Wachsschnabel-Papageien

Rosenköpfchen

Rosenköpfchen (Agapornis roseicollis) im Zoo Basel Rosenköpfchen (Agapornis roseicollis) im Zoo Basel
© Zoo Basel

Ordnung: Papageienvögel (PSITTACIFORMESs)
Familie: Echte Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Eigentliche Papageien (Psittacinae)
Tribus: Wachsschnabelpapageien (Psittaculini)

D LC 650

Rosenköpfchen

Agapornis roseicollis • The Rosy-faced Lovebird • L'inséparable rosegorge

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Rosenköpfchen (Agapornis roseicollis) im Zoo Basel © Zoo Basel

 

 

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Approximative Verbreitung des Rosenköpfchens (Agapornis roseicollis)

 

 

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Rosenköpfchen (Agapornis roseicollis) an der EXOTIS-Ausstellung Spiez, 2018 © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Rosenköpfchen (Agapornis roseicollis), mit gelber Zuchtform, an der EXOTIS-Ausstellung Spiez, 2018 © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Rosenköpfchen (Agapornis roseicollis), wild, auf der Ameib Ranch, Nähe Usakos, Namibia © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Rosenköpfchen (Agapornis roseicollis), wild, auf der Ameib Ranch, Nähe Usakos, Namibia © Klaus Rudloff, Berlin

 

 

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Das Rosenköpfchen gehört zu den am häufigsten von Privatpersonen gehaltenen Psittaziden, wobei heute die Nachfrage ausschließlich durch Nachzuchten gedeckt wird. Die Zahl gehandelter Nachzuchtvögel ist so groß, dass die Art aus CITES-Anhang II gestrichen wurde. In Zoos ist sie sehr häufig zu sehen.

Körperbau und Körperfunktionen

Rosenköpfchen erreichen eine Gesamtlänge von ca. 16-17 (15-18) cm und ein Gewicht von 43-63 g. Kopf, Kehle und Hals sind rosarot, die Stirn kräftig rot, Bürzel und Oberschwanzdecken hellblau. Der Schnabel ist hell hornfarben, die Iris dunkelbraun. Es ist ein schmaler weißer Augenring vorhanden. Nebst der Wildform, bei der die Grundfarbe des Gefieders ein helles Grün ist, gibt es mehrere farblich abweichende Zuchtformen [3; 4; 5; 6].

Verbreitung

Südliches Afrika: Angola, Namibia, Südafrika. Eingeführt in Puerto Rico [1].

Lebensraum und Lebensweise

Das Rosenköpfchen besiedelt Gebiete mit einem Jahresniederschlag von über 100 mm, einschließlich Trockensavannen, trockenes Buschland , baumbestandene Ufer von Flüssen und Rivieren sowie felsige Hänge in bergigem Gelände bis auf eine Höhe von 1'500 m. Die Nahrung besteht aus Samen und Blüten von Akazien (Albizia, Acacia) sowie Knospen und Blättern verschiedener Pflanzen, auch Euphorbien. Die Rosenköpfchen sind im englischen Sprachraum auch als „Lovebirds“ bekannt und ihre Gattung trägt den Namen die Unzertrennlichen. Diesen Namen erhielten die Tiere durch ihre Fähigkeit, eine lebenslange Paarbindung aufrecht zu erhalten. In der Gruppe kommt es zwar oft zu Zänkereien, jedoch ist immer ein liebevoller Umgang mit dem Partner zu beobachten. Genistet wird in Felsspalten und Kolonienestern des Siedelwebers. Das Gelege besteht aus 4-6 (3-7) Eiern, die allein vom Weibchen während 21-23 Tagen ausgebrütet werden. Die Jungvögel verlassen das Nest mit 32-38(-43) Tagen. [1; 3; 4; 6; Zoo Basel].

Gefährdung und Schutz

Die Rosenköpfchen haben eine sehr weite Verbreitung. Die Gesamtpopulation ist nicht bekannt, sie nimmt vermutlich etwas ab, aber nicht ausreichend, um die Art als gefährdet einzustufen, wie letztmals 2018 festgestellt wurde (Rote Liste: LEAST CONCERN) [1].

Der internationale Handel war bis 2005 nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Von 1981-2018 meldete Südafrika die Ausfuhr von 10'475 Wildfängen, wobei es nach 2003 keine Exporte mehr gab. Im selben Zeitraum wurden weltweit Ausfuhren von 1'194'917 Nachzuchtvögeln registriert. Da die Art seit 2006 nicht mehr unter CITES fällt und daher nicht mehr systematisch gemeldet wurde, waren die effektiven Ausfuhren noch höher [2].

Haltung

Das Rosenköpfchen wurde bereits 1869 von Alfred BREHM im ehemaligen Berliner Aquarium erfolgreich nachgezogen. Heute gibt es blaue, gelbe und weiße Zuchtformen [4]. Das Höchstalter wird mit 34 Jahren und 1 Monat angegeben [8].

Im Etoschahaus des Basler Zoos wurden Rosenköpfchen zusammen mit Siedelwebern, Borstenhörnchen und Klippschliefern gehalten (Zoo Basel).

Haltung in europäischen Zoos: Die Wildform wird in gegen 200 Zoos gezeigt, von denen sich fast die Hälfte im deutschsprachigen Raum befinden. Zuchtformen sind in über 70 Einrichtungen zu sehen. Für Details siehe Zootierliste.

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Papageiengutachten des BMELF von 1995 ist für die Haltung von eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels ein Käfig mit einer Grundfläche von 0.5 m² und einer Höhe von 50 cm erforderlich, der in mindestens 80 cm Höhe aufzustellen ist, ferner ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 0.5 m². Für jedes weitere Paar sind die Grundflächen um 50% zu erweitern. Nach Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 2019) sind Agaporniden mindestens paarweise zu halten. Für 4 Vögel ist ein Käfig mit Badegelegenheit, einer Grundfläche von 0.24 m² und einer Höhe von 50 cm vorgeschrieben, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 0.05 m² zu erweitern. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs schreibt für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Grundfläche von 0.85 x 0.85 m und einer Höhe von 180 cm sowie einen Schutzraum von 0.8 x 0.8 m mit einer Mindesttemperatur von 10°C vor. Je weiteres Paar sind die Flächen um 50% zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der französische Forschungsreisende François LEVAILLANT  beobachtete bereits 1783 als erster Naturforscher im Gebiet des Oranje-Unterlaufs Rosenköpfchen, die in den Gruppennestern des Siedelwebers (Philetairus socius) nisteten. Da er die binäre Nomenklatur LINNÉs ablehnte, fiel die Ehre der Erstbeschreibung seinem Landsmann Louis Pierre VIEILLOT zu, der die Art 1818 "Psittacus roseicollis" nannte. Der heute gültige Gattungsname Agapornis wurde 1836 von dem englischen Ornithologen und Illustrator Prideaux John SELBY eingeführt. Es sind zwei Unterarten anerkannt. Nach Europa eingeführt wurde fast nur die Nominatform [3; 4; 7].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2018). Agapornis roseicollis. The IUCN Red List of Threatened Species 2018: e.T22685342A131916302. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2018-2.RLTS.T22685342A131916302.en . Downloaded on 24 August 2019.
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. DE GRAHL, W. (1979/82)
  4. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  5. FORSHAW, J. M. & COOPER, W. T. (1981)
  6. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009) 
  7. STRUNDEN, H. (1984) 
  8. YOUNG, A. M., HOBSON, E. A., BINGAMAN LACKEY, L. & WRIGHT, T. F. (2012)   

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Gelesen 1188 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 29 April 2020 16:12
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx