlänge von 44-46 (39-57) cm, wovon 17-30 cm auf den gestuften Schwanz entfallen, eine Flügelspannweite von 52-60 cm und ein Gewicht von ca. 160-250 (127-300) g. Der kräftige Schnabel, die Läufe und Zehen sind schwarzgrau. Das Gefieder ist überwiegend schwarz, die Schwungfedern blau glänzend, der Schwanz grün-violett glänzend. Bauch, Flanken und Schultern sind weiß, die Handschwingen überwiegend weiß [3; 5; 6; 8].

Verbreitung

Eurasien [1]: Hauptsächlich in der paläarktischen zu einem kleinen Teil in der orientalischen Faunenregion.

Europa: Albanien, Andorra, Armenien, Aserbaidschan, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, Moldawien, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Weißrussland, Zypern.
Asien: Afghanistan, Bhutan, China, Indien, Irak, Iran, Israel, Kasachstan, Kirgistan, Korea Dem., Korea Rep., Laos, Mongolei, Myanmar, Russland, Syrien, Taiwan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan, Vietnam [1].

Lebensraum und Lebensweise

Die Elster besiedelt offene Landschaften mit Bäumen. Sie ist zum Kulturfolger geworden und häufig im Landwirtschaftsgebiet, in städtischen Parks und in Gärten anzutreffen, meidet dagegen reines Grasland und dichten Wald. In Mitteleuropa ist sie bis auf eine Höhe von 800 m häufig und kommt bis auf 1400 m an vielen Stellen vor. Der höchste Brutnachweis in der Schweiz lag im Engadin auf 2'140 m. Sie lebt ganzjährig paarweise und ist ausgesprochen standorttreu. Sie ist ein Allesfresser, der seine Nahrung hauptsächlich am Boden sucht und sich zur Brutzeit hauptsächlich von tierischem Material, wie Wirbellosen, Aas, Kleinsäugern, Singvögeln, Nestlingen, Vogeleiern und Echsen ernährt, ansonsten aber auch Beeren, Früchte und Sämereien zu sich nimmt. Das Nest wird meist in einem hohen Baum errichtet. Gebrütet wird ab Ende März bis Juni. Es gibt in der Regel eine Brut pro Jahr. Das Gelege besteht aus 6-8 (4-9) grünlichgrauen bis bräunlichen gefleckten, ca. 33.5 x 24 mm großen Eiern, die allein vom Weinchen während 17-18 Tagen ausgebrütet werden. Die Jungen werden von beiden Eltern betreut. Sie verlassen das Nest nach 22-27 Tagen [3; 5; 6; 8; 11].

Gefährdung und Schutz

Die Elster hat eine außerordentlich weite Verbreitung und einen sehr großen, stabilen Bestand, der allein für Europa auf  7.5 bis 19 Millionen Brutpaare geschätzt wird. Sie wird sie daher aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 als nicht-gefährdet eingestuft [1].

Der internationale Handel ist unter CITES nicht geregelt. Die Elster fällt nicht unter den Schutz des Berner Übereinkommens. Sie ist in  Anhang II.B der Vogelschutz-Richtlinie der EU für Deutschland als jagdbare Art aufgeführt, nicht aber für Österreich. Betreffend effektive Jagdbarkeit siehe nächsten Abschnitt.

Situation in Mitteleuropa: In Deutschland gehört die Elster national gemäß § 7 Absatz 2 Nr. 13 des Bundesnaturschutzgesetzes zu den besonders geschützten Arten, auf Stufe Bundesländer kann sie aber dem Jagdrecht unterliegen. Nordrhein-Westfalen z.B. weist für die Jahre 2001-2013 Jagdstrecken zwischen 33'889 und 51'597 Stück auf [9]. In Österreich werden auf Länderstufe "zum Schutz von Niederwildarten und Raufußhühnern" Abschüsse im Rahmen von Ausnahmebewilligungen erteilt, wobei z.B. in Oberösterreich eine Quote von 2'500 Stück pro Jahr besteht [10]. In der Schweiz ist die Elster jagdbar und kann im Prinzip ganzjährig geschossen oder mit dem Beizvogel erlegt werden. Das Interesse an der Bejagung nimmt aber offenbar ab. im Jahr 2018 wurden noch 1'015 Elstern entnommen [4]. Die Brutbestände liegen in Deutschland bei 425-730'000, in der Schweiz bei 35-40'000, in Österreich bei 15-20'000, in Luxemburg bei 5-7'000 und in Liechtenstein bei 50-80 Paaren [1; 7].

