Aras und Keilschwanz-Sittiche

Blaulatzara

Blaulatzara (Ara glaucogularis) im Marineland Mallorca, Costa d'en Blanes, Mallorca Blaulatzara (Ara glaucogularis) im Marineland Mallorca, Costa d'en Blanes, Mallorca
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Papageienvögel (PSITTACIFORMES)
Familie: Echte Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Eigentliche Papageien (Psittacinae)
Tribus: Neuweltpapageien (Arini)

D CR 650

Blaulatzara

Ara glaucogularis • The Blue-throated Macaw • L'ara à gorge bleue

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Blaulatzara (Ara glaucogularis) im Loro Parque, Tenerife © Loro Parque (Pressefoto)

 

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Vorkommen des Blaulatzaras (Ara glaucogularis)

 

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Blaulatzaras im Loro Parque, Tenerife © Matthias Reinschmidt, ehemals Loro Parque

 

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Ein Teil der Nachzuchtvögel eines Jahrgangs im Loro Parque, Tenerife © Matthias Reinschmidt, ehemals Loro Parque

 

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Blaulatzara-Nestlinge (Ara glaucogularis) im Loro Parque © Matthias Reinschmidt, ehemals Loro Parque

 

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Blaulatzara (Ara glaucogularis) im Zoo Breslau © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Blaulatzaras (Ara glaucogularis) im Welt-Vogelpark Walsrode © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Blaulatzaras (Ara glaucogularis) im Marineland Mallorca, Costa d'en Blanes, Mallorca © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Blaulatzara (Ara glaucogularis) älterer Vogel im Zoo Magdeburg © Wolfgang Dreier, Berlin

 

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Junger Blaulatzara (Ara glaucogularis) im Zoo Magdeburg © Wolfgang Dreier, Berlin

 

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Der in seiner Heimat vom Aussterben bedrohte Blaulatzara kommt dank einem Internationalen Zuchtbuch und regionalen Erhaltungszuchtprogrammen in zunehmender Zahl in Zoos vor, die sich auch um die Erhaltung der Art in ihrem natürlichen Lebensraum bemühen,

Körperbau und Körperfunktionen

Der Blaulatzara wird 85-88 cm lang und erreicht ein Gewicht von 750 Gramm. Das Gefieder der Oberseite, einschließlich Vorderkopf und Stirn ist hellblau, der Kehlfleck ist blau bzw. dunkelblau, die Unterseite orange-gelb, die Schwanzoberseite ist blau, die Unterseite gelboliv. Die unbefiederte Wangenregion ist kleiner als beim Ararauna. Sie ist weiß und besetzt mit dunkelgrünen Federfluren. Der Schnabel ist schwarz-grau, die Iris hellgelb, die Füße sind dunkelgrau. Bei Jungvögeln ist die Iris gräulich [2; 4; 6; 8; 9]. 

Verbreitung

Südamerika: Nordbolivien [1].

Lebensraum und Lebensweise

Der Blaulatzara besiedelt zeitweilig überflutetes, mit Palmenhainen bestandenes Grasland des Gran Chaco. Er ernährt sich hauptsächlich von Früchten der Urucuri- (Attalea (Scheelea) phalerata) und der Macauba-Palme (Acrocomia aculeata). Er nistet in Baumhöhlen in etwa 8-10 m Höhe. Es werden 1-3 Eier gelegt, die 26-28 Tage bebrütet werden. Die Nestlingszeit beträgt rund 90 Tage und mit 6-9 Monaten werden die Jungvögel selbständig [6; 7; 9].

Gefährdung und Schutz

Der Blaulatzara gilt seit dem Jahr 2000 als vom Aussterben bedroht, da es nur noch eine sehr kleine freilebende Gesamtpopulation gibt. Viele Bestände leben isoliert voneinander und sind klein. Vor allem der illegale Handel mit diesen Tieren führte zu dem schnellem Populationsrückgang. Im Jahr 2010 wurden noch ca. 250 - 300 freilebende Tiere geschätzt, 2012 noch 110-130. Die neuesten Schätzungen gehen von 50-250 erwachsenen Vögeln aus. Der Bestand in Menschenhand ist wesentlich größer (Rote Liste: CRITICALLY ENDANGERED) [1].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Zoogestütztes Artenschutzprojekt: Von 1984-2019 wurden im Loro Parque auf Teneriffa 420 Blaulatzaras nachgezogen und viele davon zwecks Aufbaus einer Reservepopulation auf andere Zuchtzentren verteilt. Im selben Zeitraum investierte die Loro Parque-Stiftung 1'945'000 USD in den in situ-Schutz des Blaulatzaras in Bolivien [11].

