Amazonen-Verwandte

Taubenhalsamazone

Taubenhalsamazone (Amazona vinacea) im Weltvogelpark Walsrode Taubenhalsamazone (Amazona vinacea) im Weltvogelpark Walsrode
© Klaus Rudloff, Berlin

Ordnung: Papageienvögel (Psittaciformes)
Familie: Echte Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Eigentliche Papageien (Psittacinae)
Tribus: Neuweltpapageien (Arini)

D EN 650

Taubenhals-Amazone

Amazona vinacea • The Vinaceous Amazon • L'amazone vineuse

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Taubenhalsamazone (Amazona vinacea) im Loro Parque, Teneriffa © Loro Parque (Pressefoto)

 

 

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Approximative Verbreitung der Taubenhalsamazone (Amazona vinacea) ; dunkelblau: gegenwärtige Verbreitung; rot: vermutlich ausgestorben

 

 

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Taubenhalsamazone (Amazona vinacea) im Loro Parque, Teneriffa © Matthias Reinschmidt, ehemals Loro Parque

 

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Wildfänge der stark gefährdeten Taubenhalsamazone werden aus ihren Ursprungsländern nicht mehr ausgeführt. Der internationale Handel besteht aus relativ wenigen Nachzuchtvögeln. In europäischen Zoos wird die Art nicht sehr häufig gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Taubenhalsamazone weist eine Gesamtlänge von etwa 30-32 cm und ein Gewicht von 380-410 Gramm auf. Der Schnabel ist matt rosa mit hornfarbener Spitze, die Iris rot und die Füße blassgrau. Das Brustgefieder ist graurötlich, daher der Name "Taubenhalsamazone". Zügel und sind Stirn rot, das Kinn rosarot. Der Flügelrand ist grün mit variablen roten und gelben Abzeichen, der Flügelspiegel ist rot [2; 4; 7; 8] . 

Verbreitung

Südamerika: Südbrasilien, Nordargentinien, Paraguay [1]

Lebensraum und Lebensweise

Wie die Prachtamazone ist auch die Taubenhalsamazone in den Araukarienwäldern Südostbrasiliens zu finden, sie bewohnt aber auch den Regenwald und Savannen. Gebrütet wird vorzugsweise in Baumhöhlen in Araukarien, gelegentlich in Felshöhlen, bisweilen in lockeren Kolonien. Die Gelege umfassen 2-4 Eier [8].

Gefährdung und Schutz

Die Bestände dieser Amazonenart sind wegen der Zerstörung und Zerstückelung ihres Lebensraums stark zurückgegangen. Auch der Fang und illegale Handel für den Heimtierhandel trägt zum Rückgang bei. Der Gesamtbestand wird auf noch 1'000-2'500 erwachsene Vögel geschätzt, und die Bestände werden voraussichtlich weiterhin stark zurückgehen. Die Taubenhals-Amazone wird deshalb seit 2009 als stark gefährdet angesehen (Rote Liste: ENDANGERED) [1].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Zoogestützte Artenschutzprojekte (Beispiele):

  • Wiederansiedlung der Taubenhalsamazone im Araucárias-Nationalpark: Im Rahmen des vielschichtigen Projekts wurden 2020 u.a. 70 konfiszierte Vögel quarantöniert, weitere Nistkästen angebracht und der erste Bruterfolg dokumentiert. Über die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) wurde dieses Projekt im Jahr 2020 von der Wilhelma Stuttgart mit 25'000 € gefördert.

  • Erhaltung der Taubenhalsamazone im Süden Brasiliens: Im Rahmen eines nationalen Aktionsplans Brasiliens zur Erhaltung bedrohter Vogelarten in der Mâta Atlántica soll zunächst eine Bestandserfassung der Taubenhalsamazone in den Staaten Río Grande do Sul, Santa Catarina, Paraná und São Paulo durchgeführt werden. Zudem sollen die Grundbesitzer für den Schutz der Art sensibilisiert und insbesondere motiviert werden, Nistbäume stehen zu lassen. Mittels Aufklärungsarbeit soll auch dem Aushorsten von Jungvögeln entgegengewirkt werden. Ferner soll komplementär ein ex situ-Zuchtprogramm an der Universität von Passo Fundo aufgebaut werden,
    Der Loro Parque auf Teneriffa unterstützt durch seine Loro Parque Fundación die Bestrebungen zum Schutz der Taubenhalsamazone in Brasilien seit 2015. Bis 2021wurden 521'483 US$ dafür aufgewendet.

