Halbaffen

Mongozmaki

Mongozmaki-Männchen (Lemur mongoz) im Tierpark Berlin Mongozmaki-Männchen (Lemur mongoz) im Tierpark Berlin
© Peter Dollinger, Zoo Office Bern

Überordnung: EUARCHONTOGLIRES
Ordnung: Affen und Halbaffen (PRIMATES)
Unterordnung: Halbaffen (Prosimiae / Strepsirrhini)
Teilordnung: Maki-Verwandte (Lemuriformes)
Familie: Makis (Lemuridae)

D CR 650

EEPMongozmaki

Eulemur mongoz • TheThe Mongoose Lemur • Le maki mongoz

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Mongozmaki (Eulemur mongoz), Männchen im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Approximative Verbreitung des Mongozmakis (Eulemur mongoz)

 

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Mongozmaki (Eulemur mongoz), Paar im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Mongozmaki (Eulemur mongoz), Paar im Tierpark Berlin © Wolfgang Dreier, Berlin

 

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Mongozmaki (Eulemur mongoz), Weibchen im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Mongozmaki (Eulemur mongoz), Weibchen im Tierpark Berlin © Klaus Rudloff, Berlin

 

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Mongozmaki (Eulemur mongoz), Männchen im Zoo Schmiding © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Mongozmaki-Weibchen (Eulemur mongoz) im Tierpark Berlin © Peter Dollinger, Zoo Office Bern

 

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Wegen zu kohlehydratreicher Fütterung völlig verfetteter Mongozmaki (Eulemur mongoz) © James Dartnall

 

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Mongozmaki ("Lemur albimanus" = Eulemur mongoz). Illustration von J. G. KEULEMANS, aus MILNE-EDWARDS, A. & GRANDIDIER, A. (1890). HISTOIRE PHYSIQUE, NATURELLE ET POLITIQUE DE MADAGASCAR - TOME V . ATLAS - II. Gemeinfrei.

 

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Briefmarken mit Mongozmaki-Motiv, Komoren

 

 

Weitere Bilder auf BioLib

Der in seiner Heimat vom Aussterben bedrohte Mongozmaki war früher in Zoos häufiger zu sehen. Heute wird er trotz Erhaltungszuchtprogramm eher selten gehalten. Mit ein Grund dürfte die Tatsache sein, dass es wegen zu reichlichen Nahrungsangebots häufig zu Verfettungen und in deren Gefolge zu Totgeburten und Sterilitäten kam. Auch werden für moderne, begehbare oder Insel-Anlagen Arten bevorzugt, die sich in größeren Gruppen halten lassen.

Körperbau und Körperfunktionen

Der Mongozmaki ist ein kleiner Lemur mit einer Kopf-Rumpflänge von 30-35 cm, einer Schwanzlänge von 45-48 cm und einem Normalgewicht von 1.1-1.3 kg, im Zoo allerdings häufig mehr. Das Fell ist sehr dicht. Es besteht ein Geschlechtsdichromatismus: Das Fell der Männchen ist oberseits graubraun, die Unterseite ist hellgrau, Backenbart und Kehle sind orange-rot. Die Weibchen sind etwas heller, ihr Fell ist am Rücken grau und am Bauch hellgrau bis beige, Backenbart und Kehle sind weißlich. Die Iris ist bei beiden Geschlechtern orangefarben [8].

Verbreitung

Nordwesten von Madagaskar und auf den Inseln Anjouan, Grande Comore und Moheli der Komoren, wo die Art höchstwahrscheinlich vom Menschen angesiedelt wurde [1].

Lebensraum und Lebensweise

Mongozmakis leben auf Madagaskar in laubabwerfenden Trockenwäldern und Trockenbusch in Höhenlagen bis zu 400 m, auf den Komoren in feuchten Wäldern. Sie haben Aktivitätsphasen sowohl tagsüber als auch nachts. Gruppen bestehen aus einem Elternpaar und bis zu 4 Nachkommen. Sie markieren ihre Streifgebiete ausgiebig mit dem Sekret ihrer Perianaldrüsen. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Früchten, hinzu kommen junge Blätter, Blüten und - hauptsächlich in der Trockenzeit -  Nektar  [1; 3; 8].

Die Tragzeit beträgt (120-) 126-128 Tage. Die Geburten fallen im Ursprungsgebiet hauptsächlich im Oktober an (in Nordamerika von März bis Juni). In der Regel wird ein einzelnes Junges geboren, Zwillinge gibt es nur in etwa 5% der Fälle. Das Geburtsgewicht beträgt 55-60 g. Mit etwa 10 Tagen beginnt das Junge, der Mutter auf den Rücken zu klettern, mit 25 Tagen unternimmt es erste Ausflüge. Mit 3-4, nach anderen Quellen 6-7 Monaten sind die Jungen entwöhnt. Mit 19 Monaten können Weibchen erstmals erfolgreich gedeckt werden [2; 8].

Gefährdung und Schutz

Das kleine Verbreitungsgebiet des Mongozmakis ist fragmentiert und durch weitere Zerstörung, vor allem durch Rodungen, bedroht. Auch werden die Tiere bejagt und als landwirtschaftliche Schädlinge bekämpft. Der Mongozmaki wurde deshalb bis 2008 als gefährdet, zeitweilig als stark gefährdet eingestuft. 2014 wurde er in die Kategorie "unmittelbar vom Aussterben bedroht" hochgestuft, weil davon ausgegangen wurde, dass der Bestand innerhalb von 24 Jahren um mehr als 80% abgenommen habe. 2018 wurde diese Einstufung bestätigt (Rote Liste: CRITICALLY ENDANGERED) [1].

Der internationale Handel ist nach CITES-Anhang I eingeschränkt.

Bedeutung für den Menschen

Mongozmakis werden auf Madagaskar wegen ihres Fleischs bejagt bzw. mit Fallen gefangen [1]. Von 1977-2017 meldete Madagaskar lediglich Ausfuhren von Wissenschaftsmaterial und die Komoren von 14 lebenden Wildfängen. Im selben Zeitraum wurden weltweit nur 61 Nachzuchttiere international ausgetauscht. Wichtigstes Exportland waren die USA [4].

Haltung

Die beiden ältesten bekannten Mongozmakis wurden im Kölner Zoo geboren Das Männchen starb im Alter von 33 Jahren und 9 Monaten, das Weibchen war im August 2004 noch am Leben und damals 36 Jahre und 3 Monate alt [5].

Haltung in europäischen Zoos: Die Art wird in gegen 20 Zoos gehalten, von denen sich ein paar wenige im deutschsprachigen Raum befinden. Für Details siehe Zootierliste.

Es gibt ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm, das vom das vom Linton Zoo in England als "New Style"-EEP),  koordiniert wird. Das Programm hat mit Problemen zu kämpfen: Im Zoo neigen Mongozmakis zu Verfettung, was sich negativ auf die Reproduktionsrate auswirkt. Zudem ist die Population überaltert und es besteht ein Männerüberschuss (EEP-Jahresbericht 2012, RCP 2019).

Mindestanforderungen an Gehege: Für die Vorgabe des Säugetiergutachten 2014 des BMEL von 30 m²/ 90 m³ bzw. 30 m² bei 2.5 m Höhe für das Außengehege sowie 15 m²/ 45 m³ bzw. 15 m² bei 2.5 m Höhe  für das Innengehege (Kopfrechnen sollte man können!) für die Haltung eines Paars mit bis zu 2 Nachzuchten (was im Widerspruch zu Ziffer 1.6 der Allgemeinen Bestimmungen des Gutachtens steht) und 3 m²/ 9 m³ bzw. 2 m²/ 6 m³ für jedes weitere Tier liegt keine wissenschaftliche Begründung vor. Aufgrund tierhalterischer Erfahrung stellten die Tierschutzsachverständigen der Zoos fest, dass Dimensionen von 10 m²/ 25 m³ sowohl innen wie außen für eine Gruppe bis zu fünf Tieren und jeweils eine Erweiterung der Fläche für jedes weitere Adulttier um 1.5 m² ausreichend seien.

Das Gutachten gibt auch vor, dass allen Eigentlichen Lemuren ausreichend Nestmaterial zur Verfügung zu stellen sei. Leider können Mongozmakis mit diesem Nestmaterial nicht viel anfangen, denn mit Ausnahme der Varis bauen Makis keine Nester!

Ferner stipuliert das Säugetiergutachten, dass Mongozmakis mindestens dreimal täglich zu füttern sind, wobei zusätzlich zu Obst und Gemüse u.a. auch Nüsse angeboten werden sollen. Dies sollte man besser nicht tun, denn sonst verfetten die Tiere (siehe nebenstehendes Bild). Im Tierpark Berlin wird Futter zweimal täglich angeboten und die Menge auf 175 g beschränkt. Die Rationen setzen sich aus Joghurtbällchen, Gemüse, gekochtem Rindfleisch und Apfel zusammen. Auf andere Obstsorten wird wegen des höheren Kohlehydratgehalts bewusst verzichtet [6]. Summa summarum bietet das Säugetiergutachten keine vernünftige Orientierungshilfe für die Haltung von Lemuren.

Die Schweizerische Tierschutzverordnung (Stand 2020) schreibt für bis zu 5 adulte Mongozmakis ein Innen- und ein Außengehege mit einer Fläche von je 10 m² und einer Höhe von 3 m vor. Für jedes weitere erwachsene Tier ist die Fläche um 2 m² zu erweitern.

Nach der 2. Tierhaltungsverordnung Österreichs (Stand 2020) muss die Haltung paarweise oder in kleinen Familiengruppen erfolgen. Dazu ist ein Innengehege mit einer Fläche von 15 m² und ein Außengehege von 40 m² bei einer Höhe von je 2.5 m erforderlich.

Taxonomie und Nomenklatur

Der Mongozmaki wurde 1766  von Carl von LINNÉ anhand eines Exemplars von der Insel Anjouan erstmals beschrieben. Bis 1977 wurde der Kronenmaki als Unterart des Mongozmakis angesehen, seitdem gelten beide als selbständige Arten, die 1989 in die neu aufgestellte Gattung Eulemur umgeteilt wurden. Es gibt keine Unterarten [8; 9].

Literatur und Internetquellen

  1. RAZAFINDRAMANANA, J. et al. (2020). Eulemur mongoz. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T8202A115561431. https://dx.doi.org/10.2305/IUCN.UK.2020-2.RLTS.T8202A115561431.en . Downloaded on 09 February 2021.
  2. AZA PROSIMIAN TAXON ADVISORY GROUP (2013)
  3. BERGER, G. & TYLINEK, E. (1984)
  4. CITES TRADE DATA BASE
  5. MITTERMEIER R.A. et al. (2008)
  6. PAULY, A. (2010)
  7. WEIGL, R. (2005)
  8. WILSON, D. E. et al. eds. (2009-)
  9. WILSON, D. E. & REEDER, D. M. (2005)

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