Bedeutung für den Menschen

Blaulatzaras wurden früher für den internationalen Heimtierhandel gefangen. Von 2001-2018 exportierte Bolivien nebst etwas Wissenschaftsmaterial nur noch 3 lebende Wildfänge. Im selben Zeitraum wurden weltweit Ausfuhren von 583 Nachzuchtvögeln registriert. Davon stammten 155 aus Südafrika und 116 aus den Niederlanden [1; 3].

Haltung

Es gibt ein Internationales Zuchtbuch, das am Loro Parque geführt wird. Dieses umfasst 266 lebende Individuen in 55 Einrichtungen [IZY 52, Daten bis Dezember 2016]. Die Welterstzucht in Privathand glückte zu Beginn der 1980er-Jahre in Südafrika, die Welterstzucht im Zoo 1984 im Loro Parque [7; 8]. Ausgehend von einer relativ geringen Zahl von Tieren wird das Höchstalter in Menschenobhut mit 32 Jahren und 9 Monaten angegeben [7; 10].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 45 Zoos gezeigt, von denen sich etwa ein Fünftel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Obwohl die Art schon lange bekannt war, gelangten Blaulatzaras erst ab etwa 1980 in den internationalen Vogelhandel. Durch den in der Regel illegalen Fang wurde die ohnehin kleine Population weiter reduziert. Die Zoos beteiligen sich an einem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Da einzelne Zoos eine sehr produktive Zucht betreiben, werden Vögel auch an Private oder den Handel abgegeben. Sechs Vögel gingen bislang in ein Wiederansiedlungsprojekt.

Die deutsche Erstzucht gelang im Jahr 2000 dem Tierpark Berlin.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Papageiengutachten des BMELF von 1995 ist für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Fläche von 4 x 2 m und einer Höhe von 2 m erforderlich, ferner ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 2 m². Für jedes weitere Paar sind die Grundflächen um 50% zu erweitern. Nach Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 2019) sind Aras mindestens paarweise zu halten. Für ein Paar ist eine bei Bedarf unterteilbare Innenvoliere mit Badegelegenheit, einer Grundfläche von 10 m² und einem Volumen von 30 m³ vorgeschrieben, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 1 m² zu erweitern. Ein Aussengehege ist fakultativ. Ist dieses vorhanden und permanent zugänglich, so können dessen Maße ans Innengehege angerechnet werden, wobei maximal ein Drittel des Innengeheges durch das Außengehege ersetzt werden kann. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs schreibt für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Grundfläche von 4 x 2 m Fläche und einer Höhe von 3 m sowie einen Schutzraum von 2 m² / 2 m Höhe mit einer Mindesttemperatur von 10°C vor. Je weiteres Paar sind die Flächen um 50% zu erweitern. 

Taxonomie und Nomenklatur

Der Blaulatzara wurde erst 1921 von Roberto Raúl DABBENE, einem aus Italien stammenden argentinischen Ornithologen unter seinem heute noch gültigen Namen wissenschaftlich beschrieben. Bis in die 1970er Jahre wurde er als Unterart des etwa gleich großen und ähnlich gefärbten Gelbbrustaras angesehen. Da sich die beiden Formen aber nicht nur in der Färbung, sondern auch in Beschaffenheit der schwarzen Federfluren auf den Wangen, Schnabelform und stimmlich unterscheiden und sich ihre Verbreitung überlappt, wurden sie als gute Arten anerkannt. Es gibt keine Unterarten [5].

Bei der früher üblichen, auf eine Beschreibung von Johann Georg WAGLER aus dem Jahr 1832 zurückgehenden Bezeichnung Ara caninde handelt es sich wahrscheinlich um ein Synonym von Ara ararauna. Im Deutschen ist "Caninde-Ara" als Vulgärname noch gebräuchlich [5; 9].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2018). Ara glaucogularis. The IUCN Red List of Threatened Species 2018: e.T22685542A130868462. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2018-2.RLTS.T22685542A130868462.en . Downloaded on 04 August 2019.
  2. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. DE GRAHL, W. (1979/82)
  5. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  6. FORSHAW, J. M. & COOPER, W. T. (1981)
  7. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  8. LANTERMANN, W. (1984)
  9. LEPPERHOFF, R. (2004)
  10. YOUNG, A. M., HOBSON, E. A., BINGAMAN LACKEY, L. & WRIGHT, T. F. (2012)
  11. CYANOPSITTA Nr. 117 (2019)

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Gelesen 858 mal Letzte Änderung am Montag, 08 Juni 2020 07:41
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