  • Grundlagen für den Schutz der Taubenhalsamazone in Paraguay: Ziele des von der lokalen Naturschutzorganisation Guyra Paraguay durchgeführten Programms sind: verlässliche Bestandszahlen in ornithologisch bedeutenden Gebieten (IBAs) und anderen wichtigen Waldrelikten in Ostparaguay zu erhalten, die Wildhüter in den Schutzgebieten auszubilden, damit sie in der Lage sind die Bestandsentwicklung regelmäßig zu überwachen; die Polizeiorgane in die Lage zu versetzen, den illegalen Vogelhandel wirksam zu bekämpfen, die Bevölkerung auf die prekäre Situation der Taubenhalsamazone aufmerksam zu machen und sie für deren Schutz zu sensibilisieren und schließlich die Machbarkeit eines ex situ-Zuchtprogramms zu prüfen.
    Der Loro Parque auf Teneriffa unterstützt durch seine Loro Parque Fundación die Bestrebungen zur Erhaltung der Taubenhalsamazone in Paraguay seit 2013/14. Insgesamt wurden bis 2021 166.930 US$ dafür aufgewendet.

Bedeutung für den Menschen

Früher fielen Taubenhalsamazonen in großen Trupps in Maisfelder ein, weshalb sie von der Landbevölkerung verfolgt und gegessen wurden. DE GRAHL erwähnt, dass deshalb die lokale Bevölkerung nicht verstehen konnte, dass gerade diese Art geschützt und in Anhang I CITES aufgenommen wurde [1; 4].

Von 2001-2018 wurden aus den Ursprungsländern keine lebenden Wildfänge bei der Ausfuhr registriert. Im selben Zeitraum wurden weltweit Exporte von 393 Nachzuchtvögeln erfasst. Davon kamen 93 aus der Schweiz und 80 aus Südafrika [3].

Haltung

Das Höchstalter in Menschenobhut wird mit 26 Jahren und 11 Monaten angegeben [9].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 30 Zoos gezeigt, von denen sich etwa 5 im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. 

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Papageiengutachten des BMELF von 1995 ist für die Haltung von eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels ein Käfig mit einer Grundfläche von 2 m² und einer Höhe von 1 m erforderlich, der in mindestens 80 cm Höhe aufzustellen ist, ferner ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 1 m². Für jedes weitere Paar sind die Grundflächen um 50% zu erweitern. Nach Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 1.2.2022) sind Amazonen mindestens paarweise zu halten. Für ein Paar ist ein Käfig mit Badegelegenheit, einer Grundfläche von 0.7 m² und einer Höhe von 120 cm vorgeschrieben, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 0.1 m² zu erweitern. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2022) schreibt für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Grundfläche von 6 m² und einer Höhe von 2 m sowie einen Schutzraum von 1 m² / 2 m Höhe mit einer Mindesttemperatur von 10°C vor. Je weiteres Paar sind die Flächen um 50% zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Taubenhalsamazone wurde 1820 von dem hessischen Naturforscher Heinrich KUHL unter der Bezeichnung "Psittacus vinaceus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der heute gültige Gattungsname Amazona wurde 1830 vom französischen Arzt und Naturforscher René Primevère LESSON eingeführt. Es handelt sich wohl um eine Schwesterart von Amazona tucumana/pretrei. Es gibt keine Unterarten [5; 6].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2017). Amazona vinacea. The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T22686374A118954406. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2017-3.RLTS.T22686374A118954406.en . Downloaded on 30 July 2019.
  2. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. DE GRAHL, W. (1979/82)
  5. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  6. DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014)
  7. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  8. LANTERMANN, W. (2007)
  9. YOUNG, A. M., HOBSON, E. A., BINGAMAN LACKEY, L. & WRIGHT, T. F. (2012)

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