Kakadus

Rotsteisskakadu

Rotsteißkakadu (Cacatua haematuropygia) im Zoo Landau Rotsteißkakadu (Cacatua haematuropygia) im Zoo Landau

Ordnung: Papageienvögel (Psittaciformes)
Familie: Kakadus (Cacatuidae)
Unterfamilie: Graue und Weiße Kakadus (Cacatuinae)

D CR 650

EEPRotsteißkakadu

Cacatua haematuropygia • The Red-vented Cockatoo • Le cacatoès des Philippines

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Rotsteißkakadu (Cacatua haematuropygia) im Loro Parque, Tenerife © Matthias Reinschmidt, ehemals Loro Parque

 

 

 

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Approximative Verbreitung des Rotsteißkakadus (Cacatua haematuropygia); dunkelblau heutige, rot ehemalige Verbreitung

 

 

 

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Rotsteißkakadu (Cacatua haematuropygia) im Zoo Landau © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

 

 

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Rotsteißkakadu (Cacatua haematuropygia) © Bénédict de Laender / Zoo Landau

 

 

 

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Junge Rotsteißkakadus (Cacatua haematuropygia) im Loro Parque, Tenerife © Matthias Reinschmidt, ehemals Loro Parque

 

 

 

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Junge Rotsteißkakadu (Cacatua haematuropygia) © Matthias Reinschmidt, Loro Parque © Peter Widmann /ZGAP

 

 

 

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Der Rotsteißkakadu gilt auf den Philippinen als vom Aussterben bedroht. Die noch wenigen europäischen Zoos, welche die Art halten, beteiligen sich daher an einem Zuchtprogramm und an in situ-Schutzprojekten.

Körperbau und Körperfunktionen

Der 30-32 cm lange und etwa 300 g schwere Rotsteißkakadu ist charakterisiert durch eine orangerot gefärbte Unterschwanzdecke, eine kurze, weiße Holle, einen hellgrauen Schnabel und graue Füße. Abgesehen von gelblichen Partien an Schnabelbasis, Schwanz und Schwingen und dem gelblich-weißen Ohrfleck ist die Gefiederfarbe weiß. Es besteht nur ein sehr geringer Geschlechtsdimorphismus: bei den Hähnen ist die Iris braunschwarz, bei den Hennen rotbraun [2; 3; 4; 6]. 

Verbreitung

Südostasien: Philippinen. Heute auf vielen Inseln wahrscheinlich ausgestorben und nur noch auf Palawan, Rasa, Damaran, Sulu und Polilo regelmäßig zu finden [10].

Lebensraum und Lebensweise

Ursprünglich besiedelte der Rotflügelsittich hauptsächlich von Zweiflügelfruchtbäumen (Dipterocarpus) dominierte Wälder im Landesinnern, die heute weitgehend gerodet sind. Jetzt sind Mangrovenwälder ein wichtiges Rückzugsgebiet. Außerhalb der Brutzeit hält er sich an Waldrändern und im anschließenden Agrarland auf. Er ernährt sich von Getreide, was nicht gerade zu seiner Popularität bei den Bauern beitrug, anderen Samen, verschiedenen Früchten, Nüssen und Beeren. Die Gelege bestehen aus 2-4 Eiern, die während 24-28 Tagen bebrütet werden. Die Küken werden mit etwa 50 Tagen flügge [4; 7]. 

Gefährdung und Schutz

Der Rotsteißkakadu wird seit 1994 als vom Aussterben bedroht beurteilt, da seine Bestände schnell und stark zurückgegangen sind (Rote Liste: CRITICALLY ENDAGERED). Da dieser Kakadu im Handel relativ hohe Preise erzielt, werden auch entlegene Nester für die Jungtiere geplündert. Die Zerstörung des Lebensraums durch Waldrodungen stellt eine weitere Gefahr dar. Mittlerweile ist er schon aus vielen Gebieten verschwunden. Als Schutzmaßnahmen werden u.a. geschützte Gebiete eingerichtet und Wilderer werden zu Wildhüter ausgebildet. 1992 wurde ausserdem ein internationales Zuchtprogramme gegründet. Der Wildbestand wurde 2016 auf  430-750 erwachsene Individuen geschätzt [1].

Der internationale Handel ist nach CITES Anhang I eingeschränkt.

Zoogestützte Artenschutzprojekte: Längerfristig, aber auch Im Rahmen der Aktion "Zootier des Jahres 2017" werden folgende Projekte gefördert:

  • Schutzprogramm für den Rotsteißkakadu auf Palawan [10]
  • Schutz des Lebensraums des Rotsteißkakadus auf Rasa und Damaran [10]

Bedeutung für den Menschen

Rotsteißkakadus werden bzw. wurden zur Fleischgewinnung bejagt und für den illegalen nationalen und internationalen Heimtiermarkt gefangen. Von 2001-2018 wurden aus den Philippinen, nebst etwas Wissenschaftsmaterial, nur zwei lebende Wildfänge legal ausgeführt. Im selben Zeitraum wurden weltweit 217 Nachzuchtvögel bei der Ausfuhr registriert [1; 2; 10].

Haltung

Rotsteißkakadus sind temperamentvolle Vögel, die gegenüber Artgenossen als sehr aggressiv gelten. Die Europäische Erstzucht gelang 1974 einem Privathalter im Kanton Aargau [10; Erstzuchtregister EXOTIS Schweiz]. Das Höchstalter in menschlicher Obhut wird mit 33 Jahren und 7 Monaten angegeben [9].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in rund einem Dutzend Zoos gezeigt, von denen sich etwa ein Viertel im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste. 

Es gibt seit 1992 ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP), das vom ZooParc de Beauval koordiniert wird. Bis 2009 hielt sich der Bestand auf sehr tiefem Niveau, seitdem nahm er vor allem wegen steigender Zuchterfolge zu und erreichte 2017 in Zoos 43 individuen und einige weitere in Privathand [10].

Mindestanforderungen an Gehege: Nach Papageiengutachten des BMELF von 1995 ist für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels ein Käfig mit einer Grundfläche von 2 m² und einer Höhe von 1 m erforderlich, der in mindestens 80 cm Höhe aufzustellen ist, ferner ein Schutzraum mit einer Grundfläche von 1 m². Für jedes weitere Paar sind die Grundflächen um 50% zu erweitern. Nach Schweizerischer Tierschutzverordnung (Stand 2019) sind kleine Kakadus mindestens paarweise zu halten. Für ein Paar ist ein Käfig mit Badegelegenheit, einer Grundfläche von 0.7 m² und einer Höhe von 120 cm vorgeschrieben, für jedes weitere Tier ist die Grundfläche um 0.1 m² zu erweitern. Die 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs schreibt für die Haltung eines Paars oder ausnahmsweise eines Einzelvogels eine Voliere mit einer Grundfläche von 6 m² Fläche und einer Höhe von 2 m sowie bei Außenhaltung einen Schutzraum von 1 m² Fläche / 2 m Höhe und einer Mindesttemperatur von 10°C vor. Je weiteres Paar ist die Fläche um 50% zu erweitern.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Rotsteißkakadu wurde 1760 erstmals beschrieben und abgebildet vom französischen Ornithologen Mathurin-Jacques BRISSON. Wissenschaftlich benannt wurde er 1776 als "Psittacus haematuropygius" vom Erlanger Professor Philipp Ludwig Statius MÜLLER. Später wurde er der 1817 von dem französischen Ornithologen Louis Jean Pierre VIEILLOT eingeführten Gattung Cacatua zugeordnet. Die Art ist monotypisch [4; 5; 8].

Literatur und Internetquellen

  1. BIRDLIFE INTERNATIONAL (2017). Cacatua haematuropygia. The IUCN Red List of Threatened Species 2017: e.T22684795A117578604. http://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2017-3.RLTS.T22684795A117578604.en . Downloaded on 10 August 2019.
  2. CITES TRADE DATA BASE
  3. DE GRAHL, W. (1979/82)
  4. DEL HOYO, J., ELLIOTT, A. et al. (eds., 1992-2013)
  5. DEL HOYO, J., COLLAR, N., CHRISTIE, D.A., ELLIOTT, A. & FISHPOOL L.D.C. (2014)
  6. FORSHAW, J. M. & COOPER, W. T. (1981)
  7. GRUMMT, W. & STREHLOW, H. (2009)
  8. STRUNDEN, H. (1984)
  9. YOUNG, A. M., HOBSON, E. A., BINGAMAN LACKEY, L. & WRIGHT, T. F. (2012)
  10. ZGAP (2017)

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Gelesen 2555 mal Letzte Änderung am Freitag, 16 Oktober 2020 13:42
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern hyperworx