Amazonen-Verwandte

Rotspiegelamazone

Rotspiegelamazone (Amazona agilid) im Tiergarten Schönbrunn Rotspiegelamazone (Amazona agilid) im Tiergarten Schönbrunn
Daniel Zupanc, TG Schönbrunn

Ordnung: Papageienvögel (PSITTACIFORMES)
Familie: Echte Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Eigentliche Papageien (Psittacinae)
Tribus: Neuweltpapageien (Arini)

D VU 650

Rotspiegelamazone

Amazona agilis • The Black-billed Amazon • L'amazone verte ou à bec noir

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Rotspiegelamazone (Amazona agilis) im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc, TG Schönbrunn

 

 

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Approximative Verbreitung der Rotspiegelamazone (Amazona agilis); dunkelblau: gegenwärtige Verbreitung; rot: vermutlich ausgestorben

 

 

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Rotspiegelamazone (Amazona agilis) im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc, TG Schönbrunn

 

 

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Rotspiegelamazonen (Amazona agilis) im Tiergarten Schönbrunn © Daniel Zupanc, TG Schönbrunn

 

 

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Die gefährdete Jamaika-Amazone findet sich kaum im internationalen Tierhandel, obwohl dieser im Rahmen von CITES möglich wäre. In europäischen Zoos ist die Art nur ausnahmsweise zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Die Rotspiegelamazone weist eine Gesamtlänge von etwa 25 cm und ein Gewicht von ca. 178 Gramm auf. Der Schnabel ist grau, die Iris dunkelbraun und die Füße blass grüngrau. Das Gefieder ist dunkelgrün, teilweise mit schwarzen Federrändern, mit hellrotem Flügelspiegel und schwärzlichem Ohrfleck. Die äußeren Schwungfedern sind dunkelblau, die Handdecken rot, beim Weibchen z.T. grün, die Handschwingen blauviolett  [2; 4; 6; 7].

Verbreitung

Karibik: Jamaika [1].

Lebensraum und Lebensweise

Die Art besiedelt vorzugsweise feuchte Bergwälder mit hohen Bäumen und geht kaum in kultivierte Anbauflächen. Da die Rotspiegelamazonen eher still sind und das Rot im Flügel nicht zu sehen ist, wenn sie in den Bäumen sitzen, werden sie oft übersehen. Sie ernähren sich von Früchten, Blüten und Samen. Genistet wird in natürlichen Baumhöhlen, oft auch in Spechthöhlen. Die Gelege bestehen aus 2-3(-4) Eiern. Die Jungen verlassen das Nest mit 8 Wochen und sind mit 3 Monaten selbständig [1; 7].

Gefährdung und Schutz

Die Rotspiegelamazone hat nur noch ein sehr kleines Verbreitungsgebiet und auch die Qualität des Lebensraums sinkt stetig. Bauxit-Minen bedrohen die Bestände und auch der Fang für den nationalen Handel trägt zum Rückgang bei. Diese Amazone wird aufgrund einer Beurteilung aus dem Jahr 2016 als gefährdet klassiert, da ihr Verbreitungsgebiet noch relativ zusammenhängend ist. Sollten aber einige geplanten Minen im Gebiet der Rotspiegelamazone tatsächlich bewilligt werden, könnten die Bestände weiter zurückgehen und die Gefährdungsstufe müsste neu beurteilt werden (Rote Liste: VULNERABLE) [1].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Von 2001-2018 meldeten das Ursprungsland Jamaika nur die Ausfuhr von 3 "specimens", also keinen lebenden Wildfängen. Im selben Zeitraum wurden weltweit auch keine Exporte von Nachzuchtvögeln registriert [3].

Haltung

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird nur in wenigen Zoos gezeigt. Der gegenwärtige Bestand geht zum Teil auf Beschlagnahmungen im Rahmen des CITES-Vollzugs zurück. Für Details siehe Zootierliste.

Die Welterstzucht gelang 1975 in den USA, die Europäische Erstzucht im Zoo Wuppertal im Jahr 2007 [6; 8].

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Papageiengutachten des BMELF von 1995 ist für die Haltung von eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels ein Käfig mit einer Grundfläche von 2 m² und einer Höhe von 1 m erforderlich, der in mindestens 80 cm Höhe aufzustellen ist, ferner ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 1 m². Für jedes weitere Paar sind die Grundflächen um 50% zu erweitern. Nach Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 2019) sind Amazonen mindestens paarweise zu halten. Für ein Paar ist ein Käfig mit Badegelegenheit, einer Grundfläche von 0.7 m² und einer Höhe von 120 cm vorgeschrieben, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 0.1 m² zu erweitern. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs schreibt für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Grundfläche von 6 m² und einer Höhe von 2 m sowie einen Schutzraum von 1 m² / 2 m Höhe mit einer Mindesttemperatur von 10°C vor. Je weiteres Paar sind die Flächen um 50% zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Die Rotspiegelamazone wurde 1758 von Carl von LINNÉ unter der Bezeichnung "Psittacus agilis" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der heute gültige Gattungsname Amazona wurde 1830 vom französischen Arzt und Naturforscher René Primevère LESSON eingeführt. Es gibt keine Unterarten [5].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2016). Amazona agilis. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T22686231A93103793. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2016-3.RLTS.T22686231A93103793.en . Downloaded on 29 July 2019.
  2. CITES IDENTIFICATION MANUAL
  3. CITES TRADE DATA BASE
  4. DE GRAHL, W. (1979/82)
  5. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  6. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)  
  7. LANTERMANN, W. (2007)
  8. SCHÜRER, U. (2012)

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Gelesen 451 mal Letzte Änderung am Sonntag, 11 August 2019 09:47
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx