Keas, Feigen- und Zwerg-Papageien

Kea

Kea (Nestor notabilis) im Zoo Halle Kea (Nestor notabilis) im Zoo Halle
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Ordnung: Papageienvögel (PSITTACIFORMES)
Familie: Neuseelandpapageien (Strigopidae)
Unterfamilie: Nestorpapageien (Nestorinae)

D VU 650

Kea

Nestor notabilis • The Kea • Le kéa

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Kea (Nestor notabilis) im Zoo am Meer, Bremerhaven © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Approximative Verbreitung des Keas (Nestor notabilis)

 

 

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Kea (Nestor notabilis) im Zoo Heidelberg © Martin Schiedt, Sinsheim, https://www.schiedt.org

 

 

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Kea (Nestor notabilis) im Vogelpark Marlow © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Keas (Nestor notabilis) lieben es zu baden und machen ausgiebig Gebrauch von den Möglichkeiten, die ihnen im Tiergarten Schönbrunn zur Verfügung stehen © Daniel Zupanc / TG Schönbrunn (Pressefoto)

 

 

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Kea (Nestor notabilis) mit Jungen im Nistkasten im Zoo Zürich © Zoo Zürich

 

 

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Kea (Nestor notabilis) im Zoo Halle© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

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Kea-Nestlinge (Nestor notabilis) in der Wilhelma Stuttgart © Wilhelma (Pressefoto)

 

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Die neuseeländischen, stammesgeschichtlich alten, in ihrer Heimat gefährdeten Keas sind ausgesprochen verspielte Vögel mit hoch entwickelten kognitiven Fähigkeiten. Sie sind daher von großem zoopädagogischem Interesse und werden relativ häufig in Zoos gezeigt.

Körperbau und Körperfunktionen

Keas erreichen eine Gesamtlänge von 48-50 cm und ein Gewicht von über 900 g. ihr Gefieder ist olivgrün. Die Federn sind dunkel gesäumt, wodurch das Federkleid schuppig wirkt. Bürzel, Unterschwanzdecken und Achselfedern sind orangerot. Die unbefiederten Augenringe und die Wachshaut sind gelblich. Der Schnabel ist schwarz, der Unterschnabel eventuell mit gelblichem Anflug. Die Weibchen sind etwas kleiner und haben einen kürzeren Schnabel [6; 8].

Verbreitung

Neuseeland (Südinsel) 

Lebensraum und Lebensweise

Keas besiedeln Wälder, Busch und Grasland von der Küste bis auf eine Höhe von 2'400 m. In ihrer Heimat ernähren sie sich vorab von pflanzlicher Kost. Manche haben sich aber auf Eier von Sturmvögeln oder Siedlungsabfälle spezialisiert oder fressen lebende Schafe an. Keas sind sehr neugierig und wenig scheu. Auf Parkplätzen verursachen sie bisweilen Schäden indem sie Scheibenwischer oder Antennen demontieren oder Gummiteile zerstören. Keas nisten am Boden oder in Bodennähe in Baumhöhlen, Felsspalten oder unter Wurzeln. Die Gelege bestehen aus 3-4 Eiern, die allein vom Weibchen während 3-4 Wochen ausgebrütet werden. Die Jungen verlassen das Nest mit etwa 10 Wochen [6; 8; 9].

Keas haben hoch entwickelte kognitive Fähigkeiten und sind geschickt im Gebrauch von Werkzeugen, wie anhand verschiedener Studien nachgewiesen werden konnte [3; 12; 13].

Gefährdung und Schutz

Die relativ kleine Population von etwa 4'000 erwachsenen Individuen steht unter dem Druck eingeführter Beutegreifer. Die Bestände nehmen ab und die Art gilt seit dem Jahr 2000 als gefährdet (Rote Liste: VULNERABLE) [1].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang II geregelt.

Bedeutung für den Menschen

Dass Keas lebende Schafe anfallen, geschieht nur selten und der Schaden, den sie anrichten rechtfertigt die Vernichtungskampagnen nicht, die während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von der neuseeländischen Regierung durch Prämien gefördert wurden und die Art an den Rand der Ausrottung brachten. Von 1920-28 sind mehr als 29'000 Keas getötet worden, von 1943-45 beinahe 7'000 [14].

Von 1981 bis 2018 wurden aus Neuseeland nebst Wissenschaftsmaterial 10 lebende Wildfänge ausgeführt. Im selben Zeitraum wurden weltweit 308 Nachzuchtvögel bei der Ausfuhr erfasst. Davon kamen 53 aus der Schweiz [5].

Haltung

Keas können über 40 Jahre alt werden [4]. Das Höchstalter in menschlicher Obhut wird mit 50 Jahren und 6 Monaten angegeben [9]. Da sie einerseits Holz benagen und andererseits gegenüber dem Publikum sehr vertraut werden sollten weder in den Volieren noch in deren näheren Umgebung giftige Gehölzpflanzen anzutreffen sein [11]. Die Vögel sind sehr verspielt und baden gerne. Es sollten daher Objekte und Programme zur Verhaltensanreicherung sowie Bademöglichkeiten geboten werden.

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund 70 Zoos gezeigt, von denen sich über ein Drittel deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt ein Europäisches Zuchtbuch (ESB), das am Bristol Zoo geführt wird.

Die europäische Erstzucht gelang dem Zoo Zürich im Jahr 1964. HEDIGER führte dies, neben dem Vorhandensein einer ungestörten Nisthöhle, auf das vielseitige Futterangebot zurück, das Klee, Weidenzweige, Möhren, Erdnüsse, gekeimte Gerste, Salat, Sonnenblumenkerne etc., aber auch Fleisch - bisweilen bis 600 Gramm Kalbfleisch pro Tag - umfasste [10].

Zoogestützte Forschung: Keas sind immer wieder Gegenstand von Forschungsarbeiten, bei denen es darum geht, Informationen über ihre kognitiven Fähigkeiten zu erlangen oder die Haltungsbedingungen zu verbessern [1; 2; 7; 11; 12].

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Papageiengutachten des BMELF von 1995 ist für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels ein Käfig mit einer Grundfläche von 3 m² und einer Höhe von 2 m sowie ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 2 m²erforderlich. Für jedes weitere Paar sind die Grundflächen um 50% zu erweitern. Nach Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 2019) sind Papageien mindestens paarweise zu halten. Für ein Paar dieser Größe ist ein Käfig mit Badegelegenheit, einer Grundfläche von 0.7 m² und einer Höhe von 120 cm vorgeschrieben, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 0.1 m² zu erweitern. Dies ist zweifellos für die Haltung von Keas nicht adäquat. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs schreibt für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Grundfläche von 8 m² und einer Höhe von 2.5 m sowie einen Schutzraum von 2 m² / 2 m Höhe mit einer Mindesttemperatur von 10°C vor. Je weiteres Paar sind die Flächen um 50% zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Kea wurde 1856 von dem englischen Ornithologen und Illustrator John GOULD unter seinem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die Gattungsbezeichnung Nestor war 1830 vom französischen Arzt und Naturforscher René Primevère LESSON eingeführt worden [6].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2017). Nestor notabilis. The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T22684831A119243358. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2017-3.RLTS.T22684831A119243358.en . Downloaded on 23 August 2019.
  2. BRAUN, F. (2016)
  3. BROOCKMANN, L. (2010)  
  4. BROUWER, K., JONES, M. L., KING, C. E. und SCHIFTER, H. (2000)
  5. CITES TRADE DATA BASE
  6. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  7. DOSKY, VON, V. (2016)
  8. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  9. HEATHER, B.D.. & ROBERTSON, H.A. (2000)  
  10. HEDIGER, H. (1965) 
  11. JOHANN, C. (2005)
  12. RAHDE, T. (2007)
  13. RAHDE, T. (2014)
  14. STRUNDEN, H. (1984)
  15. YOUNG, A. M., HOBSON, E. A., BINGAMAN LACKEY, L. & WRIGHT, T. F. (2012)

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Gelesen 2688 mal Letzte Änderung am Samstag, 11 April 2020 15:53
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