Bedeutung für den Menschen

Die Elster wird gebietsweise als Sport oder zur Gewinnung von Fleisch bejagt oder für den lokalen / nationalen Heimtiermarkt gefangen [1]. BREHM [2] sah die Elster überwiegend als Schädling, "weil sie die Nester aller ihr gegenüber wehrlosen Vögel unbarmherzig ausplündert und einen reichbewohnten Garten buchstäblich verheert und verödet. Auch den Hühner- und Entenzüchtern, den Fasanerien und dem Federwilde wird sie lästig." Er berichtet auch über Aberglauben in Zusammenhang mit der Elster: "Eine im März erlegte und an der Stallthüre aufgehangene Elster hält, nach Ansicht glaubensstarker Leute, Fliegen und Krankheiten vom Viehe ab; eine in den zwölf Nächten geschossene, verbrannte und zu Pulver gestoßene Schalaster aber ist ein unfehlbares Mittel gegen die fallende Sucht."

Kulturelle Bedeutung: Die Elster gilt als diebisch, aber auch als neugierig und klug. Mancherlei Mythen ranken sich um sie, im Mittelalter war sie als Hexentier und Galgenvogel verschrien. Im Volksglauben galt sie auch als Unglücksvogel; namentlich soll sie auf Streit, bisweilen auf meist unwillkommenen Besuch oder gar auf Unglück und Tod hindeuten. In den zwölf Nächten zwischen Weihnachten und Dreikönigen erlegte und zu Pulver verbrannte Elstern wurden gegen Fieber eingesetzt, gegen Verstopfung wurden Elsterlebern gegessen, tote Elstern wurden in Viehställen als Schutz gegen Fliegen angenagelt [12]. "La gazza ladra", "Die diebische Elster" ist der Titel einer Oper von Gioacchino ROSSINI. Die Elster ist auch Titelfigur verschiedener Sagen, Volks- und Kunstmärchen. Ein berühmtes Gemälde Pieter RUEGELS des Älteren, entstanden vermutlich 1568, trägt den Titel "Die Elster auf dem Galgen". Dieses hat den niederländischen Schriftsteller John VERMEULEN zu einem gleichnamigen Roman inspiriert, der 1994 auch auf Deutsch erschienen ist. Im 2018 erschienenen Buch "Der Flug der Elster" hat Nicolas FAYÉ sechs Erzählungen aus verschiedenen Jahrhunderten zusammengetragen.

Haltung

Das Höchstalter in menschlicher Obhut wird mit mehr als 15 Jahren angegeben [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in über 40 zoologischen Einrichtungen, hauptsächlich Wildparks, gezeigt, von denen sich etwa die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. Zudem bieten die Parklandschaften der Zoos der Elster geeigneten Lebensraum.

Mindestanforderungen an Gehege: In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es keine konkreten Mindestanforderungen an Gehege für Rabenvögel.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Elster wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Corvus Pica" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Pica wurde 1760 von dem französischen Zoologen Mathurin Jacques BRISSON eingeführt. Gegenwärtig werden 10 Unterarten anerkannt. In Mitteleuropa kommt die Nominatform vor [3].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2017). Pica pica (amended version of 2016 assessment). The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T103727048A112300389. http://www.iucnredlist.org/details/103727048/0 und (2015). Pica pica. The IUCN Red List of Threatened Species 2015: e.T103727048A60182282. Downloaded on 22 January 2020.
  2. BREHM, A. E. (1882-1887)
  3. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  4. EIDGENÖSSISCHE JAGDSTATISTIK
  5. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  6. GRZIMEK, B. (Hrsg. 1970)
  7. KNAUS, P., MÜLLER, C., SATTLER, T., SCHMID, H. & STREBEL, N (2019)
  8. MAUMARY, L. et al. (2007)
  9. NABU NRW
  10. OBERÖSTERREICHISCHER LANDESJAGDVERBAND
  11. PFORR, M. & LIMBRUNNER, A. (1991)
  12. HOFFMANN-KRAYER, E. (1916)

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