Eulen und Schleiereulen

Virginia-Uhu

Virginia-Uhu (Bubo virginianus) auf Burg Guttenberg Virginia-Uhu (Bubo virginianus) auf Burg Guttenberg
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Eulen (STRIGIFORMES)
Familie: Eulen (Strigidae)
Unterfamlie: Eigentliche Eulen und Käuze (Striginae)
Tribus: Uhu-Verwandtschaft (Bubonini)

D LC 650

Virginia-Uhu

Bubo virginianus • The Great Horned Owl • L'hibou grand-duc de Virginie

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Virginia-Uhu (Bubo virginianus) im Tierpark Stralsund © Christoph Langner, Tierpark Stralsund

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Virginia-Uhus (Bubo virginianus)

 

 

 

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Nördlicher Virginia-Uhu (Bubo virginianus subarcticus) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Nördlicher Virginia-Uhu (Bubo virginianus subarcticus) im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

 

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Virginia-Uhu (Bubo virginianus) im Vogelpark Schotten © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Briefmarke mit Virginia-Uhu (Bubo virginianus) als Motiv. USA 15 cts.

 

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Nach dem Eurasischen ist der in seiner Heimat nicht gefährdete Virginia-Uhu die am zweithäufigsten in europäischen Einrichtungen zu sehende Uhu-Art. Wie bei unserem einheimischen Uhu wird ein Teil der Vögel falknerisch gehalten und für Schauflüge eingesetzt.

Körperbau und Körperfunktionen

Mit einer Gesamtlänge von 43-53 cm und einer Flügelspannweite von ca. 134 cm ist der Virginia-Uhu deutlich kleiner als der Europäische und im Mittel auch kleiner als der Nepal-Uhu. In der Färbung und Musterung des Gefieders unterscheidet er sich nur geringfügig von der europäischen Art. Entsprechend der Bergmannschen Regel sind Exemplare aus den Tropen kleiner (ca. 45 cm) als jene aus den Anden (53 cm) oder Alaska (51 cm). Weibchen sind mit 1'000-2'500 g im Mittel schwer als Männchen, die 680-1'450 g auf die Waage bringen. Das Gesicht ist weißlich bis hell gelbbraun. Die Federohren sind lang und werden meist aufrecht getragen. Füße und Zehen sind mit weißen oder gelb-orangen Federn bedeckt [2; 3; 5].

Verbreitung

Nord-, Mittel- und Südamerika: Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Costa Rica, Ekuador, El Salvador, Französisch Guiana, Guatemala, Guyana, Honduras, Kanada, Kolumbien,  Mexiko, Nikaragua, Paraguay, Peru, Surinam, Uruguay, USA, Venezuela, ferner Saint Pierre und Miquelon (nicht brütend) sowie saisonal Bermuda, Falklandinseln, Panama, Südgeorgien und Südliche Sandwichinseln [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Virginia-Uhu nimmt in Nordamerika die Stelle des Eurasischen Uhus ein. Bisweilen wurde er auch als Unterart von Bubo bubo angesehen [1; 5]. Es gibt wohl keinen anderen Vogel, der ein so breites Spektrum von Lebensräumen besetzt: Man findet ihn in den borealen Nadelwäldern des Nordens, in Laubwäldern, tropischen und gemäßigten Regenwäldern, Mangrovenwäldern, Grasländern, Wüsten und im Gebirge, in den Anden Ecuadors bis auf eine Höhe von über 3'000 m. Im Norden bildet der Schneehase die wichtigste Beute. Da dessen Bestände periodisch zu- und abnehmen, schwankt auch die Uhupopulation entsprechend. [2; 5].

Virginia-Uhus brüten vorzugsweise in alten Greifvogelhorsten. Die Gelege bestehen aus 1-3(-6) Eiern, Während 28-30(-37) Tagen brütet nur das Weibchen, das während dieser Zeit von seinem Partner mit Futter versorgt wird. Die Küken verlassen mit 6-7 Wochen das Nest und können ab der 10. Woche gut fliegen [5].

Gefährdung und Schutz

Der Virginia-Uhu ist eine weitverbreitete und lokal häufige Art. Er hat ein großes Verbreitungsgebiet, eine große Gesamtpopulation und seine Bestände scheinen stabil zu sein. Er wird deshalb aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2018 als nicht gefährdet eingestuft (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1}.

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Nebst zahlreichen toten Exemplaren und Teilen davon wurden im Rahmen der CITES-Handelsstatistik von 2001-2018 79 lebende Wildfänge erfasst, die meisten davon aus Kanada, ferner 328 Nachzuchtvögel, hauptsächlich aus Belgien und Großbritannien [4].

Haltung

Als Höchstalter werden 39 Jahre angegeben, erreicht im Zoo Berlin [7].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in über 100 Zoos und Greifvogelwarten gezeigt, von denen sich knapp ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: 1995 veröffentlichte das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (BMELF) Mindestanforderungen an die Haltung von Greifvögeln und Eulen. Diese werden gegenwärtig (Juli 2019) überarbeitet und sollen als Leitlinien zur Haltung von Greifvögeln (Accipitriformes, Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) neu herausgegeben werden.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2019) schreibt für 1-2 große Eulen eine Voliere mit einer Grundfläche von 30 m² und einem Volumen von 90 m³ vor. Für jede weitere ist die Grundfläche um 6 m² zu vergrößern. Die Vorgängerverordnung sah eine Fläche von 20 m² und ein Volumen von 50 m³ vor. Die Erhöhung erfolgte ohne Angabe von Gründen.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2019) ist für die Haltung von 1-2 großen Eulen eine Voliere mit einer Grundfläche von 10 m² bei 2.5 m Höhe erforderlich. Für jedes weitere Adulttier ist die Fläche um 5 m² zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Virginia-Uhu wurde 1788 vom Göttinger Professor Johann Friedrich GMELIN als "Strix virginiana" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Bubo wurde 1806 vom französischen Zoologen André Marie Constant DUMÉRIL eingeführt. Zurzeit werden provisorisch 12 Unterarten anerkannt [5].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2018). Bubo virginianus. The IUCN Red List of Threatened Species 2018: e.T61752071A132039486. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2018-2.RLTS.T61752071A132039486.en. Downloaded on 24 June 2019.
  2. BURTON, J. A. (1984)
  3. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  4. CITES TRADE DATA BASE
  5. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A.. & SARGATAL, J., eds. (1999)
  6. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)

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© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx